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Karvana

“Quieta non movere!” – Bismarck, 1891

Kaiserwetter in Berlin, das lädt auch kleine Kaiserinnen zum Frühstücken ein.[1] Dem Besuch im Karvana war allerdings ein merkwürdiger Mißerfolg vorausgegangen. Die Tester hatten sich zunächst die Turnhalle zum morgendlichen Verzehr leckerer Speisen ausgesucht. Allerdings mochten die Kellnerinnen einfach keine Notiz von den ausgezehrten Gestalten nehmen, die nach Koffeinhaltigem und Nahrhaftem lechzten. Nach zwanzig Minuten des Wartens, in denen nicht mal eine Speisekarte den Weg zu unserem Tisch fand, gaben wir voller Mitleid mit den anderen Gästen auf.

Das eigentlich Lustige passierte aber nach unserem Entschluß, eine andere Nahrungsquelle aufzusuchen: Die Kellnerin wollte wissen, ob wir den Inhalt der benutzten Tassen, die von unseren Vorgängern noch auf dem Tisch gestanden hatten und nicht abgeräumt worden waren, nicht bezahlen wollten. „Haben Sie da hinten an der Ecke gesessen?“, rief sie uns hinterher. Mehr als ein mildes „Wtf?“ fiel uns dazu nicht ein.[2] Wir trabten von dannen, Friedrichshain hat schließlich mehr als ein Frühstückslokal in petto.

kaffee+bluemchen

Milchkaffee, wirklich groß, mit leckerem Keks: 3,20 Euro.

Also ziehen wir Richtung Gärtnerstraße ins Karvana, um unseren Kaffeedurst zu stillen. Dort ist es drinnen leer, kein einziger anderer Gast stört die Ruhe. Da es draußen ein paar Stühle und Tische gibt, verlustigen sich alle dort. Der Blick in die Karte zeigt zwar wenig Auswahl, dafür hat sie aber ein seltenes Feature: ein Inhaltverzeichnis.[3] naros zögert nicht lange und wählt das gemischte Frühstück. Die Lieferung dauert eine Weile, dafür entschädigt aber der erfreuliche Anblick:

gemischtes fruehstueck

Gemischtes Frühstück: 7,50 Euro.

Ein interessant schmeckender Hartkäse mit Pistazien findet sich auf dem Teller, dazu sehr frische Baguette-Salami. Diese neigt in der Regel dazu, nach fünf Minuten Luftkontakt ranzig zu wirken und schmalzig zu werden. Es gibt Karmapunkte dafür, daß sie keineswegs ranzig schmeckt. Ein äußerst frisches Ciabatta-Brötchen, das nicht im Backofen aufgetaut wurde, macht den Tester froh. Das einzige ein wenig Negative ist das leicht trockene Brot.

Der Sauerrahm ist aufgeschlagen, was zu einem weiteren spontanen „Daumen hoch“ bei naros führt. Außerdem gibt es mindestens sechs verschiedene Obstsorten, darunter die berühmt-berüchtigten Johannisbeeren, für deren Vor- und Nachteile wir dringend auf einen anderen Frühstückstest verweisen wollen. Viel Gemüse und Salat liegt auch auf dem ansehnlichen Teller, dazu Rauke. Der EHEC-Hype ist zum Zeitpunkt des Karvana-Besuchs noch nicht losgebrochen, müssen wir wohl hinzufügen. Übrigens, Rauke – das möchten wir an dieser Stelle betonen – muß einfach überall rein.

Dazu ordert naros ein „ganz großes“ Wasser. Das nimmt die Kellnerin wörtlich und bringt ein Bierglas voller kühlem Naß mit der Entschuldigung, daß die größten Wassergläser nur 0,4er seien. Das gibt erneut Karmapunkte von den Testern, auch für den moderaten Preis von zwei Euro. Fotographisch konnte es nur schwer festgehalten werden, da es sogleich verdunstete.

Die Wahl von 46halbe fällt auf das Putenbrust-Sandwich mit einem frisch gepreßten Orangensaft. Während des Wartens auf die Leckereien lohnt ein Rundgang durchs Karvana: Es locken in einer einladenden Auslage Zotter-Schokolade und eine verführerische Torten-Vitrine. Es warten außerdem Zeitschriften in großer Auswahl und eine einzelne Zeitung (Berliner), die sich 46halbe kurzerhand greift, um sich an allen Neuigkeiten zu Heuschreckenfirmen und zur Atommisere zu delektieren, laut kommentierend natürlich, sind ja keine anderen Gäste da. Die Zeitung bietet zusätzlich ein hochgeschätztes Quiz, das naros zur Zufriedenheit löst.

putenbrust-sandwich

Putenbrust-Sandwich: 3,50 Euro.

Leider muß 46halbe zu ihrem Verdruß etwas länger warten. Allgemein wird eine unterschiedliche Anlieferzeit zweier Frühstücke nicht gern gesehen. Der äußere Anschein des schnöden Toast flößt auch nicht eben Hochgefühle ein. Dafür aber ist der Toast leicht angebräunt und geschmacklich insgesamt nicht zu beanstanden.[4]

stimmung im lokal

Eindruck der Illumination und Dekoration drinnen.

Die Kellnerin schenkt uns kaum Beachtung, was wir angesichts des nicht enden wollenden Zeitungsquiz aber kaum bemerken. Aber auch wenn wir die Bedienung kaum zu Gesicht bekommen, diskutieren wir mal grundsätzlich die immer jünger werdenden Service-Kräfte. Wann wurde eigentlich das letzte Mal eine Bedienung gesichtet, die über dreißig war? Wo hat ein Hotel noch einen Rezeptionisten, der so wirkt, als hätte er die Lebenserfahrung für etwas Diskretion und Empathie, der gar Auskünfte zum Kulturleben der gastgebenden Stadt erteilen könnte? Man kann sich vorstellen, daß wir mehr als ein Stündchen im Karvana zubringen, um das in Ruhe zu diskutieren..

Menschen, die etwas Ruhe und wenig Störungen suchen, sind im Karvana gerade richtig. Das Frühstück kostet für uns insgesamt 24,20 Euro, was dem Lokal ein durchaus akzeptables Preisniveau bescheinigt. Hingehen sollten auch alle, die Kaffeeweiterbildungen und Verkostungen schätzen, gern zu Lesungen gehen und die einen Sinn für formschöne Gabeln pflegen!

Karvana, Gabriel-Max-Str. 4, 10245 Berlin
Tel. 0178 – 34 33 256

  1. Das Karvana wurde inbrünstig von 46halbe und naros begutachtet. []
  2. Wir haben eine Theorie: Wir gehen davon aus, daß wir an diesem Tag temporär unsichtbar waren. Ähnliches passierte uns nämlich mehrfach. []
  3. Kleiner Nachteil: keine Seitenzahlen. []
  4. Ab jetzt sind wir wieder temporär unsichtbar. Selbst am Ende unseres Besuchs müssen wir eindringlich auf uns aufmerksam machen. []

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Goldberg

Um Gottes willen[1]! Wir waren anscheinend noch niemals zum Frühstück im schönen Neukölln! Aber das sollte sich an einem denkwürdigen Tag ändern, an dem das Goldberg in der Reuterstraße zum Treffpunkt[2] auserkoren wurden.

Schon der erste Eindruck schien alle Vorurteile, die man als satter Friedrichshainer so haben kann, bestätigen zu wollen. Vor dem Etablissement begegnete der Tester einer jungen Frau, die dem Aussehen nach mit dem BTMG[3] in Konflikt stand. Auch das Goldberg selber bot auf den ersten Blick eine sorgfältige Auswahl angegammelter Chiqué, einen recht modrig riechenden Nebenraum und einen Betreiber, der durchaus als Antagonist eines Horrorfilms gut ausgesucht wäre. Aber alles kam anders.

Kännchen Darjeeling im Goldberg

Kännchen Darjeeling 2,60 €

Der seltsame bleiche Mann in Hoodie und Sonnenbrille war nicht nur aufmerksam und freundlich, er brachte den Tee nach einer äußerst angemessen kurzen Zeit so, wie er sein soll[4]. Nicht nur das, der Tee schmeckte auch noch gut. Solchermaßen gut eingestimmt begab es sich, dass die zweite Versuchsperson alsbald auftauchte und sich von der Karte einen Milchkaffee bestellte, der auch prompt und in ebenso guter Qualität an den Tisch geliefert wurde.

Nun war es Zeit für das eigentliche Ziel der Goldbergbesteigung: Das Frühstück. Nach langem Überlegen und kurzer Entschlossenheit orderten die Expeditionsteilnehmer eines jener Frühstücke, das der Lokalität den Namen gab und eines jener Frühstücke, das seinen Namen den Menschen verdankt, die pünktlich um fünf Uhr einen Tee zu nehmen pflegen.

Frühstücke im Goldberg

Vorn: Goldberg (7,60 €). Hinten: Englisches Frühstück (6,50 €)

„Halt!“, rief da sofort der unsichtbare, aber dennoch stets anwesende Restaurantkritiker. „Wo ist denn der Bacon?“ Doch jene vorlaute Person verstummte sofort, als nur wenige Augenblicke später frisch angebratener Bacon wie von Zauberhand den Tisch erreichte.

Frischer Bacon im Goldberg

Frischer Bacon

Nach diesem Vorfall waren auch die letzten Bedenken ausgeräumt. Beide Mahle mundeten vorzüglich und wurden durch den Verzehr weiterer Heißgetränke, die stets schnell und wohlzubereitet kamen, obwohl sich der Laden mittlerweile merklich gefüllt  hatte, abgerundet.

Die Expedition war von der Qualität sogar so begeistert, dass sie sich – allen Bedenken zum Trotz – noch einen zweiten Gang in Form eines Stückes New York Cheesecake einverleibte.

Cheesecake & Heißgetränke im Goldberg

New York Cheesecake (2,80 €), Kaffee (1,70 €), Milchkaffee (2,50 €)

Der weitere Verbleib wurde nur dadurch unmöglich gemacht, dass dringende weitere Terminierungen durch einen andauernden Aufenthalt verhindert worden wären. Gerüchteweise soll sich das Goldberg im Laufe eines ganzen Tages als sehr wandlungsfähig erweisen. Von der durchaus empfehlenswerten Frühstückslokation, die für alle geeignet ist, die gut frühstücken wollen, metamorphiert der Laden in eine gemütliche Kneipe, in der man durchaus seine x Biere[5] in entspannter Athmosphäre zu sich nehmen kann.

Ob dem wirklich so ist, konnten wir wie gesagt nicht genau herausfinden, empfehlen aber den getreuen Leser das Goldberg schnell aufzusuchen, möglichst noch bevor das Viertel und damit auch diese Oase für Frühstücker durch eine mit Sicherheit bevorstehende Schwabisierung zerstört wird.

Goldberg
Reuterstraße 40, 12047 Berlin
Telefon: 030 / 53 06 99 28
www.goldberg-bar.de

Sämtliche Bilder befinden sich in höherer Auflösung auch noch an dieser Stelle. Dort ist auch das Butterfäßchen zu bewundern.

  1. Ja, ich gebe zu, dass musste ich nachschlagen. []
  2. Es trafen sich dort der unvergleichliche John Goldtrain und monoxyd []
  3. Bissiges Tierchen muss Gassi []
  4. Also loser Tee in einem Beutel []
  5. x >= 3 []

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Sowohl als auch

Es begab sich aber zur Zeit, daß die jungen Helden[1] gedachten, ein gemeinsames Frühstück einzunehmen und dazu das Ben-Uschi & der Papst auserkoren. Es begab sich aber zu dieser Zeit auch, daß eben jenes Etablissement durch ein Kasperletheater ersetzt worden ward. Unverdrossen zogen die jungen Helden weiter zu Anna Blume, die sie jedoch wiederum schnöd wegen Überfüllung zurückwies.
Abgeschlagen, abgebrannt und fast verhungert landeten die beiden Streiter im „Sowohl als auch“, welches schon in grauer Vorzeit von anderen Eßtestern vorgeprüft worden war. Nichtsdestotrotz setzten sich die Protagonisten und suchten aus der Speisekarte, die über ein wohlfeiles Inhaltsverszeichnis verfügte, je einen Tee heraus. Für Don Quijote gab es Breakfast Tea, für den getreuen Sancho eine aus Kräutersud gekochte Teemischung.
Sowohl als auch - Tee
Hocherfreut wurde nach einer äußerst akzeptablen TTT[2] festgestellt, daß die Gebräue in großen Tassen serviert und lose in papiernen Beutel präsentiert wurden. Der Preis von zwei Goldstücken und achtzig Kupferlingen scheint daher nicht ungerechtfertigt. Derart aufgeheizt wurde erneut die Karte zur Mahlwahl studiert.
Aus der üppigen Frühstücksgewinnpalette wählte Mr. Smithers das „Osloër“ (7,90 €)[3], Dr. M. Burns hatte sich hingegen vorgenommen, seinen Magen mit einem „Sylter“ (7,20 €)[3] vollzuschlagen. Gesagt – getan. Noch weit bevor der Tee alle war, erschienen auch schon zwei übersichtlich befüllte Teller mit totem Meeresgetier.
Sowohl als auch - Osloër
Obwohl die Übersichtlichkeit der Teller Stirnrunzeln hervor rief, wurden beide Esser wohl gefüllt, kommen allerdings nicht umhin, die fehlende geschmackliche Abwechlsung zu bemerken. Die Vermutung liegt nahe, dass das tote Meeresgetier industriell verarbeitet und auf den Teller verbracht wurde. Kein Grund zur Beschwerde, aber von einem Geschmackserlebnis kann und soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden.
Sowohl als auch - Sylter
Das anwesende Volk entsprach dem seit unserem letzten Besuch deutlich veränderten Gentrifikationsmaß im Kiez[4] und führte zu einer beschleunigten Nahrungsaufnahme. Unterstützt wurde dieser Eindruck durch die sanft-süß-säuselnde Fahrstuhl-Muzak. Der Blick in die Kuchenvitrine verzögerte die frühen Abreisepläne noch ein wenig und führte schließlich zum Erwerb eines Stücks Schoko-Sahne-Schnitte, ähhh, -Torte.
Sowohl als auch - Schokosahnetorte
Während die SSS einen guten Schokoladisierungseffekt erzeugte, enttäuschten die dazu bestellten koffeinhaltigen Heißgetränke. Während der bestellte Espresso durch Aufhäufung eines kleinen Zuckergebirgens durchaus genießbar war, war der Milchcafé eher ein spröder kaffffe, den auch größere Schwünge Zuckers nicht retten konnten.
Farsid: Unter den an diesem Morgen besuchten Eßstellen hat das „Sowohl als auch“ einen wohlverdienten dritten Platz eingenommen. Sollte es das verehrte Publikum in dieses Etablissement verschlagen, hat es nichts Böses™ zu befürchten. Allerdings fällt uns auch gerade kein gewichtiger Grund ein, das „Sowohl als auch“ als explizite Wahl einer Befrühstückung zu empfehlen. Möglicherweise ändert sich diese Beurteilung aber, sobald die Sonne es ermöglicht, die Mahlzeit vor dem Café einzunehmen. Wir werden berichten.
Sowohl als auch
Kollwitzstr. 88, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 442 93 11
www.tortenundkuchen.de
  1. Nicht mehr ganz so jung: erdgeist. Trotzdem heldenhaft: monoxyd. []
  2. Time To Tea []
  3. Wir können für die Preise nicht garantieren, da sie aus dem Gedächtnis angegeben werden. [] []
  4. Windows-NET-Umhängetasche eines glatt-gegelten Herren []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

Gagarin

Wenn es zwar noch winterlich ist, aber der Frühling im weitesten Sinne schon absehbar, lohnt es sich, potentiell zu lobende Frühstückslokale abzuklopfen. Wir[1] fanden uns daher diesmal direkt am Wasserturm in Prenzlauer Berg im „Gagarin“ ein, denn es empfiehlt sich bei besserem Wetter zum Draußensitzen. Man erwartet in der Gentrifizierungsgegend zwar den typischen Geck oder Gimpel am Nebentisch, vormittags war es aber überraschend leer in dem abends auch als Bar betriebenen Lokal.

Die Karte begrüßt den Gast mit einer veritablen Publikumsbeschimpfung, die vor dem sagenumwobenen „russischen Service“ warnt. Wir dürfen jedoch entwarnen: Der Kellner war überaus nett und nebenbei auffallend attraktiv. Die Karte enthielt auch den Hinweis auf das sonntägliche Brunch-Büfett, den wir geneigten Lesern nicht vorenthalten wollen. Denn für zehn Euro bekommt man russische Spezialitäten kredenzt, die wir aber mangels Test nicht bewerten können. Wir werden das Gagarin sonntags eher meiden, Büfetts sind unsere Sache nicht.

gagarin-karte

Die Speisekarte des Gagarin. Auch wer kein Kyrillisch lesen kann, wird wohl ahnen, wer dort abgebildet ist.

Während beim Brüten über der Karte das große Rätselraten wieder begann, welches Frühstück nun den perfekten Morgen machen könnte, fiel die Dekoration des Gagarin ins Auge: lauter Bilder russischer und sowjetischer Führer, dazu Weltraumbilder. Aufmerksam registrierten unsere Hintern derweil das angenehm bequeme Sitzsofa, das wir in der Ecke neben der Bar ausgesucht hatten, als auch schon der erste Latte macchiato kam:

latte-ausblick

Latte macchiato: 2,70 €.

erdgeist wählte, wie meistens, die Variante mit doppeltem Espresso, für die er immerhin 3,90 € löhnen mußte. Auch eine andere Tradition setzte er fort: Er wählte der besseren Objektivierbarkeit wegen das Frühstück, das einem gemischten Frühstück nahekommt. Im Gagarin heißt das „Belka & Strelka“.

Wer sich nun fragt, wer oder was Belka („Eichhörnchen“) und Strelka („kleiner Pfeil“) sind, dem sei eine Netzsuche empfohlen, denn es gibt großartige Geschichten über sie. Es waren zwei streunende Moskauer Hunde, die zu Weltraumhunden wurden, die in den 50ern und 60ern Orbitalflüge absolvierten und überlebten. Eines von Strelkas danach zur Welt gekommenen Hundebabies mit dem Namen Pushinka wurde von den Russen den Kindern John F. Kennedys geschenkt und soll eine amerikanische Hundedynastie mit Migrationshintergrund gegründet haben. Beide Kosmonautenhunde sind ausgestopft worden und heute in einem Museum zu sehen, gar ein erfolgreicher Trickfilm wurde letztes Jahr über sie gemacht, der im russischen Kino lief.

belka+strelka

Frühstück Belka & Strelka: 6,90 €.

Das Frühstück konnte im Gegensatz zu den Anekdoten über die Hunde allerdings nicht viel Freude machen. Gerade im Vergleich zu den typischen gemischten Frühstücken, die erdgeist regelmäßig konsumiert, muß man es unterdurchschnittlich nennen. Es fehlte an frischen Zutaten, denn abgesehen vom Obst blieb es fad. erdgeist bereute, daß er nicht beispielsweise Quark zusätzlich bestellt hatte, das hätte die langweilige Zusammenstellung deutlich aufgewertet.

sputnik

Frühstück Sputnik für 3,50 €.

Da man auch ein ganz kleines Frühstück ordern konnte, bestellte 46halbe „Sputnik“, da ihr Hunger nur so mittelprächtig war. Es stellte sich irgendwie grad als das heraus, wonach ihr der Sinn gestanden hatte. Nur das Ei wählte sie ab, bekam ohne Preisaufschlag stattdessen den gewünschten Frischkäse. Ein wenig Obst lag anbei: Mango, Erdbeere und Melone. Mit etwas Honig und Schwarze-Johannisbeer-Marmelade dazu war es perfekt.

Hingehen sollten alle, die in angenehmer Atmosphäre und vollkommen unprätentiös frühstücken und dabei in alten russischen Lehrbüchern ihre Sprachkenntnisse auffrischen möchten, aber kein Gabelfrühstück erwarten.

Gagarin
Knaackstraße 22, 10405 Berlin
Tel. (030) 442 88 07
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und erdgeist als wie immer objektive Tester unterwegs. []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

KuchenRausch, die Zweite

Im Sommer 2008 haben wir das KuchenRausch schon einmal auf Herz und Nieren getestet. Ein unabhängiges Team[1] konnte nun bei einem Ortstermin ein neuerliches Lagebild erstellen. Die Schreibweise mit dem großen Binnen-R kommt übrigens vom Kaffeehaus selber, allerdings nicht durchgängig. Auf der Rechnung steht beispielsweise „Kuchen Rausch“. Unschwer zu erkennen: Die Agovis-Krankheit ist auch hier angekommen.

logo kuchenrausch

Aufdruck der Speisekarte.

Wir hatten eine längere Suche hinter uns, denn am Wochenende findet man in Friedrichshain kaum ein Lokal, das kein Brunchbuffet anbietet. Uns war aber nicht nach einem Buffet, auch wegen des Wetters. Stundenlang offen herumliegende Speisen mochten wir bei den hohen Temperaturen nicht essen. Also hatten wir mehrere Blöcke des Südkiezes zu Fuß erkundet, um ein Frühstück à la carte zu finden.

Das KuchenRausch ist ein Ecklokal, gleich gegenüber vom Intimes an der Simon-Dach-Straße gelegen. Wir ergatterten erfreut den letzten freien Tisch draußen. Wochenends kommt man sich zwar zuweilen vor wie auf einer Frischfleischparade, denn der Strom nicht einheimischer Passanten mit merkwürdiger Kleidung reißt kaum ab. Dennoch hat sich etwas zum Positiven gewandelt: Da die Simon-Dach-Straße zur Einbahnstraße geworden ist, hat der Verkehr merklich nachgelassen, was den Lärmpegel durch weniger Feuerstühle und Kraftwagen gesenkt hat.

Wir bestellten erstmal zwei Latte Macchiato beim blitzartig herbeigeeilten freundlichen Kellner. Der Preisvergleich mit dem Test von vor zwei Jahren ergab eine milde Preissteigerung von 2,80 auf jetzt drei Euro. Leider ist die Bar offenbar nicht so schnell wie der Kellner, denn die TTL lag bei sieben Minuten, dankenswerterweise serviert mit stillem Wasser. Während wir also warteten und einen Blick in die Karten warfen, gesellten sich zwei Menschen mit viel Gesichtshaar und einer Gitarre und einem Saxophon zu den Frühstückenden und spielten auf. In moderater Lautstärke gab es Gassenhauer für Cineasten, was Herrn Vroomfondel schlußendlich tatsächlich dazu veranlaßte, den Musikern Geld zu geben.

zwei latte

Latte Macchiato zum Preis von je 3 €.

So angeregt, entschied sich Herr Vroomfondel für das Gourmetfrühstück. Der gerade den Latte Macchiato servierende Kellner zeigte sich allerdings etwas bockig und quittierte unser Ansinnen, nun eine Bestellung aufgeben zu wollen, mit einem Blick als hätten wir ihn um einen Ehebruch gebeten. Er nahm unsere Bestellung nicht entgegen, verwies stattdessen auf einen Kollegen. Wir durchschauten die Bedienungsordnung nicht so ganz, aber sein Kellnerkollege war gleichermaßen nett, vielleicht gar ein wenig eloquenter und humorvoller. Während wir warteten, verglichen wir noch die bekannten Preise des Jahres 2008 mit den heutigen: Wir stellten gleichbleibende Frühstücks- und moderat angestiegene Getränkepreise fest.

gourmetfruehstueck

Gourmetfrühstück: 11,80 €.

Das Frühstück mit Lachs, Wurst, Schinken, Kräuterquark, gebratenen Kartoffelstückchen und allerhand Deko kam nach einiger Wartezeit, deren Messung durch ein angeregtes Gespräch leider unterblieb. Eigentlich wird das Gourmetfrühstück mit Käse ausgeliefert, der Bitte nach ersatzweisem Kräuterquark wurde aber problemlos entsprochen. Herr Vroomfondel äußerte nach einer Kostprobe den Verdacht, daß der Kräuterquark selbstgemacht sein könnte, auf jeden Fall aber war er geschmacklich ansprechend und reichlich vorhanden. Die Honig-Senf-Soße war jedoch leider ein aromatisiertes Industrieprodukt, das kaum Honig enthielt. Auch die Obstgarnitur verschmähte er, lobte aber gleich mehrfach die Marmelade. Insgesamt vergab er das Prädikat „reichlich und abwechslungsreich“.

46halbe hatte das Rührei mit geriebenem Emmentaler und Schnittlauch mit Butter und Brot bestellt, dessen Anblick jedoch irgendwie Enttäuschung hervorrief:

ruehrei

Rührei mit „geriebenem“ Emmentaler und Schnittlauch für 4,90 €.

Es wirkte klein. Von geriebenem Emmentaler konnte leider keine Rede sein, denn an den Seiten des aus drei Bioeiern bestehenden Rühreis hatten sich zwei größere Ansammlungen des Emmentalers, die offenkundig erst kürzlich noch Scheiben waren, zusammengefunden. Außerdem war kein Schnittlauch im Rührei, sondern lediglich einige Schnittlauchstückchen darübergestreut. Die Obstdekoration lag hilflos daneben. Nicht einmal der lecker anmutende Brotkorb konnte da trösten. Nach dem Kosten des Rühreis allerdings verflog die Enttäuschung, denn geschmacklich war es überraschenderweise ausgesprochen gelungen.

Wir können das KuchenRausch nach wie vor empfehlen, wenn auch nicht uneingeschränkt. Hingehen sollten alle, die auf selbstgemachte Brombeer-Thymian-Marmelade abfahren, aber sich nicht von Mini-Serviettchen und einem noch immer dünnen Latte Macchiato abschrecken lassen.

KuchenRausch
Simon-Dach-Straße 1, 10245 Berlin
Tel. (030) 55 95 38 55
Webseite

  1. Diesmal waren wieder 46halbe und Herr Vroomfondel als Testpersonen unterwegs. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain

Hilde

Das Hilde liegt in der Metzer Straße an der Ecke zur Prenzlauer und ist gleichzeitig Café und Bar. Abends gibt es zuweilen Live-Musik und eine volle Hütte, tagsüber ist es aber gemütlich leer. Es liegen sogar Spiele wie Backgammon oder Vier gewinnt bereit für längere Aufenthalte.

Wir eroberten den erstbesten Tisch neben der Tür und setzten uns mit dem Rücken zur Prenzlauer auf die mit Kissen ausgelegte Fensterbank. Hat man etwa einen Chapeau claque oder eine Perücke auf, können Passanten diese im Vorbeigehen bewundern. Als Sitzmöbel umgewidmete Fensterbänke beobachtet man jetzt häufiger in Berlin. Es liegt vermutlich an den neuen Biedermeiern, die hier nun überall wohnen, und an dem allgemeinen Hang zur Gentrifizierung, der ehemalige Schaufenster-Geschäfte nach und nach in gastronomische Lokalitäten umwandelt.

innenraum

Der Innenraum mit Blick auf die Bar.

Zuerst mußte natürlich ein stimmungsaufhellendes koffeinhaltiges Heißgetränk her. Der umgehend georderte Latte Macchiato hat eine besonders angenehm auffallende Schokoladenbeigabe: Tony’s Chocolonely. Anders als die üblichen Kekse, die man zum Kaffee serviert bekommt und die regelmäßig widerwärtig schmecken, ist dieses Schokostückchen nicht nur mit dem Fairtrade-Siegel gesegnet, sondern mundet auch. Nebenbei garantieren Chocolonely und sein holländischer Erfinder Teun van de Keuken sklavenfreie Herstellung und verwenden ghanaischen Kakao, der gemeinsam mit einer Kooperative angebaut wird.

latte mit chocolonely

Latte Macchiato mit einem Stückchen Chocolonely für 2,60 Euro.

Nach nur kurzer Durchsicht der Karte wählte erdgeist leichtfertig das Frühstück „Substanz“ zusammen mit einem doppelten Latte Macchiato, der sich allerdings als recht bitter herausstellte. Das Hilde ist also nichts für den Profi-Kaffeegenießer, tröstend jedoch der zum Anfüttern auf dem Tisch hinterlassene Brotkorb. Zu dem Tee, der auf dem Foto zu sehen ist, kommen wir später.

brot mit tee

Ein einladender Brotkorb.

Bevor auf erdgeists Frühstück näher eingegangen werden soll, ein kurzer Hinweis auf ein häufig auftauchendes und leider auch im Hilde zu beklagendes Problem: Serviettchen, sozusagen Genußwerkzeuge in homöopathischen Dosen. Denn obgleich ein leerer Teller bereitgestellt wurde und man sicherlich das gesamte Frühstück mit Hilfe von Messer und Gabel verzehren könnte, so neigt doch der typische Hungrige bei der morgendlichen Nahrungsaufnahme zum handfesten Griff nach dem Brötchen. Warum existiert eigentlich keine Lippenreinigungselementdarreichungsverordnung, in der die Mindestaufnahmefläche der Mundtupferl festgelegt ist, es gibt doch auch sonst für alles einen wiehernden deutschen Amtsschimmel? Na gut, das wäre vielleicht dann doch übertrieben, eigentlich hülfe schon statt der Mini-Serviette ein ordentlich großes Tuch für Finger und Mund.

fruehstueck substanz

Das Frühstück „Substanz“ für 6,90 Euro.

Das Frühstück „Substanz“ bestand aus verschiedenen Salami- und Schinkensorten, dekoriert mit Apfelstückchen, Paprika, Tomate, Orange und grünem Salat. Dazu gab es einige Oliven, die erdgeist als überflüssig brandmarkte. Das Frühstück bekam insgesamt das Prädikat „gut“, mehr aber auch nicht.

fruehstueck veggie

Das Frühstück „Veggie“ für 6,50 Euro.

46halbe hatte sich für das vegetarische Frühstück entschieden. Eine gute Wahl und sehr nahe am perfekten Morgen, wie er an diesem Tag erschien. Es gab Mohrrübchen-Stangen, Paprika, Frischkäse, Gurke, Kiwi, eine Erdbeere, Marmelade, Honig, dazu Joghurt. Die Erdnußbutter griff sich erdgeist allerdings. Schon gut gesättigt, bekamen wir dann noch Besuch von frank, der sich ebenfalls zu einem Frühstück „Substanz“ im Hilde hinreißen ließ. Serviert wurde dazu ein Assam-Tee mit Honig, dessen Darbietungsweise ein erfreulicher Anblick war:

nur tee, bitte

Assam-Tee für zwei Euro.

Hingehen sollten alle, die sich von mildem Retro-Style angezogen fühlen und die nicht gleich erschüttert sind, wenn die Karte weniger als fünfzig Frühstücke zur Auswahl bereithält.

Hilde

Metzer Straße 22, 10405 Berlin

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Academie der schönsten Künste

Wenn es just anfängt zu regnen, ist das doch sicher ein gutes Omen – nämlich gerade als wir[1] an der Tür der Academie der schönsten Künste standen, tröpfelte es von oben. Nicht „schönen“ wohlgemerkt, da mag sich jeder seinen eigenen Reim drauf machen.

Das Interieur wirkte einladend: In dem mehrfach unterteilten Innenraum reihen sich gemütliche Sofabänke aneinander, garniert mit großen bunten Kissen. An den Wänden konnte man dutzende Bilder und Fotos betrachten, nicht selten abgebildet waren nackte, halbnackte und sich offenkundig zugetane Menschen. Eine umfangreiche Auswahl von Zeitschriften, aber leider keine Tageszeitungen, lagen bereit, um einsamen Frühstückern die Zeit zu vertreiben.

Auf einem kleinen Hinterhof gibt es einige Tische unter Sonnen- bzw. Regenschirmen. Aufgrund des Wetters verzichteten wir darauf, in Ruhe unter den Schirmen zu sitzen, und suchten uns einen Tisch drinnen. Angenehmerweise zechte die übliche Stuttgarter Landplage – der telefonierende oberhemdtragende Yuppie – woanders, so daß sich eine angenehme Frühstücksatmosphäre einstellte. Zwar saß eine anfangs fortlaufend in eines ihrer diversen Telefone plappernde Frau gegenüber, sie griff sich aber alsbald ein Buch und schwieg. Bei der Lektüre handelte es sich um ein Werk eines Bizarro-Esoterikers mit güldenem Umschlag, was uns zu abseitigen Spekulationen über den Beruf der Dame anregte. Wir verzichten hier zugunsten des Lesers auf eine genauere Erörterung.

Dann kann es ja losgehen mit der Speisenwahl. Herr Vroomfondel wählte das Bauernbrot mit Räucherlachs und Meerettich, einen Latte Macchiato und eine große Apfelschorle. Die TTL wurde mit grenzwertigen sechs Minuten gestoppt, prinzipiell war die Bedienung eher lahm, aber nicht unfreundlich. Die in der Academie kredenzte Kaffeesorte wird den fortgeschrittenen Koffein-Nerd nicht zum glückseligen Grinsen verleiten, ist jedoch im Rahmen eines Frühstücks durchaus akzeptabel.

lachsbrot

Bauernbrot mit Räucherlachs und Meerrettich: 5,90 €.

Das Bauernbrot stellte sich – leicht überraschend – als Italien-Style heraus. Es war grobporiges Weißbrot, das jedoch gut mit dem Lachs harmonierte. Der Lachs in Standard-Qualität war zu einem reichlich bemessenen Belag komponiert, der Meerettich wurde im separaten Näpfchen in ausreichender Menge gereicht. Erstaunlicherweise waren die halben Partytomaten, deren ubiquitäre Verwendung ja bei 46halbe zu einer konsequenten Abwertung in der Gesamtnote führt, aromatisch und zum Lachsbrot passend.

Das Angebot an Speisen war vielfältig, 46halbe hatte Mühe mit dem Auswählen. Das „knusprige Sandwich“ klang irgendwie gut. Dazu konnten, wie beim Bauernbrot auch, diverse Beläge ausgesucht werden. 46halbe entschied sich für die stinknormale Variante: Frischkäse und milde Salami. Es stellte sich allerdings heraus, daß es sich um eine schnöde Schrippe handelte, die allerdings tatsächlich als knusprig einzustufen war.

salamibroetchen

„Sandwich“ mit Frischkäse und Salami: 4,50 €.

Dazu wurde ein Obstsalat geordert, an dem es genau nichts zu bemängeln gab – außer vielleicht, daß Herr Vroomfondel sich mehrfach unerlaubt, aber mit großem Genuß, daran vergriff. Das spricht aber für Aussehen und Geschmack. Abweichend von den sonstigen Abläufen bestellte 46halbe dazu einen großen Milchkaffee.

obstsalat

Obstsalat: 5,50 €.

Die allgemeine Aufmerksamkeit des Personals ließ ein wenig zu wünschen übrig, es bedurfte mehrfacher Signalisierung von Nachbestell- und Zahlungsbereitschaft. Es glückte uns dann aber nach dem Verzehr doch die Bestellung eines Capuccino, der dem Milchkaffee nicht nur wie ein Ei dem anderen glich, sondern auch so schmeckte.

milchkaffee

Großer Milchkaffee für 2,90 € oder kostenloser Capuccino?

Daß man sich die Brote aus einer großen Auswahl selbst zusammenstellen kann, ist eine innovative Idee fürs Frühstück, die man bisher nur selten offeriert bekommt. Innovativ und den Gästen sehr entgegenkommend ist es aber auch, Bestelltes einfach nicht zu berechnen. Wir schwören natürlich bei unseren Mägen, dies nicht gleich beim Bezahlen bemerkt zu haben, aber auf der Rechnung fehlten 46halbes Capuccino sowie der von Herrn Vroomfondel genossene frischgepreßte Orangensaft. Vermutlich wäre uns das ohne unser Frühstücksblog niemals aufgefallen, belief sich die Rechnung doch insgesamt auf stattliche 25,20 Euro.

Hingehen sollten alle, die in entspannter Atmosphäre aus einer großen Auswahl von leckeren, frisch belegten Brötchen, Broten, Obstsalat und ähnlichem frühstücken wollen. Falsch ist man allerdings in der Academie, wenn man ein typisches Berlin-Style gemischtes Frühstück erwartet.

Academie der schönsten Künste
Charlottenstraße 5, 70182 Stuttgart
Tel. (0711) 24 24 36
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und Herr Vroomfondel als Testpersonen unterwegs. []

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Filed under À la carte, keine Kreditkartenzahlung, Nicht wirklich Berlin

Casina delle Rose

„Tu si aliubi fueris, dices hic porcos coctos ambulare.“ – Petron, Satyrica 45,4

22 Grad und angenehme Sonnenstrahlen begrüßen den Besucher auf dem Weg durch den Villa Borghese[1] zum Casina delle Rose. An uns[2] vorbei kommen gutgelaunte Fußgänger, Rollschuhfahrer, Segway-Benutzer und Fahrradwanderer. Wir setzen uns auf die große Terrasse an den äußersten Rand, um den ersten Härtetest für das Servicepersonal zu proben.

casina

Außenansicht des Casina delle Rose mit Freiluftkino nebenan.

Doch es eilt sofort und mit freundlichem Lächeln eine bildhübsche Italienerin herbei und offeriert uns die Karte. Die typische Frühstücksuhrzeit am frühen Nachmittag läßt uns nach koffeinhaltigen Heißgetränken und Süßem ausschauen. 46halbe durchsucht das Eisangebot und wird fündig. Serviert wird ein köstliches, cremiges Gemisch aus Stracciatella und Vanille, das trotzdem so kalt ist, daß die Schokoladenstückchen am Löffel festfrieren. Lecker!

eis

Eis der Sorte Stracciatella-Vanille mit vernachlässigbarem Preis.

Um den Genuß zu vervollkommnen, werden ein Cappuccino und ein Eiskaffee geordert. Der Versuch, den Eiskaffee landesüblich auf italienisch zu bestellen, glückt vordergründig, denn die Nachfrage „Shakerato?“ sorgt für leichte Verwirrung. Die Kellnerin überbrückt ihr Fremdschämen äußerst professionell mit einer eindeutigen Geste, die Erleuchtung bringt: „Ja, geschüttelt! Äh, si, shakerato!“ Der Cappuccino kommt in einer besonderen Tasse mit ergonomisch wertvollem Henkel und erfreut durch den in diesem Teil der Welt durchaus üblichen guten Kaffeegeschmack. Der Eiskaffee, der hier Caffe Freddo genannt wird, aber toppt das Erlebnis angenehmer Gastronomie durch seine Optik:

eiskaffee

Cappuccino und Caffe Freddo, die ihren einzeln leider nicht mehr bekannten Preis Wert waren.

Die dunklen Applikationen an der Innenseite des Glases stellten sich als vergängliche Kunst heraus, die den rieselnden Effekt von pittoresken Schokoladenfällen hatte. Um eine lange Beschreibung kurz zu machen: Kaffee schmeckt hier einfach nach Kaffee, und die milde Temperiertheit des Getränks verleitet allzu schnell zu übereiltem Genuß.

Im Verlauf des entspannten Gesprächs über die Vorzüge mediterranen Lebens kamen die Tester übrigens überein, daß sie im Falle eines zukünftigen Umstiegs in das Spekulantengeschäft das Objekt definitiv erwerben werden. Ob wir die für römische Verhältnisse moderaten Preise beibehalten werden, wird sich allerdings erst dann zeigen: Unser Aufwand betrug inklusive eines fürstlichen, aber verdienten Trinkgeldes fünfzehn Euro.

gullideckel

Selbst die Gullideckel sind in Rom vielsagend.

Während wir das Spekulationsobjekt verließen und zu einem Spaziergang aufbrachen, fiel uns die allseits bekannte altrömische Sage des Marcus Curtius ein.[3] Der furchtlose junge Soldat adliger Herkunft schmiß sich dereinst mitsamt Harnisch und Roß in einen Erdspalt inmitten Roms, der sich zuvor als mit herkömmlichen Mitteln nicht auffüllbar erwiesen hatte. Sein selbstloses Opfer war nicht umsonst: Der Spalt schloß sich, so daß wir heutzutage fröhlich durch den Villa Borghese schlendern und dabei ansehnliche Reiterbildnisse des Herrn Martius bestaunen konnten.

Hingehen sollten alle, die erfahren wollen, was italienische Gastlichkeit praktisch bedeutet und den ansonsten durch ausgiebiges Hupen gekennzeichneten Straßenverkehr der Großstadt mal vergessen möchten. Das Casina delle Rose sollte einfach jeder Romtourist besuchen, auch wenn man gar keinen Hunger hat. Und zu Fuß sind es nur fünf Minuten zum örtlichen Segway-Vermieter.  :}

Casina delle Rose, Largo Mastroianni 1, 00197 Rom
Tel. +39 06 4201 6224

  1. Ja, wir sind im schnieken Rom, und der Villa Borghese ist der schönste und größte Park hier. []
  2. Das weitgereiste furchtlose Testteam ist heute 46halbe und naros. []
  3. Na gut, sie fiel uns durch das Blättern in römischen Stadtführern auf. []

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Filed under À la carte, Nicht wirklich Berlin

Datscha

Das Testteam[1] hat den folgenden Artikel unter unerwartet erschwerten Bedingungen verfaßt. Der Leser möge also nachsehen, falls zwischen den Zeilen Zähneknirschen zu vernehmen ist. Aber der Reihe nach…

Das Datscha erfreut seine Gäste mit einem kostenlosen WLAN und vor allem erstaunlich vielen gut zugänglichen Steckdosen.[2][3] Dieser Umstand regt dazu an, grundsätzlich über die ethischen Dilemmata der freien Netznutzung in Cafés zu sprechen. Für jeden, der sich der Hackerethik verpflichtet fühlt, ist ja immer mal wieder die Diskussion darüber an der Tagesordnung.

Wir mußten schon nach kurzer Debatte feststellen: Es wäre in der Tat eine große Herausforderung für das anwesende Testteam beispielsweise über einem ebensolchen Café zu wohnen und trotzdem alle moralischen Richtlinien zu befolgen, die verantwortungsvolle Nutzer von neuartigen Rundfunksempfangsgeräten sich selbst aufzuerlegen pflegen. Groß wäre die Versuchung, sich in Splinter-Cell-Manier auf die Lauer zu legen, um unwissende oder fahrlässige Menschen zu beobachten und auszuspionieren.[4]

Aber endlich mal zum Zweck dieses Blog-Postings: Der erste Blick in die Karte war irgendwie vertraut, obgleich das Datscha vorher nie besucht wurde. Aber die Speisekarte erinnerte in Aussehen, Schriftart und vor allem wegen eines bestimmten Spruchs sofort an das Gorki Park in Mitte. Das gleiche gilt für die Teegläser:


Loser Darjeeling-Tee in einem schönen Glas für 2,00 Euro. So soll es sein.

Glücklicherweise wurde die oben beschriebene hackerethische Versuchung jäh unterbrochen, da die TTT[5] so klein war, daß sie im nicht meßbaren Bereich lag. Dies könnte allerdings auch daran liegen, daß Jeck gerade damit zu tun hatte, seine Pflanzen gegen Zombies zu pflegen. Die einzig halbwegs verläßliche Aussage, die ihm zu entlocken war: „Der Tee war auf jeden Fall noch während der ersten Welle von Zombies hier!“[6]


Leckerer Capuccino für 2,20 Euro.

Nach dem diesmal übrigens nur ganz leicht verspäteten Eintreffen[7] von 46halbe konnte deshalb ohne viel Verzögerung die Essensbestellung aufgegeben werden. Die Auswahl gestaltet sich einfach, denn es gibt überschaubar viele Angebote, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Es ist ein Tag für ein deftiges Frühstücksmahl: Nach kurzer interner Debatte wurde ein Schwarzes Meer und ein klassischer Flammkuchen mit Speck bestellt.


Klassischer Flammkuchen. Gut für den Tester, hart für das Büro. 5,90 Euro.

Der Flammkuchen fiel auf den ersten Blick dadurch auf, daß Unmengen von Zwiebeln[8] den geneigten Esser anlugten. 46halbe mag Zwiebeln, bekam aber instantan ein mitleidiges[9] Gefühl gegenüber ihren Büronachbarn, die offenbar einen harten Tag vor sich hatten. Das Hineinbeißen in den natürlich noch warmen Flammkuchen ergab einen angenehm dilligen Geschmack.

Das Schwarze Meer ist eines der auf einem Teller in kleinen Schälchen angerichteten Mahlzeiten, die dem Betrachter ein spontanes „Was?! Das ist alles!?“ entlocken.


Perfektes Katerfrühstück: Schwarzes Meer für sieben Euro.

Bei genauerem Beessen stellt sich zum Glück heraus, daß die Datscha-Küche ein sehr genaues Gespür dafür hat, wieviel Portion gerade genug ist. Beim Würzen ist dieses schon an Gleichberechtigungsmanie erinnernde Fingerspitzengefühl allerdings nicht vorhanden. Die verschiedenen Sachen waren entweder sehr salzig oder scharf (Tomaten/Zwiebel-Paste und Heringstartar) oder gar nicht in die Nähe eines geschmacksverändernden Stoffes gekommen (Rührei und Kartoffelröstling mit Lachs).

Glücklicherweise mag Testesser Jeck salzig und gehört dem Kompetenznetzwerk der Eigenwürzer an, sodaß die Essung des Schwarzen Meeres zur allgemeinen Zufriedenheit verlief und vor allem all jenen Weggefährten empfohlen wird, die an den Nachwirkungen einer Ethanol-Intoxikation leiden.

Um wirklich einen kompletten Testbericht[10] abliefern zu können, wurde dann noch ein Stück Käsekuchen bestellt.


Normalerweise gibt es noch zwei andere Sorten[11]: Käsekuchen für 2,50 Euro.

Zur Bewertung dieses Stückes kann leider kein ganz neutrales Testurteil angegeben werden, da Herr P. eigentlich keine Käsekuchen mag und 46halbe sich mit fadenscheinigen Ausflüchten, die sich auf das Kokoszeugs auf dem Kuchen bezogen, dem zuvor angekündigten Testessen entzog. Mit aller zu Rate gezogenen Kompetenz kann das Team aber bestätigen, daß der Kuchen handwerklich korrekt und wohlschmeckend zubereitet wurde und Käsekuchen-mit-Mandarinen-und-Kokosflocken-Liebhabern durchaus Freude bereiten kann.

Hingehen sollten alle, die ein praktisches, schnelles und freundliches Frühstück wünschen und keine Angst vor Kindersirenen in einem ansonsten aber nur mittelmäßig gefüllten Lokal haben.[12] Da das Netz nach dem guten Essen noch etwas zum Bleiben einlädt, die Bedienung freundlich ist und die koffeinhaltigen Heißgetränke schmecken, können wir das Datscha guten Gewissens weiterempfehlen.

Datscha
Gabriel-Max-Str. 1, 10245 Berlin
Tel. 030 / 700 86 735
cafe-datscha.de

  1. 46halbe und der ehrenwerte Herr Pixelbrei. []
  2. Steckdosen sind im Grunde wichtiger als das Netzangebot, da man ja heutzutage sein mobiles Internet dabei hat. []
  3. Ach wirklich? GPRS zählt als mobiles „Netz“? []
  4. *sniff* []
  5. Time To Tea. []
  6. Was dies bedeutet, überlassen wir dem Leser, weisen aber vorsorglich daraufhin, daß die TTT und TTL auch im restlichen Verlauf der Sitzung angenehm klein war. []
  7. Nee, klar. []
  8. Die Zwiebeln sahen für Jeck sehr frisch und lecker aus. []
  9. Diese Fußnote wurde gegen 46halbes Willen eingefügt und dient nur der Ablenkung. 46halbe weint jetzt, denn sinnlose und unnötig lang ausformulierte Fußnoten sind eine Nemesis. Das habt ihr nun davon. []
  10. Ja, wir haben auch Wostok, so eine Art russische Bionade ausprobiert, wollen aber an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur so viel: Interessant. []
  11. Am Vortag war eine Touristengruppe eingefallen. []
  12. Auf diesen Umstand bezog sich die eingehende Bemerkung, die der Datscha natürlich keineswegs anzulasten ist. Obwohl man anmerken muß, daß ein paar Kinderwagenkrähenfüße das Problem aus der Welt schaffen könnten. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain, keine Kreditkartenzahlung, Netz: Gratis

kaufbar

Mitten in Berlin ein idyllisches und vielleicht gar ruhiges Plätzchen zu finden, ist nicht immer einfach. Das Lokal kaufbar ist dafür eigentlich nicht bekannt, da es an der recht stark befahrenen Gärtnerstraße in Friedrichshain gelegen ist. Allerdings versteckt sich ein Teil der Tische im Hinterhof, und der ist nicht nur fabelhaft still, sondern hat einen schönen großen Ahornbaum. Dank an die freundliche Kellnerin, welche die zuerst eintreffende Testesserin darauf hinwies.

Dieser Frühstückstest stand unter besonderen Vorzeichen, die eine ruhige Umgebung verlangten: Juliane vom Berliner Radiosender Fritz nahm einen kurzen, aber launigen Bericht (mp3, ab Minute 38) über Blogs, die sich der Bewertung von Gaststätten verschrieben haben, für die Sendung Trackback auf. Wir[1] setzten uns also an einen der Tische unter den Ahornbaum. Die restlichen Tische waren noch unbesetzt, perfekte Bedingungen also für sowohl den Genuß des Frühstücks als auch die Aufnahme für den Radiobericht.

Die Karte ist in der kaufbar übrigens zweigeteilt. Die eine Hälfte ist voller Vorschläge für Krawallbrause und Cocktails, die andere eine Art Multiple-Choice-Test: Man kreuzt an, was man für das perfekte Frühstück hält. Ob wir damit diesmal richtig liegen?

streichholzschachtel

Der Name ist Programm: Alles hier ist kaufbar, nur die Streichhölzer sind kostenlos. :}

Nachdem der übliche Latte macchiato in einer TTL von unter drei Minuten auf dem Tisch stand und zudem mit Wasser gereicht wurde, versprach der Besuch ein angenehmes Erlebnis zu werden. Juliane hatte allerdings noch etwas mit den Auswirkungen einer durchzechten Nacht zu kämpfen und war daher zunächst nicht übermäßig hungrig. Sie orderte gegen die leichte Apetitlosigkeit im Ankreuzverfahren Obst mit Joghurt. 46halbe bestellte das vegetarische Frühstück, allerdings ohne Gouda.

obst mit joghurt

Obst mit Joghurt für 2,80 €.

Juliane bewertete ihren Joghurt mit Bananenstücken, Orangen und Pinienkernen als sehr wohlschmeckend, aber nicht weiter aufregend. Während sie ihn ohne besondere Eile verspeiste, widmeten wir uns einem Gespräch über Essensbewertungen, Blog-Kategorien und Verfehlungen beim Service. Da der Radiobericht aber nur ein paar Minuten umfassen sollte, kamen wir recht schnell auf journalistische Arbeit ganz allgemein und die Sinnhaftigkeit und den Inhalt von Fragen bei Bewerbungstests an Journalistenschulen zu sprechen. Juliane wußte da Aktuelles und Spannendes zu berichten, was aber hier nicht weiter ausgewalzt werden soll.

vegetarisches fruehstueck

Vegetarisches Frühstück für 4,10 €.

Das vegetarische Frühstück kam mit einem frischen, noch warmen Brötchen. Das ließ sogar darüber hinwegsehen, daß das Messer nicht richtig abgewaschen war. Garniert waren die beiden Aufstriche und die Marmelade mit Trauben, Äpfeln, dazu etwas Grünzeugs. 46halbe vergab das Prädikat „sehr köstlich“.

zweites fruehstueck

Julianes zweites Frühstück, Preis unklar.

Julianes zunächst unterdurchschnittlicher Apetit wurde offenbar durch die Leckereien dann doch angeregt: Sie bestellte mittels der Ankreuzliste frische Toskana-Brötchen, Serrano-Schinken und ein Ei. Natürlich waren auch hier ein paar Sprossen und Salat als Garnitur dabei. Während sie noch das Essen genoß, füllte sich gegen ein Uhr das Lokal merklich. Offenbar waren die Friedrichshainer nun wach geworden..

Hingehen sollten alle, die preiswert speisen wollen, aber nichts Außergewöhnliches erwarten, gern aber gemütlich und idyllisch chillen und dabei schnell und ausnehmend freundlich bedient werden möchten. Wer dem Müßiggang nicht abgeneigt ist und bis kurz vor Sonnenuntergang bleiben kann, sollte nicht verpassen, zur unweiten Modersohnbrücke zu gehen und unbeeinträchtigt von den in Berlin häufig anzutreffenden Pomadenhengsten den Sonnenuntergang an der fast schönsten Stelle in Berlin zu genießen.

kaufbar, Gärtnerstr. 4
Tel. 030 / 297 78 825
Webseite kaufbar

  1. Mit der wie immer völlig objektiven Berichterstattung waren heute ebenjene Juliane und 46halbe betraut. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain