Gasthaus Alt Wien

Wir[1] dehnen den Begriff „spätes Frühstück“ heute selbst für Berliner Verhältnisse recht stark. Aber das liegt nicht an uns, sondern an dem Lokal im Bötzowviertel unweit der Greifswalder Straße, dessen Speisen wir zu verköstigen beabsichtigten. Denn vor 18 Uhr lassen die niemanden rein.

Das Publikum ist gemischt, ob des Preisniveaus ist die Wahrscheinlichkeit, hier lautstark schwatzende Backfisch-Rudel auf Abireise anzutreffen, jedoch eher gering. Die Parkplatzsituation für etwaig zur Anreise benutzte Benzinkutschen ist etwas prekär. Wer sich den obligatorischen Autofahrergruß durch drängelige Verkehrsteilnehmer beim Einparken sparen will, kommt besser zweirädrig oder mit den Öffentlichen. Eine andere Variante ist ein Spaziergang vom nahegelegenen Volkspark Friedrichshain, wo man sein Auto abstellen kann.

Im „Alt Wien“ waren wir in größeren Abständen schon mehrfach, wenn uns der Sinn nach Deftigem aus Österreich stand. Heute wurden wir allerdings nach dem Aussuchen der Vorspeisen überrascht, nämlich mit einem unangekündigten Korb aus drei verschiedenen Sorten frischem Brot, der so manchen Standard-Frühstücksschuppen neidisch werden ließe:

brotkorb

Der Brotkorb im „Alt Wien“ (gab es einfach dazu).

Geliefert wurde das Brot zeitgleich mit den zuvor gewählten Vorspeisen: eine Suppe und etwas, was auf der Rechnung später als Salat firmierte, aber in Wahrheit keiner war.

Alles, was Mohrrüben ähnelt, kann 46halbe begeistern. So war es nicht schwer, aus dem Vorspeisen-Angebot trotz beginnenden Frühlings die Suppe aus Wintergemüse herauszupicken. Sie kam allerdings nicht dampfend heiß, sondern eher warm an den Tisch:

pastinaken-suppe

Als Vorspeise die „Pastinakensuppe“: 5,80 €.

Die vegetarische Suppe mit etwas Kernöl schmeckte dennoch köstlich. Pastinaken gelten übrigens als wiederentdeckte alte Gemüseart, das allerdings schon seit einigen Jahren. In Berlin bekommt man das Gemüse öfter angeboten, ob das auch für Wien gilt, wissen wir aber nicht.

Was die dazu gereichten Getränke im „Alt Wien“ anging, suchten wir diesmal wirklich nichts Außergewöhnliches, nicht einmal was mit Alkohol. Stattdessen gab es Wasser und trüben Apfelsaft:

getraenke

Wasser, 0,75 l: 5,40 €, Apfelsaft, 0,25 l: 2,60 €.

Vorab orderte Herr Vroomfondel einen Bradl-Teller, benannt nach Ottakring bei Wien: Den Feldsalat darauf beschrieb er als angenehm frisch, die Meerrettich-Menge wäre mit ausreichend noch eine Untertreibung gewesen. Allerdings war der wirklich scharfe Meerrettich das einzige, von dem am Ende bedingt durch mangelndes Meerrettich-Training auf dem ansonsten leeren Teller noch etwas zurückblieb. Prompt merkte die Bedienung dies kritisch an.

bradl-teller

„Ottakringer Bradl-Teller“ für 9,80 €.

Neben den erwähnten Beilagen bestand das einstimmende Bradl-Mahl aber eigentlich aus kaltem Schweinsbraten mit einer Kren-Mayonnaise und dem schon erwähnten sehr reichlichen und sehr frischen Meerrettich. Die Interpretation des Themas „Salat“ als Schweinebraten-Aufschnitt mit etwas Feldsalat passte sehr gut zu Herrn Vroomfondels Hungerstatus.

An den Vorspeisen hatten wir insgesamt nichts zu meckern. Ohne Hast, aber auch ohne langes Warten stand wenig später das Hauptgericht vor Herrn Vroomfondel. Um es gleich vorwegzunehmen: Es sollte ihn ringsum zufrieden machen, nur den mitgelieferten kleinen Salat ließ er unberührt – er hatte ja schon einen verzehrt.

roulade

Roulade: 19,80 €.

Die Roulade des „Alt Wien“ nannte Herr Vroomfondel schmackhaft, der Kartoffelbrei bekam gar das Prädikat perfekt. Einzige Kritik an dem Gericht war die Bemerkung, es sei ein klitzekleines bisschen zu salzig gewesen. Was wir zu schätzen wussten: Die Teller blieben nach dem Verzehr nicht lange stehen, denn die Bedienung war nicht nur allseits freundlich, sondern auch aufmerksam.

Als Hauptgericht hatte sich 46halbe für Geschnetzeltes vom Kalb entschieden:

geschnetzeltes

Kalbsgeschnetzeltes: 18,50 €.

Das Gericht hatte 46halbe abweichend von der Karte nicht mit Semmelknödel, sondern mit Bratkartoffeln bestellt. Das stellte sich als gute Idee heraus: Es schmeckte ausgewogen, aber überhaupt nicht langweilig. Das lag auch am mitgelieferten Salat, der frisch, abwechslungsreich und in ausreichender Menge kam. Anders als bei vielen Speisen dieser Art lag das Essen auch nicht schwer im Magen, sondern hatte eine gewisse Leichtigkeit.

Dennoch musste danach Verdauungskoffein in Form von Espresso her, die jeweils mit Leitungswasser serviert wurden:

2 espressi

Espresso: je 2,- €.

Wir befanden die Kaffeegetränke als qualitativ gut, aber nicht als hervorragend. Im Gegensatz zur um sich greifenden Degeneration der Espressokultur in anderen Etablissements waren die Tassen gut vorgeheizt und wurden mit einem Grinsekeks[2] serviert. Sie rundeten den Abend wunderbar ab. Mit einer Rechnung von zusammen 65,90 Euro ohne Trinkgeld waren wir zwar nicht eben billig, aber doch akzeptabel weggekommen, wenn man die Qualität, Darbietung und Menge der Speisen betrachtet.

Hingehen sollten alle, die wie wir das Ambiente eines klassischen Wirtshauses mögen, die ordentlich Hunger haben und österreichische Kochkunst goutieren. Auch Vegetarier werden in der Speisekarte gebührend berücksichtigt.

Alt Wien
Hufelandstraße 22, 10407 Berlin
Tel. (030) 701 296 10
Webseite

  1. Diesmal war 46halbe mit Herrn Vroomfondel unterwegs. []
  2. Das ist ein Keks mit einem lächelnden Gesicht drauf. []

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Filed under À la carte, Nicht wirklich Frühstück, Prenzlauer Berg

19grams

Geht man auf der Chausseestraße in Berlin-Mitte auf das „19grams“ zu, empfängt einen unweigerlich das überdimensionale neue Gebäude des Auslandsgeheimdienstes BND mit seiner brachialen Architektur. Ob der auffällig umzäunte Geheimdienstkomplex dem „19grams“ geschäftlich guttut, wissen wir[1] natürlich nicht. Einerseits arbeiten darin fast unzählige potentielle neue Kunden mitsamt ihrer Kumpane, auch Spione aus aller Welt könnten von der Geheimdienstzentrale inmitten der Stadt angezogen sein, um die Tische vor dem Lokal zu besetzen, andererseits fühlt sich vielleicht auch der eine oder andere von der räumlichen Nähe zu den Geheimen mit dem fragwürdigen Ruf abgestoßen.

blick auf den BND

Blick vom „19grams“ auf das BND-Hauptquartier auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Der erste Blick in die Karte machte sofort klar, dass hier nur eine sehr kleine Auswahl an Speisen angeboten wird. Bevor wir uns dem Aussuchen der heißen und kalten Ware näher widmeten, entdeckten wir aber ein Getränk ohne weitere Beschreibung mit dem Namen „Fountain of Youth“. Und wer wollte nicht aus dem Jungbrunnen schlürfen? Auf Nachfrage erhielten wir die Auskunft, dass es sich um Kokoswasser handeln würde. Leider war das ausverkauft, so dass ein Test unterbleiben musste und der Hipsteralarm ausblieb.

Attraktiv als Frühstück erschienen uns beiden die „Eggs Benedict“, die laryllian in der Variante mit Trüffelpilzen bestellte. Vor dem Frühstück musste für ihn allerdings erst noch das begehrte Flüssigkoffein her:

latte mit ensemble

Latte macchiato: 3,50 €.

Geschmacklich war es ein durchaus ausgewogenes Röstgetränk, nicht auffällig großartig und extravagant, aber doch befriedigend.

Schon wegen der Abwechslung hatte 46halbe ihre „Eggs Benedict“ in der Version mit Fleisch in Form von „Pork Belly“ ausgesucht. Die pochierten Eier lagerten auf einem Stück Polenta aus Maisgrieß, zumindest war das unser Geschmacksurteil nach dem Probieren. Gereicht wurde dazu ein Birnen-Chutney und salatartiges Grünzeugs mit besonderer Ästhetiknote, das wir jedoch nicht klar definieren konnten:

benedict mit pork

Eggs Benedict mit Schweinebauch für 11 €.

Das Gericht überzeugte 46halbe auf ganzer Linie. Es überraschte zudem in der Zusammenstellung, die aus der Karte so nicht ablesbar war.

Die Bedienung sprach übrigens so gut wie kein Deutsch,[2] was in Berlin-Mitte mittlerweile nichts Besonderes mehr ist. 46halbe musste sich in letzter Zeit von Zugezogenen zuweilen Beschwerden darüber anhören, dass man in Berlin kaum noch Deutsch lernen könne, da ohnehin alle Welt nur noch auf Englisch antwortet. Da dürfte was dran sein. Unsere Bedienung jedoch konnte ein deutsches Wort sehr gut aussprechen: „Langsam!“ Die gewöhnlich schnellsprechende 46halbe orderte ihre Wünsche anfangs ohne viel Rücksicht auf fremdländische Ohren, machte sich dann aber anheischig, um auch global-metropolitan verstanden zu werden.

Zwischendurch überkam uns der Gedanke, dass Bestellungen vielleicht doch nicht verstanden wurden, denn die Lieferung der Speisen und des Kaffees dauerte seine Zeit, in der wir eine gewisse Unruhe entwickelten und gar den Abtritt erforschten. Aber wie das so ist: Stehen die erhofften Getränke und die duftende Nahrung erstmal auf dem Tisch und sie schmecken obendrein, ist das vorherige Warten schnell vergessen.

Eine erste Wartezeit ergab sich übrigens schon beim Eintreten in das Lokal, da uns Gästen erst ein Tisch zugewiesen wurde. Dabei kam man nicht drumherum, das optisch ansprechend präsentierte Kuchenangebot in Augenschein zu nehmen. Wir haben es diesmal allerdings nicht getestet.

please wait to be seated

Man wird plaziert. Und man muss an der ansehnlichen Kuchenauswahl vorbei.

Statt Kuchen gab es eine weitere Eierspeise: Die von laryllian bestellte Trüffelpilz-Variante der Eier entlockte ihm Freudengeräusche. Vor allem die als überraschend, aber durchaus angenehm säuerlich beschriebenen Pilze hatten es ihm angetan und erhielten die Beschreibung „sehr, sehr lecker“. Auch optisch machte das Gericht einiges her:

ei mit trueffel

Eggs Benedict mit (verdeckten) Trüffelpilzen für 11 €.

Das ganze Gericht war eine einzige künstlerische Komposition aus Duft, Geschmack, Darbietung, Konsistenz und phantasievoller Vielgestalt, die sich im Munde vermählte, um bald glückbringend in die speiseröhrenen Flitterwochen zu entschwinden.

Ganz ohne Groll muss jedoch noch auf die Größe der Speise hingewiesen werden, die zumindest in Bezug auf laryllians Magenvolumen im Missverhältnis stand. Das „ohne Groll“ jedoch unterstreichen wir explizit, da die Qualität der Zutaten den Preis für diese Größe – zumindest gefühlt – mehr als rechtfertigte.

Es musste aber für laryllian ein weiterer Gang eingelegt werden. Interessant klang dafür der Toast, wobei eine Früchtebrot- und eine Sauerteigbrot-Variante zur Auswahl standen.

Toastbrot genießt hierzulande keinen besonders guten Ruf, obwohl es weithin gegessen wird. Ein typisches deutsches Toastbrot sieht ungefähr so aus. Nicht so die Sauerteig-Variante in unserem heutigen Testlokal, die treffender als Röststulle hätte firmieren sollen – vermutlich wars auch einfach Toast in Translation:

frucht-toast

Kein gewöhnlicher Toast: 4,50 €.

laryllian beschrieb den Geschmack des Brots als „wirklich gut“, was er durch seine teiltschechische Prägung (siehe Topinky) auch tatsächlich einzuschätzen vermochte. Er genoss eine der Stullen nur mit Butter, Salz und Pfeffer, die andere mit Butter und Konfitüre.

Um den Neid des geneigten Lesers zu kitzeln, konnten wir uns eine Detailaufnahme nicht verkneifen:

nahaufnahme toast

Toast-Porn.

Während laryllian den Toast verspeiste, wandelte sich das Frühstückslokal aufgrund der fortschreitenden Zeit langsam in ein Café, in dem immer mehr Gäste Kaffee genossen statt zu essen. Da wollten wir nicht Nachstehen:

latte

Flat White: 3,50 €, geliefert im „19grams“ mit Leitungswasser (kostenlos).

Obwohl wir jeweils gefühlt zu lange auf das flüssige Koffein gewartet hatten, musste nach dem Essen noch Nachschub in Form eines Flat White her. Für 37 Euro (ohne Trinkgeld) bekamen wir insgesamt ein uns überraschendes und köstliches Nahrungsangebot mit überdurchschnittlichen Kaffeegetränken.

Hingehen sollten alle, die bei der Kuchenauswahl auch vegane, glutenfreie und nussfreie Varianten wertschätzen und die Speisen bevorzugen, die nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich einiges hermachen.

19grams
Chaussseestraße 36, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 28 09 99 77
Website

  1. Es genossen das Frühstück: 46halbe und laryllian. []
  2. Wir unterhielten uns beim Verlassen des Lokals ein wenig mit ihr und können das daher mit Sicherheit sagen. []

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Filed under À la carte, Mitte

tous les jours

Berlin hat im März meistens einige Tage, an denen man sich besser ein Frühstück von Profis bereiten lässt, als sich in die eigene Küche zu bemühen. Heute war so ein Tag: windig, kühl, regnerisch, die Sonne wollte sich nicht blicken lassen. Also machten wir uns guter Hoffnung ins „tous les jours“[1] in der Nähe der Greifswalder Straße auf.

Kaum eingetroffen, bestellten wir dringend erhofftes Koffeinhaltiges, was auch spornstreichs eintraf:

Unsere erste Koffeingabe im „tous les jours“: Kleiner Kaffee mit Milch (1,90 €) und Latte macchiato (3 €).

Das „tous les jours“[2] ist wochenends zur typischen Berliner Frühstückszeit recht voll, allerdings leerte es sich Richtung frühen Nachmittag auch sehr schnell wieder. Das Frühstücksteam[3] setzte sich an einen der wenigen noch freien Tische, einen leichten süßen Fliederduft wahrnehmend. Der kam von einer Vase mit einer kleinen Pflanze, die wir für eine Hyazinthe hielten, die olfaktorisch Flieder ähnelt und den Frühling in die Nasen trieb.

Am Wochenende öffnet das „tous les jours“ schon um acht Uhr (wochentags sogar um sieben Uhr). Von unserem Tisch unweit des Fensters konnten wir auf die Kreuzung und ein Stück die Straße runter schauen, die ganz typisch für das Bötzow-Viertel ist: helle Fassaden, viele Ladengeschäfte und Restaurants, breite Bürgersteige und leider auch lauter parkende Autos. Das „tous les jours“ machte optisch an diesem regnerischen Tag von außen wenig her, immerhin drängte sich Berlin-typisch aber ein SUV ins Bild:

Das „tous les jours“ von außen, hier auch einige Einblicke in den Innenraum.

Die Eigenbeschreibung ist übrigens „Bistro“[4], was wohl auf grundsätzlich einfache Speisen und kein allzu elaboriertes Küchenangebot hinweisen soll. Aber einen stilechten Klassiker, der ohne großen Aufwand herstellbar ist, fanden wir natürlich in der Karte:

Orangensaft, frischgepresst, 0,3 l (3,50 €).

Der Saft schmeckte wie erwartet gut. Aber die Vorfreude auf die Speisen wurde erst so richtig geweckt, als die Brötchen am Tisch landeten:

Der Brotkorb (ohne ausgewiesenen Preis).

Während der Anblick der Brötchen unsere Lust auf die Frühstücke weiter anheizte, bemerkten wir ab und an etwas Laufpublikum von der Straße, das sich aus einem Getränkekühlschrank neben der Tür bediente oder am Tresen Lebensmittel zum Mitnehmen bestellte. Offenbar wird das Lokal wochenends auch rege als Späti-Ersatz genutzt, allerdings kamen die Sympathisanten in nicht störender Menge. Aber als das Essen kam, waren wir ohnehin unsererseits abgelenkt:

Rührei mit Lachs (7 €).

Das Lachs-Rührei war wunderbar balanciert, herzhaft, saftig, heiß, gar schön und von perfekter Konsistenz. Der Lachs war nicht versalzen, das Ei nicht zu weich und doch fern von hartem Tobak – also genau, wie es sein soll. Im „tous les jours“ werden die unterschiedlichen Eierspeisen offenbar alle mit ähnlichen Dekormaßnahmen versehen, jeweils mit etwas Obst und Grünzeug.

Unsere Bedienung im „tous les jours“ wechselte zwischenzweitlich zwar, aber beide Kellner hatten etwas gemeinsam: Sie kamen nicht allzuoft vorbei. Wir mussten bei Bedarf eher winken, dann jedoch waren sie schnell am Platz. Um ehrlich zu sein, hat uns dieses Verhalten an diesem speziellen Tag aber gar nicht gestört. Wir hatten uns lange unterhalten und fanden das Ungestörtsein dabei von Vorteil.

Unser Blick fiel zwischendurch auf das ansehnliche Tortenangebot, das uns später dazu verführte, zwei Stücken (je 2,90 €) für den entfernten Genuss einpacken zu lassen. Vorerst stand uns der Sinn aber nach mehr Deftigem, so landeten Eier mit Schweinebauch vor 46halbes Nase:

Zwei Spiegeleier mit Speck (5,70 €).

Sieht man mal von der unvermeidlichen roten Pest ab, war der Anblick der bestellten Spiegeleier verlockend. Der Speck duftete und war knusprig, die grüne Salatbeilage frisch und etwas Obst lag wie beim Rührei auch noch dabei. Generell erschienen uns die Portionen als ausreichend groß und sie konnten geschmacklich überzeugen, allerdings waren wir an diesem Tag auch nicht völlig ausgehungert.

Nach den Eiern musste Koffeinnachschub in Form eines Cappuccinos her, schließlich sollte die Verdauung angeregt werden:

Cappuccino (2,40 €) nebst einem weiteren frischgepressten Orangensaft, 0,3 l (3,50 €).

Wer nun glaubt, unsere Nahrungsaufnahme wäre schon beendet gewesen, täuscht sich. Wir legten quasi noch einen weiteren Gang ein:

Frischer Obstsalat (4 €).

Ohne Frage war das gereichte Obst frisch und auch nicht miteinander vermanscht, es mundete 46halbe trotz steigendem Magenfüllstand ohne Abstriche. Wir hatten unterdessen schon weit mehr als eine Stunde in dem Lokal verbracht, obwohl die Atmosphäre insgesamt nicht übermäßig gemütlich wirkte. Dennoch lud sie zum Verweilen ein, vielleicht weil die Bedienung uns nicht unnötig störte und die Fluktuation der Besucher nicht allzu stark war.

Extra Nutella und Butter (je 0,50 €).

Und mit dem Verweilen verband sich weitere Nahrungsaufnahme, da zu unserer Verwunderung der Brotkorb noch halbvoll auf dem Tisch herumlungerte. Also orderten wir flugs noch etwas Marmelade, Nutella und Butter, um die übrig gebliebenen Brötchen zu vernichten. Die Erdbeermarmelade stellte sich beim Schreiben des Blogposts als Geschenk des Hauses heraus, denn wir fanden sie später nicht auf der Rechnung. Die schätzten wir mit insgesamt 32 € (ohne Trinkgeld und ohne die zum Mitnehmen verpackten Kuchenstücken) übrigens als moderat und angemessen ein.

Hingehen ins „tous les jours“ sollten alle, die gern wirklich lecker und bodenständig, aber stets mit einer Note Eleganz genießen.

tous les jours
Hufelandstraße 16, 10407 Berlin

030 4280 91 60
tous-les-jours.de

  1. Ohne eine Reservierung, das wäre aber möglich gewesen. []
  2. Übersetzt etwa „tagtäglich“. []
  3. Bestehend aus 46halbe und laryllian. []
  4. Das Wort hat keine eindeutige Etymologie. []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

November

Auch wenn wir diesmal ein Lokal mit dem Namen „November“ zum Testen ausprobieren wollten: Es geht gerade auf der Frühling zu, nicht auf den Herbst. Dennoch war es zu kühl, um draußen zu sitzen: Das „November“ hatte noch keine Tische für Sonnenhungrige aufgestellt. Wir[1] hatten das Lokal an der Husemann- Ecke Sredzkistraße zuvor noch nicht getestet, aber waren schon oft daran vorbeigekommen.

blick auf das lokal

Blick auf das „November“, wenn bei wärmeren Temperaturen Stühle und Tische rausgestellt sind.

Bild: Rae Allen, CC BY 2.0.

Es war nicht der Tag für ausgefallene Nahrung für ein erhofftes perfektes Frühstück, uns stand eher der Sinn nach Bodenständigem, ordentlichen Nietenhosen und einem Schal. Allerdings ging das nicht allen so:

nutella-waffeln

Waffeln mit Nutella: 4 €.

Die extra mitgebrachten Spezialisten für Waffeln hatten ihren eigenen Kopf. Sie testeten einerseits die Variante mit Nutella nebst Birnenstückchen und erheblichen Mengen Puderzucker, andererseits die Apfelmus-Darbietung:

apfelmus-waffeln

Waffeln mit Apfelmus für 4 €.

Der Unterschied zwischen beiden Varianten bestand nur in der Darreichung von Nutella bzw. Apfelmus, beides nur auf den ersten Blick von uns Simpeln als in ausreichender Menge vorhanden angesehen. Die Spezialisten bemängelten jedoch das Verhältnis, denn sie hätten etwas mehr Waffelmasse noch gut vertragen können.[2] Außerdem befand sich der Teig offenkundig zu lange im Waffeleisen und war daher zu dunkel, was durch den Puderzucker nur unzureichend kaschiert wurde.

kakao

Heiße Schokolade: 3,70 €.

Tröstend half aber eine heiße Schokolade, serviert mit etwas Leitungswasser (kostenlos, aber merkwürdigerweise dennoch auf der Rechnung vermerkt).

Die erwachsenen Tester zog es zum Ei. Der erste Blick auf den Teller, der vor 46halbe abgestellt wurde, fiel aber nicht auf die Eierspeise an sich, sondern auf ein Stück Orange vom Rand der Frucht. Das sah leider angetrocknet und nicht sehr ansprechend aus und lag auch noch neben der mal wieder unvermeidlichen roten Nemesis. Allerdings war es eine recht kleine halbe Tomate, mithin zu verschmerzen:

spiegelei

Zwei Spiegeleier: 6 €.

Optimal zubereitet waren die beiden Spiegeleier nicht, zumindest nicht, wenn man die Erwartungshaltung von 46halbe als Maßstab nimmt: Sie bevorzugt Spiegeleier von einem Koch statt einem Quacksalber, der deren Eigelb nicht hart werden lässt, sondern leicht flüssig auf den Teller bringt. Insgesamt aber war das Gericht trotz bereits kalt gewordenem Toastbrot recht schmackhaft und passte in gewisser Weise zu dem etwas grauen Tag.

Das Lokal ist übrigens kein klassischer Ort zum Frühstücken, schon weil es wochentags erst ab 14 Uhr öffnet. Das „November“ wirkt eher wie eine Kneipe, obwohl es als Café firmiert.

Am Samstag und Sonntag wird man bereits ab 10 Uhr eingelassen. Uns fiel allerdings auf, dass es wochenends trotz des gut auffindbaren Standorts nahe der in Berlin recht bekannten Kulturbrauerei erst deutlich nach 11 Uhr voller im Lokal wurde und die leicht zerzaust wirkenden Berliner ihren Weg an den Koffein- und Frühstückstrog fanden. Das lag möglicherweise aber nur an dem Lebensmittelmarkt mit zahlreichen Ständen im Freien, der zeitgleich ein paar Straßen weiter draußen seine Waren feilbot.

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Rührei mit Bacon: 7,50 €.

Das von Rene bestellte Rührei mit Speckstreifen erfüllt seine Erwartungen mäßig bis gut, ließ aber keine Freudenbekundungen aufkommen. Immerhin war sein Orangenstückchen frisch und ausreichend Butter auf dem Teller.

Bei den Getränken wagten wir passend zum Essen wenig Experimente: Wir bestellten gleich mehrere frischgepresste Säfte sowie das typische Koffeinhaltige.

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Frischgepresster Orangensaft, 0,2 l: 3,90 €.

Wir fanden den Preis für die Menge frischgepressten Saft doch recht happig, hatten aber geschmacklich nichts auszusetzen. Der Kaffee dazu kam zeitgleich:

2 latte

Latte Macchiato: 3,40 €, daneben mit „doppeltem Espresso“ für 4,30 €.

Für insgesamt 52,60 (ohne Trinkgeld) bekamen wir ein ganz ordentliches, aber nicht perfekt zu nennendes Frühstück, durchweg von angenehm entgegenkommendem Personal serviert. Rene fiel die besondere Kinderfreundlichkeit auf: Die Mitarbeiter halfen routiniert bei den unvermeidbaren Malheurs, die Kinderspeisungen manchmal mit sich bringen.

Hingehen sollten alle, die nicht lange auf das Essen warten möchten, Freundlichkeit bei der Bedienung zu schätzen wissen und ein wenig Kneipenflair für ihr Frühstück gutheißen.

November
Husemannstraße 15, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 44 28 425
cafe-november.com

  1. Es trafen sich zum Frühstück: 46halbe und Rene, nebst zweier noch strafunmündiger, aber überaus kritischer Neu-Tester. []
  2. Die Nutella- und Apfelmustöpfchen wurden nach Verzehr der Waffeln natürlich dennoch leergegessen. Ja, mit den Fingern. :} []

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Zehn Jahre danach: Butter (ehemals Eckstein)

Lange Jahre war uns das Lokal als Eckstein bekannt, nun heißt es schon längere Zeit „Butter“.[1] Da die letzte Aufzeichnung eines Testessens schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt, war ein neuerlicher Besuch einfach fällig. Die Wahrheit ist aber, dass aufgrund der geographischen Lage an der Pappelallee in der Zwischenzeit einige weitere Besuche ohne Notizen stattgefunden haben. Und um es gleich vorwegzunehmen: Wir hatten diesmal nicht den besten Tag erwischt.

Pappelallee Ecke Raumerstraße, im Hintergrund das „Butter“.
Bild: Renaat, CC BY-NC-ND 2.0.

Das Lokal hat sich innen und außen in mehr als zehn Jahren im Grunde kaum verändert.[2] Der „neue“ Name „Butter“ war uns irgendwann aufgefallen, ist aber nicht eben sonderlich originell oder einprägsam. Vielleicht ist der Grund für die Umbenennung ein Eigentümerwechsel oder aber die Tatsache, dass Butter ein auch für Touristen besser sprechbares Wort ist.

Das durchaus hungrige Frühstücksteam[3] musste sich allerdings bei diesem Besuch von Beginn an auf lange Wartezeiten einstellen. Die TTL (time to latte) war außerhalb der Skala, selbst eine Speisekarte zu bekommen, dauerte schon mehr als eine Viertelstunde. Der nächste Dämpfer war die Auskunft der Bedienung, dass es eine weitere halbe Stunde in Anspruch nehmen würde, das Frühstück an den Tisch zu bringen. Zudem könne das von 46halbe ins Auge gefasste „Das Süße“ (4,50 €) wegen nicht vorhandener Croissants überhaupt nicht geliefert werden.

Eigentlich hätten wir wieder gehen sollen, da das Ganze auch noch in pampigem Ton vorgetragen wurde. Aber vermutlich trug die bei früheren Besuchen gesammelte Erfahrung, dass Kunden dem Personal nicht prinzipiell auf die Latüchte gehen, dazu bei, dass wir doch sitzenblieben, uns geduldeten und 46halbe eine alternative Speise wählte.

Tatsächlich leerte sich das Lokal recht schnell nach unserer Bestellung, was das Personal sichtbar entspannte und die reale Wartezeit auf die Nahrung um einige Minuten reduzierte. Getreu dem Motto „nicht kneippen bei offenen Wunden“ ignorierten wir im weiteren Verlauf des Mahls die Unzulänglichkeiten und auch die leichte Unfreundlichkeit der Bedienung.

Bärbel[4] entschied sich für eine Variante der „Egg Benedict“ mit Avocado:

Frühstück Avocado Egg Benedict (Preis leider nicht notiert).

Auffallend war die ordentliche Portion Tomaten, die sich auf ihrem Teller fand. Die Kombination von Sauce Hollandaise mit Ei und Avocado quittierte Bärbel auf Nachfrage mit dem simplen Ausruf: Lecker!

Neben den Frühstücken standen uns auch Gerichte aus einer wechselnden Tageskarte (pdf) zur Verfügung. Die Entscheidung von erdgeist fiel aber dennoch auf ein Frühstück, nämlich „Das Englische“:

Das Englische (8,80 €).

Das Frühstück bestand stilgerecht aus Würstchen, Speck, Spiegelei auf Toast und einer Salatdeko. Allerdings vermisste erdgeist gegenüber früheren Besuchen die bittere Orangenmarmelade, die diesmal weggelassen worden war. Besonders kreativ: Gebratene Tomatenscheiben hätten mit 1,50 € extra zu Buche geschlagen.

Bei den Getränken wagte 46halbe einen nicht sehr alltäglichen Trunk:

Getränk aus einer Mischung aus Gurke, Ingwer und Minze (4,80 €).

Man findet originelle Getränke-Mischungen, beispielsweise mit Gurkenanteil, in letzter Zeit häufiger in Berliner Lokalen. Diese im „Butter“ genossene Mischung enthielt „spicy“ Ingwersirup, frische Minze, Apfelsaft und ebenjene Gurken. Bei der Bestellung wurde 46halbe erklärt, dass es sich um einen „Smoothie“ handeln würde. Offengestanden mangelte es der Durstigen an Wissen, um diese Information einzuordnen. Der Geschmack des grünen Getränks allerdings war dann leicht festzustellen: wirklich frisch und köstlich! :}

Der Blick auf das Foto des schmackhaften Gurkengetränks macht leider einmal mehr deutlich, dass der Service zu wünschen übrig ließ. Das überlaufende Glas wurde ohne Untersetzer oder Serviette und auch ohne Worte so auf dem Tisch abgestellt. Wir verloren unsererseits auch kein Wort darüber, offenkundig war die Bedienung überfordert oder übellaunig oder beides.

Vielleicht hätte eine besonders schmackhafte Speise darüber hinwegsehen lassen: Bei 46halbe war die Wahl mangels Croissants auf die Tomatensuppe gefallen. Sie schmeckte durchaus ansprechend, aber stellte sich nicht als allzu auffällig heraus.

Tomatensuppe, klein (3,60 €).

Nun waren Tomaten schon häufiger Thema in diesem Blog, und wer ab und an hier liest, weiß: 46halbe ist alles andere als ein Fan der roten Plage. Warum sie dennoch ab und an die unbändige Lust verspürt, eine Tomatensuppe zu bestellen, kann rational nicht erklärt werden. Besonderheit der Suppe war übrigens ein leichter Kokosgeschmack, der das Gericht aber nicht dominierte.

Als ein typisches Frühstücksgericht kann die Suppe wohl nicht gelten. Allerdings überschneiden sich im „Butter“ die Frühstücks- und Mittagsdarreichungszeiten ohnehin, so dass ab 9 Uhr bis 14 Uhr die morgendlichen Mahle serviert werden, aber wochentags ab 12 Uhr zusätzlich die Mittagessen.

Zum Essen und auch danach lechzten wir nach Koffein:

Latte Macchiato (3,20 €).

Der einfache Latte Macchiato mundete 46halbe und blieb auch nicht ihr einziges koffeinhaltiges Heißgetränk. Nach der Suppe kam noch ein Cappuccino (2,30 €) hinzu. Bärbel genoss einen ganz normalen Kaffee, den sie als geschmacklich gut und als nicht bitter lobte. Wie es mittlerweile zur Gewohnheit geworden ist, musste für erdgeist ein besonders koffeinangereichterter Latte her, also einer mit doppeltem Espresso (4 €).

Hingehen sollten alle, die jahrelange Berliner Frühstückstradition live erleben und zugezogene Bedienungen dabei beobachten wollen, vergeblich das Sympathisch-Schroffe der Berliner Schnauze zu emulieren. Wie man in Ost-Berlin als Gast gern sagte, wenn einen der Kellner anzickte: „Was für ein Kunde!“

Butter
Pappelallee 73, 10437 Berlin

030 5268 59 33
cafe-butter.de

  1. Das letzte Mal findet sich der Name Eckstein im Jahr 2009 im Berliner Telefonbuch. []
  2. Wir waren nicht oft, aber doch regelmäßig zwischendurch drin. []
  3. Bestehend aus erdgeist, 46halbe und Bärbel. []
  4. Sie testete zwar die Frühstücke mit uns, aber war nicht am Schreiben dieses Textes beteiligt. []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

Krone

Wir[1] wollten diesmal zum Frühstücken unser Kiez rund um den Mauerpark nicht verlassen, genügend ungetestete Lokalitäten sind ja vorhanden. Also machten wir uns in die touristisch angehauchte Region Richtung Oderberger Straße auf.

blick oderberger

Blick in die Oderberger Straße, etwa hundert Meter vom „Krone“ entfernt. Es liegt auf der rechten Straßenseite.

Bild: lt_paris, CC BY NC ND 2.0.

Als die leicht verspätete 46halbe im „Krone“ ankam, stand das Leitungswasser für zwei schon auf dem Tisch. Sie brauchte nur noch ein koffeinhaltiges Heißgetränk herbeizurufen. Aber zu den Getränken später mehr.

Der erste Eindruck des Lokals war uns diesmal nicht beim Besuch entstanden, sondern schon über die Webseite. Denn wir wollten zuvor gern eine Reservierung für einen Tisch per Telefon oder online abgeben. Leider wurde uns dort gleich mit einem Overlay erklärt, dass es keine Reservierungen mehr gäbe. Man muss also auf gut Glück in den Laden gehen oder sich an beliebten Tagen auf eine Wartezeit einstellen.

Offengestanden kratzten wir uns beim Aussuchen der Speisen ein wenig am Kopf, da die Karte zwar optisch ansprechend aussah, es einem aber nicht leicht machte, den Inhalt zu verstehen. Ihr ließ sich nur schwer entlocken, welche Leckereien aus welchen Zutaten zur Auswahl stehen. Die Karte war so auf eine gute Optik getrimmt, dass es an Übersichtlichkeit fehlte.[2]

egg benedict

Egg Benedict mit Bacon für 8,50 €.

Leider hatte das gewählte Frühstück für erdgeist einen entscheidenden Nachteil: Es machte ihn nicht satt. Er murmelte etwas davon, dass Egg Benedict wohl etwas für Leute auf Diät sei. Überhaupt befand er, dass es sich gar nicht um wirkliche Egg Benedict handeln und zudem mengenmäßig eine übergroße Bacon-Schieflage herrschen würde.[3] Zufrieden war er also nicht. Die große Rhabarber-Schorle (4 €), die erdgeist dazu geordert hatte, fand er auch nicht begeisternd.

Bei den anderen Getränken kam deutlich mehr Freude auf:

latte+saft+wasser

Frischgepresster Orangensaft: 3,60 €, Latte Macchiato: 3,40 €, Leitungswasser: kostenlos.

Der Orangensaft schmeckte 46halbe sehr. Häufige Leser dieses Blogs werden bemerkt haben, dass sie das Getränk recht oft bestellt. Der Grund ist einfach: Vom Erbonkel gab es zur Jugendweihe zwar Bohrmaschine und Holzgliedermaßstab, aber weder eine Maschine zum Auspressen noch einen Plasteausdrücker fanden sich in der Aussteuer, so dass sie sich ganz gern den Luxus gönnt, auswärts einen frischgepressten Saft zu genießen.

Später gesellte sich noch ein Cappuccino zu den Testessern, den 46halbe als köstlich beschrieb:

cappuccino

Cappuccino: 3 €.

Die schwer von Koffein Abhängigen können im „Krone“ natürlich auch die doppelte Portion bestellen:

latte mit extra shot

Latte Macchiato mit „Extra Shot“: 3,40 € plus 0,80 €.

Unsere zweite Frühstückswahl fiel auf einen beliebten Klassiker: Bacon and Eggs. Hier wurde er aber nicht in der üblichen Form, sondern auf Pancakes serviert:

bacon+eggs

Bacon & Eggs: 10,50 €.

Wer sie nicht kennt: Pancakes sind Eierkuchen, die typischerweise etwas dicker sind und die Tendenz haben, nach dem Verzehr ihr Volumen zu vergrößern. Anders als erdgeist war 46halbe sowohl über den Geschmack als auch über die Menge erfreut. Besonderen Zuspruch fand bei ihr der Sirup, mit dem sie die letzten Pancakes-Stückchen genoß.

Während wir aßen und tranken und uns unterhielten, gab es noch eine Schrecksekunde, die wir nicht verschweigen wollen: Wir müssen Besucher des „Krone“ vorwarnen, nicht unter die Tischkante zu fassen. Dort haben die Betreiber, vermutlich um Abrieb bei Hosen und Röcken oder aber Laufmaschen zu verhindern, eine Art Polster aus Schaumstoff angebracht. Wenn man aber kein solches Polster erwartet, zieht man unwillkürlich die Hand zurück, wenn man etwas Weiches und Nachgiebiges ertastet. In der Folge beglückten sich die Tester dank unerwartetem Kontakt gegenseitig mit erschrecktem Quieken und rolliger Katzenmusik.

Im Lokal lief während unseres Besuchs eine unaufdringliche Musik, die zu keinen Beschwerden Anlass bot, da sie eben nicht weiter auffiel. Aber aufgefallen war erdgeist das noch immer bestehende Loch in seinem Magen. Entsprechend bestellte er eine zweite Speise:

pancakes mit fruechten und schoki

„Sun of Panama“: 8,90 €.

Das Gericht bestand ebenfalls aus Eierkuchen, die jedoch für den eher süßen Junggesellen konzipiert schienen: mit süßem Obst, Schlagsahne und einer Erdnusssoße reichlich Hüftengold auf dem Teller. Erst nach diesem recht opulenten Mahl bekundete erdgeist, er sei nach dem zweiten Frühstück nun satt.

Für 50,30 € (ohne Trinkgeld) gingen wir mit unterschiedlichen Bewertungen aus dem Lokal: Während erdgeist wenig Begeisterndes gefunden hatte, war 46halbe durchaus zufrieden und fühlte sich gut bedient.

Hingehen sollten alle, denen Stil über Substanz geht, die keinen Wert auf eine Tischreservierung legen, sich von viel Westbesuch nicht abschrecken lassen und Gerichte mit Pancakes mögen.

Krone
Oderberger Straße 38, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 44 31 22 21
krone-berlin.com

  1. Es trafen sich zum Frühstücksgelage: 46halbe und erdgeist. []
  2. Die Karte als pdf. []
  3. Der deutliche Bacon-Überhang wiederholte sich auch bei 46halbes Frühstück. []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

kaffee ingwer

Eigentlich war uns nach einem stinknormalen Frühstück. Wir[1] hatten gar nicht nach Recycling-Servietten oder Bio-Nahrung Ausschau gehalten, sondern nur nach alltäglicher Morgenmagenfüllung an einem Ort, den wir zuvor noch nie ausprobiert hatten.

Nach dem Eintreten ins „kaffee ingwer“ fiel uns zuerst ein den Raum dominierender Tresen auf, der offenbar nicht nur für die Bestellungen der im Lokal sitzenden Gäste vorgesehen ist, sondern für das Laufpublikum von draußen auch einen Verkauf zum Mitnehmen anbietet. Während unseres Besuches bewahrheitete sich diese Annahme, da alle paar Minuten Leute den Laden betraten, um vor allem Kuchen einzukaufen. Der rege Publikumsverkehr der Kauflustigen war sehr divers, von Amisetten bis Zobeljäger war alles dabei.

Uns passierte allerdings schon kurz nach dem Eintreten ein mittelschwerer Fauxpas beim Bestellen der koffeinhaltigen Heißgetränke, die wir am Tresen ordern wollten. Auf die Frage, ob sie Hafermilch zum Flat White möchte, antwortete 46halbe in gewohnt-brachialer Ehrlichkeit: „Nein, normale Milch.“ Sie erntete keine besonders freundliche Reaktion, sondern die Belehrung, dass schon an der Tür das Wort „vegan“ stünde. Laryllian war das aufgefallen, doch er hatte es – noch halb schlafend – nicht weitergegeben. Nun war beiden bewusst: Es gibt hier keine Milch. Die Omnivoren sind eben nicht immer die Hellsten und schauten etwas betreten drein.

Leider waren die angebotenen Kuhmilch-Substitute für 46halbe geschmacklich keine Option, aber schwarzer Kaffee schon. Er mundete auch ohne Milch sehr gut. Auf der anderen Seite des Lokals stand zur Selbstbedienung dazu noch Wasser mit Orangengeschmack bereit.

koffein-getraenke

Americano: 2,30 €, Flat White: insgesamt 3,70 € (Mandelmilch kostet 0,50 € extra).

Auf dem Foto sieht man eine leicht rosafarbene Substanz, die beide Tester für Zucker hielten und sofort nach dem Hinsetzen in ihre Tassen löffelten. Es stellte sich leider als Salz heraus. :{

So ist das eben mit dem ersten Kaffee des Tages: Er muss offensichtlich noch ohne Koffein im Blut organisiert werden. Wir wissen es nicht mit Sicherheit, aber aufgrund der Farbe könnte es Himalayasalz gewesen sein. Das wird laut Wikipedia übrigens zum etwa zwanzigfachen Preis von üblichem Speisesalz vertickt. Da wir nicht zu übermäßigem Eso-Glauben neigen, hoffen wir aber, dass es einfach gefärbtes normales Salz gewesen sein könnte oder sonst irgendeine weniger teure Salzart, die wir nicht kennen.

Was das eigentliche Frühstück angeht, entschieden wir uns beide für die „Avocado-Stulle“, was sich als wirklich gute Wahl herausstellte:

avocado-stullen

Avocado-Stulle für je 6,50 €.

Das wirklich Besondere an der Stulle war nicht etwa der Belag, sondern tatsächlich das Brot selbst: Es schmeckte köstlich, bei jedem Bissen wieder!

Wir widmeten uns unterdessen einem zeitlosen Plausch bei leiser, nicht störender Musik. Wir wurden weder gestört von übereifrigen Kellnerinnen noch von Bandsalat. Dann brach das süße Dreiviertel des Tages an und wir bestellten uns Kuchen sowie nochmals diesen schmackhaften, nicht bitteren, aber dennoch intensiven Kaffee.

kuchen als fruehstuecke

Apfelkuchen: 3,50 €, Cupcake: 3,50 €, Americano: je 2,30 €.

Der Kuchen – Rote-Bete-Schokolade-Cupcake und Apfelkuchen – stellte sich auch für den Gourmet-Gaumen als überaus wohlschmeckend heraus. Und der Kaffee mundete uns wundersamerweise mit jeder Tasse besser.

aussenansicht

Blick von außen.

Zugegeben: Der Beginn unseres Besuchs gestaltete sich anfangs wegen der leicht schnippischen Bedienung am Tresen ein wenig holperig. Einen neuen Gast auf seine Bestellwünsche hin zu belehren, man serviere hier nur vegane Nahrung, kann man eben freundlich oder herablassend tun. Das Gleiche gilt für Fragen der Gäste, die offenkundig wenig Wissen über vegane Lebensmittel haben. Man kann sie auf entgegenkommende Art beantworten und mithin eine Einladung aussprechen, dieses oder jenes zu probieren. Oder man kann den Gästen einfach das Gefühl geben, eine blöde Frage gestellt zu haben. Zum Glück verbreitete sich nach dem ersten Gang wieder die Freundlichkeit.

Wir resümierten am Ende unseres Besuchs: Die Liebe fürs Detail war auffallend und angenehm. Uns gefielen die kleinen und großen Aufmerksamkeiten, die man im Laden entdecken konnte, vor allem aber beeindruckten die überraschend leckeren Speisen. Vielleicht wird es Zeit, ein paar Vorurteile über vegane Ernährung über Bord zu werfen, die wir noch mit uns herumtragen.

Hingehen sollten alle, die eine Vorliebe für kleine, aber nicht zu kleine Frühstückslokale haben, die überraschend bequemen Holzhockern nicht ablehnend gegenüberstehen – sogar Zappel-Philipp Laryllian war entzückt –, denen es auf Qualität ankommt und die vegane Leckereien mögen.

kaffee ingwer
Wühlischstraße 12, 10245 Berlin
Tel. (030) 27 58 79 77
Es gibt leider keine Webseite des Ladens, obwohl kaffeeingwer.de auf der Rechnung vermerkt ist. Tippt man das ein, wird aber nur zu Facebook weitergeleitet. Verlinken wir nicht.

  1. Diesmal waren 46halbe und Laryllian als Testesser unterwegs. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain

Zehn Jahre danach: Datscha

Das „Datscha“ ist tagsüber eher ein Café und Frühstückslokal mit Kinderwagengeschwader und herumtobenden kleinen Butjes, in der Dunkelheit bekommt es aber ein deutliches Kneipenflair, wobei das Publikum eher nicht so zu ausschweifenden Feten zu neigen scheint. Daher plante das Profiteam[1] erfahrener Nahrungskonsumenten zehn Jahre nach dem ersten Test des „Datscha“, diese andere Seite zu erkunden.

Wem das Wort Datscha (oder eingedeutscht Datsche) nichts sagt: Gemeint ist damit eine kleine Laube mit Garten, meist unweit einer großen Stadt oder an deren Rand.

Die mit erheblichem Hunger bestens ausgestatteten Tester einigten sich schnell, auch die Vorspeisen auszuprobieren. Im Falle von Herrn Vroomfondel war das eine Art Vorspeisenplatte:

sakuska

Vorspeise „Sakuska Intelligenz“: 10 €.

Die gereichten Häppchen (russisch: закуска) bestanden aus gebeiztem Lachs, einer interessanten Variation des Themas „russische Eier“ mit Kaviar und Mayonnaise, Avocado, Pastetchen, eingelegten Zwiebeln und anderen kleinen Köstlichkeiten, wenn auch ohne geräucherten Buttje. Leider war die Menge des dazu gereichten köstlichen gewürzten Schwarzbrots etwas unzureichend.

Die Vorspeisen-Zusammenstellung erscheint auf den ersten Blick etwas willkürlich, wenn man nicht um den eigentlichen Zweck von Sakuski weiß: Es handelt sich um eine traditionelle Saufgelage-Nahrung, die darauf optimiert ist, durch reichlichen und mit dem Alkohol abwechselnden Verzehr möglichst schadensfrei große Mengen Wodka konsumieren zu können. Beim Wodka-Besäufnis mit „sto gramm“-Gläsern werden die Sakuski gern thematisch sortiert auf großen Platten gereicht: etwa kalter Aufschnitt und Wurst, Fischvarianten und Eier und Kaviar, eingelegte Gemüse und Gürkchen, Pasteten und Gefülltes. Herr Vroomfrondel ist ein großer Freund dieser kulinarischen Kunstform (auch ohne Wodka).

Was die andere Vorspeise angeht, musste ein Klassiker her. Zugegeben: 46halbe kann aufgrund ihrer Essenssozialisation in der DDR selten widerstehen, wenn sie eine Soljanka (früher auch „Seljanka“) in der Karte sieht. So auch diesmal, was allerdings zu Konflikten führte, da Herr Vroomfondel ebenfalls ein Auge darauf geworfen hatte. Aus Testgründen und wegen der angestrebten Vielfalt der zu bestellenden Speisen entschied er sich dann um.

Wir einigten uns dennoch, zwei Löffel zu erbitten, um ein hygienisch anspruchsvolles Kosten bei beiden Testern zu ermöglichen. Zugleich ist eine solche Bitte immer ein guter Test der Aufmerksamkeit der Bedienung, denn solche Extrawünsche werden oft vergessen, wenn die Speisen serviert werden.

soljanka

Soljanka mit Brot: 6 €.

Die Soljanka wurde im „Datscha“ mit eingelegten grünen Oliven gereicht, was mangels Frucht in der DDR nicht üblich war und durch Gewürzgurken-Stückchen substituiert wurde. Das verändert den Geschmack einer gewohnten Soljanka natürlich. Da die gewünschten zwei Löffel tatsächlich geliefert worden waren, konnten sich beide Tester ein Urteil zur Olivenbeigabe machen: Es fiel durchweg positiv aus. Es gab dennoch leider an der Soljanka etwas zu beklagen: Sie war nicht gerade dampfend heiß, sondern eher warm und am Ende des Verspeisens nur noch maximal lauwarm.

Für den Hauptgang hatte Herr Vroomfondel ein Steak ausgewählt:

wodka-steak

Steak Minsk: 13 €.

Das Steak „Minsk“ beschrieb er als sehr gut und auch sehr zart, was daran liegen könnte, dass es zuvor in Wodka gelegen haben soll. Die Salsa entpuppte sich als nur wenig scharf, die Pommes waren „okay“, aber nicht des vollständigen Verzehrs wert. Dennoch gab er zu Protokoll, dass die Speise insgesamt gut gewesen sei und auch mengenmäßig mehr als ausreichend.

Das Steak führte auf der anderen Seite des Tisches zu ein paar auffällig neidischen Blicken, als die andere Hauptspeise vor 46halbe abgestellt wurde:

wareniki

Wareniki Sochi Olymp: 15 €.

Die Wareniki im „Datscha“ haben einen recht stolzen Preis, zumal die Menge den Teller nicht eben zum Überquillen brachte. Nach dem Verspeisen stellte sich aber bei 46halbe das Gefühl ein, die gerade richtige Menge gegessen zu haben. Die Teigtaschen enthielten eine Süßkartoffelfüllung und lagen auf einer Art Avocado-Creme. Dazu wurde ein sehr leckeres Hühnchenfleisch kredenzt. Insgesamt schmeckte das Mahl durch die Kombination der Speisen gut abgewogen, vielleicht einen Tick zu süß.

Wie es sich für ein ordentliches russisches Mahl gehört, wurde dazu ein typisches Getränk genossen. Wer „Kwas“ noch nie probiert hat, sollte das getrost versuchen:

kwas

Kwas (0,5 l): 4,40 €.

Das recht süße Getränk wird traditionell zu Hause aus Brot bzw. gewerblich direkt aus Roggen und Gerste gebraut, aber mit Sicherheit können wir das für die gelieferte Flasche Kwas nicht sagen. Immerhin war der Kwas ohne Süßstoff zubereitet, ein leider in den typischen Kwas-Gegenden seit der Wende grassierendes Übel, das geschmacklich vollkommen indiskutabel ist. Deswegen empfiehlt es sich bei Kwas, immer auf das Flaschen-Etikett zu schauen.

Was aber feststeht: Darin ist kein Alkohol. Den hätten wir nun zur Verdauungsunterstützung fast noch zur Bestellung erwogen – doch es kam anders.

Denn nach den Speisen ereilte uns ein akustisches Unglück: In dem ohnehin schon geräuschvollen Lokal begann ein Mann eine Ansprache, die sich mehrere Minuten hinzog und offenbar die Einleitung für eine musikalische Darbietung sein sollte. Dabei versuchte er lautstark abwechselnd auf Deutsch mit starkem Akzent und Russisch oder Ukrainisch, die Gespräche an allen Tischen zu übertönen. Dann ergriff er seine Gitarre und intonierte einen Song, der verdächtig nach dem Gejammer eines Hahnreis klang und wenig Anklang beim Publikum fand.

Aus uns unbekannten Gründen blieb dieses Lied das einzige, weil die Betreiber ihn danach mit ebenfalls recht lautem Geschrei hinauswarfen. Herr Vroomfondel murmelte bei der den Besuch abschließenden Nachfrage von 46halbe, wie es ihm insgesamt denn gefallen hätte: „The entertainment sucks!“

Wir bestellten trotz der unangenehmen Störung noch je einen Espresso:

2 espressi

Espresso: je 1,80 €.

Wir prüften nach dem Eintreffen auf unserem Tisch routiniert, ob die Espressotassen vorgewärmt waren, und nickten uns nur kurz wissend zu, denn das ist meist ein gutes Zeichen. Herr Vroomfondel befand nach dem Koffein-Genuss allerdings: „War okay, aber nicht großartig.“ Besser schmeckte da schon der Maracuja-Nektar (0,2 l für 3 €), den 46halbe noch geordert hatte.

Die Bedienung im „Datscha“ war anfangs zügig und aufmerksam, allerdings blieben die Teller sowohl bei der Vorspeise als auch beim Hauptgang dann lange auf unserem Tisch stehen. Es gab keine überlange Wartezeit zwischendurch, bis die zweiten Speisen an unserem Platz eintrafen. Beim Abräumen hatte man sich aber soviel Zeit gelassen, dass bei der Anlieferung des zweites Ganges die benutzten Teller noch auf dem Tisch standen. Nachdem wir die zweiten Speisen vertilgt hatten, wiederholte sich das Nicht-Abräumen.

Vielleicht war das wegen der eintretenden Sättigung der Grund, warum wir nach dem Hauptgang kein Desert mehr bestellten. Die Küche hat wochentags bis 23 Uhr geöffnet (Freitag und Samstag sogar bis Mitternacht), wir hätten eigentlich noch verweilen und eine Nachspeise ein Stündchen später ordern können. Aber bekanntlich ist ja auch ein Verdauungsspaziergang gut für den Metabolismus.

Hingehen sollten alle, die sich risikoarm russophiler Speisekultur annähern wollen, keine Angst vor leicht bizarren Gesangseinlagen haben und eine ordentliche Portion Hunger mitbringen.

Datscha

Gabriel-Max-Straße 1, 10245 Berlin
Tel. (030) 700 85 735

Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und Herr Vroomfondel als Testpersonen unterwegs. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain, Nicht wirklich Frühstück

Anna Blume

Wo schlürft man auch im Winter einen gut abgestimmten Aperol Spritz in ausreichender Schankgröße, ohne sich zu blamieren? Natürlich im Prenzlauer Berg, wo sich in der kalten Jahreszeit die Touristen mit den Einheimischen vermischen. Glücklicherweise waren weder unter den einen noch den anderen die in dieser Gegend nicht selten speisenden Schürzenjäger dabei.

Unsere Wahl fiel diesmal auf das „Anna Blume“ in der Kollwitzstraße. Und wir[1] wollen das Ergebnis unseres Tests gleich vorwegnehmen: Wir waren sehr zufrieden und werden dorthin bei Gelegenheit zurückkehren. Das empfiehlt sich schon deshalb, weil man im Sommer auch draußen sitzen kann.

Anders als im nahegelegenen Sowohl als auch kann man im „Anna Blume“ aber bei Überfüllung in dieser Jahreszeit nicht draußen verweilen. Vielleicht verscherzten es sich die Besitzer mit dem ortsansässigen Tankwart, so dass die in Berlin sowieso auf der Abschussliste befindlichen Heizpilze nicht mehr befüllt werden konnten.

Bevor die bestellten Speisen bei uns landeten, lieferte uns die Bedienung bereits einen recht ansehnlichen, aber kleinen Brotkorb:

brotkorb

Der Brotkorb für zwei Personen im „Anna Blume“ ist knapp bemessen, der Inhalt kann aber nachbestellt werden.

Nur wenig später gesellte sich der dazugehörige Frühstücksteller zu uns an den Tisch, dessen Höhepunkt nach Auskunft von Karl-Dieter die köstliche Erdbeermarmelade war. Ansonsten fand sich auf dem Teller eine Fülle von Speisen, teilweise auf originell anmutenden Utensilien dargeboten, welche wir fast als Wegtragsel eingesteckt hätten. Der Brotkorb musste aufgrund der breiten Auswahl bald mit Brötchen nachgefüllt werden.

alpenrose

Frühstück „Alpenrose“ für 12,60 €.

Das Ensemble bestand aus einer abwechslungsreichen und optisch ansprechend präsentierten Mischung aus Bergkäse und Ziegenkäse mit etwas Grünzeug, Schinken und frischem Obst. Beim „Alpenrose“ fand sich auf dem Teller außerdem eine marmeladenartige gelbe Substanz, die nach dem Probieren von Karl-Dieter das Prädikat „überraschend scharf“ bekam. Erste Vermutungen gingen in Richtung Ingwer, aber nach freundlicher Auskunft der Bedienung handelte es sich in Wahrheit um Feigensenf. Karl-Dieter hatte wirklich nichts zu meckern, einzig den Käsesalat quittierte er mit den Worten: „nicht so mein Fall“.

Auch 46halbe konnte sich für ihre Wahl erwärmen:

obstsalat

Obstsalat für 5,90 €.

Der Obstsalat war wirklich frisch und von beeindruckender Größe.

Vielleicht nicht eben gewöhnlich für ein Frühstück, aber angesichts der an diesem Tag schon fortgeschrittenen Uhrzeit unauffällig: Karl-Dieter orderte eine Kartoffelsuppe mit Würstchen und Majoran als Teil der (angeblich) wichtigsten Mahlzeit des Tages.

kartoffelsuppe

Die Kartoffelsuppe für 4,90 €.

Er schätzte sie nach Verzehr als „ziemlich gut“ ein, allerdings sei sie etwas ungesalzen gewesen. Abhilfe brachte der obligatorische Salzstreuer, der bekanntlich auf kaum einem deutschen Restauranttisch fehlt.

Wir haben es an diesem Tag nicht selbst getestet, aber bis 22 Uhr wird warme und kalte Küche angeboten. Angesichts der Kartoffelsuppe, die von Karl-Dieter zusammen mit dem Frühstück „Alpenrose“ genossen wurde, war seine Magenkapazität aber ohnehin ausgereizt. Kein Grund allerdings, nicht noch das Alkoholangebot auszuprobieren:

aperol spritz

Aperol Spritz mit Prosecco für 5,80 €.

Es mag am Alkoholeinfluss gelegen haben, aber nach Genuss des Essens und des obigen Getränks einigten wir uns ohne viel Gerede darauf, dass wir das Preis-Leistungs-Verhältnis als absolut angemessen und die Speisen als sehr zufriedenstellend empfunden haben.

Bleibt noch, unsere sonstige Getränkewahl zu vermerken:

getraenke, warm und kalt

Die anfangs bestellten Getränke: Latte macchiato für 3,90 €, kleiner Maracujanektar (0,2 l) für 3,30 €, Kaffee „Hausmischung“ für 2,60 €.

Die „TTL“ (time to latte) haben wir mangels Aufmerksamkeit nicht exakt bestimmen können, aber die Wartezeit war so kurz, dass sie in keiner Weise negativ auffiel. Generell erwies sich unsere Bedienung als freundlich und schnell. Es unterlief ihr nur ein vernachlässigbarer Fehler, den Karl-Dieter verschmerzen konnte: Statt des bestellten Kännchens wurde nur eine Tasse Kaffee geliefert.

Eine besondere Erwähnung soll noch eine letzte Speise erhalten, die 46halbe genossen hat:

ei im glas

Das Gericht heißt „Eier im Glas“, 4,50 €.

Denn die beiden unter Grünzeugs verborgenen Eier waren von perfekter Konsistenz und rundum wohlschmeckend. Für insgesamt 43,50 € (ohne Trinkgeld) waren wir auf ganzer Linie zufrieden.

Hingehen sollten alle, die gern noch rausfinden wollen, warum sich das Lokal den Untertitel „kulinarische und floristische Spezialitäten“ gegeben hat, die Wert darauf legen, auch laktosefreie Milch oder Sojamilch bestellen zu können, oder die (nicht nur) einen Blick auf die ansehnliche Auswahl der Torten werfen möchten.

Anna Blume (Blick in den Innenraum)

Kollwitzstraße 83, 10117 Berlin-Prenzlauer Berg
Tel. (030) 44 04 87 49

Webseite, übrigens mit der Möglichkeit, einen Gutschein zu bestellen

  1. Diesmal waren 46halbe und Karl-Dieter als Testpersonen unterwegs. []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

Sigiriya

Der erste Eindruck des heutigen Testteams[1] nach dem Platznehmen im „Sigiriya“ ist eine umfängliche, fast schon erschlagende Speisekarte voller exotischer Namen und einiger unbekannter Gewürze. Dankenswerterweise sind drei Dutzend dieser Gewürze gleich vorn in der Karte erklärt und für den nachhaltigen Lerneffekt der kleinen Gewürzkunde mit Abbildungen versehen. Als Zweites fällt eine große Auswahl vegetarischer Gerichte ins Auge, worauf auch die Werbetafeln des Lokals die Passanten auffällig hinweisen und worüber sich insbesondere elzbieta freut.

Als Drittes bemerken wir die Abwesenheit von Bildschirmen. Obwohl wegen der Fußballweltmeisterschaft der Männer momentan halb Berlin mit zumeist recht großen Fernsehern vollgestellt ist, verweigert man sich im „Sigiriya“ offenbar dem Fußball-Hype.[2] Dem Testteam bleibt das traurige Schauspiel des Betrachtens überbezahlter Leibesübungen damit erspart. Durch die umliegenden Lokale kommt zwar dennoch die Geräuschkulisse der Stadien bei uns an, sie ist aber durch die Entfernung gedämpft und schon wegen des sonstigen Berliner Grundrauschens nicht weiter störend.

Zuerst müssen die Getränke her. Wenig zurückhaltend ordert 46halbe neben einem Ginger Ale einen als frisch gepriesenen Erdbeermilchshake. Er erweist sich als geschmacklich ansprechend und nicht zu süß, jedoch optisch als recht durchschnittlich:

milchshake, ginger ale, schorle

Apfelschorle (0,2 l, 2,50 €), Erdbeermilchshake (0,3 l, 3 €), Ginger Ale (0,2 l, 2,50 €).

Die TTM[3] lag bei gefühlten zwei Minuten. elzbieta wählt sich dazu die schnöde Apfelschorle im Farbton naturtrüb, immerhin aus biologischem Anbau.

Sie entscheidet sich aus der umfänglichen Karte für ein vegetarisches Gericht mit dem Namen Polos Hodhi mit Paripoo Hodhi und Sini Sambole. Das klingt reichlich exotisch, wir versuchen auch gar nicht erst, es korrekt auszusprechen.

Wie bei den meisten Gerichten im „Sigiriya“ ist es eine Kombination verschiedener Speisen: Ein würziges Jackfrucht-Curry und ein mildes Linsen-Curry werden ergänzt durch Reis, karamellisierte Zwiebeln und ein leckeres, aber viel zu kleines Papadam-Knusperschnipsel. elzbietas fachgerechte Bewertung dieser gaumenschmeichelnden Mischkassette an Geschmäckern lautet in bester Neufünfländer-Mundart: „Schmackofatz!“

Als 46halbe etwas von der karamellisierten Zwiebel nascht, ist sie allerdings von der Schärfe überrascht und verbringt die nächste Minute barmend.

Polos Hodhi

Polos Hodhi (9,50 €) mit Paripoo Hodhi und Sini Sambole.

Auch 46halbe wählt eine nahezu unaussprechliche Nahrung mit Rindfleisch: Mas Hodhi mit Carrot Hodhi und Petersilien-Sambole. Dazu wird wie beim Polos Hodhi noch ein kleiner Salat serviert, direkt auf dem Teller. Der Reis, sein Geschmack und seine Konsistenz sind wenig bemerkenswert, aber die Gewürze des Gerichts insgesamt wunderbar aufeinander abgestimmt, das Rindfleisch zart.

Mas Hodhi

Mas Hodhi mit Carrot Hodhi und Petersilien-Sambole (11,80 €).

Allerdings werden nicht die gewünschten Mohrrüben geliefert, sondern Süßkartoffeln.[4] Ehe wir das selbst durch Ausprobieren bemerken können, steht der Kellner jedoch schon vor unserem Tisch und reicht uns mit einer Entschuldigung für die Verwechslung ein Extra-Schüsselchen Mohrrüben.

mohrruebchen

Kleine Schüssel mit Mohrrüben, kostenlos.

Wir können uns trotz beachtlichem Magenfüllstand mit Blick auf die Desserts nicht beherrschen und bestellen zu guter Letzt noch ein süßes Gericht namens Päni Appe, das aber auch in herzhaften Varianten angeboten wird. Die zwei eierkuchenartigen Gebilde sind warm und fluffig, mit frischen Kokosraspeln bestreut. Darauf ist Palmensirup verteilt, der aber nicht zu süß ist. Es gibt daran nichts zu meckern, außer vielleicht der Tatsache, dass elzbieta und 46halbe das Gericht miteinander teilen müssen. :}

Päni Appe

Päni Appe (4,50 €).

Wir sitzen noch eine Weile vor dem Lokal draußen auf den Bänken. Der fast obligatorische Espresso (1,90 €) für 46halbe soll die Verdauung anregen, als Bio-Espresso auch mit gutem Gewissen. Es ist zwar ein wenig laut wegen des Autoverkehrs auf der Grünberger Straße, aber noch in einem akzeptablen Rahmen für unsere Unterhaltung weit unterhalb des Schreiens.

Hingehen sollten alle, die es beim Draußensitzen auch ohne Stuhllehnen ein Weilchen aushalten, das Frühstücken großzügig interpretieren und keine Scheu davor haben, beim Bestellen entweder Zahlen anzusagen oder sich an den komplexen Speisennamen die Zunge zu zerbrechen.

Sigiriya
Grünberger Straße 66, 10245 Berlin

Tel. (030) 29 04 42 08

 

  1. Bestehend aus 46halbe und elzbieta. []
  2. Wir waren im „Sigiriya“, bevor die deutsche Mannschaft ausgeschieden ist. []
  3. Time To Milchshake. []
  4. elzbieta behauptet dagegen mit voller Vegetarierkompetenz, dass es sich um Kochbananen handelt. []

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