Sigiriya

Der erste Eindruck des heutigen Testteams[1] nach dem Platznehmen im „Sigiriya“ ist eine umfängliche, fast schon erschlagende Speisekarte voller exotischer Namen und einiger unbekannter Gewürze. Dankenswerterweise sind drei Dutzend dieser Gewürze gleich vorn in der Karte erklärt und für den nachhaltigen Lerneffekt der kleinen Gewürzkunde mit Abbildungen versehen. Als Zweites fällt eine große Auswahl vegetarischer Gerichte ins Auge, worauf auch die Werbetafeln des Lokals die Passanten auffällig hinweisen und worüber sich insbesondere elzbieta freut.

Als Drittes bemerken wir die Abwesenheit von Bildschirmen. Obwohl wegen der Fußballweltmeisterschaft der Männer momentan halb Berlin mit zumeist recht großen Fernsehern vollgestellt ist, verweigert man sich im „Sigiriya“ offenbar dem Fußball-Hype.[2] Dem Testteam bleibt das traurige Schauspiel des Betrachtens überbezahlter Leibesübungen damit erspart. Durch die umliegenden Lokale kommt zwar dennoch die Geräuschkulisse der Stadien bei uns an, sie ist aber durch die Entfernung gedämpft und schon wegen des sonstigen Berliner Grundrauschens nicht weiter störend.

Zuerst müssen die Getränke her. Wenig zurückhaltend ordert 46halbe neben einem Ginger Ale einen als frisch gepriesenen Erdbeermilchshake. Er erweist sich als geschmacklich ansprechend und nicht zu süß, jedoch optisch als recht durchschnittlich:

milchshake, ginger ale, schorle

Apfelschorle (0,2 l, 2,50 €), Erdbeermilchshake (0,3 l, 3 €), Ginger Ale (0,2 l, 2,50 €).

Die TTM[3] lag bei gefühlten zwei Minuten. elzbieta wählt sich dazu die schnöde Apfelschorle im Farbton naturtrüb, immerhin aus biologischem Anbau.

Sie entscheidet sich aus der umfänglichen Karte für ein vegetarisches Gericht mit dem Namen Polos Hodhi mit Paripoo Hodhi und Sini Sambole. Das klingt reichlich exotisch, wir versuchen auch gar nicht erst, es korrekt auszusprechen.

Wie bei den meisten Gerichten im „Sigiriya“ ist es eine Kombination verschiedener Speisen: Ein würziges Jackfrucht-Curry und ein mildes Linsen-Curry werden ergänzt durch Reis, karamellisierte Zwiebeln und ein leckeres, aber viel zu kleines Papadam-Knusperschnipsel. elzbietas fachgerechte Bewertung dieser gaumenschmeichelnden Mischkassette an Geschmäckern lautet in bester Neufünfländer-Mundart: „Schmackofatz!“

Als 46halbe etwas von der karamellisierten Zwiebel nascht, ist sie allerdings von der Schärfe überrascht und verbringt die nächste Minute barmend.

Polos Hodhi

Polos Hodhi (9,50 €) mit Paripoo Hodhi und Sini Sambole.

Auch 46halbe wählt eine nahezu unaussprechliche Nahrung mit Rindfleisch: Mas Hodhi mit Carrot Hodhi und Petersilien-Sambole. Dazu wird wie beim Polos Hodhi noch ein kleiner Salat serviert, direkt auf dem Teller. Der Reis, sein Geschmack und seine Konsistenz sind wenig bemerkenswert, aber die Gewürze des Gerichts insgesamt wunderbar aufeinander abgestimmt, das Rindfleisch zart.

Mas Hodhi

Mas Hodhi mit Carrot Hodhi und Petersilien-Sambole (11,80 €).

Allerdings werden nicht die gewünschten Mohrrüben geliefert, sondern Süßkartoffeln.[4] Ehe wir das selbst durch Ausprobieren bemerken können, steht der Kellner jedoch schon vor unserem Tisch und reicht uns mit einer Entschuldigung für die Verwechslung ein Extra-Schüsselchen Mohrrüben.

mohrruebchen

Kleine Schüssel mit Mohrrüben, kostenlos.

Wir können uns trotz beachtlichem Magenfüllstand mit Blick auf die Desserts nicht beherrschen und bestellen zu guter Letzt noch ein süßes Gericht namens Päni Appe, das aber auch in herzhaften Varianten angeboten wird. Die zwei eierkuchenartigen Gebilde sind warm und fluffig, mit frischen Kokosraspeln bestreut. Darauf ist Palmensirup verteilt, der aber nicht zu süß ist. Es gibt daran nichts zu meckern, außer vielleicht der Tatsache, dass elzbieta und 46halbe das Gericht miteinander teilen müssen. :}

Päni Appe

Päni Appe (4,50 €).

Wir sitzen noch eine Weile vor dem Lokal draußen auf den Bänken. Der fast obligatorische Espresso (1,90 €) für 46halbe soll die Verdauung anregen, als Bio-Espresso auch mit gutem Gewissen. Es ist zwar ein wenig laut wegen des Autoverkehrs auf der Grünberger Straße, aber noch in einem akzeptablen Rahmen für unsere Unterhaltung weit unterhalb des Schreiens.

Hingehen sollten alle, die es beim Draußensitzen auch ohne Stuhllehnen ein Weilchen aushalten, das Frühstücken großzügig interpretieren und keine Scheu davor haben, beim Bestellen entweder Zahlen anzusagen oder sich an den komplexen Speisennamen die Zunge zu zerbrechen.

Sigiriya
Grünberger Straße 66, 10245 Berlin

Tel. (030) 29 04 42 08

 

  1. Bestehend aus 46halbe und elzbieta. []
  2. Wir waren im „Sigiriya“, bevor die deutsche Mannschaft ausgeschieden ist. []
  3. Time To Milchshake. []
  4. elzbieta behauptet dagegen mit voller Vegetarierkompetenz, dass es sich um Kochbananen handelt. []

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Zehn Jahre danach: Gorki Park

Das Gorki Park ist mit dem Wort „abgerockt“ vielleicht ganz gut umschrieben – in einem positiven Sinne. Es hat diesen gewissen Berliner Charme, den wir[1] zu schätzen wissen und der sich auch mit vielen Flohmarktbesuchen und ungehobelten Holzplanken an den Wänden nicht künstlich herstellen lässt. Da wir bereits vor zehn Jahren und auch zwischendurch immer mal wieder hier eingekehrt waren, können wir bestätigen, dass sich das Gorki Park bis heute recht unverändert zeigt. Es ist eben kein Nachbau, sondern hat echte Atmosphäre.

eistee

Eistee (0,4l) für 4,50 Euro.

Wir entscheiden uns zu Beginn für den hausgemachten Eistee in der Variante Rhabarber mit Zimt. Er wird aus unerklärlichem Grund mit Zitronen geliefert und kann geschmacklich in dieser Kombination und wegen des übermäßig starken Zimtgeschmacks leider nicht empfohlen werden. Doch es ist warm an diesem Tag, das eisgekühlte Getränk lindert daher trotz eher weihnachtlicher Würzung erfolgreich den Durst und mildert die Hitze.

Die Wärme bringt 46halbe dazu, beim Essen statt etwas Herzhaftem lieber zu Süßem zu greifen. Auf der Karte wird sie fündig:

sirniki gorki

Sirniki für 6,50 Euro.

Sirniki[2] sind Quarkpfannkuchen, hier serviert mit Schmand und Konfitüre. Sie sind überaus schmackhaft und rundum toll: warm, soft beim Reinbeißen, lecker! 46halbe muss an sich halten, um nicht gleich noch eine weitere Portion zu bestellen.

Es gibt im Gorki Park übrigens eine praktische Art, mit dem in Berlin oft nicht offenen, sondern passwortgeschützten Netzangebot umzugehen: Das Wlan-Passwort ist in der Speisekarte abgedruckt. Das fiel uns auf, als wir daraus das zweite Gericht auswählen:

wraps, russisch

Russische Wraps: 9,50 Euro.

Die russischen Wraps sind gefüllt mit Hähnchenbrust, Rukola und Avocado – hinzu kommt ein genügend großes Gläschen kräftig süßsauren Erdbeer-Chutneys. Das Gericht mutet beim ersten Blick zuckrig an, entpuppt sich aber mit dem ersten Bissen als eine herzhafte, aufregend abgestimmte Offenbarung. Benks ist überrascht, wie gut die Kombination funktioniert, und ausgesprochen begeistert. Das Gericht schmeckt nach seiner Aussage ordentlich bodenständig, die Wraps sind weich und fluffig und bereiten Zunge und Gaumen eine unerwartete Textur-Freude.

Leider wird das bis auf den letzten Krümel leerschnabulierte Geschirr einfach nicht abgeräumt, auch nach einer geschlagenen Viertelstunde nicht. So müssen wir auch auf das Verdauungskoffein etwas warten. Den üblichen Latte macchiato kann man übrigens mit Hafermilch bestellen, mit fünfzig Cent wird sie allerdings extra berechnet.

latte gorki park

Latte macchiato: 3,20 Euro (ohne Hafermilch).

Ein großer Maracuja-Nektar wärmt Benks noch das Herz:

maracuja gorki park

Maracuja-Nektar (0,4l): 4 Euro, Cappuccino: 2,80 Euro.

Wir sitzen draußen am wenig befahrenen Weinbergsweg, der keine übermäßige Lautstärkebelastung mit sich bringt. Auch eine Jahrhundertflut von Hausierern und Passierenden bleibt aus – lediglich einige Straßenbahnen rollen recht geräuschvoll vorbei. Da dies aber lediglich in einigen Minuten Abstand vorkommt, stellt sich statt Lärmstress eher ein typisches Berlin-Gefühl ein. Da bestellt man doch gern noch einen zusätzlichen Cappuccino.

Während von den uns Schatten spendenden Linden ab und an Naturteilchen auf uns herabsegeln, lassen wir das Frühstück ausklingen und sind mit einer Rechnung von 34,20 Euro (ohne Trinkgeld) sehr gut bedient.

Hingehen sollten alle, denen die deutsch-russische Freundschaft in Essensfragen ein Anliegen ist und die auch dann den Klammerbeutel stecken lassen können, wenn sie länger von der ansonsten freundlichen und auskunftsfreudigen Bedienung in Ruhe gelassen werden.
Gorki Park
Weinbergsweg 25, 10119 Berlin
Telefonnummer: 030 44 87 286
gorki-park.de
  1. 46halbe trifft sich mit Benks als Frühstücksexpertenteam. []
  2. Russisch: сырники. []

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Schwarzwaldstuben

Die Schwarzwaldstuben können mit dem Vorteil auftrumpfen, angenehm zentral gelegen zu sein: Die Oranienburger Straße liegt nebenan, die Synagoge ist in Laufnähe, zur Spree und zum Hackmarkt hat man es auch nicht weit. So finden wir[1] uns diesmal zum Frühstück quasi in unserem eigenen Kiez ein.

Vom Durst der langen Suche zermartert, bestellen wir sogleich eine ganze Batterie an Getränken:

getraenke im schwarzwald

Die gewählten Getränke. Latte macchiato: 3,40 €, doppelter Espresso: 3,40 €, Orangina (0,2l): 3,50 €, Orangensaftschorle (0,4l): 3,60 €, verpackte Metro-Kekse: kostenlos, aber unberührt.

Für 46halbe ist Orangina die Westbrause schlechthin und ein Sehnsuchtsgetränk aus DDR-Zeiten. Die attraktive Flaschenform hatte früher eine magische Wirkung auf sie. Allerdings muss man aus heutiger Sicht wohl eingestehen, dass Orangina einfach nur eine süße Brause mit ein paar Orangenstückchen drin ist. Warum kein Strohhalm drinsteckt, sondern ein Glas danebengestellt wird, bleibt mysteriös. Möglicherweise hat die Bedienung bereits von den EU-Plänen Wind bekommen, Plastiknutzung zu beschränken.

Der doppelte Espresso erhält nach bedächtigem Kopfwiegen von Herrn Vroomfondel nur das Prädikat „medium“, womit wohl gemeint sein dürfte, dass er nicht besser als mittelmäßig schmeckt. Nach Angaben des durchaus erfahrenen Kaffee-Verkosters ist der Geschmack eher „fruchtig“ (die höfliche Umschreibung von „säuerlich“), was von ihm als Freund der „schokoladig-nussig“-Sorten nicht sonderlich goutiert wird.

Uns beide locken nach Durchsicht des Angebots die laut Karte von Freilandhühnern aus der Uckermark stammenden Eier. Wir wählen eine Variante Rührei mit Speck, eine ohne. Bevor wir uns besinnen und auf das Mahl einstellen können, steht auch schon das Brot auf unserem Tisch:

brotkorb

Brotkorb zum Anfüttern: quasi kostenlos.

Der Brotkorb erscheint uns mengenmäßig mehr als ausreichend und optisch attraktiv, das mag aber durch unsere noch leeren Mägen beeinflusst sein. Die Bedienung stellt ihn lächelnd bei uns ab und bleibt auch die gesamte Zeit unseres Besuchs freundlich und aufmerksam.

Vor unserem Fenster stehen einige wenige Tische draußen, die aber an diesem etwas kühlen Tag keine Gäste anlocken konnten. Wollte man sich zum Frühstück mit Ausblick auf die Fußgasaffen an der kleinen Kreuzung dort niederlassen, müssen wir allerdings eine wichtige Warnung aussprechen: Nach 12 Uhr wird es nicht mehr angeboten! Wer zu spät kommt, den bestrafen die Schwarzwaldstuben.

Als die beiden Eierspeisen nach längerer Wartezeit kommen, begeistern sie uns nicht. Sie sind zu salzig, eigentlich sogar hart an der Grenze zu versalzen.

fruehstuecke in der uebersicht

Das Frühstücksensemble auf einen Blick, Rührei mit Speck: 6 €, Rührei: 4,50 €, Hefezopf: 5,50 €.

Bevor das Frühstück geliefert wird, stellen wir uns die schon oft diskutierte Butter-Frage. Wir legen sie hier diesmal dar, weil wir vermuten, dass sie auch von anderen Frühstückenden zuweilen erörtert wird: Wird die Menge Butter für die angebotene Menge Brot ausreichen? Aus irgendeinem Grund haben wir nämlich einen wiederkehrenden Buttermangel auf Frühstückstellern festgestellt, die für (zumindest) Berlin typisch ist. Entweder andere Menschen verwenden Butter nur im Wege der Mikrodosierung oder gar nicht oder es gibt eine geheime Dienstanweisung der Gastro-Illuminaten, das Volk nicht zu sehr zu verwöhnen. Nun ist Butter keine sehr teure Beigabe, die man deswegen knapp bemessen müsste. Entsprechend können wir uns die strukturelle Butterknappheit nicht logisch erklären. Ärgerlich ist sie dennoch.

Der Hefezopf ist mit Abstand der beste, den wir seit langer Zeit gegessen haben. Er ist etwa eine drittel Elle lang, wird uns mit selbstgemachter Marmelade kredenzt und schafft es mühelos, das Frühstück zu etwas Besonderem zu machen. Das Gebäck ist das Highlight des Essens und hat gewissermaßen den zuvor eher mediokren Eindruck deutlich rausgerissen.

innenraum

Blick in den Innenraum der Schwarzwaldstuben. Foto: Jennifer Brooke, CC BY-NC 2.0.

Wir waren mit dem Hefezopf und einer Rechnung von insgesamt 29,90 Euro (ohne Trinkgeld) dann doch zufrieden. Verwundert hat uns während des Besuches, dass die Schwarzwaldstuben an einem Wochentag kurz vor Mittag vollständig leer sind. Wir befürchteten schon, dass ohne unser Wissen eine Zombieapokalypse begonnen hat oder der gesamte Kiez kollektiv zum Charivari eines ortsansässigen Galeristenpärchens gezogen ist, weswegen wir sicherheitshalber die gängigen Social-Media-Kanäle abklappern, um beim Rausgehen nicht überraschend angefallen oder beworfen zu werden. Als wir dann gehen, kommen jedoch eine ganze Reihe Mittagsgäste, so dass der Laden sehr schnell gefüllt ist. Vielleicht waren wir doch nur später als die üblichen Frühstücksgäste eingetroffen oder haben einfach einen leeren Tag erwischt.

Hingehen sollten alle, die nicht darauf bestehen, laktosefreie Milch angeboten zu bekommen, ihre Rühreier eher salzig und den Kaffee eher „fruchtig“ mögen und einen warmen, frisch gebackenen Referenzklasse-Hefezopf mit köstlicher Marmelade zu schätzen wissen.

Schwarzwaldstuben
Tucholskystraße 48, 10117 Berlin
Tel. (030) 28 09 80 84
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und Herr Vroomfondel als Testesser dabei. []

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Zehn Jahre danach: Kuchenrausch

Das „Kuchenrausch“ haben wir in wechselnden Teams in den letzten zehn Jahren für unsere beliebten und zumeist bekömmlichen Probeverköstigungen nachweislich bereits zweimal besucht. Die Wahrheit ist allerdings, dass wir auch zwischendurch und ohne Aufzeichnungen immer mal wieder dort waren. Da wir aber die Leser nicht mit Wiederholungen langweilen wollen, haben wir nicht jedesmal berichtet.

Heute machen wir[1] in unserer „Zehn Jahre danach“-Reihe jedoch eine Ausnahme, denn nach mehreren Jahren lohnt sich ein vergleichender Test vielleicht doch.

kuchenrausch, draussen

Tische vor dem „Kuchenrausch“: kostenlos, jedoch bei Regen unbeliebt.

In den warmen Monaten steht vor dem Lokal eine ganze Reihe von Tischen, bei denen aber oft alle Plätze belegt sind. Denn das „Kuchenrausch“ liegt gut sichtbar und mit den vielen Sitzplätzen einladend an der vielfrequentierten Simon-Dach-Straße. Nicht so heute, denn das Wetter streikt und treibt die Hungrigen nach drinnen.

Kaum sitzen wir, muss ein frischgepresster Orangensaft (3,70 €) und ein erster Cappuccino her:

cappuccino

Cappuccino: 2,50 €, Wasser dazu: kostenlos (und ohne Abbildung).

Die Bedienung ist gutgelaunt, schnell bei uns und bringt den Cappuccino ohne langes Warten. Anders als wir es sonst im schon öfter besuchten „Kuchenrausch“ kennen, wird das Lokal aber im Zuge unseres Besuches zunehmend leerer. Das führt interessanterweise dazu, dass die Kellner und Barkräfte miteinander zu schwatzen beginnen und uns dann links liegen lassen.

Wir studieren zunächst die Karte, aber nicht allzu gründlich, weil wir sie zum einen ganz gut kennen und uns zum anderen vorgenommen haben, die früher schon ausprobierten Gerichte nochmals zu vertilgen.

Das sind für erdgeist diesmal Benedikts Eier. Sie kamen in einer Variante mit Spinat:

benedikts eier

Auf der Rechnung stand „Eier Benedikt“: 8,80 €.

Zugegeben: Besonders ansehnlich ist die Eierspeise nicht. Eigentlich hätte das Gericht auch wegen des Spinats wohl in „Eggs Florentine“ umbenannt gehört. Aber wir wollen sprachlich nicht übermäßig kleinlich sein.

Da erdgeist die Eier mit einer auffällig eiligen Geschwindigkeit hinunterschlingt, drängte ihm 46halbe unmittelbar die Frage auf, wie lange er nichts mehr gegessen hätte. Die Antwort bleibt inhaltlich unbefriedigend. Am außerordentlichen Geschmack kann die Eile beim Verzehr nicht gelegen haben: Mehr als ein knappes „solide“ vergab erdgeist nicht.

Neben den Eiern wird in Anlehnung an den Besuch vor zehn Jahren auch wieder der Lackmustest unter den Frühstücken bestellt: das kleine Gemischte.

gemischtes fruehstueck

Kleines gemischtes Frühstück für 5,70 €.

Geliefert werden zwei verschiedene Sorten Käse sowie Wurst, Butter und Obst. Dazu kommen noch zwei Vollkornscheiben und ein Brötchen. Ein echtes Schmankerl ist aber die Marmelade von Orangen mit bitterer Note, die erdgeist nach eigenem Bekunden sehr mochte. Die Wurst auf dem Teller war frisch und nicht gerade erst aus der Packung genommen.

Der Preis stieg zwar von 4,10 Euro auf 5,70 Euro, optisch können wir zu der Version von vor zehn Jahren aber kaum eine Veränderung feststellen.

Und wo wir bei Veränderungen sind: Es gibt Gerichte, die sind wie gut funktionierende Beziehungskisten. Sie sollen möglichst genauso bleiben, wie sie sind. Dazu zählt das Rührei mit Frischkäse, das 46halbe bestellt. Käme sie eines Tages ins „Kuchenrausch“ und fände es nicht mehr in traditioneller Form in der Karte und dann auf dem Teller, würde das unweigerlich zum Boykott des Lokals führen.

ruehrei

Rührei mit Frischkäse: 5,50 €.

Das Rührei sieht auf dem Teller etwas verloren aus. Generell kann man wohl sagen, dass im „Kuchenrausch“ kaum Wert auf viel Deko-Schnickschnack gelegt wird. Das Rührei hat aber die richtige Menge und mundet 46halbe erwartungsgemäß.

Neben dem schon anfangs georderten Saft bestellen wir Latte macchiato, der ausweislich der Karte in einfacher Variante oder aber explizit mit doppeltem Espresso angeboten wird. Der Preisunterschied beträgt fünfzig Cent.

latte, doppelt

Latte macchiato mit doppeltem Espresso für 3,60 €.

Wir haben diesmal nicht die Zeit gemessen, bis der Kaffee vor unseren Nasen stand. Die Zeitspanne war aber vernachlässigbar kurz, so dass keine Koffeinmangelerscheinungen auftreten konnten. Falls solche Mangelerscheinungen, eine spontan eintretende Hoffnung auf einen Blümchenkaffee oder gar ein ganzer Frühstückswunsch aber mal zur Unzeit vorkommen sollten, braucht man nicht ängstlich auf die Uhr zu schauen:

fruehstueck, fast immer

Man muss nicht unbedingt vormittags frühstücken.

Eigentlich wollen wir nun das Frühstücken erstmal hinter uns lassen. Im Zustand „ziemlich vollgefressen“ und entsprechend mit leichter Lethargie blicken wir dann allerdings zur in der Mitte des Lokals plazierten Kuchenvitrine. 46halbe kann bekanntlich auch bei hohem Magenfüllstand irgendwie immer Platz für Kuchen finden. Also muss noch ein Käsekuchen her:

kaesekuchen

Stand auf der Rechnung als Käsetorte für 3,40 €.

Die beiden Kuchenstücken wirken vielleicht etwas mickrig, allerdings täuscht der Eindruck. Denn es handelt sich um ein großes Stück, das wir in der Mitte durchschneiden ließen. Ungemein praktisch: Streitigkeiten beim Finden der gerechten Verteilung des Kuchens untereinander konnten damit vermieden werden.

Auf die Ohren gibt es während des Besuches ein wenig Schlagermusik und auch mal Boney M., allerdings in einer Lautstärke, die nicht störend war.

Hingehen sollten alle, die sich gern an Kuchen berauschen wollen, eine recht umfangreiche Auswahl an Speisen suchen und bei gutem Wetter und Betonfrisur auch gern draußen sitzen.

Kuchenrausch
Simon-Dach-Straße 1, 10245 Berlin
Tel. (030) 55 95 38 55
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und erdgeist Testesser. []

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The Bowl

Wer vor Eintritt in ein Lokal noch während der Anfahrt einen „Hipster-Alarm“ auf dem mobilen Retro-Computer sieht, macht sich auf Schlimmes gefasst. Wird es Echtholztische und Edison-Lampen geben, wird man ohne Sneaker schief angesehen? Der Hinweg zum „The Bowl“ an der Warschauer Brücke ist dennoch von Neugier und mutiger Vorfreude geprägt, denn die Hoffnung frühstückt ja bekanntlich zuerst.

Wir[1] machen es uns am Fenster im warmen Sonnenschein gemütlich und freuen uns auf feinste Nahrung. Wir blicken durch eine große Fensterwand auf die Warschauer Brücke, die permanent von Bussen, Autos, Babybrummen und Straßenbahnen befahren wird. Doch davon hört man hier oben kaum etwas, denn wir sitzen im ersten Stock. Der Blick ist wunderbar, die Tische dort sind folglich sehr zu empfehlen.

blick aus dem fenster

Blick aus dem Fenster von „The Bowl“ auf die Warschauer Brücke.

So lassen wir unsere sonn-tägliche Stimmung nun gern zum Behufe des Lokals ausnutzen. Wie immer inspizieren wir zuerst die diesmal gänzlich tierproduktlose Speisekarte[2] und ordern die Getränke. 46halbe bestellt einen Latte und ein Mineral-Spritz mit veganem Sirup in der Geschmacksrichtung Holunderbeeren mit Minze.

latte-vegan

Latte in veganer Ausführung für 3,50 €.

Als der Latte für 46halbe kommt, ist sie zunächst skeptisch: Kuhmilch im koffeinhaltigen Heißgetränk ist eigentlich ein Muss. Doch der Latte schmeckt ohne Abstriche. Dazu wird uns Rohrzucker[3] gereicht.

Zucker, gekoernt

Rohrzucker, ansehnlich.

Wenig später gesellen sich die beiden anderen bestellten Getränke dazu:

mineral-spritz und latte

Mineral-Spritz (0,2 l) für 2,50 € und Turmeric Latte für 4,50 €.

laryllian hatte sich abenteuerlustig für einen Turmeric Latte[4] mit Kurkuma entschieden. Entgegen haltloser anderslautender Erwartungen ist sein Latte jedoch gar kein Kaffee, sondern tatsächlich ein Getränk auf Reis-Mandel-Basis, das er als sehr wohlschmeckend beschreibt.

gelber latte

Nur zum neidisch werden: Detailaufnahme des Turmeric Latte.

Später ordert laryllian noch einen Cappuccino (2,90) sowie einen Mineral-Spritz Ingwer-Pflaume, den er aber als zu süß brandmarkt und geschmacklich darin einen deutlichen Pflaumenüberhang konstatiert.

Was das eigentliche Frühstück angeht, entscheidet sich 46halbe für gebackenen Blumenkohl mit Kichererbsen-Umarmung, selbstverständlich inklusiv und glutenfrei:

Blumenkohl als Frühstück

Gebackener Blumenkohl: 5,50 €.

Natürlich ist das kein eben typisches Frühstücksgericht, aber von althergebrachten Traditionen lassen wir uns nicht verunsichern. Wir essen schließlich unser Frühstück an diesem Tag gegen 13 Uhr. Und wo wir schon dabei sind, Traditionen zu brechen: Ganz gegen die sonstigen Gewohnheiten ordern wir auch eine Speise zum gemeinsamen Verzehr:

suesskartoffeln

„Süßkartoffel Fries“: 5,50 €.

Der gemeinsame Verzehr einer Speise gilt als riskant: Einer der Essenden kommt meistens zu kurz. Diesmal jedoch bleibt die Aufteilung fair und damit ohne Gabelhacken um die letzten Stückchen, großartig.

Eingangs ist die Bedienung bei der Entgegennahme unserer Bestellungen ein wenig knurrig, später aber lächelt sie auch mal. Ansonsten bleiben wir weitgehend ungestört, es kann aber etwas dauern, bis das Geschirr abgeräumt wird.

Den höchsten Ausschlag auf der nach oben offenen Hipster-Skala erreicht diesmal die außerdem bestellte „Superfood Joghurt Bowl“, die sich laryllian gönnt.

superfood

„Superfood Joghurt Bowl“: 6,50 €.

Anders als 46halbe empfindet laryllian die Essensportionen als zu klein, was ihm allerdings oft so geht und daher nicht zu sehr in die Wertung einfließen soll. Es wird also noch eine Guacamole mit Mohrrüben, Sellerie und Gurken hinterhergenossen. Sie erhält trotz einsetzenden Sättigungseffekts hohes Lob: Sie ist frisch, gut gewürzt, ausgewogen und kommt mit einer dunklen und angenehm feuchten Körnerbrotkombination.

Vanilla Almond Cake

Guacamole: 4,50 €.

Zum Schluss gönnen wir uns dann noch einen letzten Gang in Form gar göttlicher Gaumen-Glorie: Wir bestellen nichtsahnend einen Vanilla Almond Cake für laryllian und eine Schokokuchen-Kokos-Mousse für 46halbe.

Vanilla Almond Cake

Vanilla Almond Cake: 5,50 €.

Beim ersten Schmecken der Schokolade blicken wir uns tief in die Augen, beide mit einem wissenden Blick, der sagt: Sollte es mit der Welt einst zu Ende gehen, dann bitte mit diesem Geschmack von zarter, aber sehr präsenter Schokoladennote, wunderbar luftig, doch auch tief und mächtig, mit einem Ideechen Kokos, aber gerade nur so angedeutet wie ein Blütenhauch im Frühlingswind. Na gut, man merkt uns an dieser Beschreibung unsere Begeisterung wohl an, aber wir wollen sie auch nicht verbergen.

Schokokuchen Kokos Mousse

„Schokokuchen Kokos Mousse“: 4,50 €.

Der Kuchen wird von 46halbe mit einem ebenso seeligen Lächeln verspeist. Unser Fazit zum Nachtisch: Dringend als Aussteuer geeignet, grandioser Genuss garantiert, allein für das Dessert würde eine Hochzeitsfeier lohnen.

Fast ein bisschen zu gut gesättigt für insgesamt 47,90 (ohne Trinkgeld) und rundum froh verlassen wir das Etablissement, um noch wohlig verdauend und plaudernd zu flanieren.

Hingehen sollten alle, die von Kellnern nicht übermäßig oft belästigt werden möchten, an den Toiletten auch mal das Anstehen verkraften können, Wert auf fleischfreie Speisen mit spannenden Gewürzen sowie köstliche Nachspeisen legen, aber damit klarkommen, eine Speisekarte voller Agovis-Probleme zu lesen.

The Bowl
Warschauer Straße 33, 12043 Berlin
Telefon: 030 / 29 77 14 47
the-bowl.de

Eine Außenansicht auf das Haus findet sich an dieser Stelle. Die Aufnahme ist von der Warschauer Brücke aus entstanden. Unten im Haus ist ein Bio-Markt, der offenbar auch sonntags offen ist.

Die Fotos oben wurden mit einem Fairphone Zwo gemacht.

  1. Es trafen sich zum Frühstücksfest: 46halbe und laryllian. []
  2. Natürlich sind es nicht nur die Speisen, die ein schönes Frühstück wirklich ausmachen, sondern im Kern die Begleitung. :} []
  3. Mit der typischen braunen Färbung und grob gekörnt. []
  4. Ja, wir haben das auch nachgeschlagen, aber erst danach. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain

Zehn Jahre danach: Nola’s am Weinberg

Dieses Frühstücksblog besteht seit mehr als zehn Jahren. Nicht nur deswegen haben wir beschlossen, einige der früher bereits besuchten Orte nochmals heimzusuchen und die verzehrbare Wertarbeit Berliner Frühstücksprofis erneut auf Gaumentauglichkeit und optische Reize zu überprüfen. Wir[1] versuchen es zuerst im Nola’s am Weinberg. Im Sommer vor zehn Jahren hatte unser Testteam auf der Terrasse gesessen, dafür ist der März allerdings diesmal zu kühl.

Drinnen sitzen wir aber auch wunderbar: vor einer großen Fensterfläche, durch die helles Licht fällt. Wir können viel vom Berliner Himmel sehen, nur leider an diesem Tag so gar keine Sonne. An der Wand prangt ein historisch anmutendes Paar Skier, ein Regal steht voller Weinflaschen und die Musik säuselt angenehm leise, immer im Hintergrund wahrnehmbar, aber nie störend.

Zur besseren Vergleichbarkeit suchen wir nach den Speisen, die vor zehn Jahren genossen wurden, und bestellen das Frühstück „Der Ami z’Morgä“. Wie man das korrekt ausspricht, erfahren wir nicht: Das Personal beherrscht kein Schweizerdeutsch, gibt das aber auch freimütig zu. Niemand von uns ahnt also, wie man gewisse Speisen in der Karte ausspricht. Unsere Bedienung gibt verschmitzt zu bedenken, dass es vielleicht auch besser wäre, es nicht zu versuchen – jedenfalls als Nichtschweizer.

Das Frühstück steht nach nur kurzer Zeit bereit:

o-saft

Frühstück „Der Ami z’Morgä“: 12,- €.

Den optischen Vergleich zur damaligen Version braucht es jedenfalls nicht zu scheuen.

Zum Frühstück gehören zwei kleine Pancakes, ein Bagel mit Rukola und einem unbekannten weißen, cremeartigen Milchprodukt drauf sowie genügend knuspriger Bacon. Dazu gab es noch einen Obstsalat, der aber etwas kühl war, geschmacklich jedoch nicht enttäuschte.

Den dazu kredenzten Honig beschreibt benks gleich zweimal als „köstlich“, während er ihn in fluffige Pancakes eingesogen verzehrt.

ruehrei

Rührei mit Toast und Salat: 6,- €.

Das damals bestellte gemischte Frühstück finden wir allerdings nicht mehr auf der Karte, so wird ein klassisches Rührei geordert. Leider muss mal wieder ein unangekündigter Tomatenalarm ausgerufen werden, der nur durch einen beherzt zielgerichteten Gabeleinsatz des Tischgegenübers nicht zu einem jähen Ende des kulinarischen Feldversuchs führt.

Zum Rührei bestellt wurde noch ein frisch gepresster Orangensaft, der in kleiner Ausführung 3,50 Euro kostet.

cappuccino

Cappuccino für je 3,- €.

Wir haben nach dem Essen noch mehrere koffeinhaltige Heißgetränke bestellt, wohlwissend, dass dann der Zahnklempner beim nächsten Besuch wieder Ermahnungen aussprechen würde. Aber sowohl der Cappuccino als auch der Soya-Macchiato schmeckten eben nach mehr. Die Latte-Kunst der Gattung Farngewächs erfreute zusätzlich. Der ganz normale Kaffee kostet 2,50 Euro.

cappuccino

Jetzt kostet der Latte Macchiato je 3,50 €. Sojamilch wird auch angeboten.

Der zweite Cappuccino hatte übrigens einen kaum sichtbaren Tropfen übergelaufener Milch auf dem Löffelchen, den die Bedienung beim Abstellen bemerkte. Ohne zu zögern wollte er die Tasse wieder ergreifen und meinte: „Ich bringe einen neuen Cappuccino.“ Das haben wir aber dann doch als übertrieben abgelehnt. Mit einer Rechnung von zusammen 37 Euro ohne Trinkgeld waren wir in jeder Hinsicht gut bedient.

Hingehen sollten alle, die kein Netz brauchen, aber einen erfreulichen Ausblick mit überdurchschnittlich viel Himmelsfläche zu schätzen wissen, gleichzeitig einen Preis zu zahlen bereit sind, der selbst in einem Portemonnaie vom Typ Wuchtbrumme auffällt, aber durchaus im Verhältnis zu Qualität und Menge des Dargebotenen steht.

Nola’s am Weinberg
Veteranenstraße 9, 10119 Berlin-Mitte
Tel. (030) 440 407 66
Webseite, Blick auf das Lokal im Sommer

  1. Diesmal 46halbe erstmals mit benks unterwegs. []

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Quchnia

Auch abseits ausgetretener Frühstückspfade gibt es in Berlin mit Mut und Entdeckerfreude durchaus kulinarische Pretiosen zu finden. Das Risiko eines lentaculischen Fehlschlags besteht dabei natürlich immer. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Als waschechte Berliner würden geübte Frühstücker[1] wegen der bekannten Touristengefahrenzone am Gendarmenmarkt die Gegend eigentlich meiden. Aber um es vorwegzunehmen: Wir haben den Besuch nicht bereut.

Dass wir nicht herausfinden konnten, wie man das Wort „Quchnia“ korrekt spricht, hielt uns – auch mangels bewährter Alternativen in der Gegend – nicht lange auf. Das beim Eintreten wie ein Café wirkende Lokal wirbt mit einer Art Untertitel für sich: Kaffee – Brot – Kultur.

gendarmenmarkt

Der Blick auf den Gendarmenmarkt, wenn man vor dem „Quchnia“ steht. Bild: Drantcom, Creative Commons BY-ND 2.0.

Der Kellner fragte uns beim Erstkontakt schon automatisch, ob wir die Karte auf Englisch wollen, denn das Publikum setzt sich aus dem in der Gegend zu erwartenden Touristenstamm, den ortsansässigen Bewohnern teurer Investment-Wohnungen mit Großsonnenbrillenproblem und erkennbarer Nichtzugehörigkeit zur Arbeitsgesellschaft sowie Pseudo-Neureichen mit Alexverbot zusammen.

Das schreckt uns aber nicht. Denn wir sind nicht nur hungrig, sondern auch neugierig. Wir schauen uns die Karte im Grunde nur sehr kurz an, denn auf dem Tisch steht ein (zweisprachiges) Hinweiskärtchen, das unsere Aufmerksamkeit erregt:

hinweisschild

Hinweisschild für das Frühstück „Jakob’s“.

Das dort angepriesene „Frühstücks Menu“ löst zwar einen Agovis-Alarm bei uns aus, gepaart mit dem Deppenapostroph ist es aber irgendwie in sich stimmig und authentisch. So entscheiden wir uns beide für das Frühstücksensemble „Jakob’s“.

Die Frage von 46halbe „Kann ich das auch ohne Avocado haben?“ stößt auf zwei unmittelbare Reaktionen: erhebliches Unverständnis beim Kellner mit dem Hinweis, dass das kulinarisch schade wär, sowie der gleichzeitige Ausruf „Kann ich ihre Avocado auf meinem Frühstück haben!?“ bei Herrn Vroomfondel. Das bewog die noch leicht zweifelnde 46halbe dann doch, die unveränderte Avocado-Variante tapfer im Dienste der Wissenschaft auszuprobieren.

2 o-saft

Der große frische Orangensaft kostet 6,50 €.

Noch vor dem schon heiß ersehnten Kaffee kommen die beiden großen frischgepreßten Orangensäfte. Sie schmecken wie erwartet gut.

2 cappuccino

Cappuccino, Einzelpreis 3,50 €. Für die laktosefreie Variante muss man allerdings einen Aufpreis von sechzig Cent berappen und damit also 4,10 €.

Wenig später gesellen sich dann die beiden Cappuccinos hinzu. Die „TTC“ (time to cappuccino) lag mit sechs Minuten im Schnitt.

jakob sein fruehstueck

Das Avocado-Gedicht aus „Jakob’s“. Kostet einzeln 9,50 €.

46halbe hat es nicht bereut, die Avocados zu testen: Diese Avocado-Frischkäse-Rührei-Speck-Sauerteigbrot-Mischung mit einem Hauch Limette ist schlichtweg köstlich! Herr Vroomfondel nickt nur genüsslich kauend.

Es gibt allerdings ein kleines Ärgernis mit den Messern: Dieses „Messerproblem“ hat vermutlich mit der Spülmaschine zu tun, denn der Griff des Schneidwerkzeugs besteht aus Holz und ist genietet. Aus den Zwischenräumen tritt Restwasser aus, so dass man die Hände abtrocknen kann, solange man lustig ist – sie sind nach erneutem Schneiden wieder feucht. Wir hielten unsere Abgunst darob angesichts der köstlichen Speise jedoch im Zaum.

Einen Abzug in der „B-Note“ und letztlich der Grund, warum wir nach dem Essen nichts weiter bestellten, sondern recht schnell das Weite suchten: Die Tür des Lokals, vor dem auch Tische in der Sonne standen, wurde im Laufe unseres Besuchs dauerhaft geöffnet. Das stellte sich nach einigen Minuten bei ungefähr zehn Grad Außentemperatur nicht mehr als allzu angenehm zum Verweilen heraus. Wir haben das zwar gegenüber einem Kellner auch angemerkt, aber die Tür blieb offen.

Ein gewisses Verständnis für die offene Tür konnten wir aufbringen: Ein Kellner, der sie dauernd öffnen und schließen muss, hat eine Motivation, sie irgendwann offenzulassen – zumal bei Sonnenschein. Weil er sich während der Arbeit permanent bewegt, wird ihm die kühle Luft nicht weiter auffallen. Wäre er allerdings aufmerksam, hätte er sehen können, dass Gästen an vielen Tischen drinnen fröstelte. Mal abgesehen davon, dass die Abgase der draußen sitzenden Raucher unweigerlich in den Laden strömten.

Für uns war der leckere Teil des Tages dann eben schneller vorbei, wir bezahlten zusammen 43,70 € (ohne Trinkgeld) und ließen die Avocado-Freuden hinter uns. Deshalb muss der Inhalt der durchaus ansehnlichen Kuchenvitrine dieses Mal unbewertet bleiben.

Hingehen sollten alle, die aus irgendwelchen Gründen am Gendarmenmarkt zum Frühstück gestrandet sind, gerne eine ebenso innovative wie leckere und überaus sättigende Avocado-Rührei-Speck-Sauerteigbrot-Kombination verdrücken und dabei Touristen begucken wollen.

Quchnia

Markgrafenstraße 36, 10117 Berlin-Mitte
Tel. (030) 30 20 60 92 86

Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und Herr Vroomfondel als Testpersonen unterwegs. []

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Filed under À la carte, Mitte

Sybille

Die „Sybille“ ist nicht nur dem Namen nach ostig. Wer irgendwas anderes denkt, wenn er zum ersten Mal vor dem Café Sibylle steht, hat wahrscheinlich die Gnade später Geburt erfahren und weiß deshalb mit dem Begriff gar nichts anzufangen. Das Team[1] ist nicht ganz zeitgleich angekommen, ein Platz am großen Fenster aber gar kein Problem, denn wochentags am späten Vormittag ist die „Sybille“ nicht gerade überfüllt. Also bietet es sich für uns an, doch mal herauszufinden, ob das nur am inzwischen etwas ungünstig gelegenen Ort des Lokals in der Karl-Marx-Allee liegt, der nicht mehr als beliebte Frühstücksecke bekannt ist. Die besten Zeiten hat die ehemalige Flaniermeile schließlich hinter sich, auch die jüngsten Wiederbelebungsversuche verfangen nur mäßig.

innenraum sybille

Blick in den Innenraum der „Sybille“.

Der Blick aus dem Fenster legt die merkwürdige architektonische Schönheit des „Sozialistischen Realismus“ der Karl-Marx-Allee (bis 1961 Stalinallee) frei, die steingewordene Utopie einer sozialistischen Straße, deren ausladend und pathetisch überhöhtes Antlitz einst die Arbeiter, Bauern und Stutzer der jungen DDR beim Flanieren auf ihre frische volksdemokratische Herrschaftsrolle hinweisen sollte.

stalinallee

Blick aus dem großen Fenster der „Sybille“ auf die Karl-Marx-Allee.

Wir setzen uns also in das ein wenig nostalgisch gestaltete Lokal, das mit allerhand Kunst an den Wänden bestückt ist, und bestellen zuerst die koffeinhaltigen Heißgetränke, die uns ohne lange Verzögerung gereicht werden. Der Tee, Geschmacksrichtung „Bergkräuter“, den monoxyd geordert hat, kommt nicht gut an.

kraeutertee

Kräutertee: 2,20 €.

Er bemerkt dazu, daß dieser „am oberen Ende der Abgespackt-Skala“ liege. Wir wissen auch nicht so genau, was er damit meint, schauen aber möglichst neutral in seine Richtung. Ein Kompliment soll es seinem Gesichtsausdruck nach wohl nicht sein.

zwei latte

Latte macchiato: je 2,90 €.

Der Kaffee muss leider das Prädikat „lappig“ bekommen. Er wird mit einem kurzen „Tschüssikowski“ hinabgestürzt.

espresso

Espresso: 2,20 €.

Auch der später bestellte Espresso ist schwach, erstaunlich schwach – es scheint, die Tradition des Blümchenkaffees würde in der „Sybille“ hochgehalten. Da tröstet nur die entgegenkommende Bedienung und eine große Kirsch-Schorle (0,4 l für 3,50 €).

ruehrei

Rührei mit Kräutern (3,80 €) und das Französisches Frühstück (2,50 €).

Die Auswahl der Frühstücke in der Karte ist zwar ein wenig dürftig, aber ein schönes Rührei mit Brot und Butter findet sich immer, dazu ein Französisches Frühstück mit einem Croissant, Marmelade und Butter, für das sich in dieser Kombination sowohl monoxyd als auch 46halbe entscheiden. Klingt eben nach einem perfekten Morgen. Das Rührei kommt über die Bewertung „ganz gut“ allerdings dann doch nicht hinaus.

continental

Frühstück „Continental“: 4,95 €.

Das von erdgeist erwählte „Continental“, das in der Rechnung später als „Deftiges“ verzeichnet ist, stellt sich als solides Frühstück mit hohem Grünanteil heraus: etwas Salami, Schinken, Käse, Marmelade und Butter. Auch diese Zusammenstellung erinnert ein wenig an die DDR, wenn man das viele Grün abzieht. Vielleicht kommt doch noch der eine oder andere Wendehals ganz gern in das Lokal, in der Gegend sollen ja überproportional viele gelebt haben. Wir genehmigen uns jedenfalls noch ein paar koffeinhaltige Heißgetränke und beginnnen danach frohgemut den Tag.
Hingehen sollten alle, die liebevollen Service und ein gutes Preis-Leistung-Verhältnis zu schätzen wissen, das mit insgesamt 34,55 Euro für drei hungrige Mäuler mit Koffeinmangel wirklich wenig zu meckern übrig läßt.

Sybille

Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin
Tel. (030) 29 35 22 03

Webseite

  1. Diesmal waren monoxyd, 46halbe und Herr erdgeist als Testpersonen unterwegs. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain

Kahrmann’s Own

Als die Welt noch in den Fugen war, die Sonne noch jeden Tag schien, haben wir ein zuvor noch nicht erprobtes Frühstücksangebot austesten wollen. Nachdem wir den besten Platz des Lokals[1] erobert und uns gesetzt haben, dauert es nicht lange, bis die Bedienung an unseren Tisch kommt. Es ist kurz nach zehn Uhr morgens, entsprechend verkünden wir freudestrahlend: »Wir würden gern frühstücken.« Der geplante perfekte Morgen beginnt mit einer herben Enttäuschung: »Frühstück? Da seid ihr hier falsch.«

Dieser Dialog zwischen uns[2] und der Bedienung findet im »Kahrmann’s Own« in der Bötzowstraße statt, unweit vom Volkspark Friedrichshain. Dem Barista fällt aber sofort auf, daß er sich wohl unvorteilhaft ausgedrückt hat und setzt rasch hinzu: »Hier gibt es kein klassisches Frühstück, aber dafür belegte Stullen. Und Suppe.« Suppe zum Frühstück? Warum nicht, sagen wir uns.

speisetafel

Blick zum Tresen.

Die Speise- und Getränkekarte besteht aus einer großen Tafel hinter der Bar und ist angenehm übersichtlich. 46halbe entscheidet sich spontan für eine Stulle mit Frischkäse. Leider bekommt sie erneut einen Korb. Frischkäse steht leider nicht auf der Karte und ist somit nicht lieferbar. Wir hatten die Karte eher für eine Richtlinie gehalten, aber wählen schließlich doch etwas aus ihrem Angebot: Da es weder Chorizo noch Mortadella gibt, wir aber dem Schweinesystem verhaftet bleiben, wählen wir Serranoschinken.

flat white

Flat White und Caffè Latte, 2,20 und 2,60 €.

Der dazu bestellte Flat White sowie ein Caffè Latte kommen ziemlich schnell, leider haben wir die TTL nicht gemessen. Zeitgleich gesellt sich ein Orangensaft dazu, der (absichtlich) ohne Glas genossen wird. Als 46halbe nach qualitativen Aussagen bezüglich der koffeinhaltigen Gaumenfreuden drängt, erschrecken wir ein wenig darüber, daß uns der Kaffee nicht weiter auffällt, da er einfach gut ist. Er paßt zum perfekten Platz im Lokal.

Für regen Kontakt mit der sehr verbindlichen Bedienung ist spätestens gesorgt, als die Speisen serviert werden. Denn die Vorstellungen von der perfekten Anzahl an Tomatenscheiben auf der Stulle gegen offenbar weit auseinander. Bei 46halbe ist eine gewisse Gewöhnung eingetreten, daß die rote Pest einfach überall zwischengeklemmt wird, dennoch ist das ewige vorsichtige Rauspökeln der tropfenden Tomaten überaus lästig.

stullen

Stulle mit Tomate und Mozzarella: 3,30 €, Stulle mit Serranoschinken: 3,60 € (ohne Abbildung).

Die Stulle von sak war solide, der Mozzarella war nicht besonderes geschmacksintensiv – aber das erwartet man außerhalb Italiens auch nicht ernsthaft. Erfreulicherweise wurde kein Schindluder mit grünem Pesto getrieben, die Stulle enthielt frischen Basilikum. Vielleicht sollte man noch erwähnen, daß beide Stullen getoastet waren, was viele mögen, aber manche eben nicht.

sak hat die Angewohnheit, noch Zeitung auf totem Baum zu lesen, bringt diesmal sogar zwei Exemplare mit, weil auf dem Weg von Frankfurt bis Berlin ein katholisches Bundesland liegt.[3] Das ist im »Kahrmann’s Own« jedoch unnötig, da auf dem Nebentisch eine Armada an papiernen Postillen liegt, allerdings an oberster Stelle die peinliche Zeitung mit den sehr großen Buchstaben. Das gibt Abzug in der B-Note.

Die Suppe von 46halbe stellt sich als ein wahres Gedicht heraus, auch ohne Würstchen, die nicht mitbestellt wurden, aber dafür Trüffelöl. Das Lob an die Köchin läuft allerdings ins Leere, sie bleibt anonym, genau wie die sonstigen Gewürze. Auf Rückfrage an die Bedienung, welche Gewürze die Kartoffelsuppe so bemerkenswert köstlich machen, erhalten wir keine sachdienliche Auskunft. Wir wissen daher nicht, was die Suppe so wohlschmeckend macht.

suppe

Kartoffelcrèmesuppe, 3,90 €, optional mit geschnittenen Würstchen: 4,50 € (ohne Abbildung).

46halbe bestellt nach dem Essen noch einen weiteren Flat White. »Ich schließe mich dem an«, sagt sak. »Kein Problem, ich mach einfach zwei Strohhalme rein«, lacht uns der Barista an, der offenkundig gute Laune hat. Er und das gesamte Ambiente lassen ein Wohlgefühl aufkommen, auch die Musik im Hintergrund ist angenehm. Keine Café-del-Mar-Fahrstuhlmusik, sondern ein paar Cover-Versionen, etwa vom alten Violent Femmes-Klassiker »Gone, Daddy, Gone«, den nicht mal Shazam kennt.

klingel ohne ton

Die Klingel auf dem Tresen.

Ein besonderes Feature erregt noch unsere Aufmerksamkeit: Ist der Barkeeper mal in der Küche (»raus aus dem Hygienebereich!«), kann man nach ihm klingeln. Schlägt man aber die bereitstehende Klingel auf dem Tresen an, hörte man ein lautes – Nichts; sie bleibt stumm. Der Mechanismus muß ein anderer, unsichtbarer und unhörbarer sein: Die Bedienung erscheint dennoch. :}

Hingehen sollten alle, die unter Frühstück in erster Linie Kaffee verstehen und nicht zwingend Obst-Origami oder andere Roßtäuscher-Ablenkungsmanöver auf dem Frühstücksteller benötigen. Wer ein Fernsehempfangsgerät besitzt, wird vielleicht den Namensgeber und Besitzer aus der Lindenstraße kennen. Ob das jetzt ein Grund für oder gegen den Besuch ist, bleibt natürlich dem Leser überlassen.

Kahrmann’s Own
Bötzowstr. 21, 10407 Berlin
Tel. (030) 330 290 26
Außenansicht

  1. siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Locus_amoenus []
  2. 46halbe war mit sak unterwegs, der keine digitale Kamera besitzt und daher sein Unfairphone für die Fotos nutzte. []
  3. Aufgrund des Feiertags http://de.wikipedia.org/wiki/Mari%C3%A4_Himmelfahrt wurde die Donnerstagszeitung nicht ausgeliefert. []

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Nest

Das Nest

Das Nest

Teilen des Frühstücksteams[1] sind viele in Berlin verfügbare Frühstückslokalitäten bekannt. Aber nur deswegen, weil sie den größeren Teil ihres Medienelitenbohemianlebens zu späterer Stunde mit alkoholischen Getränken an ebenjenen Orten verbringen, die es einfach versäumen nach der Frühstückszeit ihre Pforten zu schließen.

Das in Kreuzberg ansässige Nest gehört, genau wie das Bateau Ivre, zu diesen Orten. Für unsere Leser sind aber keine Mühen zu klein, deswegen wurde zu nachtschlafender Zeit (das Nest öffnet um 10:00 Uhr) der Rand des Görlitzer Parks besucht, um die übersichtliche, aber wohlsortierte Frühstückskarte des Nests zu durchforsten.

Milchkaffee (2,80 €) und Darjeeling (2,20 €)

Milchkaffee (2,80 €) und Darjeeling (2,20 €)

Ein Erlebnis, dass sich als ambivalent herausstellen sollte. Schon die erste Lieferung Heißgetränke kann dafür als Beispiel herhalten. Während der Darjeeling zwar lose im Beutel angeliefert wurde[2], entpuppte sich der Milchkaffee als wässrig. Also so, dass die herzkranke Großmutter vielleicht ihren Hochgenuß daran gefunden hätte, aber der unterkoffeinierte Berufsjugendliche einer schlimmen Zumutung ausgesetzt war.

Nichtsdestotrotz wurden in selten synchroner Simultanübereinstimmung „Gemischte Frühstücke“ bestellt, die jeweils durch ein gekochtes Ei und in einem Fall noch durch ein Zusatzcroissant[3] erweitert wurden. Noch bevor eine Bewertung der Verspeisung vorgenommen werden konnte, fiel auf, dass die gut bestückte Frühstücksplatte keinen Platz mehr für eine Auf- und Belegung der mitgelieferten Teigwaren bot, so dass ein zusätzlicher Teller wohl angebracht gewesen wäre.

Gemischtes Frühstück (6,40 €) mit Ei {1,20 €) und Croissant (1,50 €)

Gemischtes Frühstück (6,40 €) mit Ei {1,20 €) und Croissant (1,50 €)

Das Frühstück selbst entpuppte sich als akzeptabel mit kleinen Abstrichen. Menge und Auswahl waren zwar völlig zufriedenstellend, aber leider stellte sich heraus, dass den anwesenden Wurst- und Käsespezialitäten leider das Spezielle fehlte. Vielmehr muss unterstellt werden, dass sie aus einer handelsüblichen Supermarktplastikpackung entnommen wurden, wie sich an dieser bildlichen Darstellung eines Käselappens sehr gut nachvollziehen lässt.

Käse, lapprig

Käse, lapprig

Aber bevor sich allgemeiner Hass breit machen konnte und das Nest von einer Welle gerechten Zorns durchfegt wurde, beruhigte das mitgelieferte Ei die erhitzten Gemüter. Es muss neidlos postuliert werden, dass  in den Weiten der Berliner Frühstückswelt selten eine Hühnerperiode so perfekter Konsistenz serviert wurde.

Frühstücksei perfekter Konsistenz

Frühstücksei perfekter Konsistenz

Dermaßen hochgradig verwirrt und trotz abwertender Tendenzen unentschlossen, wurde ob eines endgültigen Urteils ein Kleinod bestellt, dass den Frühstückgast zwischen den herkömmlichen Morgenmahlzeiten aus der Karte anlacht. Arme Ritter. Mit Apfelkompott. Schlimmes Resteessen oder kulinarische Offenbarung? Das auswurfartige Foto lässt nichts Gutes vermuten und auch die getrockneten Bananenscheiben sorgten bei der Hälfte aller befragten Testsubjekte für Irritation und Unbehagen.

Arme Ritter mit Apfelkompott (4,20 €)

Arme Ritter mit Apfelkompott (4,20 €)

Das Apfelkompott hätte zwar warm sein können, aber dennoch erfreute der winterliche, leicht zimtige Geschmack den Gaumen. Mit den herkömmlichen Armen Ritter hat das aber nur entfernt zu tun, es handelt sich eher um die Variante des Hofritters, der in vollem Ornat dem König zur Hand geht. Die Grundlage ist dieselbe, aber das Ergebnis dennoch ein anderes. Aber wie gesagt, eine gute, süße Bereicherung eines jeden Morgens.

War es also doch möglich, hier ein vollkommenes Frühstück zu erstehen, wenn es nur gelingt die gefährlichen Klippen der Mittelmäßigkeit zu umschiffen? Ein letzter Heißgetränketest sollte Klarheit bringen.

Kaffee (1,80 €) und Doppelter Espresso Macchiato mit Sojamilch (3,00 €)

Kaffee (1,80 €) und Doppelter Espresso Macchiato mit Sojamilch (2,70 €)

Der Kaffee wurde zwar etwas undurchsichtiger geliefert, war aber leider immer noch zu dünn. Ob hier heimlich Homöopathen am Werk sind? Auch der Espresso konnte keinen Gefallen finden. Er war zwar stark genug, aber zu sauer. Wie gesagt: Das Nest ist ein ambivalentes Erlebnis.

Wer sich an edlen Armen Rittern, perfekten Frühstückseiern und leckerem Tee erfreut, kann hier in sehr angenehmer Atmosphäre einige gemütliche Morgenstunden verbringen. Für einen großen Frühstücksrundumschlag oder fortgesetzten Kaffeegenuß sollte dennoch ein anderer Ort aufgesucht werden.

Was allerdings nicht verschwiegen werden soll: Ab Mittag ändert sich das Bild, da sich das Nest auf das Zubereiten warmer, einfacher Mahlzeiten ungleich besser versteht, als auf die frühen Morgenstunden. Im Berlin Lunch Blog bekäme das Nest also durchaus eine gute Empfehlung, die nicht von so vielen Einschränkungen begleitet ist, wie dieser Bericht. Aber das ist eine Geschichte, die an anderer Stelle erzählt werden muss.

Für kurzes Amüsement sorgte das Schild mit einem durchgestrichenen Kinderwagen und der Aufschrift „Alle Parkplätze belegt.“ Was wie die diplomatischste Variante des Barner Pollers wirkt, die uns jemals begegnet ist, entpuppte sich aber tatsächlich als freundlich gemeinter Hinweis: Beim Verlassen des Lokals waren keine Kinderwagen mehr zu sehen und dementsprechend das Schild auch weg.

Das Nest
Görlitzer Str. 52, 10997 Berlin

030 627 357 87
cafenest.de

PS: An diesem Ort entstand übrigens das Bild, dass seitdem traditionsgemäß als ikonifizierter Avatar des Autors gilt.

  1. We are looking at you, Teresa. []
  2. wir wollen an dieser Stelle gnädig darüber hinweg sehen, dass sich der Beutel bereits in der Tasse befand []
  3. beides kostenpflichtig []

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