Category Archives: Friedrichshain

Sybille

Die „Sybille“ ist nicht nur dem Namen nach ostig. Wer irgendwas anderes denkt, wenn er zum ersten Mal vor dem Café Sibylle steht, hat wahrscheinlich die Gnade später Geburt erfahren und weiß deshalb mit dem Begriff gar nichts anzufangen. Das Team[1] ist nicht ganz zeitgleich angekommen, ein Platz am großen Fenster aber gar kein Problem, denn wochentags am späten Vormittag ist die „Sybille“ nicht gerade überfüllt. Also bietet es sich für uns an, doch mal herauszufinden, ob das nur am inzwischen etwas ungünstig gelegenen Ort des Lokals in der Karl-Marx-Allee liegt, der nicht mehr als beliebte Frühstücksecke bekannt ist. Die besten Zeiten hat die ehemalige Flaniermeile schließlich hinter sich, auch die jüngsten Wiederbelebungsversuche verfangen nur mäßig.

innenraum sybille

Blick in den Innenraum der „Sybille“.

Der Blick aus dem Fenster legt die merkwürdige architektonische Schönheit des „Sozialistischen Realismus“ der Karl-Marx-Allee (bis 1961 Stalinallee) frei, die steingewordene Utopie einer sozialistischen Straße, deren ausladend und pathetisch überhöhtes Antlitz einst die Arbeiter, Bauern und Stutzer der jungen DDR beim Flanieren auf ihre frische volksdemokratische Herrschaftsrolle hinweisen sollte.

stalinallee

Blick aus dem großen Fenster der „Sybille“ auf die Karl-Marx-Allee.

Wir setzen uns also in das ein wenig nostalgisch gestaltete Lokal, das mit allerhand Kunst an den Wänden bestückt ist, und bestellen zuerst die koffeinhaltigen Heißgetränke, die uns ohne lange Verzögerung gereicht werden. Der Tee, Geschmacksrichtung „Bergkräuter“, den monoxyd geordert hat, kommt nicht gut an.

kraeutertee

Kräutertee: 2,20 €.

Er bemerkt dazu, daß dieser „am oberen Ende der Abgespackt-Skala“ liege. Wir wissen auch nicht so genau, was er damit meint, schauen aber möglichst neutral in seine Richtung. Ein Kompliment soll es seinem Gesichtsausdruck nach wohl nicht sein.

zwei latte

Latte macchiato: je 2,90 €.

Der Kaffee muss leider das Prädikat „lappig“ bekommen. Er wird mit einem kurzen „Tschüssikowski“ hinabgestürzt.

espresso

Espresso: 2,20 €.

Auch der später bestellte Espresso ist schwach, erstaunlich schwach – es scheint, die Tradition des Blümchenkaffees würde in der „Sybille“ hochgehalten. Da tröstet nur die entgegenkommende Bedienung und eine große Kirsch-Schorle (0,4 l für 3,50 €).

ruehrei

Rührei mit Kräutern (3,80 €) und das Französisches Frühstück (2,50 €).

Die Auswahl der Frühstücke in der Karte ist zwar ein wenig dürftig, aber ein schönes Rührei mit Brot und Butter findet sich immer, dazu ein Französisches Frühstück mit einem Croissant, Marmelade und Butter, für das sich in dieser Kombination sowohl monoxyd als auch 46halbe entscheiden. Klingt eben nach einem perfekten Morgen. Das Rührei kommt über die Bewertung „ganz gut“ allerdings dann doch nicht hinaus.

continental

Frühstück „Continental“: 4,95 €.

Das von erdgeist erwählte „Continental“, das in der Rechnung später als „Deftiges“ verzeichnet ist, stellt sich als solides Frühstück mit hohem Grünanteil heraus: etwas Salami, Schinken, Käse, Marmelade und Butter. Auch diese Zusammenstellung erinnert ein wenig an die DDR, wenn man das viele Grün abzieht. Vielleicht kommt doch noch der eine oder andere Wendehals ganz gern in das Lokal, in der Gegend sollen ja überproportional viele gelebt haben. Wir genehmigen uns jedenfalls noch ein paar koffeinhaltige Heißgetränke und beginnnen danach frohgemut den Tag.
Hingehen sollten alle, die liebevollen Service und ein gutes Preis-Leistung-Verhältnis zu schätzen wissen, das mit insgesamt 34,55 Euro für drei hungrige Mäuler mit Koffeinmangel wirklich wenig zu meckern übrig läßt.

Sybille

Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin
Tel. (030) 29 35 22 03

Webseite

  1. Diesmal waren monoxyd, 46halbe und Herr erdgeist als Testpersonen unterwegs. []

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Kahrmann’s Own

Als die Welt noch in den Fugen war, die Sonne noch jeden Tag schien, haben wir ein zuvor noch nicht erprobtes Frühstücksangebot austesten wollen. Nachdem wir den besten Platz des Lokals[1] erobert und uns gesetzt haben, dauert es nicht lange, bis die Bedienung an unseren Tisch kommt. Es ist kurz nach zehn Uhr morgens, entsprechend verkünden wir freudestrahlend: »Wir würden gern frühstücken.« Der geplante perfekte Morgen beginnt mit einer herben Enttäuschung: »Frühstück? Da seid ihr hier falsch.«

Dieser Dialog zwischen uns[2] und der Bedienung findet im »Kahrmann’s Own« in der Bötzowstraße statt, unweit vom Volkspark Friedrichshain. Dem Barista fällt aber sofort auf, daß er sich wohl unvorteilhaft ausgedrückt hat und setzt rasch hinzu: »Hier gibt es kein klassisches Frühstück, aber dafür belegte Stullen. Und Suppe.« Suppe zum Frühstück? Warum nicht, sagen wir uns.

speisetafel

Blick zum Tresen.

Die Speise- und Getränkekarte besteht aus einer großen Tafel hinter der Bar und ist angenehm übersichtlich. 46halbe entscheidet sich spontan für eine Stulle mit Frischkäse. Leider bekommt sie erneut einen Korb. Frischkäse steht leider nicht auf der Karte und ist somit nicht lieferbar. Wir hatten die Karte eher für eine Richtlinie gehalten, aber wählen schließlich doch etwas aus ihrem Angebot: Da es weder Chorizo noch Mortadella gibt, wir aber dem Schweinesystem verhaftet bleiben, wählen wir Serranoschinken.

flat white

Flat White und Caffè Latte, 2,20 und 2,60 €.

Der dazu bestellte Flat White sowie ein Caffè Latte kommen ziemlich schnell, leider haben wir die TTL nicht gemessen. Zeitgleich gesellt sich ein Orangensaft dazu, der (absichtlich) ohne Glas genossen wird. Als 46halbe nach qualitativen Aussagen bezüglich der koffeinhaltigen Gaumenfreuden drängt, erschrecken wir ein wenig darüber, daß uns der Kaffee nicht weiter auffällt, da er einfach gut ist. Er paßt zum perfekten Platz im Lokal.

Für regen Kontakt mit der sehr verbindlichen Bedienung ist spätestens gesorgt, als die Speisen serviert werden. Denn die Vorstellungen von der perfekten Anzahl an Tomatenscheiben auf der Stulle gegen offenbar weit auseinander. Bei 46halbe ist eine gewisse Gewöhnung eingetreten, daß die rote Pest einfach überall zwischengeklemmt wird, dennoch ist das ewige vorsichtige Rauspökeln der tropfenden Tomaten überaus lästig.

stullen

Stulle mit Tomate und Mozzarella: 3,30 €, Stulle mit Serranoschinken: 3,60 € (ohne Abbildung).

Die Stulle von sak war solide, der Mozzarella war nicht besonderes geschmacksintensiv – aber das erwartet man außerhalb Italiens auch nicht ernsthaft. Erfreulicherweise wurde kein Schindluder mit grünem Pesto getrieben, die Stulle enthielt frischen Basilikum. Vielleicht sollte man noch erwähnen, daß beide Stullen getoastet waren, was viele mögen, aber manche eben nicht.

sak hat die Angewohnheit, noch Zeitung auf totem Baum zu lesen, bringt diesmal sogar zwei Exemplare mit, weil auf dem Weg von Frankfurt bis Berlin ein katholisches Bundesland liegt.[3] Das ist im »Kahrmann’s Own« jedoch unnötig, da auf dem Nebentisch eine Armada an papiernen Postillen liegt, allerdings an oberster Stelle die peinliche Zeitung mit den sehr großen Buchstaben. Das gibt Abzug in der B-Note.

Die Suppe von 46halbe stellt sich als ein wahres Gedicht heraus, auch ohne Würstchen, die nicht mitbestellt wurden, aber dafür Trüffelöl. Das Lob an die Köchin läuft allerdings ins Leere, sie bleibt anonym, genau wie die sonstigen Gewürze. Auf Rückfrage an die Bedienung, welche Gewürze die Kartoffelsuppe so bemerkenswert köstlich machen, erhalten wir keine sachdienliche Auskunft. Wir wissen daher nicht, was die Suppe so wohlschmeckend macht.

suppe

Kartoffelcrèmesuppe, 3,90 €, optional mit geschnittenen Würstchen: 4,50 € (ohne Abbildung).

46halbe bestellt nach dem Essen noch einen weiteren Flat White. »Ich schließe mich dem an«, sagt sak. »Kein Problem, ich mach einfach zwei Strohhalme rein«, lacht uns der Barista an, der offenkundig gute Laune hat. Er und das gesamte Ambiente lassen ein Wohlgefühl aufkommen, auch die Musik im Hintergrund ist angenehm. Keine Café-del-Mar-Fahrstuhlmusik, sondern ein paar Cover-Versionen, etwa vom alten Violent Femmes-Klassiker »Gone, Daddy, Gone«, den nicht mal Shazam kennt.

klingel

Die Klingel auf dem Tresen.

Ein besonderes Feature erregt noch unsere Aufmerksamkeit: Ist der Barkeeper mal in der Küche (»raus aus dem Hygienebereich!«), kann man nach ihm klingeln. Schlägt man aber die bereitstehende Klingel auf dem Tresen an, hörte man ein lautes – Nichts; sie bleibt stumm. Der Mechanismus muß ein anderer, unsichtbarer und unhörbarer sein: Die Bedienung erscheint dennoch. :}

Hingehen sollten alle, die unter Frühstück in erster Linie Kaffee verstehen und nicht zwingend Obst-Origami oder andere Roßtäuscher-Ablenkungsmanöver auf dem Frühstücksteller benötigen. Wer ein Fernsehempfangsgerät besitzt, wird vielleicht den Namensgeber und Besitzer aus der Lindenstraße kennen. Ob das jetzt ein Grund für oder gegen den Besuch ist, bleibt natürlich dem Leser überlassen.

Kahrmann’s Own
Bötzowstr. 21, 10407 Berlin
Tel. (030) 330 290 26
Außenansicht

  1. siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Locus_amoenus []
  2. 46halbe war mit sak unterwegs, der keine digitale Kamera besitzt und daher sein Unfairphone für die Fotos nutzte. []
  3. Aufgrund des Feiertags http://de.wikipedia.org/wiki/Mari%C3%A4_Himmelfahrt wurde die Donnerstagszeitung nicht ausgeliefert. []

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Karvana

“Quieta non movere!” – Bismarck, 1891

Kaiserwetter in Berlin, das lädt auch kleine Kaiserinnen zum Frühstücken ein.[1] Dem Besuch im Karvana war allerdings ein merkwürdiger Mißerfolg vorausgegangen. Die Tester hatten sich zunächst die Turnhalle zum morgendlichen Verzehr leckerer Speisen ausgesucht. Allerdings mochten die Kellnerinnen einfach keine Notiz von den ausgezehrten Gestalten nehmen, die nach Koffeinhaltigem und Nahrhaftem lechzten. Nach zwanzig Minuten des Wartens, in denen nicht mal eine Speisekarte den Weg zu unserem Tisch fand, gaben wir voller Mitleid mit den anderen Gästen auf.

Das eigentlich Lustige passierte aber nach unserem Entschluß, eine andere Nahrungsquelle aufzusuchen: Die Kellnerin wollte wissen, ob wir den Inhalt der benutzten Tassen, die von unseren Vorgängern noch auf dem Tisch gestanden hatten und nicht abgeräumt worden waren, nicht bezahlen wollten. „Haben Sie da hinten an der Ecke gesessen?“, rief sie uns hinterher. Mehr als ein mildes „Wtf?“ fiel uns dazu nicht ein.[2] Wir trabten von dannen, Friedrichshain hat schließlich mehr als ein Frühstückslokal in petto.

kaffee+bluemchen

Milchkaffee, wirklich groß, mit leckerem Keks: 3,20 Euro.

Also ziehen wir Richtung Gärtnerstraße ins Karvana, um unseren Kaffeedurst zu stillen. Dort ist es drinnen leer, kein einziger anderer Gast stört die Ruhe. Da es draußen ein paar Stühle und Tische gibt, verlustigen sich alle dort. Der Blick in die Karte zeigt zwar wenig Auswahl, dafür hat sie aber ein seltenes Feature: ein Inhaltverzeichnis.[3] naros zögert nicht lange und wählt das gemischte Frühstück. Die Lieferung dauert eine Weile, dafür entschädigt aber der erfreuliche Anblick:

gemischtes fruehstueck

Gemischtes Frühstück: 7,50 Euro.

Ein interessant schmeckender Hartkäse mit Pistazien findet sich auf dem Teller, dazu sehr frische Baguette-Salami. Diese neigt in der Regel dazu, nach fünf Minuten Luftkontakt ranzig zu wirken und schmalzig zu werden. Es gibt Karmapunkte dafür, daß sie keineswegs ranzig schmeckt. Ein äußerst frisches Ciabatta-Brötchen, das nicht im Backofen aufgetaut wurde, macht den Tester froh. Das einzige ein wenig Negative ist das leicht trockene Brot.

Der Sauerrahm ist aufgeschlagen, was zu einem weiteren spontanen „Daumen hoch“ bei naros führt. Außerdem gibt es mindestens sechs verschiedene Obstsorten, darunter die berühmt-berüchtigten Johannisbeeren, für deren Vor- und Nachteile wir dringend auf einen anderen Frühstückstest verweisen wollen. Viel Gemüse und Salat liegt auch auf dem ansehnlichen Teller, dazu Rauke. Der EHEC-Hype ist zum Zeitpunkt des Karvana-Besuchs noch nicht losgebrochen, müssen wir wohl hinzufügen. Übrigens, Rauke – das möchten wir an dieser Stelle betonen – muß einfach überall rein.

Dazu ordert naros ein „ganz großes“ Wasser. Das nimmt die Kellnerin wörtlich und bringt ein Bierglas voller kühlem Naß mit der Entschuldigung, daß die größten Wassergläser nur 0,4er seien. Das gibt erneut Karmapunkte von den Testern, auch für den moderaten Preis von zwei Euro. Fotographisch konnte es nur schwer festgehalten werden, da es sogleich verdunstete.

Die Wahl von 46halbe fällt auf das Putenbrust-Sandwich mit einem frisch gepreßten Orangensaft. Während des Wartens auf die Leckereien lohnt ein Rundgang durchs Karvana: Es locken in einer einladenden Auslage Zotter-Schokolade und eine verführerische Torten-Vitrine. Es warten außerdem Zeitschriften in großer Auswahl und eine einzelne Zeitung (Berliner), die sich 46halbe kurzerhand greift, um sich an allen Neuigkeiten zu Heuschreckenfirmen und zur Atommisere zu delektieren, laut kommentierend natürlich, sind ja keine anderen Gäste da. Die Zeitung bietet zusätzlich ein hochgeschätztes Quiz, das naros zur Zufriedenheit löst.

putenbrust-sandwich

Putenbrust-Sandwich: 3,50 Euro.

Leider muß 46halbe zu ihrem Verdruß etwas länger warten. Allgemein wird eine unterschiedliche Anlieferzeit zweier Frühstücke nicht gern gesehen. Der äußere Anschein des schnöden Toast flößt auch nicht eben Hochgefühle ein. Dafür aber ist der Toast leicht angebräunt und geschmacklich insgesamt nicht zu beanstanden.[4]

stimmung im lokal

Eindruck der Illumination und Dekoration drinnen.

Die Kellnerin schenkt uns kaum Beachtung, was wir angesichts des nicht enden wollenden Zeitungsquiz aber kaum bemerken. Aber auch wenn wir die Bedienung kaum zu Gesicht bekommen, diskutieren wir mal grundsätzlich die immer jünger werdenden Service-Kräfte. Wann wurde eigentlich das letzte Mal eine Bedienung gesichtet, die über dreißig war? Wo hat ein Hotel noch einen Rezeptionisten, der so wirkt, als hätte er die Lebenserfahrung für etwas Diskretion und Empathie, der gar Auskünfte zum Kulturleben der gastgebenden Stadt erteilen könnte? Man kann sich vorstellen, daß wir mehr als ein Stündchen im Karvana zubringen, um das in Ruhe zu diskutieren..

Menschen, die etwas Ruhe und wenig Störungen suchen, sind im Karvana gerade richtig. Das Frühstück kostet für uns insgesamt 24,20 Euro, was dem Lokal ein durchaus akzeptables Preisniveau bescheinigt. Hingehen sollten auch alle, die Kaffeeweiterbildungen und Verkostungen schätzen, gern zu Lesungen gehen und die einen Sinn für formschöne Gabeln pflegen!

Karvana, Gabriel-Max-Str. 4, 10245 Berlin
Tel. 0178 – 34 33 256

  1. Das Karvana wurde inbrünstig von 46halbe und naros begutachtet. []
  2. Wir haben eine Theorie: Wir gehen davon aus, daß wir an diesem Tag temporär unsichtbar waren. Ähnliches passierte uns nämlich mehrfach. []
  3. Kleiner Nachteil: keine Seitenzahlen. []
  4. Ab jetzt sind wir wieder temporär unsichtbar. Selbst am Ende unseres Besuchs müssen wir eindringlich auf uns aufmerksam machen. []

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KuchenRausch, die Zweite

Im Sommer 2008 haben wir das KuchenRausch schon einmal auf Herz und Nieren getestet. Ein unabhängiges Team[1] konnte nun bei einem Ortstermin ein neuerliches Lagebild erstellen. Die Schreibweise mit dem großen Binnen-R kommt übrigens vom Kaffeehaus selber, allerdings nicht durchgängig. Auf der Rechnung steht beispielsweise „Kuchen Rausch“. Unschwer zu erkennen: Die Agovis-Krankheit ist auch hier angekommen.

logo kuchenrausch

Aufdruck der Speisekarte.

Wir hatten eine längere Suche hinter uns, denn am Wochenende findet man in Friedrichshain kaum ein Lokal, das kein Brunchbuffet anbietet. Uns war aber nicht nach einem Buffet, auch wegen des Wetters. Stundenlang offen herumliegende Speisen mochten wir bei den hohen Temperaturen nicht essen. Also hatten wir mehrere Blöcke des Südkiezes zu Fuß erkundet, um ein Frühstück à la carte zu finden.

Das KuchenRausch ist ein Ecklokal, gleich gegenüber vom Intimes an der Simon-Dach-Straße gelegen. Wir ergatterten erfreut den letzten freien Tisch draußen. Wochenends kommt man sich zwar zuweilen vor wie auf einer Frischfleischparade, denn der Strom nicht einheimischer Passanten mit merkwürdiger Kleidung reißt kaum ab. Dennoch hat sich etwas zum Positiven gewandelt: Da die Simon-Dach-Straße zur Einbahnstraße geworden ist, hat der Verkehr merklich nachgelassen, was den Lärmpegel durch weniger Feuerstühle und Kraftwagen gesenkt hat.

Wir bestellten erstmal zwei Latte Macchiato beim blitzartig herbeigeeilten freundlichen Kellner. Der Preisvergleich mit dem Test von vor zwei Jahren ergab eine milde Preissteigerung von 2,80 auf jetzt drei Euro. Leider ist die Bar offenbar nicht so schnell wie der Kellner, denn die TTL lag bei sieben Minuten, dankenswerterweise serviert mit stillem Wasser. Während wir also warteten und einen Blick in die Karten warfen, gesellten sich zwei Menschen mit viel Gesichtshaar und einer Gitarre und einem Saxophon zu den Frühstückenden und spielten auf. In moderater Lautstärke gab es Gassenhauer für Cineasten, was Herrn Vroomfondel schlußendlich tatsächlich dazu veranlaßte, den Musikern Geld zu geben.

zwei latte

Latte Macchiato zum Preis von je 3 €.

So angeregt, entschied sich Herr Vroomfondel für das Gourmetfrühstück. Der gerade den Latte Macchiato servierende Kellner zeigte sich allerdings etwas bockig und quittierte unser Ansinnen, nun eine Bestellung aufgeben zu wollen, mit einem Blick als hätten wir ihn um einen Ehebruch gebeten. Er nahm unsere Bestellung nicht entgegen, verwies stattdessen auf einen Kollegen. Wir durchschauten die Bedienungsordnung nicht so ganz, aber sein Kellnerkollege war gleichermaßen nett, vielleicht gar ein wenig eloquenter und humorvoller. Während wir warteten, verglichen wir noch die bekannten Preise des Jahres 2008 mit den heutigen: Wir stellten gleichbleibende Frühstücks- und moderat angestiegene Getränkepreise fest.

gourmetfruehstueck

Gourmetfrühstück: 11,80 €.

Das Frühstück mit Lachs, Wurst, Schinken, Kräuterquark, gebratenen Kartoffelstückchen und allerhand Deko kam nach einiger Wartezeit, deren Messung durch ein angeregtes Gespräch leider unterblieb. Eigentlich wird das Gourmetfrühstück mit Käse ausgeliefert, der Bitte nach ersatzweisem Kräuterquark wurde aber problemlos entsprochen. Herr Vroomfondel äußerte nach einer Kostprobe den Verdacht, daß der Kräuterquark selbstgemacht sein könnte, auf jeden Fall aber war er geschmacklich ansprechend und reichlich vorhanden. Die Honig-Senf-Soße war jedoch leider ein aromatisiertes Industrieprodukt, das kaum Honig enthielt. Auch die Obstgarnitur verschmähte er, lobte aber gleich mehrfach die Marmelade. Insgesamt vergab er das Prädikat „reichlich und abwechslungsreich“.

46halbe hatte das Rührei mit geriebenem Emmentaler und Schnittlauch mit Butter und Brot bestellt, dessen Anblick jedoch irgendwie Enttäuschung hervorrief:

ruehrei

Rührei mit „geriebenem“ Emmentaler und Schnittlauch für 4,90 €.

Es wirkte klein. Von geriebenem Emmentaler konnte leider keine Rede sein, denn an den Seiten des aus drei Bioeiern bestehenden Rühreis hatten sich zwei größere Ansammlungen des Emmentalers, die offenkundig erst kürzlich noch Scheiben waren, zusammengefunden. Außerdem war kein Schnittlauch im Rührei, sondern lediglich einige Schnittlauchstückchen darübergestreut. Die Obstdekoration lag hilflos daneben. Nicht einmal der lecker anmutende Brotkorb konnte da trösten. Nach dem Kosten des Rühreis allerdings verflog die Enttäuschung, denn geschmacklich war es überraschenderweise ausgesprochen gelungen.

Wir können das KuchenRausch nach wie vor empfehlen, wenn auch nicht uneingeschränkt. Hingehen sollten alle, die auf selbstgemachte Brombeer-Thymian-Marmelade abfahren, aber sich nicht von Mini-Serviettchen und einem noch immer dünnen Latte Macchiato abschrecken lassen.

KuchenRausch
Simon-Dach-Straße 1, 10245 Berlin
Tel. (030) 55 95 38 55
Webseite

  1. Diesmal waren wieder 46halbe und Herr Vroomfondel als Testpersonen unterwegs. []

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Datscha

Das Testteam[1] hat den folgenden Artikel unter unerwartet erschwerten Bedingungen verfaßt. Der Leser möge also nachsehen, falls zwischen den Zeilen Zähneknirschen zu vernehmen ist. Aber der Reihe nach…

Das Datscha erfreut seine Gäste mit einem kostenlosen WLAN und vor allem erstaunlich vielen gut zugänglichen Steckdosen.[2][3] Dieser Umstand regt dazu an, grundsätzlich über die ethischen Dilemmata der freien Netznutzung in Cafés zu sprechen. Für jeden, der sich der Hackerethik verpflichtet fühlt, ist ja immer mal wieder die Diskussion darüber an der Tagesordnung.

Wir mußten schon nach kurzer Debatte feststellen: Es wäre in der Tat eine große Herausforderung für das anwesende Testteam beispielsweise über einem ebensolchen Café zu wohnen und trotzdem alle moralischen Richtlinien zu befolgen, die verantwortungsvolle Nutzer von neuartigen Rundfunksempfangsgeräten sich selbst aufzuerlegen pflegen. Groß wäre die Versuchung, sich in Splinter-Cell-Manier auf die Lauer zu legen, um unwissende oder fahrlässige Menschen zu beobachten und auszuspionieren.[4]

Aber endlich mal zum Zweck dieses Blog-Postings: Der erste Blick in die Karte war irgendwie vertraut, obgleich das Datscha vorher nie besucht wurde. Aber die Speisekarte erinnerte in Aussehen, Schriftart und vor allem wegen eines bestimmten Spruchs sofort an das Gorki Park in Mitte. Das gleiche gilt für die Teegläser:


Loser Darjeeling-Tee in einem schönen Glas für 2,00 Euro. So soll es sein.

Glücklicherweise wurde die oben beschriebene hackerethische Versuchung jäh unterbrochen, da die TTT[5] so klein war, daß sie im nicht meßbaren Bereich lag. Dies könnte allerdings auch daran liegen, daß Jeck gerade damit zu tun hatte, seine Pflanzen gegen Zombies zu pflegen. Die einzig halbwegs verläßliche Aussage, die ihm zu entlocken war: „Der Tee war auf jeden Fall noch während der ersten Welle von Zombies hier!“[6]


Leckerer Capuccino für 2,20 Euro.

Nach dem diesmal übrigens nur ganz leicht verspäteten Eintreffen[7] von 46halbe konnte deshalb ohne viel Verzögerung die Essensbestellung aufgegeben werden. Die Auswahl gestaltet sich einfach, denn es gibt überschaubar viele Angebote, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Es ist ein Tag für ein deftiges Frühstücksmahl: Nach kurzer interner Debatte wurde ein Schwarzes Meer und ein klassischer Flammkuchen mit Speck bestellt.


Klassischer Flammkuchen. Gut für den Tester, hart für das Büro. 5,90 Euro.

Der Flammkuchen fiel auf den ersten Blick dadurch auf, daß Unmengen von Zwiebeln[8] den geneigten Esser anlugten. 46halbe mag Zwiebeln, bekam aber instantan ein mitleidiges[9] Gefühl gegenüber ihren Büronachbarn, die offenbar einen harten Tag vor sich hatten. Das Hineinbeißen in den natürlich noch warmen Flammkuchen ergab einen angenehm dilligen Geschmack.

Das Schwarze Meer ist eines der auf einem Teller in kleinen Schälchen angerichteten Mahlzeiten, die dem Betrachter ein spontanes „Was?! Das ist alles!?“ entlocken.


Perfektes Katerfrühstück: Schwarzes Meer für sieben Euro.

Bei genauerem Beessen stellt sich zum Glück heraus, daß die Datscha-Küche ein sehr genaues Gespür dafür hat, wieviel Portion gerade genug ist. Beim Würzen ist dieses schon an Gleichberechtigungsmanie erinnernde Fingerspitzengefühl allerdings nicht vorhanden. Die verschiedenen Sachen waren entweder sehr salzig oder scharf (Tomaten/Zwiebel-Paste und Heringstartar) oder gar nicht in die Nähe eines geschmacksverändernden Stoffes gekommen (Rührei und Kartoffelröstling mit Lachs).

Glücklicherweise mag Testesser Jeck salzig und gehört dem Kompetenznetzwerk der Eigenwürzer an, sodaß die Essung des Schwarzen Meeres zur allgemeinen Zufriedenheit verlief und vor allem all jenen Weggefährten empfohlen wird, die an den Nachwirkungen einer Ethanol-Intoxikation leiden.

Um wirklich einen kompletten Testbericht[10] abliefern zu können, wurde dann noch ein Stück Käsekuchen bestellt.


Normalerweise gibt es noch zwei andere Sorten[11]: Käsekuchen für 2,50 Euro.

Zur Bewertung dieses Stückes kann leider kein ganz neutrales Testurteil angegeben werden, da Herr P. eigentlich keine Käsekuchen mag und 46halbe sich mit fadenscheinigen Ausflüchten, die sich auf das Kokoszeugs auf dem Kuchen bezogen, dem zuvor angekündigten Testessen entzog. Mit aller zu Rate gezogenen Kompetenz kann das Team aber bestätigen, daß der Kuchen handwerklich korrekt und wohlschmeckend zubereitet wurde und Käsekuchen-mit-Mandarinen-und-Kokosflocken-Liebhabern durchaus Freude bereiten kann.

Hingehen sollten alle, die ein praktisches, schnelles und freundliches Frühstück wünschen und keine Angst vor Kindersirenen in einem ansonsten aber nur mittelmäßig gefüllten Lokal haben.[12] Da das Netz nach dem guten Essen noch etwas zum Bleiben einlädt, die Bedienung freundlich ist und die koffeinhaltigen Heißgetränke schmecken, können wir das Datscha guten Gewissens weiterempfehlen.

Datscha
Gabriel-Max-Str. 1, 10245 Berlin
Tel. 030 / 700 86 735
cafe-datscha.de

  1. 46halbe und der ehrenwerte Herr Pixelbrei. []
  2. Steckdosen sind im Grunde wichtiger als das Netzangebot, da man ja heutzutage sein mobiles Internet dabei hat. []
  3. Ach wirklich? GPRS zählt als mobiles „Netz“? []
  4. *sniff* []
  5. Time To Tea. []
  6. Was dies bedeutet, überlassen wir dem Leser, weisen aber vorsorglich daraufhin, daß die TTT und TTL auch im restlichen Verlauf der Sitzung angenehm klein war. []
  7. Nee, klar. []
  8. Die Zwiebeln sahen für Jeck sehr frisch und lecker aus. []
  9. Diese Fußnote wurde gegen 46halbes Willen eingefügt und dient nur der Ablenkung. 46halbe weint jetzt, denn sinnlose und unnötig lang ausformulierte Fußnoten sind eine Nemesis. Das habt ihr nun davon. []
  10. Ja, wir haben auch Wostok, so eine Art russische Bionade ausprobiert, wollen aber an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur so viel: Interessant. []
  11. Am Vortag war eine Touristengruppe eingefallen. []
  12. Auf diesen Umstand bezog sich die eingehende Bemerkung, die der Datscha natürlich keineswegs anzulasten ist. Obwohl man anmerken muß, daß ein paar Kinderwagenkrähenfüße das Problem aus der Welt schaffen könnten. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain, keine Kreditkartenzahlung, Netz: Gratis

kaufbar

Mitten in Berlin ein idyllisches und vielleicht gar ruhiges Plätzchen zu finden, ist nicht immer einfach. Das Lokal kaufbar ist dafür eigentlich nicht bekannt, da es an der recht stark befahrenen Gärtnerstraße in Friedrichshain gelegen ist. Allerdings versteckt sich ein Teil der Tische im Hinterhof, und der ist nicht nur fabelhaft still, sondern hat einen schönen großen Ahornbaum. Dank an die freundliche Kellnerin, welche die zuerst eintreffende Testesserin darauf hinwies.

Dieser Frühstückstest stand unter besonderen Vorzeichen, die eine ruhige Umgebung verlangten: Juliane vom Berliner Radiosender Fritz nahm einen kurzen, aber launigen Bericht (mp3, ab Minute 38) über Blogs, die sich der Bewertung von Gaststätten verschrieben haben, für die Sendung Trackback auf. Wir[1] setzten uns also an einen der Tische unter den Ahornbaum. Die restlichen Tische waren noch unbesetzt, perfekte Bedingungen also für sowohl den Genuß des Frühstücks als auch die Aufnahme für den Radiobericht.

Die Karte ist in der kaufbar übrigens zweigeteilt. Die eine Hälfte ist voller Vorschläge für Krawallbrause und Cocktails, die andere eine Art Multiple-Choice-Test: Man kreuzt an, was man für das perfekte Frühstück hält. Ob wir damit diesmal richtig liegen?

streichholzschachtel

Der Name ist Programm: Alles hier ist kaufbar, nur die Streichhölzer sind kostenlos. :}

Nachdem der übliche Latte macchiato in einer TTL von unter drei Minuten auf dem Tisch stand und zudem mit Wasser gereicht wurde, versprach der Besuch ein angenehmes Erlebnis zu werden. Juliane hatte allerdings noch etwas mit den Auswirkungen einer durchzechten Nacht zu kämpfen und war daher zunächst nicht übermäßig hungrig. Sie orderte gegen die leichte Apetitlosigkeit im Ankreuzverfahren Obst mit Joghurt. 46halbe bestellte das vegetarische Frühstück, allerdings ohne Gouda.

obst mit joghurt

Obst mit Joghurt für 2,80 €.

Juliane bewertete ihren Joghurt mit Bananenstücken, Orangen und Pinienkernen als sehr wohlschmeckend, aber nicht weiter aufregend. Während sie ihn ohne besondere Eile verspeiste, widmeten wir uns einem Gespräch über Essensbewertungen, Blog-Kategorien und Verfehlungen beim Service. Da der Radiobericht aber nur ein paar Minuten umfassen sollte, kamen wir recht schnell auf journalistische Arbeit ganz allgemein und die Sinnhaftigkeit und den Inhalt von Fragen bei Bewerbungstests an Journalistenschulen zu sprechen. Juliane wußte da Aktuelles und Spannendes zu berichten, was aber hier nicht weiter ausgewalzt werden soll.

vegetarisches fruehstueck

Vegetarisches Frühstück für 4,10 €.

Das vegetarische Frühstück kam mit einem frischen, noch warmen Brötchen. Das ließ sogar darüber hinwegsehen, daß das Messer nicht richtig abgewaschen war. Garniert waren die beiden Aufstriche und die Marmelade mit Trauben, Äpfeln, dazu etwas Grünzeugs. 46halbe vergab das Prädikat „sehr köstlich“.

zweites fruehstueck

Julianes zweites Frühstück, Preis unklar.

Julianes zunächst unterdurchschnittlicher Apetit wurde offenbar durch die Leckereien dann doch angeregt: Sie bestellte mittels der Ankreuzliste frische Toskana-Brötchen, Serrano-Schinken und ein Ei. Natürlich waren auch hier ein paar Sprossen und Salat als Garnitur dabei. Während sie noch das Essen genoß, füllte sich gegen ein Uhr das Lokal merklich. Offenbar waren die Friedrichshainer nun wach geworden..

Hingehen sollten alle, die preiswert speisen wollen, aber nichts Außergewöhnliches erwarten, gern aber gemütlich und idyllisch chillen und dabei schnell und ausnehmend freundlich bedient werden möchten. Wer dem Müßiggang nicht abgeneigt ist und bis kurz vor Sonnenuntergang bleiben kann, sollte nicht verpassen, zur unweiten Modersohnbrücke zu gehen und unbeeinträchtigt von den in Berlin häufig anzutreffenden Pomadenhengsten den Sonnenuntergang an der fast schönsten Stelle in Berlin zu genießen.

kaufbar, Gärtnerstr. 4
Tel. 030 / 297 78 825
Webseite kaufbar

  1. Mit der wie immer völlig objektiven Berichterstattung waren heute ebenjene Juliane und 46halbe betraut. []

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Rotwild aska Fargo

„Draußen in der Stadt. Wanderer halten an, den Atem. Kehren ein, und wieder. Ein rüdes Wort, dem Hunde. Stolpern und stapeln, zertretenes Grün. Boxi.“ – Unbekannter Erdgeist

Für professionelle Krawalltouristen wie uns[1] gehört das Auskundschaften des Walpurgisnachtkiezes zum Routineprogramm. Auf der Grünberger Straße, gleich neben dem Zielona Góra, schickt sich das Fargo[2] an, Friedrichshainer Schickimicki-Gentrifizierung zum Trotz Verweil für Alteingesessene zu sein.

Ja, da steht immer noch Fargo dran. Nein, es heisst Rotwild.

Idyllisch gelegen am Hunde- und Assi-Boxi, mit Blick auf den Spießerbiomarkt und das Resozialisierungsprojekt „Cafe am Boxi“[3] verschlug den überpünktlich eingetroffenen Jeck die Befüllung der Freiluftplätze auf die – immerhin noch gut belüfteten – Fensterplätze.[4]

Hier wird am 1. Mai alles noch viel grüner sein.

Das Lebensgefühl im Fargo[2] ist Norddeutsch. Man setzt sich erstmal. Man genießt den Ausblick. Man denkt über das Leben nach. Man fragt sich, wo eigentlich die anderen Frühstücksblogger bleiben. Dann löst man noch schnell das Energieproblem der Erde, ohne dazu fossile Brennstoffe zu benötigen.[5] Und dann…

…dann wird nach ungefähr 20 Minuten zum ersten Mal der Bediener[6] aufmerksam und widmet sich dem frisch vervollständigten Testerteam. Das kann viele Gründe haben: Vielleicht sind Gästegruppen der Größe N=1 nicht signifikant genug. Vielleicht muß man draußen sitzen, um bemerkt zu werden. Aber vielleicht waren auch einfach nicht genug Bediener da.

Links auf der Theke stand das Büffett.[7] Rechts saßen die Inspektoren.

Das machte sich auch in der TTM[8] bemerkbar. Während die TTT[9] sportliche vier Minuten beträgt, liegt die TTM hingegen bei verpeilerischen 11 Minuten. ABER: Es gab eine höfliche Entschuldigung! Trotz Berlin! Trotz Friedrichshain.[10]

Einer der anwesenden Frühstücksblogger hat eine kleine Teebeutelneurose[11] Glücklicherweise brach die Neurose hier nicht aus. Es handelte sich also um Tee, der sich auch so nennen darf. Schon das Äußere überzeugte: Statt eines Fixminze-Beutels aus der Pappschachtel gab es losen Tee fein verpackt in einen ebenfalls losen Filterbeutel.[12]

Ein Tee, der zumindest schon mal gut aussieht. Lose!

Der Milchkaffee brauchte keinen Zucker, was laut Versuchsperson Zeta ein gutes Zeichen für Heißgetränke dieser Art ist, war gut trinkbar und definitiv keine Krönung[13]. An die heiße Tasse schmiegte sich ein – den Wärmetransfergesetzen der Thermodynamik folgend schon leicht angeflüssigtes – Stück Sarottischokolade.

Das Angebot an Speisen wurde in Berliner Sonntagstradition dargereicht: „Kleenet Jemüschtet uffe Theke vateilt, Alta“. Für alle Non-Native-Speaker: Buffet. Das Frühstücksbuffet ist eine für Tavernen-Betreiber billige und lukrative Variante, Leute am Wochenende abzufrühstücken. Positive Ausnahmen existieren, sind aber selten. Die Regel sind eher „Dienst nach Vorschrift“-Anrichten. Auch das Buffet im Fargo[2] zeichnet sich durch eine fast schon professionelle Beliebigkeit aus. Selbst der Preis ist Mittelmaß: 8,50 Euro ist nicht wirklich billig, aber auch keineswegs zu viel.

Herr Erdgeist verspeiste gelb mit rot.

Der geneigte Leser möge uns nicht falsch verstehen. Das Buffet war durchaus sättigend und auch schmeckend. Die Suche nach dem besonderen, einzigartigen Merkmal; der einen Speise, die uns wieder ins Fargo[14] ziehen wird, lief aber leider erfolglos.[15] Daß die BBB-Crew wirklich alles ausprobiert hat, um die besondere Speise zu finden, soll an dieser Stelle natürlich auch dokumentiert werden:

Herr Pixelbrei nahm den ganzen Rest.

Nach dem ersten Hauptgang genehmigten sich die externen Inspektoren ein weiteres Heißgetränk jeweils derselben Art, das nun mit jeweils 2,40 Euro berechnet wurde. Das erste Heißgetränk ist im Büffetpreis inbegriffen.[16] Erstaunliches Detail: Nachdem Versuchsperson Zeta in Apothekerschrift Notizen gemacht hatte und Versuchsperson 13 mit einem fotografischen Apparat operierte, wurde die zweite Runde in der Hälfte der TTT(1)-Zeit geliefert.[17]

Was ist an diesem Bild falsch?[18]

Damit war genug Flüssigkeit vorhanden, um das Dessert herunterzuspülen. Wir stellen hier im Bild nur eine der gewählten Kombinationen dar, um dem geneigten Leser die Ei-Müsli-Kombination von Versuchsperson Zeta zu ersparen[19]. Die Qualität war halt… okay. Aber das sagten wir ja bereits.

Versuchsperson 13 räkelte sich nach dem Essen versonnen in seiner semibequemen Sitzgelegenheit und ließ einen wohligen „wunderbar“-Seufzer vernehmen. Daß dies zum guten Teil seiner erleuchteten, weisen und gelassenen Geisteshaltung zu verdanken ist, scheint ein passendes Fazit für das Fargo[20] zu sein:

Gut gelaunte Menschen, die keine großen Überraschungen und kein Latteschlürfer brauchen, bekommen hier ein solides Frühstück zum annehmbaren Preis[21] und werden satt. Wer allerdings sowieso schon einen Griesgrampf gefressen hat, wird sich über das frugale Angebot beschweren, sollte aber wahrscheinlich sowieso zu Hause bleiben.

Rotwild aska[22] Fargo, Grünberger Straße 77, 10245 Berlin
Tel. 030 – 29 00 57 19

  1. Die Inertia des Sonntagmorgen überwanden für euch Jeck und erdgeist. []
  2. Entschuldigung: Rotwild [] [] []
  3. Namen recherchieren. Quatsch. Wozu denn, weiß doch jeder, was gemeint ist. So ein Hundfutterkochladen halt. Kein Wunder, daß die rückfällig werden. []
  4. Also die Wand war weg, das Fenster ging bis zum Boden und war quasi ausgebaut. Also fast draußen. []
  5. Wurde natürlich gleich wieder vergessen. Wegen Unterkoffeeinierung. []
  6. Es bediente Sie: Herr Fuchs. []
  7. Das war aber schon weg, als VP13 zurückkam um die fehlenden Fotos zu machen. []
  8. TimeToMilchkaffee []
  9. TimeToTea []
  10. An dieser Stelle bemerkt der geneigte Leser, wie sehr sich der Anspruch der einst stolzen Zunft der Frühstücksblogger der Realität angepasst (lies: gesenkt) hat, wenn solche dem Dienstleistungsgewerbe eigentlich selbstverständlich scheinende Gesten extra erwähnt werden müssen. Dennoch: Ein Lächel-Bienchen an dieser Stelle für den Bediener. []
  11. Er ist der Ansicht, für einen labbrigen Messmerteekannenbeutel nicht teuer Restaurant-Geld bezahlen zu wollen. []
  12. Auch hierbei ist es schon bezeichnend, daß wir das extra erwähnen müssen. Natürlich könnte man an dieser Stelle noch bemängeln, daß zwei Teelöffel Tee auf eine Tasse Tee ein bißchen viel sind, aber hier ist nicht London. []
  13. Ihr wißt schon: Der westverwandtschaftsgeschmuggelte Fegerestekaffee, bei dem man sich immer gut vorstellen kann, er sei durch Onkel Horsts alte Socken gefiltert. []
  14. Rotwild []
  15. Nein, das hat nichts damit zu tun, daß unmittelbar davor 50 Prozent der teilnehmenden Kontrollgruppe ***-Essen in sich gestopft hatte. []
  16. Eigentlich war das bei uns ein bisschen komplexer, aber eine detailgetreue Darstellung der Verhandlungen würden jetzt zu weit führen. []
  17. Wir empfehlen sämtlichen Gästen Berliner Servicebetriebe, immer mal wieder ihr Essen zu fotografieren. Das spornt anscheinend an. []
  18. Der Aufkleber auf der Banane. Wir wissen, dass ihr die Bananen im Großmarkt kauft. Aber wir wollen wenigstens die Illusion, ihr hättet sie gerade frisch vom Baum gepflückt. Also macht gefälligst die verdammten Aufkleber vom Obst ab! []
  19. Ebenfalls unerwähnt müssen die neckischen Anekdoten bleiben, die aus dem altersschwächebedingten Auf-dem-Boden-verteilen von Stiften und Broten und der heroischen Anwendung der 5-Sekunden-Regel erwuchsen. Auch die spontane Selbstheilung der VP13 von seinen jugendlich naiven Vegetarismusexperimenten werden wohl erst in einem späteren Bericht ausgerollt werden. []
  20. Entschuldigung: Rotwild, was es mit dem Verzicht auf den alten Namen auf sich hat, wird dem Leser als Hausaufgabe angetragen. []
  21. Die ebenfalls vertretene Mindermeinung, daß 17 Mark eigentlich zu viel seien, ist ein anderes Thema. Im derzeitigen Berliner Frühstücksmarkt ist der Preis in jedem Falle gerechtfertigt. []
  22. also still known as []

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Kuchenrausch

Der Besuch eines Frühstückslokals sollte wohlgeplant sein. Da sich nicht leugnen läßt, daß unsere[1] Laune vor dem Essen am unteren des Zivilisationslacks kratzt, sollten wir nicht mit der vollen Wucht des Zorns unseres grollenden Hungergottes einen Kiez aussuchen, dem man eh schon immer eins auswischen wollte. Auch ist es angezeigt, die ersten – noch auf dem Zahnfleisch kriechend gewonnenen – Eindrücke zu unterdrücken und sich diesen später nochmal objektiv zu nähern.

Kuchenrausch also – im Friedrichshainer Südkiez.[2] Schmuck gemacht, mit schnieke verkleideten Kellnern, vornehm hintergründigem 70er-Jahre Britpunk, später durch Chill-Funk und Dixieland abgelöst. Minimalistisches Dekor mit Blick auf die Kreuzung Boxhagener/Simon-Dach, auf dem Vorplatz gut zwei dutzend Tische, die wir aber aufgrund eines verräterischen rheumatischen Juckens in Fannys Knie Draußen-Tische sein ließen und uns im Innern ans Fenster setzten.[3] Das Panorama – ganz unvoreingenommen für die werte Leserschaft zum Selbergucken:

Schickes Ambiente im Kuchenrausch.

Angenehm fällt auf, daß das Kuchenrausch sich dem überall sonst um sich greifenden Branding-Wahn entgegenstellt und Sonnenschirme, Streichholzschachteln, Aschenbecher und Außenreklame ohne Werbeaufdrucke exponiert.[4] Es gab Wlan auf Nachfrage für umsonst und genug Steckdosen für’s hungrige Notebook. Auch die Speisekarte kommt erfrischend edel daher, kein bewußt dilettantisch gestalteter, achtfach kopierter, in Word gesetzter Schülerzeitungsbogen, sondern Elefantenhaut mit Goldprägedruck. In dessen Innern ein Angebot abwechslungsreich wie ein Ostpaket: acht verschiedene Sorten heißer Schokolade, davon fünf alkoholisch, ein kurzer Abriß über die Geschichte Boxhagens und des Boxhagener-Straßen-Kiezes von der März- über die November- bis zur Yuppierevolution.

Erdgeist wählte – für Eingeweihte völlig überraschend – das Kleine Gemischte, welches hier für den läppischen Betrag von 4,10 € gereicht wurde. Zum Tunken orderte er sich einen „caffe latte“, der von der Bedienung keck als Milchkaffee interpretiert, glücklicherweise aber doch nicht mit der „Krönung“ aus obig erwähntem Ostpaket gebrüht wurde.

Überhaupt ist die Kaffeekultur in Berlin immer wieder ein Quell für Überraschungen. Erdgeist ist ja dazu übergegangen, die von ihm benötigte Dröhnung meist als „Latte macchiato mit doppeltem Espresso drin“ zu bestellen, nur um dann belehrt zu werden, daß sowas „caffe latte“ hieße. An anderer Stelle bekam er durchaus auch Latte macchiato und einen doppelten Espresso extra, nur um wieder woanders – von einem augenscheinlich besserwisserischen Kellner – mit einem stinknormalen Latte abgespeist zu werden. Aber zurück zum Kuchenrausch, hier gab es – zumindest für erdgeist – ansprechenden Kaffee, der völlig selbstverständlich mit Wasser gereicht wurde. Ein Panoramablick auf erdgeists Frühstück:

Kleines Gemischtes (ungesüßt) für 4,10 €, links oben im Bild der lütte Brotkorb.

Ja, ihr seht richtig: Das Kleine Gemischte kam im Kuchenrausch ohne den geringsten Hauch Süßes.[5] Auch wenn der nachträgliche Blick in die Kurzbeschreibung im Menü bestätigte, daß das wohl seine Richtigkeit hat, kam der Zuckermangel doch überraschend. Selbst das Deko-Obst konnte das Wurst-Käs‘-Szenario auf dem Teller nicht auflockern. Am deprimierendsten war, nicht das geringste bißchen Material für einen fairen Tauschdeal für den vor Süßem nur so strotzenden Nachbarteller zu haben. Der Brotkorb wartete mit leckerem Walnußbrot konterkariert von zwei lapprigen Westbrötchen auf. Diese wiesen ein verräterisches Industriebackmuster an der Unterseite auf, sind wahrscheinlich nicht vom Biobäcker um die Ecke.[6]

Fanny orderte – des Preisvergleichs mit anderen Lokalen wegen – einen Latte macchiato für 2,80 € und das Süße Frühstück zu 6,50 €. Gereicht wurde ihr ein lauwarmer Eierkuchen mit einer schmackhaften Vanillequarkcreme. Dazu ein Kelch voller Joghurtfruchtspeise (dem Geschmack nach mit frisch püriertem Obst). Auch auf dem Teller: Nutella, Honig und Erdbeermarmelade und eine Obstgarnitur. Die dezent über das Frühstück verstreuten Gummibärchen empfand Fanny als verstörend, fanden jedoch als Nachtisch in erdgeist eine neue Heimat.

Das Süße Frühstück. Preis: happige 6,50 €.

Enttäuschend der Latte macchiato: Nach mehrmaligen Umrühren und einem Schluck war es geschehen. Sämtliche braune Essenz war aus dem Glas verschwunden und übrig blieb ein halbvolles Glas mit eierschalenfarbener Flüssigkeit. Mißtrauisch fing Fanny nun an, die Nachbartische mit Argwohn zu beobachten: Auch die Lattes der anderen Gäste schauten viel zu lasch aus. Wach macht sowas nicht.

Der Kurzbesuch zum Austreten führte Fanny vorbei an der Vitrine mit vielen köstlich anzuschauenden Torten und Kuchen. Diese mußten jedoch unberührt bleiben und werden an einem anderen Tag beim Kaffeekränzchen probiert. Die Toiletten sind geschmackvoll eingerichtet: Der dunkel gebeizte Dielenboden verbreitet angenehme Atmosphäre. Eine Einladung, sich gemeinsam mit der Freundin für den Tag aufzubretzeln und eine Besorgungsliste in den zahlreichen Bekleidungsgeschäften der nahegelegenen Wühlischstraße zu verfassen. Sollte jene unerwartet eher fertig sein, kann sie sich’s auf einem der Stühle im Vorraum gemütlich machen.

Gratis: Blick auf den noch trockenen Vorplatz, das edle Menü und ein Überbleibsel aus Schland[7]-Tagen: Beamer neben dem Kronleuchter.

Hingehen sollten alle die, denen der Südkiez noch nicht zum Halse raushängt, die ihre Schwiegermutter hübsch ausführen, dafür aber den Bezirk nicht verlassen wollen oder einen Laptoparbeitsplatz mit Strom und Wlan suchen.

Besser nicht hingehen sollte, wem nach günstig-üppigem Frühstück oder Wachmache-Latte verlangt und wer morgens eine bunte kulturelle Mischung braucht.

Kuchenrausch, Simon-Dach-Straße 1 (Ecke Boxhagener Straße)
Telefon: 030 / 55953855
Webpräsenz des Kuchenrauschs

  1. Das Lokal wurde durch den Besuch von Fanny und erdgeist beehrt. []
  2. Warum es im Nordkiez keine angemessene Frühstückslokation gibt, wird noch einmal Gegenstand länglicher Betrachtungen sein. []
  3. Das Knie hat nicht gelogen, keine halbe Stunde später strömten die Volksmassen – in der Montage noch gut zu sehen – in hektischer Flucht vor dem Regen ins Innere des Etablissements. []
  4. Einzige – erst post scriptum entdeckte – Ausnahme waren die Obstschorlengläser. []
  5. Gefährlich vor allem in Anbetracht der Unterzuckerung, die Kundschaft doch erst zum Frühstücken treibt. []
  6. Die Speisekarte enthält – im Gegensatz zu den den angeblich BIO-erzeugten Eiern – keine Hinweise zur Herkunft der Brötchen. []
  7. Für den Uneingeweihten: Während der EM-Übertragung in fast allen Kneipen Berlins waren (Deut)’schland-Rufe an der Tagesordnung. []

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Uebereck

In einer Stadt so groß wie Berlin, mit über 12.000 Straßen, über 5.000 Cafés und zehntausenden Beschäftigten in der Gastronomie bleiben Namensraumkollisionen nicht aus. Und da fast jeder Ostberliner Kiez seine „Traditionskneipe“ hat, um die herum sich im Zuge der Gentrifizierung andere Cafés ansiedeln, und da auch beide „Ueberecks“ für ihre jeweiligen Kieze dazugehören, fällt es schwer zu sagen, ob eines von beiden seinen Namen eher verdient hätte.
Wir[1] waren nun im Uebereck am S-Bahnhof Ostkreuz frühstücken, um den direkten Vergleich zu dem im Prenzlauer Berg an der Prenzlauer Allee gelegenen Namensvetter zu erleben. Der Bericht über das Frühstück dort steht noch aus.[2]

Jede Frühstückslokation, die es länger als zehn Jahre gibt, bringt naturgemäß Erinnerungen – man möchte fast Wahrnehmungsverzerrungen sagen – mit sich. Man ist hier mal mit einem beeindruckenden Partner weggegangen, dort mal unfreundlich behandelt worden. Sowas prägt. Das Uebereck brilliert im Gedächtnis nun mit der Tatsache, daß erdgeist noch während seiner Schulzeit von Stumpen, seines Zeichens Sänger – gut, sagen wir Shouter – von Knorkator bedient wurde, der dort seine Schichten als Kaffee- und Milchmann schob.

46halbe war auch schon öfter mal dort und verbindet ebenfalls nette Begegnungen mit dem Uebereck, allerdings kann sie sich an keine dort gesichteten Nachrichtensprecher, Serienschauspieler oder Luder aus den Klatschspalten als Servicekräfte erinnern. Auch Frühstück hat sie dort bisher nicht verkostet. Da lohnt sich also ein Blick in die Speisekarte, der aber wenig Spannendes hervorbrachte. Naja, es war ohnehin eher so ein Tag für Standardmahlzeiten: Her mit dem Französischen Frühstück!

Franzoesisches Fruehstueck

Französisches Frühstück: 4,50 Euro

Zuerst kam noch der begehrte Latte macchiato (2,80 Euro), allerdings in einem angeschlagenen Glas. Aber keine Sorge, es gab keine nennenswerten Mundhautabschürfungen. Also konnten die zwei frischen Croissants ungestört verspeist werden, dazu gab es Honig, Erdbeermarmelade und Nutella. 46halbe schätzte auch die dekorativen Obstbeilagen, die serviert wurden.

Wir hatten uns gemütlich ans Fenster mit schönem Blick auf eine kleine Grünfläche und die dahinterliegende Bahnhofsbaustelle gesetzt. Leider begannen Straßenbaumaßnahmen, just als wir drinnen das Frühstück in Empfang nahmen. Betonschneider können den Frühstücksgenuß erheblich schmälern. 46halbe verspürte aber glücklicherweise grade den Drang, erdgeist mal so richtig anzuschreien, da kamen die Bauarbeiter grade recht. :}

Da auch erdgeist ein Traditionstier ist und faire Vergleiche beim Frühstück ziehen will, gab es für ihn das Kleine Frühstück, zusammen mit einem Milchkaffee (2,20 Euro). Er konnte sich leider gar nicht für die Salami begeistern. Ist natürlich eine Geschmacksfrage, mehr als das Prädikat „minder lecker“ war nicht zu vergeben, schöne Erinnerungen hin oder her.

kleines Fruehstueck

Kleines Frühstück: 4,40 Euro

Wir saßen nach dem Frühstück noch eine Weile bei weiteren genüßlichen Koffeinheißgetränken und unterhielten uns. Das Uebereck ist einfach ein entspannender Platz zum Verweilen. Die Straßenbauarbeiten legten eine Pause ein, und wir konnten in normaler Lautstärke weiterplaudern.

Hingehen sollten alle, die aus angemessener Entfernung einen entspannten Blick auf die große Baustelle am Bahnhof Ostkreuz werfen möchten, freundlichen Service schätzen und schon immer mal in einem ehemaligen Bettenhaus frühstücken wollten.

Uebereck
Lenbachstraße 8
, Ecke Sonntagstraße
Telefon: 030 / 291 27 92

Foto Innenraum Uebereck

  1. 46halbe und erdgeist bildeten wieder das Frühstückstraumpaar. []
  2. Demnächst auf dieser Webseite :} []

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Intimes

Im Intimes war ich schon ewige Zeiten nicht mehr. Im Sommer kann man gut dort draußen sitzen, obgleich es immer etwas zu laut ist wegen der vielen Autos in der Boxhagener Straße. Jetzt, wenn es draußen schon zugig ist, kann man es sich drinnen gemütlich machen mit jeweils nicht störender Musik in angenehmer Lautstärke, netter Bedienung sowie Filmplakaten und attraktiven Wandbemalungen.

Ich hatte eine Berliner Morgenpost unterm Arm, die einer dieser bedauernswerten Aboverkäufer unbedingt loswerden wollte. Naja, nicht gerade die bevorzugte Morgenlektüre, aber man muß sich ja zuweilen auch über die sonst nicht goutierte Presse informieren. Aber erstmal die Zeitung weglegen und die Karte studieren..

Nur Leute, die früher zu oft mit einem Bonanzarad unterwegs waren, bestellen normalerweise Sektfrühstück. Da frank aber unverdächtig ist, je eines besessen zu haben, da er als Ossi kaum als Besitzer in Frage kommt und zudem sicher keiner dieser Brits war, muß er wohl in seltener Sektlaune gewesen sein. Er entschied sich jedenfalls für das Frühstück Metropolis mit perlendem Sekt.

Frühstück Metropolis: 7,50 Euro

Um es gleich zu sagen: frank war nach dem Verzehr „zufrieden und faul“. Entsprechend müssen die Menge ausreichend und die Zutaten wohlschmeckend gewesen sein. Nach seiner Auskunft war das Brot frisch und besonders die gereichten Birnenstückchen schmackhaft. Das Ei allerdings muß ein wenig bekrittelt werden, frank empfiehlt, das Abschrecken nochmal zu üben. Nach dem Abpellen wurde es aber als hartgekocht und zweifelsohne nicht aus der Legebatterie gelobt.

Frühstück Point Neuf: 5,50 Euro

Das Frühstück Point Neuf bestand aus zuckersüßen Bananen- und Melonenstückchen, Erdbeermarmelade, etwas Orange, dunklen, aber etwas trockenen Croissants, Blaubeerquark, Nutella, Honig und Apfelmus. Alles in allem eine gute Sache, mengenmäßig aber an diesem Morgen kaum zu schaffen.

Der schon erwähnte Blaubeerquark, der zu beiden Frühstücken serviert wurde, hat zu einigen Diskussionen bei der Bewertung geführt. Zunächst war unsere einhellige Meinung, daß hier die bekannte Mindener Aromafabrik ihre Hände im Spiel hatte, aber beim zweiten Löffel waren wir nicht mehr sicher. Er schmeckte eben doch wie selbstgemacht, mit reichlich Zimt zwar, aber die Schälchen wurden ausgekratzt.

Hingehen sollten alle, die vom Kellner nicht übermäßig belästigt werden wollen, eine chillige Atmosphäre zum Frühstück vorziehen, einfach mal eine Bürgerinitiative gründen wollen und idealerweise einen cineastischen Hang haben.

Intimes, Boxhagener Str. 107, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 29 66 64 57
Außenansicht Intimes

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