kaffee ingwer

Eigentlich war uns nach einem stinknormalen Frühstück. Wir[1] hatten gar nicht nach Recycling-Servietten oder Bio-Nahrung Ausschau gehalten, sondern nur nach alltäglicher Morgenmagenfüllung an einem Ort, den wir zuvor noch nie ausprobiert hatten.

Nach dem Eintreten ins „kaffee ingwer“ fiel uns zuerst ein den Raum dominierender Tresen auf, der offenbar nicht nur für die Bestellungen der im Lokal sitzenden Gäste vorgesehen ist, sondern für das Laufpublikum von draußen auch einen Verkauf zum Mitnehmen anbietet. Während unseres Besuches bewahrheitete sich diese Annahme, da alle paar Minuten Leute den Laden betraten, um vor allem Kuchen einzukaufen. Der rege Publikumsverkehr der Kauflustigen war sehr divers, von Amisetten bis Zobeljäger war alles dabei.

Uns passierte allerdings schon kurz nach dem Eintreten ein mittelschwerer Fauxpas beim Bestellen der koffeinhaltigen Heißgetränke, die wir am Tresen ordern wollten. Auf die Frage, ob sie Hafermilch zum Flat White möchte, antwortete 46halbe in gewohnt-brachialer Ehrlichkeit: „Nein, normale Milch.“ Sie erntete keine besonders freundliche Reaktion, sondern die Belehrung, dass schon an der Tür das Wort „vegan“ stünde. Laryllian war das aufgefallen, doch er hatte es – noch halb schlafend – nicht weitergegeben. Nun war beiden bewusst: Es gibt hier keine Milch. Die Omnivoren sind eben nicht immer die Hellsten und schauten etwas betreten drein.

Leider waren die angebotenen Kuhmilch-Substitute für 46halbe geschmacklich keine Option, aber schwarzer Kaffee schon. Er mundete auch ohne Milch sehr gut. Auf der anderen Seite des Lokals stand zur Selbstbedienung dazu noch Wasser mit Orangengeschmack bereit.

koffein-getraenke

Americano: 2,30 €, Flat White: insgesamt 3,70 € (Mandelmilch kostet 0,50 € extra).

Auf dem Foto sieht man eine leicht rosafarbene Substanz, die beide Tester für Zucker hielten und sofort nach dem Hinsetzen in ihre Tassen löffelten. Es stellte sich leider als Salz heraus. :{

So ist das eben mit dem ersten Kaffee des Tages: Er muss offensichtlich noch ohne Koffein im Blut organisiert werden. Wir wissen es nicht mit Sicherheit, aber aufgrund der Farbe könnte es Himalayasalz gewesen sein. Das wird laut Wikipedia übrigens zum etwa zwanzigfachen Preis von üblichem Speisesalz vertickt. Da wir nicht zu übermäßigem Eso-Glauben neigen, hoffen wir aber, dass es einfach gefärbtes normales Salz gewesen sein könnte oder sonst irgendeine weniger teure Salzart, die wir nicht kennen.

Was das eigentliche Frühstück angeht, entschieden wir uns beide für die „Avocado-Stulle“, was sich als wirklich gute Wahl herausstellte:

avocado-stullen

Avocado-Stulle für je 6,50 €.

Das wirklich Besondere an der Stulle war nicht etwa der Belag, sondern tatsächlich das Brot selbst: Es schmeckte köstlich, bei jedem Bissen wieder!

Wir widmeten uns unterdessen einem zeitlosen Plausch bei leiser, nicht störender Musik. Wir wurden weder gestört von übereifrigen Kellnerinnen noch von Bandsalat. Dann brach das süße Dreiviertel des Tages an und wir bestellten uns Kuchen sowie nochmals diesen schmackhaften, nicht bitteren, aber dennoch intensiven Kaffee.

kuchen als fruehstuecke

Apfelkuchen: 3,50 €, Cupcake: 3,50 €, Americano: je 2,30 €.

Der Kuchen – Rote-Bete-Schokolade-Cupcake und Apfelkuchen – stellte sich auch für den Gourmet-Gaumen als überaus wohlschmeckend heraus. Und der Kaffee mundete uns wundersamerweise mit jeder Tasse besser.

aussenansicht

Blick von außen.

Zugegeben: Der Beginn unseres Besuchs gestaltete sich anfangs wegen der leicht schnippischen Bedienung am Tresen ein wenig holperig. Einen neuen Gast auf seine Bestellwünsche hin zu belehren, man serviere hier nur vegane Nahrung, kann man eben freundlich oder herablassend tun. Das Gleiche gilt für Fragen der Gäste, die offenkundig wenig Wissen über vegane Lebensmittel haben. Man kann sie auf entgegenkommende Art beantworten und mithin eine Einladung aussprechen, dieses oder jenes zu probieren. Oder man kann den Gästen einfach das Gefühl geben, eine blöde Frage gestellt zu haben. Zum Glück verbreitete sich nach dem ersten Gang wieder die Freundlichkeit.

Wir resümierten am Ende unseres Besuchs: Die Liebe fürs Detail war auffallend und angenehm. Uns gefielen die kleinen und großen Aufmerksamkeiten, die man im Laden entdecken konnte, vor allem aber beeindruckten die überraschend leckeren Speisen. Vielleicht wird es Zeit, ein paar Vorurteile über vegane Ernährung über Bord zu werfen, die wir noch mit uns herumtragen.

Hingehen sollten alle, die eine Vorliebe für kleine, aber nicht zu kleine Frühstückslokale haben, die überraschend bequemen Holzhockern nicht ablehnend gegenüberstehen – sogar Zappel-Philipp Laryllian war entzückt –, denen es auf Qualität ankommt und die vegane Leckereien mögen.

kaffee ingwer
Wühlischstraße 12, 10245 Berlin
Tel. (030) 27 58 79 77
Es gibt leider keine Webseite des Ladens, obwohl kaffeeingwer.de auf der Rechnung vermerkt ist. Tippt man das ein, wird aber nur zu Facebook weitergeleitet. Verlinken wir nicht.

  1. Diesmal waren 46halbe und Laryllian als Testesser unterwegs. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain

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