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The Barn

Mittags rum in Berlin einen überdurchschnittlichen Kaffee zu bekommen, ist in den letzten Jahren leichter geworden. Mehrere bemerkenswerte Kaffeeläden und -röstereien haben eröffnet, ein paar mit hohem eigenen Anspruch. Dazu gehört The Barn, dessen neue und größere Filiale in der Schönhauser wir kurz nach der Eröffnung unter die Lupe nehmen wollten.[1]
Betritt man den Laden zum ersten Mal, fallen sofort die großen ungenutzten Flächen ins Auge. Die typische Aufteilung in Berliner Cafés orientiert sich häufig an der Optimierung des Raumes, was Sitzplätze, Tische und Tresen angeht. Nicht so im The Barn: An den Wänden und Fenstern sind einige wenige Bänke und Hocker, minimale flache Tischchen davor. Der Rest des Raumes besteht aus kahlem Boden. Der riesige Tresen wirkt so wie der Altar einer Kathedrale.
kathedrale

Holz und warmes Licht.

Welchen Sitzplatz man auch immer wählt, man hat ein „no laptop“-Schild in Sichtweite. Ein gewisses Verständnis für die Absicht des Betreibers, nicht noch ein weiteres der Berliner Cafés zu werden, das zum Zweitbüro für die Horden an Pseudokreativen mutiert, werden vermutlich viele Besucher aufbringen. Aber durch die Schilder setzt trotzdem ein Gefühl ein, das eine Art Leitmotiv unseres Besuches werden soll: Bevormundung.
no laptop

Keine Computer erwünscht, Mobiltelefone aber geduldet.

Angenehmerweise wird man im The Barn zwar nicht mit zu lauter oder unpassender Musikkulisse zwangsbeschallt,[2] aber den wirklich unangenehmen Aspekt der Bevormundung bekommt man gerade dann zu spüren, wenn es um Kaffee geht.
kaffee an tischchen

Guter Kaffee ist nicht billig.

Ein Beispiel ist die Frage der Milchabgabe an Gäste. Man mag es für selbstverständlich halten in einem Kaffeeladen, daß manche Menschen ihren Kaffee mit Milch mögen und sie daher angeboten wird. Im The Barn jedoch bekommt man nur eine Sorte Kaffee mit Milch. Es wird zwar auf die elaborierten neudeutschen Bezeichnungen für koffeinhaltige Heißgetränke wie Cappuccino, Flat White, Café au lait und dergleichen verzichtet, es gibt auch nur drei Größen an ausgeschenktem Kaffee (4oz, 8oz und 12oz), allerdings wird man aus der vorhandenen Auswahl an Bohnen auf eine einzige Sorte festgelegt, die man mit Milch genießen darf. Auch auf Nachfrage bekommt man keinen anderen Kaffee mit Milch.
roester

1955er Probat-Röstmaschine, drinnen läuft die „Cropster Roast Profiling Software“.

Wir haben also nur die Wahl zwischen einer aeropress-Zubereitung und klassischem Filterkaffee. Dies wird zudem mit geübtem geringschätzigen Blick mitgeteilt, der einen auch gleich beim Gang zum Zucker – nur um die Säure zu bändigen! – begleitet. Immerhin kommt der Zucker mit einem mehr oder weniger freundlichen Hinweis neben dem Schälchen.
hinweisschild am zucker

„We find that you get the best impression of all flavours of our coffee when you enjoy it without sugar.“ Wir nicht.

Zweifelsohne entstehen die Espresso-shots auf der Marzocco unter größter Mühwaltung, wir fragen uns jedoch, ob angesichts der guten Lage für Laufkundschaft aller Couleur an der Schönhauser es denn nun wirklich für den Milchkaffee eine Bohne sein muß, die maximal einen Nischengeschmack bedient. Man kommt sich ein wenig vor wie in einem Programmkino, dessen Ausstattung und Technik Spitzenklasse ist, aber das in der Auswahl des Programms und im Service provinziell bleibt.
Zucker aus Mauritius

Unbehandelter Zucker aus Mauritius, reich an Vitaminen und Mineralien.

Neben „no milk“ und „no laptop“ gilt auch der Grundsatz „no pram“, forciert durch einen Anti-Kinderwagen-Poller an der Tür. Über diese Kinderwagensperren wird schon länger diskutiert, auch da sie in Berlin gefühlt leicht steigende Tendenz aufweisen. Doch solche Diskussionen bleiben reichlich abstrakt, bis man mal Augenzeuge wird, wie solche Poller in der Praxis funktionieren.
kinderwagenblockierer

So sieht ein Kinderwagenblockierer aus.

Denn tatsächlich betritt eine Mama mit Wagen zum Ende unseres Besuches hin das Lokal. Vielmehr versucht sie es, denn der Poller blockiert den Kinderwagen. Der Grund der Blockade ist für den Schiebenden des Gefährts aber nicht unmittelbar sichtbar, so daß sie anfangs versucht, an der Sperre vorbeizufahren, während der Barista hinter dem Tresen abwartend gespannte Haltung annimmt. Erst als die Mutter versteht, daß es sich um eine dafür konstruierte Kinderwagensperre handelt, machen sie und ihre Begleiterin kehrt.
Die Szene löst bei 46halbe den Reflex aus, den Laden umgehend zu verlassen. Wir verzichten auf das Ausprobieren der Nahrung, es war ohnehin mal wieder alles voller Tomaten.
Hingehen sollten alle kinderlosen laktoseintoleranten Liebhaber saurer Kaffees, die des Englischen mächtig sind und gern bei einem makellos zubereiteten koffeinhaltigen Heißgetränk in aller Stille ihre Klaustrophobie in einem wie von Werbern erdachten „back to the basic“-Kaffeekathedralenambiente auskurieren möchten. Kaffeephilister hingegen werden hier die Nase rümpfen.
  1. 46halbe hat sich mit nibbler einen echten Kaffeeliebhaber als Unterstützung angelacht. []
  2. Vermutlich dank GEMA ohnehin ein zu kostspieliges Unterfangen. []

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Ampelmann

Im Schloß Bellevue gibt es für Normalsterbliche nichts zu essen, wenn man nicht grade zum Staatsempfang geladen ist oder vielleicht ein Sternsinger. Dennoch machen wir vor dem Frühstück einen kleinen Umweg in den Schloßpark, um Bundesmittelläufer Christian Wulff zuerst noch den Schuh zu zeigen.

Im Januar ist eine Demo in Berlin keine so angenehme Angelegenheit: regnerisch, kühl und windig. Das macht hungrig, wir[1] brechen daher bald zum Hack-Markt auf, nicht ohne vorher einen Spreeuferspaziergang durchs Regierungsviertel zu unternehmen.

wulff-demo

Wulff-Schuhdemo: kostenlos.

Politisch aufgeladen, kalauern wir schon beim Eintreten nicht unbeträchtlich: „Eben noch beim Hampelmann, jetzt sogleich im Ampelmann“. Denn Ampelmann heißt heute das Lokal unserer Wahl. Es befindet sich am Spreeufer, schräg gegenüber der Museumsinsel in den S-Bahnbögen unterhalb des Bahnhofs Hackescher Markt. Das Frühstücksangebot können wir leider nicht mehr testen. Es wird seit kurzem zwar statt bis 12 Uhr jetzt bis 13 Uhr offeriert, aber wir verfehlen diesen Zeitpunkt doch erheblich.

Im Ampelmann werden Pizza und Brot selbst gebacken, wie uns die Karte verrät. Das frische Brot kosten wir doch gern:

wasser und brot

Wasser und Brot zum Anfüttern: kostenlos.

Der Brotkorb wird zusammen mit Leitungswasser gereicht, dazu kleine Weingläser. Wir bestellen zunächst verschiedene Kaffee- und Teevarianten: Cafe Latte (3,20 Euro), Latte macchiato (3,20 Euro) Roibos Vanilla (Kännchen: 4,20 Euro) und Pfefferminztee (Tasse: 3,20 Euro) .

Roibos-Tee

Tee Roibos Vanilla: 4,20 €.

Und wir haben wieder einen dieser Vorspeisen-Spielverderber dabei. Man sitzt da hungrig und hat sich nach langem Ringen etwas ausgewählt, alle bestellen nacheinander ihr Gericht – und dann passiert es: naros ist der Letzte in der Reihe und wünscht sich eine Vorspeise zu seinem Hauptgericht. Alle anderen wissen nun, daß die Zeit, bis sie etwas zu beißen haben, exorbitant verlängert ist. Zudem muß man ihm beim Essen zugucken. Eine Vorwarnung wäre nett gewesen, zumal eine nach gebratenem Speck duftende Speise serviert wird:

Schafskaese

Gebratener Schafskäse im Speckmantel an pikantem Mango-Chutney: 8,50 €.

Wir haben es ihm verziehen. Dafür wird er umfassend zu seiner Vorspeise befragt. naros gibt an, daß der Schafskäse durch die Beigabe von Rauke im beiliegenden Salat mit Zitronen-Vinaigrette erfreut. Er schmeckt gut, sagt naros, dennoch hätte ein Kuh-Käse statt Schafskäse wohl besser gepaßt.

Frau Knöpfchen bekommt wenig später die Pizza Bresaola:

pizza bresaola

Pizza Bresaola: 11,50 €.

Die Pizza ist üppig mit Mozzarella, Bresaola, Walnüssen und Parmesan belegt. Bresaola ist übrigens Schinken vom Rind, wie die stets freundliche Kellnerin erklärt. Das Timing der Bedienung gefällt uns: Es wird nicht gedrängelt, sie läßt uns aber auch nie warten.

naros, der bereits den Schafskäse hinter sich hat, bekommt als Hauptgang Nudeln:

orechiette

Orechiette mit Hähnchenbrust für 10,50 €.

Orechiette sind hütchenförmige Nudeln, die naros sehr gut schmecken. Uns umhüllt beim Essen eine leicht hypnotisierende Kaufhausmusik, die dann und wann untermalt wird durch leichte, erdbebenartige Rüttelungen wegen der über uns fahrenden S-Bahn. naros erinnert das spontan an das früher oft gehörte Little Earthquakes.

Die Teller der Speisen sind alle ansprechend dekoriert, das Geschirr ist von schlichtem Design und wirkt robust. Auf die Servietten sei sogar ein Loblied gesungen: Sie sind zwar aus Papier, fühlen sich dennoch wie Stoff an, ein kleines Männchen ist auch aufgedruckt. Viele weitere Details im Restaurant erinnern an den Namen: überall Ampelmännchen, auf den Shirts der Angestellten, in den Toiletten, selbst auf den Zuckertütchen.

ampelmaennchen

Ampelmännchen, viele.

Das Ampelmännchen ist eines der wenigen Überbleibsel des DDR-Alltags, das im Straßenverkehr in Berlin noch vielfach präsent ist. Sonst hilft es, den Verkehr zu regeln, hier in der Speisekarte weist es auch den Weg zu den Essens- und Getränkeangeboten. Jede Seite der Karte ist mit einem anderen der Männchen markiert. Mit Hilfe eines neuen Gadgets kann hier ein kleiner Eindruck vermittelt werden:

ampelmaennchen

Das Ampelmännchen für Hauptgerichte.

Für den kleinen Hunger bestellt 46halbe die Tomatensuppe. Die aufmerksame Kellnerin serviert sie zusammen mit den Hauptgerichten:

tomatensuppe

Provenzialische Tomatensuppe für 5,50 €.

Die Suppe ist mit Crème fraîche und Basilikum abgerundet, schmeckt gut, aber etwas langweilig. Die Crème fraîche will sich nicht recht auflösen, entfaltet daher ihren Geschmack nur teilweise.

Kai hat sich für die Schweinemedaillons entschieden:

schweinemedaillons

Schweinefilet für 14,50 €.

Die drei Filetmittelstückchen werden mit Rübchenpüree und Bratenjus an Kartoffelgratin gereicht. Kai meint, es würde nach Weihnachten schmecken. Das mag am Lebkuchengeschmack liegen, den die Soße hat. Wir haben Zimt, Kardamom, Ingwer und weitere Multikulti-Gewürze im Verdacht.

Zwei Gierige unter uns bestellen auch einen Nachtisch. naros, der schon den Schafskäse UND die Orechiette verdrückt hat, genehmigt sich einen in der Karte als Pfannkuchen firmierenden Eierkuchen:

mit heidelbeeren

Heidelbeer-Pfannkuchen mit Vanilleeis und Ahornsirup für 7,50 €.

46halbe kann bei der Kuchenvitrine nicht widerstehen, sie bestellt einen Apfelkuchen.

mit heidelbeeren

Die normannische Apfeltarte für 3,80 €.

Bei diesem Apfelkuchen aus Mürbeteig mit auffälligem Zimtgeschmack kann nicht abschließend geklärt werden, was daran normannisch ist, nach Angaben von 46halbe mundet er ihr jedenfalls. Auch der dazu bestellte frisch gepreßte Orangensaft (4,50 Euro für 0,2 Liter) und der Espresso (zwei Euro) können überzeugen. Die schöne Espresso-Tasse mit dem Ampelmännchen gefällt ihr, der Inhalt hätte allerdings etwas heißer sein können.

Es ist gemütlich, man könnte sich hier fast festsitzen. Doch es scheint, daß wir den Mangeltag des Restaurants erwischt haben. Unvermittelt werden alle Tische umgeräumt, weiße Tischdecken aufgelegt, Stühle gerückt. Vermutlich findet abends eine geschlossene Veranstaltung statt. Das Stühlerücken mahnt uns zum Aufbruch.

In Anlehnung an unsere Demo dichtet naros kurz vor dem Gehen und frei nach dem Schlußsatz des grünen Ampelmännchens im DDR-Verkehrskompaß:

So ist’s richtig, so ist’s schön,
freundlich zeig ich meinen Schuh.
Mach schon Wulff, du kannst jetzt geh’n.
Komm gut heim und gib uns Ruh‘.

Hingehen sollten alle, die ein kuschliges künstliches Feuer hinter Glas genießen möchten, am Hack-Markt nicht ganz billige, aber qualitativ gute Nahrung suchen oder die einen besonderen Service im Ampelmann ausprobieren wollen: Ein Velo-Taxi kutschiert geneigte Gäste zum nahegelegenen S-Bahnhof oder zum Auto.

Ampelmann
am Monbijoupark, Stadtbahnbogen 159-160, 10178 Berlin
Tel. (030) 84 71 07 09
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe, naros, Kai und Frau Knöpfchen als Testesser dabei. []

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Matilda

Der Graefekiez zwischen Südstern, Planufer und Kottbusser Damm in Kreuzberg ist ein weit attraktiveres Pflaster als gemeinhin bekannt. Das gilt insbesondere auch für ein Frühstück. Zwar ist der Nachmittag nicht die optimale Zeit dafür, aber das stets gut besuchte Matilda in der Graefestraße hat einen anderen Verkaufsschlager: Kuchen.

Schon beim Eintreten wurde das verwöhnte Ohr mit Musik im Stil von Vic Fontaine umweht. Wir[1] ergatterten ein Sofa im Hinterzimmer, ließen die Karte links liegen und bestellten nach kurzem Blick in die Kuchenvitrine zwei Stückchen Pflaumenstreusel nebst Latte macchiato.

Der spätere Blick in die Speisekarte zeigte übrigens so manche Überraschung: Nicht nur waren fünf Frühstücke im Angebot, auch gibt es jeden ersten Samstag im Monat ab 20.30 Uhr Bingo sowie immer sonntags gemeinsames Tatort-Gucken am Beamer! :}

Zwei latte

Latte Macchiato für je 2,60.

Die koffeinhaltigen Heißgetränke wurden freundlich und schnell serviert. Ulf quittierte die Qualität des Latte kurz mit der Bewertung „okay, wird durchgewunken“. Erfreulicherweise wurde auch das stets goutierte Wasser dazu gereicht. Schon wenig später kam der Streuselkuchen – dann allerdings vergaß die Kellnerin, daß wir da waren.

pflaumenstreusel mit sahne

Pflaumenstreuselkuchen mit Sahne für 2,70 €.

Ulf hatte den Streuselkuchen mit Sahne, der nach seinem Bekunden sehr gut schmeckte, allerdings ein bißchen zu kalt war. In warm und duftend wäre das Geschmackserlebnis noch vollkommener gewesen. Nunja, den hatte eben nicht Mama gebacken, sondern die Serviererin vor vielleicht zwei Stunden der Tiefkühltruhe entnommen.

Generell fehlte etwas der Gemütlichkeits- und Kuschelfaktor im Matilda. Es mag an der etwas düsteren Lichtsituation gelegen haben, die nur durch eine neben uns stehende Stehlampe mit Bommeln und etwas von draußen einfallendes Restlicht geprägt war. Überhaupt schienen die Möbel irgendwann in der Zeit zwischen dem Ende der Arbeit der Trümmerfrauen und dem Aufkommen von Telespielen für Fernseher erstanden worden zu sein. Dazu passend gab es leicht glänzende Wände in rauchgelb. Nach kurzer Debatte verständigten wir uns außerdem darauf, daß die unverzierten Wände dringend das Interieur ironisch brechende Kunstdrucke vertragen würden.

Nicht daß wir uns hier groß beschweren wollten – schließlich hilft eine spannende Unterhaltung über die Einrichtung leicht hinweg. Es ist vielleicht nur der vor der Tür stehende Herbst: Bekanntermaßen brauchen Menschen in dieser Zeit eben viel Licht.

streuselkuchen ohne sahne

Den Streuselkuchen gab es auch ohne Sahne.

Nachdem 46halbe ihren Streuselkuchen ohne Sahne ebenfalls verspeist hatte, mußten wir zwar auf das Abräumen und die weiteren Getränke ein Weilchen warten, blieben aber ob der ansonsten stets lächelnden Kellnerin frohgemut und entschlossen uns dann zu einem Verdauungsspaziergang.

Ausblick im Graefekiez

Umsonst: Ausblick am Planufer im Graefekiez.

Hingehen sollten alle, die in diesem Berliner Kiez täglich ab neun Uhr ein entspanntes Lokal zum Verweilen suchen und bereit sind, auch mal ein paar Minuten auf umfassenden Service zu verzichten. Wer danach noch zu Fuß die Gegend erkunden möchte, ist hier ebenfalls genau richtig.

Matilda, Graefestr. 12
Tel. 030 / 817 97 288
Außenansicht

  1. Mit der kulinarischen Mission waren heute Ulf und 46halbe betraut. []

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Cutie Pie

Eigentlich waren wir später noch zum Frühstück verabredet, aber als wir so durch die Lausitzer Straße flanierten, lachte uns ein kleiner Kaffeeladen an.

Wir also rein – Zeit und Hunger waren noch genug da – und erst einmal die beiden Bedienungen ein bißchen verunsichert. Das Cutie Pie ist sehr nett eingerichtet, wirkt ein bißchen wie ein heller, gemütlicher Leseclub und war total leer, als wir da waren. Allerdings läßt das haufenweise herumstehende Kinderspielzeug vermuten, daß es hier normalerweise nicht so gemütlich zugeht.

Das Angebot ist nicht wirklich groß, sieht aber sehr lecker aus. Es gibt die üblichen Kaffeevariationen und Kuchen, der teilweise selbstgebacken ist. Die folgende Zusammenstellung hat ungefähr 6,30 Euro gekostet, genaue Preise konnte ich mir leider nicht merken – es war einfach noch zu früh.

Der Kuchen war sehr lecker, die Heißgetränke auch, vor allem die Mini-Brownies dazu. Normalerweise gibt es hier frische Minze, die heute leider aus war, aber das restliche Teeangebot kann sich sehen lassen.[1]

Kein Ort also um lange und ausführlich zu frühstücken, aber genau richtig für das kleine Frühstück zwischendurch. Aperitif sozusagen, und der muß nicht süß sein, es gibt hier auch Bagel, Croissants und belegte Toasts[2]. Glauben wir zumindest. Auf jeden Fall auch was anderes als Kuchen.

Geht am besten mal selber hin und probiert das aus, das Cutie Pie ist nämlich sehr sympathisch, liegt aber ein bisschen ab vom Schuß und wirkt deswegen ein bißchen unausgelastet.

Cutie Pie, Lausitzer Str. 8, 10999 Berlin[3]
0163-201 37 68
…mehr Infos

  1. Obwohl es natürlich auch hier was zu meckern gibt: Einzeln in Plaste verpackte Teebeutel sind halt nicht wirklich Bio. []
  2. Outsider meint, das muß Sandwich heißen. Zugeklapptes Toast mit was drin halt. Warm. Für ab ’nen Euro. []
  3. Die im Netz angegebene Adresse, die Erinnerung der anwesenden Frühstücker und Google Maps passen nicht so richtig zusammen. Das Cutie Pie ist auf der Lausitzer, wenn man von der Wiener zur Reichenberger läuft auf der rechten Seite. []

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Monsieur Vuong

Auch in Mitte gibt es Lokale, die immer voll sind und wo man gerne zweimal hingeht. Dazu gehört das Monsieur Vuong in der Alten Schönhauser Straße definitiv. Ein, zwei Mitte-Penner sind zwar zu sehen, sie fallen aber wegen der Mehrheit der normalen Berliner kaum auf.

Es gibt zwar eine nur ganz wenige Gerichte umfassende Karte, dafür aber jeden Tag zwei neue Tagesgerichte zur Auswahl. Man kann angenehm chillig draußen sitzen, ein großer Ficus Benjamin spendet Schatten, leise Musik säuselt um die Ohren.

Wer gerne freundlich, flink, aber ohne Hast bedient wird und vietnamesische und südostasiatische Küche mag, ist hier genau richtig. Nicht unbedingt nur zum Frühstück, aber man muß ja auch sonst mal was essen am Tag. Wer nicht draußen sitzen möchte, den lädt ein schön gestalteter Innenraum mit geschwungenem Tresen zum Verweilen ein.

Huhn mit Reis: 6,90 € / Bananenshake: 3,40 €

Das Huhn mit Reis und verschiedenen Gemüsen, Kräutern, Salat und Nüssen ist ein solides Gericht und erfüllt die Erwartungen, die man an die südostasiatische Küche stellt, zu einhundert Prozent. Positiv fiel auf, daß das Essen nicht heiß, sondern quasi eßwarm serviert wurde. Jetzt kann man natürlich sagen: “Naja, hat vermutlich ewig in der Küche rumgestanden.” Das glauben wir allerdings nicht, und wenn doch, hat es der Sache keinen Abbruch getan.

Der Bananenshake war spitze und schmeckte nicht nach künstlichem Bananenaroma. Die Mixer machen allerdings Krach ohne Ende, der untrügliche Beweis für die zeitnahe Herstellung.

Schweinefleisch mit Nudeln: 6,90 € / Frischgepreßter Orangensaft: 3,40 €

Das andere Tagesgericht war Schweinefleisch mit Nudeln und Gemüsen, viel Sellerie, Sesam und Grünkram. 46halbe mag leider Sellerie nicht so doll. Naja, es war trotzdem ziemlich gut. Allein schon die Tatsache, daß sie keineswegs hungrig bei Monsieur Vuong ankam und dennoch so gut wie den ganzen Inhalt der Eßschüssel verspeiste, spricht für das Gericht.

Apropos Eßschalen: hier vereinte sich ansprechendes und praktisches Design. Auf den Bildern sieht man nicht so gut, daß die Schalen leicht nach vorn geneigt waren, was neidische Blicke abhält und die Nahrungsentnahme vereinfacht. Man kann die Schale und damit die angesprochenen Effekte übrigens auch umdrehen harhar.

Bia Saigon 0,3 l: 2,90 €

Zum Nachtisch gab es heute kein Süßzeug, sondern Cappuccino und ein Bia Saigon. Bereits in der Karte wird darauf verwiesen, daß ”Bia” kein Schreibfehler, sondern das vietnamesische Wort für Bier ist. Es ist ein klares, pilsartiges, leicht säuerliches, solides Biergetränk, das man aber nicht süffig nennen kann und den Preis auch nicht rechtfertigt.

Der Cappuccino für 2,10 €, serviert in lustigem, rundlichem Glas, hat dagegen gut geschmeckt. Gezuckert und gerührt wird mit einem Holzlöffel. Beim Genießen des Heißgetränks schaukelte die nächste Straßenbahn vorbei und das gesamte Lokal vibrierte in der Nachmittagssonne. Das Leben ist schön.

Monsieur Vuong, Alte Schönhauser Str. 46, 10119 Berlin-Mitte

Telefon: 030 / 24 63 87 60

www.monsieurvuong.de

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Westin Grand (nicht wirklich)

“Surf & Turf”: 0 € (Aber man braucht eine Eintrittskarte zum ZDF-Sommerfest.)

Das ZDF-Sommerfest ist, wenn man von der Platzverteilung ausgeht, vor allem eine große Sponsorenveranstaltung. Verschiedene Firmen bieten etwas Essen und/oder Getränke in einem Zelt an, in dem auch die eigenen Produkte präsentiert werden. Im Microsoft-Zelt gab es zum Beispiel Caipirinha mit zuviel Rum und man konnte Tischtennis an einer XBox 360[1] spielen. Kulinarischer Höhepunkt war für mich aber das Essen, dass vom Westin Grand aufgetragen wurde.

Die Garnele fand ich zwar unpassend, aber das Fleisch war sehr zart und der Salat hatte ein superleckeres scharfes aber unaufdringliches Dressing. Durch das Essen hat sich bei mir der Verdacht erhärtet, dass es sich lohnen könnte, beim Kochen mit hochqualitativen Zutaten zu arbeiten. Danach schmeckte das Büffet der ZDF-Kantine einfach nur noch fade, obwohl es ordentlich gemacht war.

Nicht nur Wasser: 0 € (Aber Eintrittskarte.)

Ich habe mich gefragt, wer auf einer Party, bei der es kostenlosen Alkohol und Kakao- und Fruchtsaft-Cocktails gibt, Wasser trinken will. Aus mir unerklärlichen Gründen war der Stand aber immer gut besucht. Auch ich musste zu später Stunde dort aufschlagen, da ich mir den Tequila verdünnen wollte, der das Einzige gewesen war, was in der Microsoft-Bar noch übrig geblieben war.

Mir konnte geholfen werden. Mit “Jolt”. Schmeckt wie die gute alte Club Cola (klebrig, süß und total künstlich), soll aber doppelt soviel Koffein haben.

Verschiedene Zigaretten: 0 € (Auch nur mit Eintrittskarte. Evtl. Langzeitschäden.)

Großartig fand ich den Bauchladen des VDC. Warum waren die auf der Party? Ein letztes Aufbäumen, bevor Rauchen in Deutschland verboten wird? Die beiden jungen Damen schienen sich jedenfalls auch nicht wirklich sicher zu sein, ob es eine gute Idee ist, Zigaretten zu verteilen. Das Photo durfte ich nur machen, nachdem sie sichergestellt hatten, dass es nur für den privaten Gebrauch ist – deshalb der detailgenaue Bildausschnitt.

Ich empfehle den Besuch des ZDF-Sommerfestes jedem, der mal gut, billig und viel Essen möchte. Allerdings hilft es, wenn man Bier oder Wein mag, die Cocktails waren alle eher mäßig. Eine Einladung kann Gerüchten zufolge fast jeder bekommen, der in Berlin irgendwie beim Fernsehen arbeitet oder über die Sponsoren an Karten kommt.

ZDF-Sommerfest auf dem Gelände der Neuen Nationalgalerie am Potsdamer Platz.

  1. Außerdem ein Rennspiel, was ich nicht ausprobiert habe und FIFA WM 2006. Deutschland hat 0:1 gegen England verloren. []

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