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Alte Turnhalle

Entgegen unserer sonstigen Gewohnheit wollten wir1 uns an diesem Frühstückstag an einem veganen Buffet laben. Leider machte uns eine fehlende Reservierung einen Strich durch die Rechnung, so dass wir uns in der Nähe von Ostkreuz zu Fuß auf die Pirsch nach dem perfekten Frühstück begaben.

Wir landeten in einem Lokal, das wir bereits kannten, aber noch nie blogseitig getestet hatten. Dort wurde uns ein Buffet offeriert, das man am Sonntag Berlin-typisch bis 15 Uhr genießen kann. Von der Suche schon sichtlich ausgedörrt, orderten wir zunächst die koffeinhaltigen Getränke:

getraenke in der turnhalle

Die ersten Getränke: Cafe Latte: 3,90 €, Cappuccino: 2,80 €, florale Deko: kostenlos.

Die „Turnhalle“ heißt nicht nur so, sondern war tatsächlich mal eine. An einem Ende der Halle waren die kalten und warmen Speisen u-förmig aufgebaut, der Rest des großen Raumes stand voller Tische und Stühle.

Wir wussten ungefähr, was uns erwartet, da wir die „Turnhalle“ schon mehrfach besucht hatten. Also delektierten wir uns in mehreren Gängen am Speisenangebot:

auswahl turnhalle

Alle Speisen im Preis enthalten.

Steht der Sinn nach Reis, nach gebratenem Speck oder nach Mozzarella? Soll es eine Käseplatte sein oder gegrillte Champignons? All das und mehr haben wir erblickt auf der langen Tischreihe, auf der die Speisen angeboten wurden. Wir konnten längst nicht alles kosten, aber wir haben es versucht:

fruehstuecken vom buffet

Der Frühstücknachschub: Reis, Kartoffelauflauf, Gemüse, Schweinebraten. Pro Person lag der Brunchbuffet-Preis bei 16,90 €.

Die Auswahl der Speisen war enorm vielfältig: von Lasagne über Humus zu Würstchen bis Kartoffelauflauf. Nicht viel erinnerte an Frühstück, aber das störte uns nicht im Geringsten. Wir angelten uns einfach im Dauerlauf die gebratenen Paprika, Couscous und ein paar Gürkchen. Danach passte auch noch der Schweinebraten und die Lachsspießchen rein:

spiesschen und Schweinebraten

Die Spießchen an Schweinebraten: im Preis enthalten.

Auffällig war für uns ansonsten die für eine Turnhalle erstaunlich gemütliche Atmosphäre und die überaus freundliche Bedienung. Sie hatte wegen des Buffets natürlich keinen übermäßigen Stress mit uns, aber sie war zu jeder Zeit auskunftsfreudig, humorvoll und gutgelaunt. Sie hatte allerdings auch keine langen Wege, weil wir drinnen saßen. Das ging anderen Servicekräften anders, denn Blumenkinder, Frischluftfanatiker und auch sonst alle, die mögen, können auch draußen vor der Halle in einem rechten großen Areal sitzen. Etwas hochtrabend nennt das Lokal das seinen Sommergarten.

draussen turnhalle

Die Tische draußen.

Insgesamt erwies sich das Speisenangebot als abwechslungsreich, mit interessanter Auswahl und Zusammenstellung, auch für Vegetarier mit vielen Nahrungsvarianten zum Probieren:

nachschub turnhalle

Ein paar Leckereien passten noch rein.

Den Plan, wirklich alles zu probieren, gaben wir irgendwann auf. Die Auswahl war schlicht zu reichhaltig.

kaffee-erklaerbaer

Blick in die Karte, die Biokaffee-Arten mit visueller Unterstützung erklärt.

Während wir in der Karte der „Turnhalle“ einen kleinen Erklärbär-Teil zu den verschiedenen Kaffeedarreichungen studierten, bestellten wir tatsächlich weitere Kaffeegetränke. Denn bei Buffets kommt oft nur ein schleppendes Gespräch in Gang, wenn man zu zweit isst, da dauernd einer zu den Speisen eilt. Da empfiehlt es sich, entweder nachher noch Koffeinhaltiges zu genießen und sich in Ruhe zu unterhalten oder aber mit mindestens drei Menschen zu speisen, von denen nur jeweils einer Nachschub holt, damit man nicht zuviel allein sitzt und schweigt.

Natürlich musste auch gleich mehrfach der gern genossene frischgepresste Orangensaft her (in der kleinen Variante von 200 Millilitern für 3,20 Euro):

getraenke: o-saft

Frischgepresster Orangensaft (0,4 l): 5,90 €.

Eigentlich wollten wir schon aufbrechen und uns auf unsere imaginierten Bückeisen schwingen, aber dann entdeckte laryllian noch den überraschenden Höhepunkt des Festmahls, der den Preis von 16,90 Euro für das sonntägliche Brunch schließlich adäquat erscheinen ließ: Unauffällig am Eingang befand sich ein Waffelstand!

waffel, unbehandelt

Waffel natur: im Preis enthalten.

Den Waffeln konnten wir nicht widerstehen! Obwohl unser Magenfüllstand schon alarmierend war, bewahrheitete sich die altbekannte Regel: Ein paar Waffeln gehen immer! :}

waffel, verbessert

Waffel, mit Obst und Vanillesoße verfeinert: auch im Preis enthalten.

Um die Waffeln abwechslungsreicher zu gestalten, hatten wir die außerdem angebotenen Mini-Desserts als Waffelbelag zweckentfremdet. Aber manche probierten wir zusätzlich noch einzeln aus, bis wir wegen Überfüllung des Magens die weiße Fahne hissen mussten:

kleine deserts

Neben den Waffeln gab es kleine Gläschen mit Süßem (im Preis ebenfalls enthalten).

Wir löhnten in der „Turnhalle“ insgesamt 56,20 Euro (ohne Trinkgeld) und fühlten uns rundum wohlgenährt. Dann verließen wir guter Laune unseren Fensterplatz zugunsten eines kurzen, aber notwendigen Verdauungsspaziergangs.

Hingehen sollten alle, die alte „Turnhallen“ begucken mögen, die dabei mit der Atmosphäre eines wirklich großen Raumes klarkommen und die recht viel Hunger mitbringen.

Turnhalle
Holteistraße 6, 10245 Berlin
Tel. (030) 293 648 16
Webseite

  1. Diesmal kamen 46halbe und laryllian als Testesser zusammen. []

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Filed under Brunchbuffet, Friedrichshain

Zehn Jahre danach: Uebereck

Am „Uebereck“1 kamen wir in den letzten zehn Jahren oft vorbei, es liegt nahe an der vielbesuchten S-Bahn-Station Ostkreuz. Wir saßen manches Mal darin und haben unsere Beobachtungen vor mehr als einem Jahrzehnt schon festgehalten. Nun wollten wir2 es in einem „Zehn Jahre danach“-Test erneut probieren.

Damals war bei unserem Besuch viel Baulärm, da der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz gerade begonnen hatte. Mittlerweile ist er so gut wie fertig, Berlin kann also große Verkehrsbauprojekte durchaus erfolgreich hinbekommen. Für die Baufortschritte und -rückblicke lohnt sich übrigens ein Blick ins Ostkreuzblog.

ostkreuz, draussen

Vom „Uebereck“ kann man das neue Bahnhofsgebäude Ostkreuz sehen. Hier die große Ringbahnhalle.

Bild: lt_paris, CC BY-NC-ND 2.0.

Das „Uebereck“ liegt an einer kleinen Grünfläche, die sich mit den Jahren als ein typischer Berliner Ort etabliert hat, wo sich abends alte Jungfern und Hagestolze das Bierchen zupröstern. Allerdings wird die Fläche gerade umgestaltet und mit einem Spielplatz etwas familienkompatibler. Ganz ohne Baulärm kommt die Gegend also noch immer nicht aus.

Dennoch stehen draußen am „Uebereck“ Tische, allerdings ist der Bürgersteig in diesem Viertel etwas zu schmal, um entspannt zu essen. Das hat die Berliner aber noch nie gehindert. Wir setzten uns aber nach drinnen und konzentrierten uns selbstverständlich auf unser Testessen.

gemischtes fruehstueck

Kleines gemischtes Frühstück: 6,90 €.

Nicht nur wegen der Vergleichbarkeit, sondern auch, weil erdgeist regelmäßig eine Art Lackmustest durchführt, ließ er sich sein Standard-Frühstück liefern: Das kleine gemischte Frühstück bestand neben dem obligatorischen gekochten Ei aus Wurst- und Käseaufschnitt an einer Salatvariation, abgerundet mit frischem Obst, Gemüse und Süßem in Portionspäckchen3, einzig der Honig kam im Dekor-Waffelbecherchen aus irgendeiner Art Filinchen-Kruste.

Begeistert ist anders: Wenig schmeichelhaft fiel erdgeist auf Nachfrage nur „abgespacktes Drei-Sterne-Hotel-Frühstück“ ein. Der Rand der servierten Wurst wellte sich allerdings schon vor dieser Bemerkung bedenklich nach oben, während die wahrscheinlich aus Dekorgründen über dem Teller verstreuten Petersilienfitzelchen ganz unappetitlich mit den Apfel- und Birnensegmenten intim wurden.

koffein-saft-dreiklang

Latte macchiato: 3,20 €, der zweite mit doppeltem Espresso (Preis nicht notiert), ein frischgepresster Orangensaft (0,2 l): 3,50 €.

Auch im „Uebereck“ bestellten wir wieder den für uns typischen Getränke-Dreiklang: Zwei Latte macchiato, einmal für Erwachsene mit doppeltem Espresso, einmal in der Normalversion, sowie den von 46halbe stets gemochten frischgepressten Orangensaft. Die koffeinhaltigen Getränke bekamen allerdings das Prädikat „ziemlich medioker“. Sie konnten keine große Freude wecken, sondern erfüllten nur ihren Zweck: Das Koffein-Level halten. Wasser dazu zu servieren, fiel hier niemandem ein.

Später gesellte sich noch ein Cappuccino (2,50 €) dazu, der nach Dafürhalten von 46halbe von besserem Geschmack war. Aber möglicherweise war ihre Wahrnehmung vom nun bereits gefüllten Magen auch getrübt.

brotkorb

Brotkorb: ohne ausgewiesenen Preis.

Zu erdgeists Frühstück gesellte sich ein immerhin recht ansehnlicher Brotkorb mit den erwähnten Marmeladen-Abpackungen. Allerdings bemängelte er die Brötchen als nicht frisch. Negativ fiel außerdem auf, dass nur Serviettchen an den Tisch geliefert wurden: Sie waren nicht nur dünn, sondern auch klein, im Grunde also als Servietten unbrauchbar, insbesondere wenn man Teile der Speisen mit den Händen isst.

Unsere Stimmung war nicht allzu heiter, was auch dadurch bestärkt wurde, dass der Laden schlicht lärmig war. Einerseits kann das nicht dem Betreiber angelastet werden, da an diesem Tag eine größere Gruppe von vielleicht zehn Leuten an einem langen Tisch mitten im Raum saß. Das führte zwangsläufig zu lautem Reden und in der Folge einem Ansteigen des allgemeinen Geräuschpegels. Andererseits aber lief auch eine unangenehm laute Maschine, die jede Gemütlichkeit zuverlässig abwürgte. Wir vermuteten eine Kühlvitrine oder eine Eismaschine, waren aber nicht sicher.

Wir schlossen uns notgedrungen an und unterhielten uns entsprechend laut.

Um auch belastbare Vergleiche anstellen zu können, entschloss sich 46halbe ebenfalls für das nochmalige Bestellen ihres vor zehn Jahren gekosteten Frühstücks:

franzoesisches fruehstueck

Französisches Frühstück: 6,90 €.

Sie war damit ganz zufrieden, denn die Erwartungen wurden erfüllt. Die Croissants erwiesen sich als frisch, die Marmelade war exakt so, wie sie aus diesen Abpackungen immer schmeckt. Letztlich blieb aber unklar, warum man dafür 6,90 Euro löhnen sollte. Vielleicht waren es die Obstbeigaben, die das rechtfertigen könnten.

schwaerzungen

Auffällige Häufung bei Schwärzungen in der Speisekarte.

Viel Wahl hätten wir aber ohnehin nicht gehabt, denn offenbar fielen – wie öfter in von Touristen frequentierten Lokalen – diverse Gerichte mit der Zeit unter den Tisch, wie forensische Untersuchungen der Speisekarten-Sedimente ergaben.

Hingehen sollten alle, die eine lärmige Atmosphäre wegstecken können, endlich mal einen „Geheimtip“ aus dem „Lonely Planet“ zusammen mit fünfzig anderen Berlin-Besuchern entdecken wollen und denen das Inklusiv-Frühstück im Hostel zu großzügig bestückt ist.

Uebereck
Lenbachstraße 8, 10245 Berlin
Tel. (030) 29 12 792
Webseite

  1. Nicht zu verwechseln mit dem Übereck in der Prenzlauer Allee. []
  2. Diesmal waren wieder 46halbe und erdgeist zur Testspeisung unterwegs. []
  3. Aktuell im Großhandel bei 10 Eurocent pro Stück. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain

Gasthaus Alt Wien

Wir1 dehnen den Begriff „spätes Frühstück“ heute selbst für Berliner Verhältnisse recht stark. Aber das liegt nicht an uns, sondern an dem Lokal im Bötzowviertel unweit der Greifswalder Straße, dessen Speisen wir zu verköstigen beabsichtigten. Denn vor 18 Uhr lassen die niemanden rein.

Das Publikum ist gemischt, ob des Preisniveaus ist die Wahrscheinlichkeit, hier lautstark schwatzende Backfisch-Rudel auf Abireise anzutreffen, jedoch eher gering. Die Parkplatzsituation für etwaig zur Anreise benutzte Benzinkutschen ist etwas prekär. Wer sich den obligatorischen Autofahrergruß durch drängelige Verkehrsteilnehmer beim Einparken sparen will, kommt besser zweirädrig oder mit den Öffentlichen. Eine andere Variante ist ein Spaziergang vom nahegelegenen Volkspark Friedrichshain, wo man sein Auto abstellen kann.

Im „Alt Wien“ waren wir in größeren Abständen schon mehrfach, wenn uns der Sinn nach Deftigem aus Österreich stand. Heute wurden wir allerdings nach dem Aussuchen der Vorspeisen überrascht, nämlich mit einem unangekündigten Korb aus drei verschiedenen Sorten frischem Brot, der so manchen Standard-Frühstücksschuppen neidisch werden ließe:

brotkorb

Der Brotkorb im „Alt Wien“ (gab es einfach dazu).

Geliefert wurde das Brot zeitgleich mit den zuvor gewählten Vorspeisen: eine Suppe und etwas, was auf der Rechnung später als Salat firmierte, aber in Wahrheit keiner war.

Alles, was Mohrrüben ähnelt, kann 46halbe begeistern. So war es nicht schwer, aus dem Vorspeisen-Angebot trotz beginnenden Frühlings die Suppe aus Wintergemüse herauszupicken. Sie kam allerdings nicht dampfend heiß, sondern eher warm an den Tisch:

pastinaken-suppe

Als Vorspeise die „Pastinakensuppe“: 5,80 €.

Die vegetarische Suppe mit etwas Kernöl schmeckte dennoch köstlich. Pastinaken gelten übrigens als wiederentdeckte alte Gemüseart, das allerdings schon seit einigen Jahren. In Berlin bekommt man das Gemüse öfter angeboten, ob das auch für Wien gilt, wissen wir aber nicht.

Was die dazu gereichten Getränke im „Alt Wien“ anging, suchten wir diesmal wirklich nichts Außergewöhnliches, nicht einmal was mit Alkohol. Stattdessen gab es Wasser und trüben Apfelsaft:

getraenke

Wasser, 0,75 l: 5,40 €, Apfelsaft, 0,25 l: 2,60 €.

Vorab orderte Herr Vroomfondel einen Bradl-Teller, benannt nach Ottakring bei Wien: Den Feldsalat darauf beschrieb er als angenehm frisch, die Meerrettich-Menge wäre mit ausreichend noch eine Untertreibung gewesen. Allerdings war der wirklich scharfe Meerrettich das einzige, von dem am Ende bedingt durch mangelndes Meerrettich-Training auf dem ansonsten leeren Teller noch etwas zurückblieb. Prompt merkte die Bedienung dies kritisch an.

bradl-teller

„Ottakringer Bradl-Teller“ für 9,80 €.

Neben den erwähnten Beilagen bestand das einstimmende Bradl-Mahl aber eigentlich aus kaltem Schweinsbraten mit einer Kren-Mayonnaise und dem schon erwähnten sehr reichlichen und sehr frischen Meerrettich. Die Interpretation des Themas „Salat“ als Schweinebraten-Aufschnitt mit etwas Feldsalat passte sehr gut zu Herrn Vroomfondels Hungerstatus.

An den Vorspeisen hatten wir insgesamt nichts zu meckern. Ohne Hast, aber auch ohne langes Warten stand wenig später das Hauptgericht vor Herrn Vroomfondel. Um es gleich vorwegzunehmen: Es sollte ihn ringsum zufrieden machen, nur den mitgelieferten kleinen Salat ließ er unberührt – er hatte ja schon einen verzehrt.

roulade

Roulade: 19,80 €.

Die Roulade des „Alt Wien“ nannte Herr Vroomfondel schmackhaft, der Kartoffelbrei bekam gar das Prädikat perfekt. Einzige Kritik an dem Gericht war die Bemerkung, es sei ein klitzekleines bisschen zu salzig gewesen. Was wir zu schätzen wussten: Die Teller blieben nach dem Verzehr nicht lange stehen, denn die Bedienung war nicht nur allseits freundlich, sondern auch aufmerksam.

Als Hauptgericht hatte sich 46halbe für Geschnetzeltes vom Kalb entschieden:

geschnetzeltes

Kalbsgeschnetzeltes: 18,50 €.

Das Gericht hatte 46halbe abweichend von der Karte nicht mit Semmelknödel, sondern mit Bratkartoffeln bestellt. Das stellte sich als gute Idee heraus: Es schmeckte ausgewogen, aber überhaupt nicht langweilig. Das lag auch am mitgelieferten Salat, der frisch, abwechslungsreich und in ausreichender Menge kam. Anders als bei vielen Speisen dieser Art lag das Essen auch nicht schwer im Magen, sondern hatte eine gewisse Leichtigkeit.

Dennoch musste danach Verdauungskoffein in Form von Espresso her, die jeweils mit Leitungswasser serviert wurden:

2 espressi

Espresso: je 2,- €.

Wir befanden die Kaffeegetränke als qualitativ gut, aber nicht als hervorragend. Im Gegensatz zur um sich greifenden Degeneration der Espressokultur in anderen Etablissements waren die Tassen gut vorgeheizt und wurden mit einem Grinsekeks2 serviert. Sie rundeten den Abend wunderbar ab. Mit einer Rechnung von zusammen 65,90 Euro ohne Trinkgeld waren wir zwar nicht eben billig, aber doch akzeptabel weggekommen, wenn man die Qualität, Darbietung und Menge der Speisen betrachtet.

Hingehen sollten alle, die wie wir das Ambiente eines klassischen Wirtshauses mögen, die ordentlich Hunger haben und österreichische Kochkunst goutieren. Auch Vegetarier werden in der Speisekarte gebührend berücksichtigt.

Alt Wien
Hufelandstraße 22, 10407 Berlin
Tel. (030) 701 296 10
Webseite

  1. Diesmal war 46halbe mit Herrn Vroomfondel unterwegs. []
  2. Das ist ein Keks mit einem lächelnden Gesicht drauf. []

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Filed under À la carte, Nicht wirklich Frühstück, Prenzlauer Berg

19grams

Geht man auf der Chausseestraße in Berlin-Mitte auf das „19grams“ zu, empfängt einen unweigerlich das überdimensionale neue Gebäude des Auslandsgeheimdienstes BND mit seiner brachialen Architektur. Ob der auffällig umzäunte Geheimdienstkomplex dem „19grams“ geschäftlich guttut, wissen wir1 natürlich nicht. Einerseits arbeiten darin fast unzählige potentielle neue Kunden mitsamt ihrer Kumpane, auch Spione aus aller Welt könnten von der Geheimdienstzentrale inmitten der Stadt angezogen sein, um die Tische vor dem Lokal zu besetzen, andererseits fühlt sich vielleicht auch der eine oder andere von der räumlichen Nähe zu den Geheimen mit dem fragwürdigen Ruf abgestoßen.

blick auf den BND

Blick vom „19grams“ auf das BND-Hauptquartier auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Der erste Blick in die Karte machte sofort klar, dass hier nur eine sehr kleine Auswahl an Speisen angeboten wird. Bevor wir uns dem Aussuchen der heißen und kalten Ware näher widmeten, entdeckten wir aber ein Getränk ohne weitere Beschreibung mit dem Namen „Fountain of Youth“. Und wer wollte nicht aus dem Jungbrunnen schlürfen? Auf Nachfrage erhielten wir die Auskunft, dass es sich um Kokoswasser handeln würde. Leider war das ausverkauft, so dass ein Test unterbleiben musste und der Hipsteralarm ausblieb.

Attraktiv als Frühstück erschienen uns beiden die „Eggs Benedict“, die laryllian in der Variante mit Trüffelpilzen bestellte. Vor dem Frühstück musste für ihn allerdings erst noch das begehrte Flüssigkoffein her:

latte mit ensemble

Latte macchiato: 3,50 €.

Geschmacklich war es ein durchaus ausgewogenes Röstgetränk, nicht auffällig großartig und extravagant, aber doch befriedigend.

Schon wegen der Abwechslung hatte 46halbe ihre „Eggs Benedict“ in der Version mit Fleisch in Form von „Pork Belly“ ausgesucht. Die pochierten Eier lagerten auf einem Stück Polenta aus Maisgrieß, zumindest war das unser Geschmacksurteil nach dem Probieren. Gereicht wurde dazu ein Birnen-Chutney und salatartiges Grünzeugs mit besonderer Ästhetiknote, das wir jedoch nicht klar definieren konnten:

benedict mit pork

Eggs Benedict mit Schweinebauch für 11 €.

Das Gericht überzeugte 46halbe auf ganzer Linie. Es überraschte zudem in der Zusammenstellung, die aus der Karte so nicht ablesbar war.

Die Bedienung sprach übrigens so gut wie kein Deutsch,2 was in Berlin-Mitte mittlerweile nichts Besonderes mehr ist. 46halbe musste sich in letzter Zeit von Zugezogenen zuweilen Beschwerden darüber anhören, dass man in Berlin kaum noch Deutsch lernen könne, da ohnehin alle Welt nur noch auf Englisch antwortet. Da dürfte was dran sein. Unsere Bedienung jedoch konnte ein deutsches Wort sehr gut aussprechen: „Langsam!“ Die gewöhnlich schnellsprechende 46halbe orderte ihre Wünsche anfangs ohne viel Rücksicht auf fremdländische Ohren, machte sich dann aber anheischig, um auch global-metropolitan verstanden zu werden.

Zwischendurch überkam uns der Gedanke, dass Bestellungen vielleicht doch nicht verstanden wurden, denn die Lieferung der Speisen und des Kaffees dauerte seine Zeit, in der wir eine gewisse Unruhe entwickelten und gar den Abtritt erforschten. Aber wie das so ist: Stehen die erhofften Getränke und die duftende Nahrung erstmal auf dem Tisch und sie schmecken obendrein, ist das vorherige Warten schnell vergessen.

Eine erste Wartezeit ergab sich übrigens schon beim Eintreten in das Lokal, da uns Gästen erst ein Tisch zugewiesen wurde. Dabei kam man nicht drumherum, das optisch ansprechend präsentierte Kuchenangebot in Augenschein zu nehmen. Wir haben es diesmal allerdings nicht getestet.

please wait to be seated

Man wird plaziert. Und man muss an der ansehnlichen Kuchenauswahl vorbei.

Statt Kuchen gab es eine weitere Eierspeise: Die von laryllian bestellte Trüffelpilz-Variante der Eier entlockte ihm Freudengeräusche. Vor allem die als überraschend, aber durchaus angenehm säuerlich beschriebenen Pilze hatten es ihm angetan und erhielten die Beschreibung „sehr, sehr lecker“. Auch optisch machte das Gericht einiges her:

ei mit trueffel

Eggs Benedict mit (verdeckten) Trüffelpilzen für 11 €.

Das ganze Gericht war eine einzige künstlerische Komposition aus Duft, Geschmack, Darbietung, Konsistenz und phantasievoller Vielgestalt, die sich im Munde vermählte, um bald glückbringend in die speiseröhrenen Flitterwochen zu entschwinden.

Ganz ohne Groll muss jedoch noch auf die Größe der Speise hingewiesen werden, die zumindest in Bezug auf laryllians Magenvolumen im Missverhältnis stand. Das „ohne Groll“ jedoch unterstreichen wir explizit, da die Qualität der Zutaten den Preis für diese Größe – zumindest gefühlt – mehr als rechtfertigte.

Es musste aber für laryllian ein weiterer Gang eingelegt werden. Interessant klang dafür der Toast, wobei eine Früchtebrot- und eine Sauerteigbrot-Variante zur Auswahl standen.

Toastbrot genießt hierzulande keinen besonders guten Ruf, obwohl es weithin gegessen wird. Ein typisches deutsches Toastbrot sieht ungefähr so aus. Nicht so die Sauerteig-Variante in unserem heutigen Testlokal, die treffender als Röststulle hätte firmieren sollen – vermutlich wars auch einfach Toast in Translation:

frucht-toast

Kein gewöhnlicher Toast: 4,50 €.

laryllian beschrieb den Geschmack des Brots als „wirklich gut“, was er durch seine teiltschechische Prägung (siehe Topinky) auch tatsächlich einzuschätzen vermochte. Er genoss eine der Stullen nur mit Butter, Salz und Pfeffer, die andere mit Butter und Konfitüre.

Um den Neid des geneigten Lesers zu kitzeln, konnten wir uns eine Detailaufnahme nicht verkneifen:

nahaufnahme toast

Toast-Porn.

Während laryllian den Toast verspeiste, wandelte sich das Frühstückslokal aufgrund der fortschreitenden Zeit langsam in ein Café, in dem immer mehr Gäste Kaffee genossen statt zu essen. Da wollten wir nicht Nachstehen:

latte

Flat White: 3,50 €, geliefert im „19grams“ mit Leitungswasser (kostenlos).

Obwohl wir jeweils gefühlt zu lange auf das flüssige Koffein gewartet hatten, musste nach dem Essen noch Nachschub in Form eines Flat White her. Für 37 Euro (ohne Trinkgeld) bekamen wir insgesamt ein uns überraschendes und köstliches Nahrungsangebot mit überdurchschnittlichen Kaffeegetränken.

Hingehen sollten alle, die bei der Kuchenauswahl auch vegane, glutenfreie und nussfreie Varianten wertschätzen und die Speisen bevorzugen, die nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich einiges hermachen.

19grams
Chaussseestraße 36, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 28 09 99 77
Website

  1. Es genossen das Frühstück: 46halbe und laryllian. []
  2. Wir unterhielten uns beim Verlassen des Lokals ein wenig mit ihr und können das daher mit Sicherheit sagen. []

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Filed under À la carte, Mitte

tous les jours

Berlin hat im März meistens einige Tage, an denen man sich besser ein Frühstück von Profis bereiten lässt, als sich in die eigene Küche zu bemühen. Heute war so ein Tag: windig, kühl, regnerisch, die Sonne wollte sich nicht blicken lassen. Also machten wir uns guter Hoffnung ins „tous les jours“1 in der Nähe der Greifswalder Straße auf.

Kaum eingetroffen, bestellten wir dringend erhofftes Koffeinhaltiges, was auch spornstreichs eintraf:

Unsere erste Koffeingabe im „tous les jours“: Kleiner Kaffee mit Milch (1,90 €) und Latte macchiato (3 €).

Das „tous les jours“2 ist wochenends zur typischen Berliner Frühstückszeit recht voll, allerdings leerte es sich Richtung frühen Nachmittag auch sehr schnell wieder. Das Frühstücksteam3 setzte sich an einen der wenigen noch freien Tische, einen leichten süßen Fliederduft wahrnehmend. Der kam von einer Vase mit einer kleinen Pflanze, die wir für eine Hyazinthe hielten, die olfaktorisch Flieder ähnelt und den Frühling in die Nasen trieb.

Am Wochenende öffnet das „tous les jours“ schon um acht Uhr (wochentags sogar um sieben Uhr). Von unserem Tisch unweit des Fensters konnten wir auf die Kreuzung und ein Stück die Straße runter schauen, die ganz typisch für das Bötzow-Viertel ist: helle Fassaden, viele Ladengeschäfte und Restaurants, breite Bürgersteige und leider auch lauter parkende Autos. Das „tous les jours“ machte optisch an diesem regnerischen Tag von außen wenig her, immerhin drängte sich Berlin-typisch aber ein SUV ins Bild:

Das „tous les jours“ von außen, hier auch einige Einblicke in den Innenraum.

Die Eigenbeschreibung ist übrigens „Bistro“4, was wohl auf grundsätzlich einfache Speisen und kein allzu elaboriertes Küchenangebot hinweisen soll. Aber einen stilechten Klassiker, der ohne großen Aufwand herstellbar ist, fanden wir natürlich in der Karte:

Orangensaft, frischgepresst, 0,3 l (3,50 €).

Der Saft schmeckte wie erwartet gut. Aber die Vorfreude auf die Speisen wurde erst so richtig geweckt, als die Brötchen am Tisch landeten:

Der Brotkorb (ohne ausgewiesenen Preis).

Während der Anblick der Brötchen unsere Lust auf die Frühstücke weiter anheizte, bemerkten wir ab und an etwas Laufpublikum von der Straße, das sich aus einem Getränkekühlschrank neben der Tür bediente oder am Tresen Lebensmittel zum Mitnehmen bestellte. Offenbar wird das Lokal wochenends auch rege als Späti-Ersatz genutzt, allerdings kamen die Sympathisanten in nicht störender Menge. Aber als das Essen kam, waren wir ohnehin unsererseits abgelenkt:

Rührei mit Lachs (7 €).

Das Lachs-Rührei war wunderbar balanciert, herzhaft, saftig, heiß, gar schön und von perfekter Konsistenz. Der Lachs war nicht versalzen, das Ei nicht zu weich und doch fern von hartem Tobak – also genau, wie es sein soll. Im „tous les jours“ werden die unterschiedlichen Eierspeisen offenbar alle mit ähnlichen Dekormaßnahmen versehen, jeweils mit etwas Obst und Grünzeug.

Unsere Bedienung im „tous les jours“ wechselte zwischenzweitlich zwar, aber beide Kellner hatten etwas gemeinsam: Sie kamen nicht allzuoft vorbei. Wir mussten bei Bedarf eher winken, dann jedoch waren sie schnell am Platz. Um ehrlich zu sein, hat uns dieses Verhalten an diesem speziellen Tag aber gar nicht gestört. Wir hatten uns lange unterhalten und fanden das Ungestörtsein dabei von Vorteil.

Unser Blick fiel zwischendurch auf das ansehnliche Tortenangebot, das uns später dazu verführte, zwei Stücken (je 2,90 €) für den entfernten Genuss einpacken zu lassen. Vorerst stand uns der Sinn aber nach mehr Deftigem, so landeten Eier mit Schweinebauch vor 46halbes Nase:

Zwei Spiegeleier mit Speck (5,70 €).

Sieht man mal von der unvermeidlichen roten Pest ab, war der Anblick der bestellten Spiegeleier verlockend. Der Speck duftete und war knusprig, die grüne Salatbeilage frisch und etwas Obst lag wie beim Rührei auch noch dabei. Generell erschienen uns die Portionen als ausreichend groß und sie konnten geschmacklich überzeugen, allerdings waren wir an diesem Tag auch nicht völlig ausgehungert.

Nach den Eiern musste Koffeinnachschub in Form eines Cappuccinos her, schließlich sollte die Verdauung angeregt werden:

Cappuccino (2,40 €) nebst einem weiteren frischgepressten Orangensaft, 0,3 l (3,50 €).

Wer nun glaubt, unsere Nahrungsaufnahme wäre schon beendet gewesen, täuscht sich. Wir legten quasi noch einen weiteren Gang ein:

Frischer Obstsalat (4 €).

Ohne Frage war das gereichte Obst frisch und auch nicht miteinander vermanscht, es mundete 46halbe trotz steigendem Magenfüllstand ohne Abstriche. Wir hatten unterdessen schon weit mehr als eine Stunde in dem Lokal verbracht, obwohl die Atmosphäre insgesamt nicht übermäßig gemütlich wirkte. Dennoch lud sie zum Verweilen ein, vielleicht weil die Bedienung uns nicht unnötig störte und die Fluktuation der Besucher nicht allzu stark war.

Extra Nutella und Butter (je 0,50 €).

Und mit dem Verweilen verband sich weitere Nahrungsaufnahme, da zu unserer Verwunderung der Brotkorb noch halbvoll auf dem Tisch herumlungerte. Also orderten wir flugs noch etwas Marmelade, Nutella und Butter, um die übrig gebliebenen Brötchen zu vernichten. Die Erdbeermarmelade stellte sich beim Schreiben des Blogposts als Geschenk des Hauses heraus, denn wir fanden sie später nicht auf der Rechnung. Die schätzten wir mit insgesamt 32 € (ohne Trinkgeld und ohne die zum Mitnehmen verpackten Kuchenstücken) übrigens als moderat und angemessen ein.

Hingehen ins „tous les jours“ sollten alle, die gern wirklich lecker und bodenständig, aber stets mit einer Note Eleganz genießen.

tous les jours
Hufelandstraße 16, 10407 Berlin

030 4280 91 60
tous-les-jours.de

  1. Ohne eine Reservierung, das wäre aber möglich gewesen. []
  2. Übersetzt etwa „tagtäglich“. []
  3. Bestehend aus 46halbe und laryllian. []
  4. Das Wort hat keine eindeutige Etymologie. []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

November

Auch wenn wir diesmal ein Lokal mit dem Namen „November“ zum Testen ausprobieren wollten: Es geht gerade auf der Frühling zu, nicht auf den Herbst. Dennoch war es zu kühl, um draußen zu sitzen: Das „November“ hatte noch keine Tische für Sonnenhungrige aufgestellt. Wir1 hatten das Lokal an der Husemann- Ecke Sredzkistraße zuvor noch nicht getestet, aber waren schon oft daran vorbeigekommen.

blick auf das lokal

Blick auf das „November“, wenn bei wärmeren Temperaturen Stühle und Tische rausgestellt sind.

Bild: Rae Allen, CC BY 2.0.

Es war nicht der Tag für ausgefallene Nahrung für ein erhofftes perfektes Frühstück, uns stand eher der Sinn nach Bodenständigem, ordentlichen Nietenhosen und einem Schal. Allerdings ging das nicht allen so:

nutella-waffeln

Waffeln mit Nutella: 4 €.

Die extra mitgebrachten Spezialisten für Waffeln hatten ihren eigenen Kopf. Sie testeten einerseits die Variante mit Nutella nebst Birnenstückchen und erheblichen Mengen Puderzucker, andererseits die Apfelmus-Darbietung:

apfelmus-waffeln

Waffeln mit Apfelmus für 4 €.

Der Unterschied zwischen beiden Varianten bestand nur in der Darreichung von Nutella bzw. Apfelmus, beides nur auf den ersten Blick von uns Simpeln als in ausreichender Menge vorhanden angesehen. Die Spezialisten bemängelten jedoch das Verhältnis, denn sie hätten etwas mehr Waffelmasse noch gut vertragen können.2 Außerdem befand sich der Teig offenkundig zu lange im Waffeleisen und war daher zu dunkel, was durch den Puderzucker nur unzureichend kaschiert wurde.

kakao

Heiße Schokolade: 3,70 €.

Tröstend half aber eine heiße Schokolade, serviert mit etwas Leitungswasser (kostenlos, aber merkwürdigerweise dennoch auf der Rechnung vermerkt).

Die erwachsenen Tester zog es zum Ei. Der erste Blick auf den Teller, der vor 46halbe abgestellt wurde, fiel aber nicht auf die Eierspeise an sich, sondern auf ein Stück Orange vom Rand der Frucht. Das sah leider angetrocknet und nicht sehr ansprechend aus und lag auch noch neben der mal wieder unvermeidlichen roten Nemesis. Allerdings war es eine recht kleine halbe Tomate, mithin zu verschmerzen:

spiegelei

Zwei Spiegeleier: 6 €.

Optimal zubereitet waren die beiden Spiegeleier nicht, zumindest nicht, wenn man die Erwartungshaltung von 46halbe als Maßstab nimmt: Sie bevorzugt Spiegeleier von einem Koch statt einem Quacksalber, der deren Eigelb nicht hart werden lässt, sondern leicht flüssig auf den Teller bringt. Insgesamt aber war das Gericht trotz bereits kalt gewordenem Toastbrot recht schmackhaft und passte in gewisser Weise zu dem etwas grauen Tag.

Das Lokal ist übrigens kein klassischer Ort zum Frühstücken, schon weil es wochentags erst ab 14 Uhr öffnet. Das „November“ wirkt eher wie eine Kneipe, obwohl es als Café firmiert.

Am Samstag und Sonntag wird man bereits ab 10 Uhr eingelassen. Uns fiel allerdings auf, dass es wochenends trotz des gut auffindbaren Standorts nahe der in Berlin recht bekannten Kulturbrauerei erst deutlich nach 11 Uhr voller im Lokal wurde und die leicht zerzaust wirkenden Berliner ihren Weg an den Koffein- und Frühstückstrog fanden. Das lag möglicherweise aber nur an dem Lebensmittelmarkt mit zahlreichen Ständen im Freien, der zeitgleich ein paar Straßen weiter draußen seine Waren feilbot.

bacon-ruehrei

Rührei mit Bacon: 7,50 €.

Das von Rene bestellte Rührei mit Speckstreifen erfüllt seine Erwartungen mäßig bis gut, ließ aber keine Freudenbekundungen aufkommen. Immerhin war sein Orangenstückchen frisch und ausreichend Butter auf dem Teller.

Bei den Getränken wagten wir passend zum Essen wenig Experimente: Wir bestellten gleich mehrere frischgepresste Säfte sowie das typische Koffeinhaltige.

o-saft, frisch

Frischgepresster Orangensaft, 0,2 l: 3,90 €.

Wir fanden den Preis für die Menge frischgepressten Saft doch recht happig, hatten aber geschmacklich nichts auszusetzen. Der Kaffee dazu kam zeitgleich:

2 latte

Latte Macchiato: 3,40 €, daneben mit „doppeltem Espresso“ für 4,30 €.

Für insgesamt 52,60 (ohne Trinkgeld) bekamen wir ein ganz ordentliches, aber nicht perfekt zu nennendes Frühstück, durchweg von angenehm entgegenkommendem Personal serviert. Rene fiel die besondere Kinderfreundlichkeit auf: Die Mitarbeiter halfen routiniert bei den unvermeidbaren Malheurs, die Kinderspeisungen manchmal mit sich bringen.

Hingehen sollten alle, die nicht lange auf das Essen warten möchten, Freundlichkeit bei der Bedienung zu schätzen wissen und ein wenig Kneipenflair für ihr Frühstück gutheißen.

November
Husemannstraße 15, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 44 28 425
cafe-november.com

  1. Es trafen sich zum Frühstück: 46halbe und Rene, nebst zweier noch strafunmündiger, aber überaus kritischer Neu-Tester. []
  2. Die Nutella- und Apfelmustöpfchen wurden nach Verzehr der Waffeln natürlich dennoch leergegessen. Ja, mit den Fingern. :} []

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Zehn Jahre danach: Butter (ehemals Eckstein)

Lange Jahre war uns das Lokal als Eckstein bekannt, nun heißt es schon längere Zeit „Butter“.1 Da die letzte Aufzeichnung eines Testessens schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt, war ein neuerlicher Besuch einfach fällig. Die Wahrheit ist aber, dass aufgrund der geographischen Lage an der Pappelallee in der Zwischenzeit einige weitere Besuche ohne Notizen stattgefunden haben. Und um es gleich vorwegzunehmen: Wir hatten diesmal nicht den besten Tag erwischt.

Pappelallee Ecke Raumerstraße, im Hintergrund das „Butter“.
Bild: Renaat, CC BY-NC-ND 2.0.

Das Lokal hat sich innen und außen in mehr als zehn Jahren im Grunde kaum verändert.2 Der „neue“ Name „Butter“ war uns irgendwann aufgefallen, ist aber nicht eben sonderlich originell oder einprägsam. Vielleicht ist der Grund für die Umbenennung ein Eigentümerwechsel oder aber die Tatsache, dass Butter ein auch für Touristen besser sprechbares Wort ist.

Das durchaus hungrige Frühstücksteam3 musste sich allerdings bei diesem Besuch von Beginn an auf lange Wartezeiten einstellen. Die TTL (time to latte) war außerhalb der Skala, selbst eine Speisekarte zu bekommen, dauerte schon mehr als eine Viertelstunde. Der nächste Dämpfer war die Auskunft der Bedienung, dass es eine weitere halbe Stunde in Anspruch nehmen würde, das Frühstück an den Tisch zu bringen. Zudem könne das von 46halbe ins Auge gefasste „Das Süße“ (4,50 €) wegen nicht vorhandener Croissants überhaupt nicht geliefert werden.

Eigentlich hätten wir wieder gehen sollen, da das Ganze auch noch in pampigem Ton vorgetragen wurde. Aber vermutlich trug die bei früheren Besuchen gesammelte Erfahrung, dass Kunden dem Personal nicht prinzipiell auf die Latüchte gehen, dazu bei, dass wir doch sitzenblieben, uns geduldeten und 46halbe eine alternative Speise wählte.

Tatsächlich leerte sich das Lokal recht schnell nach unserer Bestellung, was das Personal sichtbar entspannte und die reale Wartezeit auf die Nahrung um einige Minuten reduzierte. Getreu dem Motto „nicht kneippen bei offenen Wunden“ ignorierten wir im weiteren Verlauf des Mahls die Unzulänglichkeiten und auch die leichte Unfreundlichkeit der Bedienung.

Bärbel4 entschied sich für eine Variante der „Egg Benedict“ mit Avocado:

Frühstück Avocado Egg Benedict (Preis leider nicht notiert).

Auffallend war die ordentliche Portion Tomaten, die sich auf ihrem Teller fand. Die Kombination von Sauce Hollandaise mit Ei und Avocado quittierte Bärbel auf Nachfrage mit dem simplen Ausruf: Lecker!

Neben den Frühstücken standen uns auch Gerichte aus einer wechselnden Tageskarte (pdf) zur Verfügung. Die Entscheidung von erdgeist fiel aber dennoch auf ein Frühstück, nämlich „Das Englische“:

Das Englische (8,80 €).

Das Frühstück bestand stilgerecht aus Würstchen, Speck, Spiegelei auf Toast und einer Salatdeko. Allerdings vermisste erdgeist gegenüber früheren Besuchen die bittere Orangenmarmelade, die diesmal weggelassen worden war. Besonders kreativ: Gebratene Tomatenscheiben hätten mit 1,50 € extra zu Buche geschlagen.

Bei den Getränken wagte 46halbe einen nicht sehr alltäglichen Trunk:

Getränk aus einer Mischung aus Gurke, Ingwer und Minze (4,80 €).

Man findet originelle Getränke-Mischungen, beispielsweise mit Gurkenanteil, in letzter Zeit häufiger in Berliner Lokalen. Diese im „Butter“ genossene Mischung enthielt „spicy“ Ingwersirup, frische Minze, Apfelsaft und ebenjene Gurken. Bei der Bestellung wurde 46halbe erklärt, dass es sich um einen „Smoothie“ handeln würde. Offengestanden mangelte es der Durstigen an Wissen, um diese Information einzuordnen. Der Geschmack des grünen Getränks allerdings war dann leicht festzustellen: wirklich frisch und köstlich! :}

Der Blick auf das Foto des schmackhaften Gurkengetränks macht leider einmal mehr deutlich, dass der Service zu wünschen übrig ließ. Das überlaufende Glas wurde ohne Untersetzer oder Serviette und auch ohne Worte so auf dem Tisch abgestellt. Wir verloren unsererseits auch kein Wort darüber, offenkundig war die Bedienung überfordert oder übellaunig oder beides.

Vielleicht hätte eine besonders schmackhafte Speise darüber hinwegsehen lassen: Bei 46halbe war die Wahl mangels Croissants auf die Tomatensuppe gefallen. Sie schmeckte durchaus ansprechend, aber stellte sich nicht als allzu auffällig heraus.

Tomatensuppe, klein (3,60 €).

Nun waren Tomaten schon häufiger Thema in diesem Blog, und wer ab und an hier liest, weiß: 46halbe ist alles andere als ein Fan der roten Plage. Warum sie dennoch ab und an die unbändige Lust verspürt, eine Tomatensuppe zu bestellen, kann rational nicht erklärt werden. Besonderheit der Suppe war übrigens ein leichter Kokosgeschmack, der das Gericht aber nicht dominierte.

Als ein typisches Frühstücksgericht kann die Suppe wohl nicht gelten. Allerdings überschneiden sich im „Butter“ die Frühstücks- und Mittagsdarreichungszeiten ohnehin, so dass ab 9 Uhr bis 14 Uhr die morgendlichen Mahle serviert werden, aber wochentags ab 12 Uhr zusätzlich die Mittagessen.

Zum Essen und auch danach lechzten wir nach Koffein:

Latte Macchiato (3,20 €).

Der einfache Latte Macchiato mundete 46halbe und blieb auch nicht ihr einziges koffeinhaltiges Heißgetränk. Nach der Suppe kam noch ein Cappuccino (2,30 €) hinzu. Bärbel genoss einen ganz normalen Kaffee, den sie als geschmacklich gut und als nicht bitter lobte. Wie es mittlerweile zur Gewohnheit geworden ist, musste für erdgeist ein besonders koffeinangereichterter Latte her, also einer mit doppeltem Espresso (4 €).

Hingehen sollten alle, die jahrelange Berliner Frühstückstradition live erleben und zugezogene Bedienungen dabei beobachten wollen, vergeblich das Sympathisch-Schroffe der Berliner Schnauze zu emulieren. Wie man in Ost-Berlin als Gast gern sagte, wenn einen der Kellner anzickte: „Was für ein Kunde!“

Butter
Pappelallee 73, 10437 Berlin

030 5268 59 33
cafe-butter.de

  1. Das letzte Mal findet sich der Name Eckstein im Jahr 2009 im Berliner Telefonbuch. []
  2. Wir waren nicht oft, aber doch regelmäßig zwischendurch drin. []
  3. Bestehend aus erdgeist, 46halbe und Bärbel. []
  4. Sie testete zwar die Frühstücke mit uns, aber war nicht am Schreiben dieses Textes beteiligt. []

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Krone

Wir1 wollten diesmal zum Frühstücken unser Kiez rund um den Mauerpark nicht verlassen, genügend ungetestete Lokalitäten sind ja vorhanden. Also machten wir uns in die touristisch angehauchte Region Richtung Oderberger Straße auf.

blick oderberger

Blick in die Oderberger Straße, etwa hundert Meter vom „Krone“ entfernt. Es liegt auf der rechten Straßenseite.

Bild: lt_paris, CC BY NC ND 2.0.

Als die leicht verspätete 46halbe im „Krone“ ankam, stand das Leitungswasser für zwei schon auf dem Tisch. Sie brauchte nur noch ein koffeinhaltiges Heißgetränk herbeizurufen. Aber zu den Getränken später mehr.

Der erste Eindruck des Lokals war uns diesmal nicht beim Besuch entstanden, sondern schon über die Webseite. Denn wir wollten zuvor gern eine Reservierung für einen Tisch per Telefon oder online abgeben. Leider wurde uns dort gleich mit einem Overlay erklärt, dass es keine Reservierungen mehr gäbe. Man muss also auf gut Glück in den Laden gehen oder sich an beliebten Tagen auf eine Wartezeit einstellen.

Offengestanden kratzten wir uns beim Aussuchen der Speisen ein wenig am Kopf, da die Karte zwar optisch ansprechend aussah, es einem aber nicht leicht machte, den Inhalt zu verstehen. Ihr ließ sich nur schwer entlocken, welche Leckereien aus welchen Zutaten zur Auswahl stehen. Die Karte war so auf eine gute Optik getrimmt, dass es an Übersichtlichkeit fehlte.2

egg benedict

Egg Benedict mit Bacon für 8,50 €.

Leider hatte das gewählte Frühstück für erdgeist einen entscheidenden Nachteil: Es machte ihn nicht satt. Er murmelte etwas davon, dass Egg Benedict wohl etwas für Leute auf Diät sei. Überhaupt befand er, dass es sich gar nicht um wirkliche Egg Benedict handeln und zudem mengenmäßig eine übergroße Bacon-Schieflage herrschen würde.3 Zufrieden war er also nicht. Die große Rhabarber-Schorle (4 €), die erdgeist dazu geordert hatte, fand er auch nicht begeisternd.

Bei den anderen Getränken kam deutlich mehr Freude auf:

latte+saft+wasser

Frischgepresster Orangensaft: 3,60 €, Latte Macchiato: 3,40 €, Leitungswasser: kostenlos.

Der Orangensaft schmeckte 46halbe sehr. Häufige Leser dieses Blogs werden bemerkt haben, dass sie das Getränk recht oft bestellt. Der Grund ist einfach: Vom Erbonkel gab es zur Jugendweihe zwar Bohrmaschine und Holzgliedermaßstab, aber weder eine Maschine zum Auspressen noch einen Plasteausdrücker fanden sich in der Aussteuer, so dass sie sich ganz gern den Luxus gönnt, auswärts einen frischgepressten Saft zu genießen.

Später gesellte sich noch ein Cappuccino zu den Testessern, den 46halbe als köstlich beschrieb:

cappuccino

Cappuccino: 3 €.

Die schwer von Koffein Abhängigen können im „Krone“ natürlich auch die doppelte Portion bestellen:

latte mit extra shot

Latte Macchiato mit „Extra Shot“: 3,40 € plus 0,80 €.

Unsere zweite Frühstückswahl fiel auf einen beliebten Klassiker: Bacon and Eggs. Hier wurde er aber nicht in der üblichen Form, sondern auf Pancakes serviert:

bacon+eggs

Bacon & Eggs: 10,50 €.

Wer sie nicht kennt: Pancakes sind Eierkuchen, die typischerweise etwas dicker sind und die Tendenz haben, nach dem Verzehr ihr Volumen zu vergrößern. Anders als erdgeist war 46halbe sowohl über den Geschmack als auch über die Menge erfreut. Besonderen Zuspruch fand bei ihr der Sirup, mit dem sie die letzten Pancakes-Stückchen genoß.

Während wir aßen und tranken und uns unterhielten, gab es noch eine Schrecksekunde, die wir nicht verschweigen wollen: Wir müssen Besucher des „Krone“ vorwarnen, nicht unter die Tischkante zu fassen. Dort haben die Betreiber, vermutlich um Abrieb bei Hosen und Röcken oder aber Laufmaschen zu verhindern, eine Art Polster aus Schaumstoff angebracht. Wenn man aber kein solches Polster erwartet, zieht man unwillkürlich die Hand zurück, wenn man etwas Weiches und Nachgiebiges ertastet. In der Folge beglückten sich die Tester dank unerwartetem Kontakt gegenseitig mit erschrecktem Quieken und rolliger Katzenmusik.

Im Lokal lief während unseres Besuchs eine unaufdringliche Musik, die zu keinen Beschwerden Anlass bot, da sie eben nicht weiter auffiel. Aber aufgefallen war erdgeist das noch immer bestehende Loch in seinem Magen. Entsprechend bestellte er eine zweite Speise:

pancakes mit fruechten und schoki

„Sun of Panama“: 8,90 €.

Das Gericht bestand ebenfalls aus Eierkuchen, die jedoch für den eher süßen Junggesellen konzipiert schienen: mit süßem Obst, Schlagsahne und einer Erdnusssoße reichlich Hüftengold auf dem Teller. Erst nach diesem recht opulenten Mahl bekundete erdgeist, er sei nach dem zweiten Frühstück nun satt.

Für 50,30 € (ohne Trinkgeld) gingen wir mit unterschiedlichen Bewertungen aus dem Lokal: Während erdgeist wenig Begeisterndes gefunden hatte, war 46halbe durchaus zufrieden und fühlte sich gut bedient.

Hingehen sollten alle, denen Stil über Substanz geht, die keinen Wert auf eine Tischreservierung legen, sich von viel Westbesuch nicht abschrecken lassen und Gerichte mit Pancakes mögen.

Krone
Oderberger Straße 38, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 44 31 22 21
krone-berlin.com

  1. Es trafen sich zum Frühstücksgelage: 46halbe und erdgeist. []
  2. Die Karte als pdf. []
  3. Der deutliche Bacon-Überhang wiederholte sich auch bei 46halbes Frühstück. []

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kaffee ingwer

Eigentlich war uns nach einem stinknormalen Frühstück. Wir1 hatten gar nicht nach Recycling-Servietten oder Bio-Nahrung Ausschau gehalten, sondern nur nach alltäglicher Morgenmagenfüllung an einem Ort, den wir zuvor noch nie ausprobiert hatten.

Nach dem Eintreten ins „kaffee ingwer“ fiel uns zuerst ein den Raum dominierender Tresen auf, der offenbar nicht nur für die Bestellungen der im Lokal sitzenden Gäste vorgesehen ist, sondern für das Laufpublikum von draußen auch einen Verkauf zum Mitnehmen anbietet. Während unseres Besuches bewahrheitete sich diese Annahme, da alle paar Minuten Leute den Laden betraten, um vor allem Kuchen einzukaufen. Der rege Publikumsverkehr der Kauflustigen war sehr divers, von Amisetten bis Zobeljäger war alles dabei.

Uns passierte allerdings schon kurz nach dem Eintreten ein mittelschwerer Fauxpas beim Bestellen der koffeinhaltigen Heißgetränke, die wir am Tresen ordern wollten. Auf die Frage, ob sie Hafermilch zum Flat White möchte, antwortete 46halbe in gewohnt-brachialer Ehrlichkeit: „Nein, normale Milch.“ Sie erntete keine besonders freundliche Reaktion, sondern die Belehrung, dass schon an der Tür das Wort „vegan“ stünde. Laryllian war das aufgefallen, doch er hatte es – noch halb schlafend – nicht weitergegeben. Nun war beiden bewusst: Es gibt hier keine Milch. Die Omnivoren sind eben nicht immer die Hellsten und schauten etwas betreten drein.

Leider waren die angebotenen Kuhmilch-Substitute für 46halbe geschmacklich keine Option, aber schwarzer Kaffee schon. Er mundete auch ohne Milch sehr gut. Auf der anderen Seite des Lokals stand zur Selbstbedienung dazu noch Wasser mit Orangengeschmack bereit.

koffein-getraenke

Americano: 2,30 €, Flat White: insgesamt 3,70 € (Mandelmilch kostet 0,50 € extra).

Auf dem Foto sieht man eine leicht rosafarbene Substanz, die beide Tester für Zucker hielten und sofort nach dem Hinsetzen in ihre Tassen löffelten. Es stellte sich leider als Salz heraus. :{

So ist das eben mit dem ersten Kaffee des Tages: Er muss offensichtlich noch ohne Koffein im Blut organisiert werden. Wir wissen es nicht mit Sicherheit, aber aufgrund der Farbe könnte es Himalayasalz gewesen sein. Das wird laut Wikipedia übrigens zum etwa zwanzigfachen Preis von üblichem Speisesalz vertickt. Da wir nicht zu übermäßigem Eso-Glauben neigen, hoffen wir aber, dass es einfach gefärbtes normales Salz gewesen sein könnte oder sonst irgendeine weniger teure Salzart, die wir nicht kennen.

Was das eigentliche Frühstück angeht, entschieden wir uns beide für die „Avocado-Stulle“, was sich als wirklich gute Wahl herausstellte:

avocado-stullen

Avocado-Stulle für je 6,50 €.

Das wirklich Besondere an der Stulle war nicht etwa der Belag, sondern tatsächlich das Brot selbst: Es schmeckte köstlich, bei jedem Bissen wieder!

Wir widmeten uns unterdessen einem zeitlosen Plausch bei leiser, nicht störender Musik. Wir wurden weder gestört von übereifrigen Kellnerinnen noch von Bandsalat. Dann brach das süße Dreiviertel des Tages an und wir bestellten uns Kuchen sowie nochmals diesen schmackhaften, nicht bitteren, aber dennoch intensiven Kaffee.

kuchen als fruehstuecke

Apfelkuchen: 3,50 €, Cupcake: 3,50 €, Americano: je 2,30 €.

Der Kuchen – Rote-Bete-Schokolade-Cupcake und Apfelkuchen – stellte sich auch für den Gourmet-Gaumen als überaus wohlschmeckend heraus. Und der Kaffee mundete uns wundersamerweise mit jeder Tasse besser.

aussenansicht

Blick von außen.

Zugegeben: Der Beginn unseres Besuchs gestaltete sich anfangs wegen der leicht schnippischen Bedienung am Tresen ein wenig holperig. Einen neuen Gast auf seine Bestellwünsche hin zu belehren, man serviere hier nur vegane Nahrung, kann man eben freundlich oder herablassend tun. Das Gleiche gilt für Fragen der Gäste, die offenkundig wenig Wissen über vegane Lebensmittel haben. Man kann sie auf entgegenkommende Art beantworten und mithin eine Einladung aussprechen, dieses oder jenes zu probieren. Oder man kann den Gästen einfach das Gefühl geben, eine blöde Frage gestellt zu haben. Zum Glück verbreitete sich nach dem ersten Gang wieder die Freundlichkeit.

Wir resümierten am Ende unseres Besuchs: Die Liebe fürs Detail war auffallend und angenehm. Uns gefielen die kleinen und großen Aufmerksamkeiten, die man im Laden entdecken konnte, vor allem aber beeindruckten die überraschend leckeren Speisen. Vielleicht wird es Zeit, ein paar Vorurteile über vegane Ernährung über Bord zu werfen, die wir noch mit uns herumtragen.

Hingehen sollten alle, die eine Vorliebe für kleine, aber nicht zu kleine Frühstückslokale haben, die überraschend bequemen Holzhockern nicht ablehnend gegenüberstehen – sogar Zappel-Philipp Laryllian war entzückt –, denen es auf Qualität ankommt und die vegane Leckereien mögen.

kaffee ingwer
Wühlischstraße 12, 10245 Berlin
Tel. (030) 27 58 79 77
Es gibt leider keine Webseite des Ladens, obwohl kaffeeingwer.de auf der Rechnung vermerkt ist. Tippt man das ein, wird aber nur zu Facebook weitergeleitet. Verlinken wir nicht.

  1. Diesmal waren 46halbe und Laryllian als Testesser unterwegs. []

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Zehn Jahre danach: Datscha

Das „Datscha“ ist tagsüber eher ein Café und Frühstückslokal mit Kinderwagengeschwader und herumtobenden kleinen Butjes, in der Dunkelheit bekommt es aber ein deutliches Kneipenflair, wobei das Publikum eher nicht so zu ausschweifenden Feten zu neigen scheint. Daher plante das Profiteam1 erfahrener Nahrungskonsumenten zehn Jahre nach dem ersten Test des „Datscha“, diese andere Seite zu erkunden.

Wem das Wort Datscha (oder eingedeutscht Datsche) nichts sagt: Gemeint ist damit eine kleine Laube mit Garten, meist unweit einer großen Stadt oder an deren Rand.

Die mit erheblichem Hunger bestens ausgestatteten Tester einigten sich schnell, auch die Vorspeisen auszuprobieren. Im Falle von Herrn Vroomfondel war das eine Art Vorspeisenplatte:

sakuska

Vorspeise „Sakuska Intelligenz“: 10 €.

Die gereichten Häppchen (russisch: закуска) bestanden aus gebeiztem Lachs, einer interessanten Variation des Themas „russische Eier“ mit Kaviar und Mayonnaise, Avocado, Pastetchen, eingelegten Zwiebeln und anderen kleinen Köstlichkeiten, wenn auch ohne geräucherten Buttje. Leider war die Menge des dazu gereichten köstlichen gewürzten Schwarzbrots etwas unzureichend.

Die Vorspeisen-Zusammenstellung erscheint auf den ersten Blick etwas willkürlich, wenn man nicht um den eigentlichen Zweck von Sakuski weiß: Es handelt sich um eine traditionelle Saufgelage-Nahrung, die darauf optimiert ist, durch reichlichen und mit dem Alkohol abwechselnden Verzehr möglichst schadensfrei große Mengen Wodka konsumieren zu können. Beim Wodka-Besäufnis mit „sto gramm“-Gläsern werden die Sakuski gern thematisch sortiert auf großen Platten gereicht: etwa kalter Aufschnitt und Wurst, Fischvarianten und Eier und Kaviar, eingelegte Gemüse und Gürkchen, Pasteten und Gefülltes. Herr Vroomfrondel ist ein großer Freund dieser kulinarischen Kunstform (auch ohne Wodka).

Was die andere Vorspeise angeht, musste ein Klassiker her. Zugegeben: 46halbe kann aufgrund ihrer Essenssozialisation in der DDR selten widerstehen, wenn sie eine Soljanka (früher auch „Seljanka“) in der Karte sieht. So auch diesmal, was allerdings zu Konflikten führte, da Herr Vroomfondel ebenfalls ein Auge darauf geworfen hatte. Aus Testgründen und wegen der angestrebten Vielfalt der zu bestellenden Speisen entschied er sich dann um.

Wir einigten uns dennoch, zwei Löffel zu erbitten, um ein hygienisch anspruchsvolles Kosten bei beiden Testern zu ermöglichen. Zugleich ist eine solche Bitte immer ein guter Test der Aufmerksamkeit der Bedienung, denn solche Extrawünsche werden oft vergessen, wenn die Speisen serviert werden.

soljanka

Soljanka mit Brot: 6 €.

Die Soljanka wurde im „Datscha“ mit eingelegten grünen Oliven gereicht, was mangels Frucht in der DDR nicht üblich war und durch Gewürzgurken-Stückchen substituiert wurde. Das verändert den Geschmack einer gewohnten Soljanka natürlich. Da die gewünschten zwei Löffel tatsächlich geliefert worden waren, konnten sich beide Tester ein Urteil zur Olivenbeigabe machen: Es fiel durchweg positiv aus. Es gab dennoch leider an der Soljanka etwas zu beklagen: Sie war nicht gerade dampfend heiß, sondern eher warm und am Ende des Verspeisens nur noch maximal lauwarm.

Für den Hauptgang hatte Herr Vroomfondel ein Steak ausgewählt:

wodka-steak

Steak Minsk: 13 €.

Das Steak „Minsk“ beschrieb er als sehr gut und auch sehr zart, was daran liegen könnte, dass es zuvor in Wodka gelegen haben soll. Die Salsa entpuppte sich als nur wenig scharf, die Pommes waren „okay“, aber nicht des vollständigen Verzehrs wert. Dennoch gab er zu Protokoll, dass die Speise insgesamt gut gewesen sei und auch mengenmäßig mehr als ausreichend.

Das Steak führte auf der anderen Seite des Tisches zu ein paar auffällig neidischen Blicken, als die andere Hauptspeise vor 46halbe abgestellt wurde:

wareniki

Wareniki Sochi Olymp: 15 €.

Die Wareniki im „Datscha“ haben einen recht stolzen Preis, zumal die Menge den Teller nicht eben zum Überquillen brachte. Nach dem Verspeisen stellte sich aber bei 46halbe das Gefühl ein, die gerade richtige Menge gegessen zu haben. Die Teigtaschen enthielten eine Süßkartoffelfüllung und lagen auf einer Art Avocado-Creme. Dazu wurde ein sehr leckeres Hühnchenfleisch kredenzt. Insgesamt schmeckte das Mahl durch die Kombination der Speisen gut abgewogen, vielleicht einen Tick zu süß.

Wie es sich für ein ordentliches russisches Mahl gehört, wurde dazu ein typisches Getränk genossen. Wer „Kwas“ noch nie probiert hat, sollte das getrost versuchen:

kwas

Kwas (0,5 l): 4,40 €.

Das recht süße Getränk wird traditionell zu Hause aus Brot bzw. gewerblich direkt aus Roggen und Gerste gebraut, aber mit Sicherheit können wir das für die gelieferte Flasche Kwas nicht sagen. Immerhin war der Kwas ohne Süßstoff zubereitet, ein leider in den typischen Kwas-Gegenden seit der Wende grassierendes Übel, das geschmacklich vollkommen indiskutabel ist. Deswegen empfiehlt es sich bei Kwas, immer auf das Flaschen-Etikett zu schauen.

Was aber feststeht: Darin ist kein Alkohol. Den hätten wir nun zur Verdauungsunterstützung fast noch zur Bestellung erwogen – doch es kam anders.

Denn nach den Speisen ereilte uns ein akustisches Unglück: In dem ohnehin schon geräuschvollen Lokal begann ein Mann eine Ansprache, die sich mehrere Minuten hinzog und offenbar die Einleitung für eine musikalische Darbietung sein sollte. Dabei versuchte er lautstark abwechselnd auf Deutsch mit starkem Akzent und Russisch oder Ukrainisch, die Gespräche an allen Tischen zu übertönen. Dann ergriff er seine Gitarre und intonierte einen Song, der verdächtig nach dem Gejammer eines Hahnreis klang und wenig Anklang beim Publikum fand.

Aus uns unbekannten Gründen blieb dieses Lied das einzige, weil die Betreiber ihn danach mit ebenfalls recht lautem Geschrei hinauswarfen. Herr Vroomfondel murmelte bei der den Besuch abschließenden Nachfrage von 46halbe, wie es ihm insgesamt denn gefallen hätte: „The entertainment sucks!“

Wir bestellten trotz der unangenehmen Störung noch je einen Espresso:

2 espressi

Espresso: je 1,80 €.

Wir prüften nach dem Eintreffen auf unserem Tisch routiniert, ob die Espressotassen vorgewärmt waren, und nickten uns nur kurz wissend zu, denn das ist meist ein gutes Zeichen. Herr Vroomfondel befand nach dem Koffein-Genuss allerdings: „War okay, aber nicht großartig.“ Besser schmeckte da schon der Maracuja-Nektar (0,2 l für 3 €), den 46halbe noch geordert hatte.

Die Bedienung im „Datscha“ war anfangs zügig und aufmerksam, allerdings blieben die Teller sowohl bei der Vorspeise als auch beim Hauptgang dann lange auf unserem Tisch stehen. Es gab keine überlange Wartezeit zwischendurch, bis die zweiten Speisen an unserem Platz eintrafen. Beim Abräumen hatte man sich aber soviel Zeit gelassen, dass bei der Anlieferung des zweites Ganges die benutzten Teller noch auf dem Tisch standen. Nachdem wir die zweiten Speisen vertilgt hatten, wiederholte sich das Nicht-Abräumen.

Vielleicht war das wegen der eintretenden Sättigung der Grund, warum wir nach dem Hauptgang kein Desert mehr bestellten. Die Küche hat wochentags bis 23 Uhr geöffnet (Freitag und Samstag sogar bis Mitternacht), wir hätten eigentlich noch verweilen und eine Nachspeise ein Stündchen später ordern können. Aber bekanntlich ist ja auch ein Verdauungsspaziergang gut für den Metabolismus.

Hingehen sollten alle, die sich risikoarm russophiler Speisekultur annähern wollen, keine Angst vor leicht bizarren Gesangseinlagen haben und eine ordentliche Portion Hunger mitbringen.

Datscha

Gabriel-Max-Straße 1, 10245 Berlin
Tel. (030) 700 85 735

Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und Herr Vroomfondel als Testpersonen unterwegs. []

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