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Malzcafe

Setzt man sich für ein entspanntes Frühstück ins Malzcafe, gleich an der Kulturbrauerei gelegen, empfängt einen die Speisekarte mit einem etwas bizarren Disclaimer: Bitte auf herabtropfendes Wachs achten! Unwillkürlich richtet sich der Blick nach oben. Tatsächlich hängen da ein paar Kerzen über dem Tresen, jedoch weit entfernt von unseren[1] Köpfen. Nochmal Glück gehabt.

Wochenends gibt es hier ein mittelprächtiges Buffet, am heutigen Dienstag nur einige Frühstücke zur Auswahl aus der Karte. Da ich generell zu Überpünktlichkeit neige und daher etwas früh dran bin, bestelle ich zum Wachwerden einen Latte macchiato für 2,30 Euro und studiere erstmal eingehend die Karte. Das Getränk wird mit einem Strohhalm serviert, den ich aber geflissentlich ignoriere.

Meine kurz nach mir eintreffende Begleiterin hat heute einen mutigen Tag und bestellt bei dem ausgesprochen kooperativen Kellner Acerola mit Wasser. Acerola? Es ist trotz der irreführenden Farbe irgendwie von und mit Kirschen und schmeckt nach ihrer Auskunft beeindruckend fruchtig. Der Hersteller beteuert die antioxidative Wirkung des Getränks. Ich werde daher bei nächster Gelegenheit in diesem Blog berichten, ob meine Begleiterin nun weniger schnell schlecht wird oder vielleicht langsamer rostet.

Acerola mit Wasser: 3 €

Genug der Vorrede. Ich bestelle ein Studentenfrühstück und hoffe, nicht nach meinem Studentenausweis gefragt zu werden. Ich habe nämlich keinen.

Studentenfrühstück: 4,40 €

Serviert werden zwei Arten von Schinken, Käse, Butter, etwas Obst und grüner Salat, dazu ein Eierkuchen. Außerdem gibt es Brötchen und Vollkornstullen mit etwas Honig, den ich über den Eierkuchen gieße. Sieht alles sehr verlockend aus. Störend sind nur die in Deutschland offenbar unvermeidlichen Tomaten.

Meine tierlosem Essen zuneigende Begleiterin bestellt das Vegetarische Frühstück. Dem Vernehmen nach ist auch sie zufrieden. Im Gegensatz zu mir hat sie kaum Mühe, die üppigen Mengen an verschiedenen Käsesorten zu verspeisen.

Vegetarisches Frühstück: 5,50 €

Wir haben einen guten Tisch gewählt, denn wir sitzen etwa einen Meter erhöht an der offenen Seite des Lokals, mit wunderbarem Blick auf die vorbeigehenden Passanten. Es ist zwar etwas laut wegen des Verkehrs auf der Danziger Straße, aber dafür kann man dekadent von oben herab die Radfahrer und Fußgänger beobachten und darüber reden, wie man die Welt rettet, warum Fuzzing Unsinn ist – oder was man eben so bespricht beim Frühstück.

Wer also gern in einem Wochentags ab 10 Uhr geöffneten, eher leeren Lokal angenehm entgegenkommend bedient wird und vielleicht aus mir immer unerklärlich gebliebenen Gründen eine AOL Internet Station braucht, ist im Malzcafe richtig.

Malzcafe, Knaackstraße 99, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 44 04 72 27
www.malzcafe.de

  1. Die Frühstücke haben 46halbe und sill verspeist. []

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Zebrano

Das Zebrano zu besuchen, weckt auf jeden Fall nostalgische Gefühle, weil hier größere Teile unserer[1] Studienarbeit entstanden sind. Der Laden ist nach wie vor sehr gemütlich, was man ja nicht von allen Einrichtungen sagen kann, die sich dem hippen Retro-Berlin-Chic verschrieben haben.

Einziger Wermutstropfen: Die Heizung kommt nicht so recht gegen die große Tür an, obwohl sie durch eine lustige Decke abgedichtet ist, für die bestimmt das ein oder andere Polyester sein Leben lassen mußte.

Danny Devito: 4,60 € / Chai Latte: 2,10 € / Der Brotkorb war für beide.

Apropos Hippness: Die macht auch vor den Getränken nicht halt, ich habe hier zum ersten Mal einen “Chai Latte” probiert. Ein Vergnügen, daß scheinbar eher selten in Anspruch genommen wird, da die Kellnerin durch die Bestellung leicht verwirrt wurde – offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet.

Zu unrecht, denn wie sich herausstellte, ist das genau der richtige Weg, um lecker im Milchschaum herumzustochern, ohne sich einen Koffeinschock zu holen. Der Tee ist hier überhaupt sehr gut und wird in angemessener Art und Weise präsentiert, von Meßmer-Beuteln weit und breit keine Spur.

Das Frühstück ist … solide. Keine großen Überraschungen, keine Spielereien, aber genau die richtige Menge in guter Qualität. Den Vorsprung, den sich das Zebrano durch die Teeauswahl erarbeitet hat, geht hier aber schon wieder flöten.

Little Joe: 4,10 € / Latte Macchiato mit Bonus-Wasser: 2,50 €

Marmelade und Nutella kommen abgepackt in kleinen Plastikdöschen, die Wurst ist aus der Packung. Das erkennt man daran, daß bei den letzten Scheiben lustige Muster eingeprägt sind. Hat man Glück, erwischt man Scheiben aus der Mitte, und die Frische-Illusion ist perfekt.

Das tut der guten Qualität aber keinen wirklichen Abbruch. Nachdem der Teller leer ist, stellt sich genau das richtige Sättigungsgefühl ein. Nicht soviel, daß man sich nicht mehr bewegen kann, aber genug, um eine ausgefeilte Frühstückskritik zu schreiben.

Interessant ist die Namensgebung der Mahlzeiten. Während der Studienarbeit standen bei uns oft die Herren Gandhi (vegetarisch)[2] und Graf Esterházy (Salami) auf dem Tisch. Neben den heute verspeisten Italo-Amerikanern gibt es außerdem noch Spezialitäten wie Muhammad Ali, J.F.K. und Dolly Buster[3].
Negativ ist uns noch aufgefallen, daß das Zebrano zwar einen WLAN-Hotspot hat, dieser aber von der Telekom betrieben wird. Bezahl-WLAN ist nach wie vor rotten! Das sollten auch die hippen Berlin-Ostkreuz-Bars langsam begreifen.

Ein Besuch lohnt sich für alle, die bei entspannter Lounge-Mucke neben bunten 70er-Jahre-Retro-Lampen chillig frühstücken wollen. Mal ehrlich: Was hier kritisiert wurde, ist meckern auf hohem Niveau. Wenn ihr in der Gegend und hungrig seid, ist das Zebrano die richtige Wahl. Zum Verfassen einer weiteren Arbeit würden wir aber raten, bis zum Sommer zu warten, auf Dauer wird es ganz schön kühl um die Hüfte.

Zebrano, Sonntagsstr. 8, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 296 365 874
www.zebranobar.de

Kleines Goodie fürs Auge: Einer der besten Kneipen-Flyer, der jemals in Berlin veröffentlicht wurde, kommt aus dem Zebrano:

Der Flyer ist schon ein paar Jahre alt, jetzt also nicht hingehen und dann wundern, wo Bruce bleibt!

  1. Dieser Artikel wurde nach besagtem Frühstück von 46halbe und Jeck Pixelbrei verfasst. []
  2. Die vegetarische Auswahl ist nicht groß, aber alleine dieses Frühstück rechtfertigt den Besuch. []
  3. Iß meine Melonen, Baby! []

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