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Ampelmann

Im Schloß Bellevue gibt es für Normalsterbliche nichts zu essen, wenn man nicht grade zum Staatsempfang geladen ist oder vielleicht ein Sternsinger. Dennoch machen wir vor dem Frühstück einen kleinen Umweg in den Schloßpark, um Bundesmittelläufer Christian Wulff zuerst noch den Schuh zu zeigen.

Im Januar ist eine Demo in Berlin keine so angenehme Angelegenheit: regnerisch, kühl und windig. Das macht hungrig, wir[1] brechen daher bald zum Hack-Markt auf, nicht ohne vorher einen Spreeuferspaziergang durchs Regierungsviertel zu unternehmen.

wulff-demo

Wulff-Schuhdemo: kostenlos.

Politisch aufgeladen, kalauern wir schon beim Eintreten nicht unbeträchtlich: „Eben noch beim Hampelmann, jetzt sogleich im Ampelmann“. Denn Ampelmann heißt heute das Lokal unserer Wahl. Es befindet sich am Spreeufer, schräg gegenüber der Museumsinsel in den S-Bahnbögen unterhalb des Bahnhofs Hackescher Markt. Das Frühstücksangebot können wir leider nicht mehr testen. Es wird seit kurzem zwar statt bis 12 Uhr jetzt bis 13 Uhr offeriert, aber wir verfehlen diesen Zeitpunkt doch erheblich.

Im Ampelmann werden Pizza und Brot selbst gebacken, wie uns die Karte verrät. Das frische Brot kosten wir doch gern:

wasser und brot

Wasser und Brot zum Anfüttern: kostenlos.

Der Brotkorb wird zusammen mit Leitungswasser gereicht, dazu kleine Weingläser. Wir bestellen zunächst verschiedene Kaffee- und Teevarianten: Cafe Latte (3,20 Euro), Latte macchiato (3,20 Euro) Roibos Vanilla (Kännchen: 4,20 Euro) und Pfefferminztee (Tasse: 3,20 Euro) .

Roibos-Tee

Tee Roibos Vanilla: 4,20 €.

Und wir haben wieder einen dieser Vorspeisen-Spielverderber dabei. Man sitzt da hungrig und hat sich nach langem Ringen etwas ausgewählt, alle bestellen nacheinander ihr Gericht – und dann passiert es: naros ist der Letzte in der Reihe und wünscht sich eine Vorspeise zu seinem Hauptgericht. Alle anderen wissen nun, daß die Zeit, bis sie etwas zu beißen haben, exorbitant verlängert ist. Zudem muß man ihm beim Essen zugucken. Eine Vorwarnung wäre nett gewesen, zumal eine nach gebratenem Speck duftende Speise serviert wird:

Schafskaese

Gebratener Schafskäse im Speckmantel an pikantem Mango-Chutney: 8,50 €.

Wir haben es ihm verziehen. Dafür wird er umfassend zu seiner Vorspeise befragt. naros gibt an, daß der Schafskäse durch die Beigabe von Rauke im beiliegenden Salat mit Zitronen-Vinaigrette erfreut. Er schmeckt gut, sagt naros, dennoch hätte ein Kuh-Käse statt Schafskäse wohl besser gepaßt.

Frau Knöpfchen bekommt wenig später die Pizza Bresaola:

pizza bresaola

Pizza Bresaola: 11,50 €.

Die Pizza ist üppig mit Mozzarella, Bresaola, Walnüssen und Parmesan belegt. Bresaola ist übrigens Schinken vom Rind, wie die stets freundliche Kellnerin erklärt. Das Timing der Bedienung gefällt uns: Es wird nicht gedrängelt, sie läßt uns aber auch nie warten.

naros, der bereits den Schafskäse hinter sich hat, bekommt als Hauptgang Nudeln:

orechiette

Orechiette mit Hähnchenbrust für 10,50 €.

Orechiette sind hütchenförmige Nudeln, die naros sehr gut schmecken. Uns umhüllt beim Essen eine leicht hypnotisierende Kaufhausmusik, die dann und wann untermalt wird durch leichte, erdbebenartige Rüttelungen wegen der über uns fahrenden S-Bahn. naros erinnert das spontan an das früher oft gehörte Little Earthquakes.

Die Teller der Speisen sind alle ansprechend dekoriert, das Geschirr ist von schlichtem Design und wirkt robust. Auf die Servietten sei sogar ein Loblied gesungen: Sie sind zwar aus Papier, fühlen sich dennoch wie Stoff an, ein kleines Männchen ist auch aufgedruckt. Viele weitere Details im Restaurant erinnern an den Namen: überall Ampelmännchen, auf den Shirts der Angestellten, in den Toiletten, selbst auf den Zuckertütchen.

ampelmaennchen

Ampelmännchen, viele.

Das Ampelmännchen ist eines der wenigen Überbleibsel des DDR-Alltags, das im Straßenverkehr in Berlin noch vielfach präsent ist. Sonst hilft es, den Verkehr zu regeln, hier in der Speisekarte weist es auch den Weg zu den Essens- und Getränkeangeboten. Jede Seite der Karte ist mit einem anderen der Männchen markiert. Mit Hilfe eines neuen Gadgets kann hier ein kleiner Eindruck vermittelt werden:

ampelmaennchen

Das Ampelmännchen für Hauptgerichte.

Für den kleinen Hunger bestellt 46halbe die Tomatensuppe. Die aufmerksame Kellnerin serviert sie zusammen mit den Hauptgerichten:

tomatensuppe

Provenzialische Tomatensuppe für 5,50 €.

Die Suppe ist mit Crème fraîche und Basilikum abgerundet, schmeckt gut, aber etwas langweilig. Die Crème fraîche will sich nicht recht auflösen, entfaltet daher ihren Geschmack nur teilweise.

Kai hat sich für die Schweinemedaillons entschieden:

schweinemedaillons

Schweinefilet für 14,50 €.

Die drei Filetmittelstückchen werden mit Rübchenpüree und Bratenjus an Kartoffelgratin gereicht. Kai meint, es würde nach Weihnachten schmecken. Das mag am Lebkuchengeschmack liegen, den die Soße hat. Wir haben Zimt, Kardamom, Ingwer und weitere Multikulti-Gewürze im Verdacht.

Zwei Gierige unter uns bestellen auch einen Nachtisch. naros, der schon den Schafskäse UND die Orechiette verdrückt hat, genehmigt sich einen in der Karte als Pfannkuchen firmierenden Eierkuchen:

mit heidelbeeren

Heidelbeer-Pfannkuchen mit Vanilleeis und Ahornsirup für 7,50 €.

46halbe kann bei der Kuchenvitrine nicht widerstehen, sie bestellt einen Apfelkuchen.

mit heidelbeeren

Die normannische Apfeltarte für 3,80 €.

Bei diesem Apfelkuchen aus Mürbeteig mit auffälligem Zimtgeschmack kann nicht abschließend geklärt werden, was daran normannisch ist, nach Angaben von 46halbe mundet er ihr jedenfalls. Auch der dazu bestellte frisch gepreßte Orangensaft (4,50 Euro für 0,2 Liter) und der Espresso (zwei Euro) können überzeugen. Die schöne Espresso-Tasse mit dem Ampelmännchen gefällt ihr, der Inhalt hätte allerdings etwas heißer sein können.

Es ist gemütlich, man könnte sich hier fast festsitzen. Doch es scheint, daß wir den Mangeltag des Restaurants erwischt haben. Unvermittelt werden alle Tische umgeräumt, weiße Tischdecken aufgelegt, Stühle gerückt. Vermutlich findet abends eine geschlossene Veranstaltung statt. Das Stühlerücken mahnt uns zum Aufbruch.

In Anlehnung an unsere Demo dichtet naros kurz vor dem Gehen und frei nach dem Schlußsatz des grünen Ampelmännchens im DDR-Verkehrskompaß:

So ist’s richtig, so ist’s schön,
freundlich zeig ich meinen Schuh.
Mach schon Wulff, du kannst jetzt geh’n.
Komm gut heim und gib uns Ruh‘.

Hingehen sollten alle, die ein kuschliges künstliches Feuer hinter Glas genießen möchten, am Hack-Markt nicht ganz billige, aber qualitativ gute Nahrung suchen oder die einen besonderen Service im Ampelmann ausprobieren wollen: Ein Velo-Taxi kutschiert geneigte Gäste zum nahegelegenen S-Bahnhof oder zum Auto.

Ampelmann
am Monbijoupark, Stadtbahnbogen 159-160, 10178 Berlin
Tel. (030) 84 71 07 09
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe, naros, Kai und Frau Knöpfchen als Testesser dabei. []

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Gorki Park

Das Gorki Park ist ein Berliner Frühstücksklassiker am Rosenthaler Platz, der hier bisher nur aufgrund technischer Detailprobleme nicht besprochen wurde. Die Lage lädt dazu ein, beim Herunterrollen vom Prenzlauer Berg noch einmal Körper und Geist zu stärken, ohne einen kleineren Verteidigungshaushalt ausgeben zu müssen. Trotz der Nähe zur Touristenneppzone Mitte ist das Publikum angenehm entspannt. Die vorwiegend anzutreffenden Künstleraspiranten, alternden Medienproletarier und Musikspecker auf der Flucht vor dem Sozialstaat machen das zufällige Mitlauschen fremder Frühstücksgespräche zu einem Unterhaltungsfaktor.

Die überaus freundliche und aufmerksame Kellnerin beeindruckte die Tester[1] trotz der besten Frühstückszeit elf Uhr mit sagenhaften drei (!) Minuten Time To Tea (TTT). Auch der heute anstatt des sonst üblichen Latte bestellte kleine naturtrübe Apfelsaft für 2,20 Euro kam schnell zur – für ihre Verhältnisse – recht durstigen Frühstückerin.

glas tee

Glas Darjeeling-Tee für 2,20 Euro.

Die Karte im Gorki Park weist dem Namen entsprechend ein deutlich russisches Flair auf. Der Frühstücksauswahl tat dies jedoch keinen Abbruch. Es war aber nicht der Tag für Pelmeni und Borschtsch zum Frühstück – zumindest nicht für uns. frank entschied sich für das reichlich klingende Frühstück „Gorki Park“ zu angemessenen sieben Euro sowie ein Glas Darjeeling, standesgemäß folkloristisch serviert im Teeglas für 2,20 Euro. Angenehmerweise wurde die zweite Darjeeling-Dröhnung auch ohne spezielle Aufforderung mit dem schon beim ersten Glas bestellten Honig geliefert. Letzterer wies leider eine magische Anziehungskraft auf die jahreszeitlich bedingt zahlreichen Wespen auf, die selbst mit Hilfe des hemmungslos geschwungenen Tester-Moleskine nur unzureichend dezimiert werden konnten.[2]

fruehstueck gorki park

Frühstück Gorki Park: sieben Euro.

Das Frühstück „Gorki Park“ stellte sich nach kurzweiligen 16 Minuten Wartezeit als so reichlich wie erhofft heraus, nichts für Diätopfer und Suppenkasper. Selbst über die infektiös grassierende Beifügung sinnlosen Deko-Obstes konnte daher gnädig hinweggesehen werden, obgleich andere Frühstücker sowas ja angeblich schätzen sollen. Neben verschiedenen Salamisorten, die merkwürdigerweise eher spanisch als russisch wirkten, gab es einen leckeren Schinken, Rührei, eine äußerst delikate selbstgemachte Marmelade und einen obskuren – aber nach Entfernung überschüssiger Käseschichten leckeren – Toast mit gebratenem Huhn. Der Brotkorb war reichlich und wohlkomponiert.

Einzig die Buttermenge war für ein so umfangreiches Frühstück deutlich unterdimensioniert. Die Tester vermuten hier eine bisher unaufgedeckte Verschwörung am Werke, die vermutlich mit dem gleichzeitigen Verschwinden der EU-Butterberge und der Inbetriebnahme des Large Hadron Coliders in Genf zu tun hat. Wahrscheinlich wurde doch ein klitzekleines Schwarzes Loch erzeugt, durch dessen strategische Anwendung die Butterlagerkosten eliminiert und so der LHC refinanziert wurde.

ciabatta

Ciabatta mit Hähnchen und Käse für 3,90 Euro.

46halbe wählte hingegen das Ciabatta mit gebratenem Hähnchen und Käse überbacken für entspannte 3,90 Euro. Eigentlich ist sie keine Freundin von Ciabatta-Brot, aber es war mal wieder das unkontrollierte Salivieren beim Lesen der Karte an genau der Stelle, wo Ciabatta stand. Naja, es war keine schlechte Wahl, nur hätte der karge Teller etwas mehr Deko fürs Auge vertragen können. Da mußte 46halbe eben zu franks Teller rüberlinsen und dabei die wenigen versprenkelten Schnittlauchstückchen auf ihrem eigenen Teller aufpicken. Getröstet wurde sie von koffeinhaltigen Heißgetränken nach dem Frühstück: diesmal zwei Cappuccino für je 2,30 Euro.

Die fälschliche Anwendung von Orthographie und Grammatik ist ja übrigens eine Nemesis. Daher möchten wir im Rahmen der Initiative für die Verbesserung der deutschen Schriftsprache noch auf folgenden Absatz in der Speisekarte hinweisen:

nur fehlerfrei, bitte

Dem können wir uns nur anschließen.

Hingehen sollten alle, die an der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte ein preislich angemessenes, reichliches und wohlschmeckendes Frühstück von freundlichem Personal ohne langes Warten serviert bekommen möchten, keine Musiker-Gespräche über Kakophonien oder Bandgründungen am Nachbartisch scheuen oder einfach nicht wissen, welches der vielen Cafes rund um den ehemaligen Weinberg sie auswählen sollen.

Gorki Park

Weinbergsweg 25, 10119 Berlin

  1. Heute in furchtloser Mission für das perfekte Frühstück unterwegs: 46halbe und frank, erdgeist kam später auf einen Latte dazu. []
  2. Highscore: four confirmed kills. []

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Zimt und Zucker

Neue Frühstücksgelegenheiten im ansonsten diesbezüglich eher verödeten Regierungsbezirk sind ja eigentlich immer ein Grund zur Freude. Wer sich nicht am Metro-Plastewurstbuffet bei den Bösen Buben[1] oder in einer der Touristenfallen um die Ständige Vertretung ernähren will, dem bleibt nördlich des Bahnhofs Friedrichstraße eigentlich nur der Gang zur Butterstulle oder Monsieur Toche, beides keine klassischen „Frühstücken in Berlin„-Orte.

Daher waren die Testfrühstücker[2] hocherfreut, daß sich am Schiffbauerdamm jenseits der Touristenmeile hinter der Brücke ein neues Etablissement namens Zimt und Zucker Kaffeehaus materialisiert hatte. Touristenstrategisch günstig am Anlegesteg der Spreedampfer gelegen, lockt es auf den Dampfer Wartende förmlich an einen der mit Spreeblick gesegneten Tische.

Ein Blick in die wohlgestalte Speisekarte verhieß nur Gutes. Frühstück von halb zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends, Neulandfleisch und Bioprodukte und eine bei flüchtiger Betrachtung reichhaltige Frühstücks- und bereits heimlich probierte und für gut befundene Kuchenauswahl versetzte uns in frohe Erwartung. Angesichts der erst fünf Tage zurückliegenden Eröffnung des Zimt und Zucker waren die Tester bereit, kleine Mängel nicht zu hart ins Gewicht fallen zu lassen. Ein Vorsatz, der leider etwas arg strapaziert wurde.

Das Zimt und Zucker von außen.  

Außenansicht des Zimt und Zucker.

Seiner Tradition gemäß suchte sich erdgeist ein Frühstück aus, welches sich einem Kleinen Gemischten am ähnlichsten liest. Wurst und Käse waren auf der Karte brav getrennt, deshalb entschied er sich für das mit 5,90 € veranschlagte Frühstück „Blues“, welches mit „internationalen Wurstvariationen“[3], frischem Obst, Konfitüre und einem kleinen Brotkorb daherkommt. Aus der weißen Gewinnpalette gab es – wegen des Ortsnamens – einen Milchreis mit Zucker und Zimt (zierliche 3,80 €). Abgerundet sollte das Mahl mit einen Latte macchiato für stolze 2,90 € in 0,25 l werden, auf der Rechnung – in weiser Voraussicht ja doppelt bestellt – nochmal 1,80 € Aufschlag für den Extra-Shot Espresso.

Frühstück Blues  

Wurst. Das Frühstück „Blues“ für 5,90 €. Rechts unten lukt der Milchreis (Preis: 3,80 €) ins Bild.

Die Bedienung, die sich in ihrer Verkleidung sichtlich unwohl und in den Stiefelettchen latent unsicher fühlte, kredenzte dann auch ein verblüffendes Zwitterwesen aus zwei leckeren Bäckerschrippen und einem seelenlosen Heißluftofenbrötchen, hauchzartem Schinken vom Biofleischer und Bierschinken, der genausogut auch hätte vom Spar kommen können, dazu Obstersatz. Der Milchreis sah reichlich aus, stellte sich aber als zu süß und eher verkocht-matschig heraus.

Frank wählte einer Laune folgend den „Quickstep“-Quark mit Früchten zu 3,90 €, kombiniert mit dem „Slowfox“, bestehend aus zwei Spiegeleiern auf Vollkornbrot für 3,60 €, dazu ein Kännchen Assam-Tee mit Honig. Lisa beließ es bei einem Milchkaffee für 2,90 €, es war wohl noch zu früh.

Der Früchtequark basierte zwar auf einem wohlschmeckenden Vanillequark, wurde jedoch ganz offensichtlich von jemandem konzipiert, der selbst nie Quark mit Früchten verzehrt. Das infernalische Dekofruchttrio Johannisbeeren am Stengel, Sternfruchtscheibe mit Schale und Physalis mit Blättern in den Quark gedrückt – ohne einen Gedanken an die Verzehrbarkeit der Komposition – schmälerte den portionsmäßig ohnehin eher übersichtlichen Genuß deutlich.

Die Slowfox-Spiegeleier waren wohlgeraten, das Brot lecker und die Eier korrekt gebraten. Der beiligende Grünkram war leider nicht wirklich abgewaschen und blieb deshalb vom Verzehr verschont.

Slowfox und Quickstep

Links im Bild: Frühstück „Slow Fox“ für 3,60 €, rechts „Quickstep“-Quark für 3,90 €

Die erste Meßgröße für die objektive Beurteilung eines Frühstücks – zu dem man sich ja meist hungrig, dekoffeiniert und leicht angeknurrt versammelt – ist die TTL (Time To Latte) bzw. TTT (Time To Tea). Erscheint die ersehnte Lebensenergieinfusion schnell, wohlschmeckend und heiß, hat der Tag Struktur und das Frühstück bekommt den richtigen Schwung. 

Das Zimt und Zucker versagte hier leider mit grenzwertigen elf Minuten TTL und indiskutablen 18 Minuten TTT. Der gelieferte Tee war dann ein Ceylon statt des gewünschten Assam, aber das war dann auch schon egal. Immerhin wurde der begehrte Honig dazu nicht vergessen. Das Frühstück selbst traf erst dreißig Minuten nach der Bestellung ein, die Tester schlugen währenddessen in einem ausgiebigen Massaker Wespen und Zeit tot. Hinzu kamen handwerkliche und strukturelle Schwächen, die von sandigem Salat über Eierschalensplitter im Spiegelei bis zu Milchreis mit angebrannten Stückchen reichten. Auch Details, die man in Kaffeehäusern erwarten würde, wie z. B. ein Glas Wasser zum Kaffee oder auch nur ein Löffelchen für den Tee, blieben schmerzlich vermißt. Die Qualität des Kaffees wurde von Lisa mit einer nicht zitierfähigen Analogie beschrieben, die vornehm übersetzt einen dringenden Ratschlag zum sofortigen Wechsel der Kaffeesorte und einem Grundkurs in Espressomaschinenbedienung[4] enthielt.

Personal

Umsonst: Bedienung in einer Show in Kleidchen, Stiefelchen und Tiefflug.

Die Tester waren insgesamt eher nicht besonders froh, und das trotz der eingangs erwähnten Bereitschaft zur Toleranz ob der kurzen Übungszeit für das Personal. Das Zimt und Zucker macht den Eindruck einer guten Idee, die leider derzeit an der Umsetzung deutlich scheitert. Wenn der in der Speisekarte manifestierte Anspruch tatsächlich realisiert würde, wäre das „Kaffeehaus“ eine echte Bereicherung für die Gegend. Daher entschlossen sich die Tester in der Hoffnung, daß sich bis dahin die erheblichen Unschönheiten behoben haben, in angemessener Frist einen erneuten Versuch zu wagen. Das Kuchenangebot ist immerhin durchaus ansprechend und wohlschmeckend, und es wurde die Anwesenheit eines Gäste-Wlans detektiert. Das Personal war sichtlich bemüht und fragte mehrfach nach dem werten Befinden, war aber der Herausforderung offensichtlich (noch) nicht gewachsen.

Ausblick aus dem Zimt und Zucker

Auch umsonst: Ausblick aus dem Innern des Zimt und Zucker über die Straße auf die Dampferanlegestelle.

Hingehen sollten alle Menschen, die in dieser Gegend keine Frühstücksalternative finden können und bereit sind, einen hoffentlich stattfindenden Lernprozeß zu befördern. Wer nur beim Kuchen Dampfer gucken und Schiffsdieselschornsteingeruch schnuppern möchte, ist ebenfalls nicht schlecht bedient.

Zimt und Zucker, Schiffbauerdamm 12
Tel. 030 / 810 10 858
Das Zimt und Zucker im Internet
 

  1. Die Böse Buben Bar befindet sich in der Marienstraße 18. []
  2. In kulinarischer Mission waren heute frank, lisa und erdgeist unterwegs. []
  3. Und das in der Metropole des Weltwurstlands. []
  4. Besser: komplette Barista-Ausbildung []

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am to pm

Das Frühstücken in touristisch konzipierten Gegenden ist ja immer so eine Sache. Von unserer Eigenschaft als auch-mal-Touristen in anderen Städten rührt die Erfahrung, daß man da beim Essen gerne schon mal einen Taler mehr läßt, als Vergnügungszuschlag sozusagen. Ferner scheint sich herumgesprochen zu haben, daß Touristen selten zu Stammgästen werden, sich die Qualität in Nahrung und Bedienung also nicht in Wiederholungsbesuchen niederschlägt.

All dies wissend und auch frühere Berichte nicht ignorierend, befanden wir[1] uns im teuren Kiez des Nikolaiviertels und damit in der Zwickmühle, schlimmen Frühstückshunger zu verspüren. Das Angebot im zuerst anvisierten hätte unsere Brieftaschen gesprengt, wodurch wir uns gezwungen sahen, gen Hackescher Markt weiter nach realistischeren Locations zu suchen. Am Bahnhof – oder besser gesagt im Bahnhofsgebäude – wurden wir dann fündig: Das am to pm empfing uns mit der Drohung, „24hours breakfast“ anzubieten, und hatte fieserweise Wippehängestühle ins Freie gestellt, die man auszuprobieren förmlich gezwungen war:

Einladende Hängestühle        

Einladendene Hängestühle im am to pm. Im Hintergrund die Audioinstallation: Ghettoblaster auf Stromkasten.

Daß das am to pm auch noch neben erdgeists Stamm-Kaffeedealer Coffee Mamas liegt und sich das eine oder andere Mal ins Unterbewußtsein gedrängt hat, half ebenfalls nicht dabei, daran vorbeizugehen.[2] Die Bedienung kam gepflegt daher und die Musik war… wie Musik, die man in einer Touri-Location eben so hört. Sie dudelte aus einer – weiter unten nochmal näher dokumentierten – „Ghettoblaster auf Stromkasten“-Installation auf dem Rasen hinterm Stuhl.

Frohen Mutes orderten wir unter den alles orange einfärbenden Sonnenschirmen unsere Frühstücke. ashnas Frühstücksgewohnheiten lassen sich leicht zu „Salamitoast und Kaffee“ zusammenfassen, und ein wenig kreative Auslegung der Karte (Fußnote: „denn nehm wa das französische, lassen das Croissant weg, tun dafür zwei Brötchen drauf, lassen Marmelade und Honig weg, tun dafür Salami drauf und Kaffee ist eh bei“) führte zu einem maßgeschneiderten Frühstück für ashna zum Preis von 3,50 €: ein Schnäppchen.

Montage        

Links ashnas Spezialanfertigung, rechts der Brotkorb mit süß, mittig Blick durch den Dschungel gen Bahnhof Hackescher Markt.

erdgeist orderte seinen Referenz-Latte macchiato für 3,20 € und dem, was einem Kleinen Gemischten am nächsten kommt: das „breakfast amtopm“, welches sich mit 7,50 € in der Brieftasche unerfreulich breitmachte. Für den Preis sollten sie aber gefäligst etwas auffahren – und in der Tat, auf den ersten Blick gab es nichts zu meckern: ein Weißbrotkorb mit warmen Brötchen, Scheibe Salami, Kochschinken, Obstgarnitur, Rührei satt, frischer (und guter) Kräuterquark (wahrscheinlich markbrandenburg) und Nutella, Erdbeermarmelade und Honig in der Assiette. Besonders lobend hervorzuheben: zum Brötchenschneiden geeignete Messer.

Ebendies      

erdgeists Frühstück „am to pm“ für 7,50 €

Beim Verzehr stellten wir jedoch schwerwiegende Defizite fest: Übereinstimmend befanden wir die Brötchen als schwer nach Chemie schmeckend, die Weißbrotscheibchen lieblos, die Wurst alt und – viel schlimmer – aus der „Lidl-Wursttheke, ganz hinten links“-Kategorie. Bei dem Preis hätte auch Fleischerware drin sein dürfen. Auch der dünne Latte macchiato reichte nicht zu nennenswerten Ehren – und das, wo keine zehn Meter entfernt der leckerste Kaffee der Stadt verkauft wird. Nach Auffüllen mit zehn Sekunden Zucker aus dem Streuer war er wenigstens als Kohlenhydratquelle zu gebrauchen.

Quelle für großen Spaß waren die paar dutzend wilden Tiere aus der Gattung der Vespula germanica, die in diesem Jahr – mangels Konkurrenz der erstaunlich abwesenden Culicidae – den Plagegeisterpokal erhalten. Zwei Exemplare lieferten sich in erdgeists Quark einen erbitterten Kampf, der mit dem zuckenden Tod beider Tiere endete. Schön, daß sie wenigstens selber unter ihrem Gift leiden.

Wespenkampf     

Umsonst: Schlacht bis auf den Stachel.

Kurzum: Hingehen sollten alle, die sich zu jeder Tageszeit ein unaufregendes Frühstück zusammenverhandeln oder nach erlebnisreichem Nachtbummel auf der Oranienburger ihre Freunde mit Spätstück überraschen wollen. Nicht hingehen sollte, wem sein Sauerverdientes für was Unterdurchschnittliches zu schade ist – trotz Erlebnisparkbonus.

am to pm, Am Zwirngraben 2

Tel. (0 30) 24 08 53 01

Webpräsenz des am to pm

  1. Im unerschrockenen Selbstversuch waren diesmal erdgeist und ashna unterwegs. []
  2. Daß einer der Gründe für die Aufnahme ins Unterbewußtsein die nächtens sehr schlechte Musik ist, fiel ihm leider erst später wieder ein. []

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Vivolo

Am zentral gelegenen Hackeschen Markt geht man ja als Berliner eigentlich nicht frühstücken, denn sich als Einheimischer unter die Touristen zu mischen, kommt normalerweise aus Prestigegründen nicht in Frage. Auch erwartet man überzogene Preise, unfreundliche Kellner, herumirrende Passanten und übervolle Lokale.

Aus Zeitgründen mußte allerdings diesmal eine Ausnahme gemacht werden. Wenn man zum Frühstücken nur etwa eine Stunde übrig hat und sich gerade in Mitte befindet, gilt das wohl als valide Ausrede, in eines der Restaurants in den S-Bahn-Bögen am von manchen Berlinern etwas liebkosend Hackmarkt genannten Platz zu gehen. Wir[1] kehrten recht wahllos in das erstbeste Lokal ein, das Vivolo. Gemütlich setzten wir uns unter die breiten Sonnenschirme, es waren nur wenige andere Tische besetzt, also keine Spur von Touri-Schnellversorgungsgastronomie.

Nach kurzer Lektüre und Analyse der zehn verschiedene Frühstücke umfassenden Speisekarte, entschied sich 46halbe für “Sevilla”, fh wählte “Deportivo”. Wie die Namen schon vermuten lassen, bietet das Vivolo spanische Küche.

Sevilla       

Sevilla: 7,50 €

Sevilla und Deportivo wurden inklusive Heißgetränken serviert, womit die stolzen Preise einigermaßen zu rechtfertigen sind. Da wir beide bereits vor dem Durchsehen der Karte gierigerweise einen Latte macchiato (für je 3 Euro) geordert hatten, waren wir nun dem doppelten Koffeineinfluß ausgesetzt. Wir sahen dies jedoch nicht als Schaden an – im Gegenteil.

Zu dem Sevilla-Frühstück gehörten drei Crepes, die mit Pistazienkrümeln und Puderzucker bestreut und mit Erdbeerstückchen garniert waren. Dazu gab es Honig und zwei Marmeladen sowie einen Obstsalat. Insgesamt eine wohlschmeckende Kombination, die 46halbe jederzeit nochmal bestellen würde.

Deportivo  

Deportivo: 5,90 €

Zum Frühstück Deportivo gehörte außer dem schon erwähnten Heißgetränk noch ein kleiner frischgepreßter Orangensaft. Auf die Frage, wie es denn schmeckt, antwortete fh nur mit einem wohligen Knurren. Denn mit vollem Mund redet man nicht, wie wir aus unserer guten Kinderstube alle wissen. Später merkte er an, daß etwas Honig als Beigabe zu den Corn Flakes, dem Joghurt und dem Obstsalat noch besser gewesen wäre.

Das Frühstück hätte ein unerwartet angenehmes Erlebnis werden können, allerdings gab es zwei weniger erfreuliche Einschränkungen. Die eine sei durch das folgende Bild illustriert:

Wespen 

Wespen: kostenlos, viele

Es wurde zunehmend schwieriger, das leckere Frühstück zu genießen, denn die überaus schnelle interne Kommunikationsstruktur der ansässigen Wespen führte ein ganzes Heer dieser einzeln kaum störenden Zick-Zack-Flieger an unseren Tisch. Wir mußten letzten Endes kapitulieren und haben den Rest des nicht vollständig verzehrten Essens vordergründig den surrenden, sich darin suhlenden Viechern überlassen.

Hintenrum haben wir aber die Kellnerin gerufen, die uns nur wissend und etwas mitleidig anguckte und dann die Teller mitnahm. Nachdem das Essen abgeräumt war, ließ die Wespenplage zwar etwas nach, aber offenbar wollten die nun ungehaltenen Insekten ihrem Unmut über unsere mangelnde Kooperation beim Aufteilen der süßen Nahrung weiterhin deutlich machen.

Hingehen sollten also im Sommer nur Nicht-Wespen-Allergiker, die nicht auf den Pfennig, ähm Cent achten müssen, aber sympathisch und nett bedient werden möchten, vielleicht danach noch auf einen Sprung zur nahegelegenen Museumsinsel gehen und beim Frühstück ein paar Touris begucken wollen.

Vivolo, Am Zwirngraben 11-12, 10178 Berlin
Telefon: 030 / 246 31 933
Vivolo

  1. 46halbe hat mit fh gefrühstückt. []

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Nola’s am Weinberg

Die Schweizer sind bekannt für ihr etwas langsameres Herangehen an die Dinge des Lebens. Das Nola’s in der Nähe der Veteranenstraße zeigt sich, ausweislich der Speisekarte, als Berliner Refugium schweizerischer Lebensart und Küche. Entsprechend dauerte es eine Viertelstunde, ehe ich mein bestelltes koffeinhaltiges Heißgetränk bekommen habe.

Die Wartezeit hat mich aber in keiner Weise bekümmert, denn das Nola’s am Weinberg ist einmalig günstig gelegen. Von der großen Terrasse blickt man auf einen Seerosenteich, der ehedem ein Goldfischteich gewesen ist. Obwohl es sich zentral in Berlin-Mitte befindet, bietet der Weinbergpark die Illusion des Mitten-im-Grünen-Sitzens. Man hört nicht mal mehr viel vom Verkehr auf der Brunnenstraße, gedämpfte Stadtatmosphäre also.

Als dann mein Frühstücksgast eintraf[1], dem ich übrigens den Tip für das Nola’s verdanke, wechselten wir[2] auf der riesigen Terrasse zu einem schattigeren Tisch, denn es drohte ein veritabler Sonnenbrand. Dann wurde die nicht eben lange Frühstückskarte inspiziert. Ich habe das “Gmischte Frühstück” gewählt.

Gmischtes Frühstück  

Gmischtes Frühstück: 6,50 €

Es war eine gute Wahl, schon weil keine einzige Tomate als Deko auf dem Teller lag. Yeah! Der Quark mit Paprika und Kräutern konnte uneingeschränkt überzeugen, aber so richtig großartig war die Erbeermarmelade. Köstlich! Dazu gab es verschiedene Brotsorten und Brötchen, Wurst, Käse, etwas Obst. Alles frisch oder zumindest eben erst aus der Packung genommen.

Die Kellner blieben weiterhin zwar freundlich, aber ausgesprochen lahm. Nur das interessante Bestell-Eingabe-Gadget, das an ihnen befestigt war, erregte unsere Aufmerksamkeit. Wir hielten es zunächst für irgendein DECT-Dingens, spätere Recherche ergab aber, daß eine Firma aus Österreich die Geräte fabriziert und RF-Technologie mit SMS-Integration verwendet wird.[3]

Amerikanisches Frühstück  

Amerikanisches Frühstück: 8,50 €

Ach ja, mal Gadgets beiseite, erdgeist hatte das Amerikanische Frühstück geordert. Er war lange nicht so begeistert wie ich. Das lieblose Rührei war offenbar nichts besonderes, ohne nennenswerte Gewürze oder Kräuter. Der Bagel war lapprig und mit zuviel Quark bestrichen. Auch die Pancakes haben ihn nicht froh gemacht, und die Obstelemente waren zu rar. Alles in allem konnte die Leistung nicht mit dem Preis mithalten, wie mir erdgeist versicherte.

Wir waren übrigens nicht die einzigen hungrigen Gäste. Um uns herum rotteten sich unablässig Spatzen zusammen, die schon mal bis auf den Tisch flogen. Die Wespen hat mein heldenhafter Begleiter hingegen todesmutig abgewehrt. Bei der Menge an Spatzen war das eher aussichtslos.

Umsonstspatzen  

Spatzen: kostenlos

Wer also im Grünen auf einer großen Terrasse sitzen möchte, den ehemaligen, 1740 aufgrund des strengen Winters liquidierten Weinberg begucken und genießen will, dabei keine Insektenallergie hat und vielleicht ein paar Dealer im Park beobachten möchte, ist im Nola’s richtig.

Nola’s am Weinberg, Veteranenstraße 9, 10119 Berlin
Telefon: 030 / 440 40 766
www.nola.de

  1. Ich war mal wieder überpünktlich. Jaha, Herr Pixelbrei, auch wenn es Ihnen unrealistisch erscheinen mag. []
  2. Die Frühstücke haben 46halbe und erdgeist bewertet. []
  3. Wir bleiben dran! []

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Monsieur Vuong

Auch in Mitte gibt es Lokale, die immer voll sind und wo man gerne zweimal hingeht. Dazu gehört das Monsieur Vuong in der Alten Schönhauser Straße definitiv. Ein, zwei Mitte-Penner sind zwar zu sehen, sie fallen aber wegen der Mehrheit der normalen Berliner kaum auf.

Es gibt zwar eine nur ganz wenige Gerichte umfassende Karte, dafür aber jeden Tag zwei neue Tagesgerichte zur Auswahl. Man kann angenehm chillig draußen sitzen, ein großer Ficus Benjamin spendet Schatten, leise Musik säuselt um die Ohren.

Wer gerne freundlich, flink, aber ohne Hast bedient wird und vietnamesische und südostasiatische Küche mag, ist hier genau richtig. Nicht unbedingt nur zum Frühstück, aber man muß ja auch sonst mal was essen am Tag. Wer nicht draußen sitzen möchte, den lädt ein schön gestalteter Innenraum mit geschwungenem Tresen zum Verweilen ein.

Huhn mit Reis: 6,90 € / Bananenshake: 3,40 €

Das Huhn mit Reis und verschiedenen Gemüsen, Kräutern, Salat und Nüssen ist ein solides Gericht und erfüllt die Erwartungen, die man an die südostasiatische Küche stellt, zu einhundert Prozent. Positiv fiel auf, daß das Essen nicht heiß, sondern quasi eßwarm serviert wurde. Jetzt kann man natürlich sagen: “Naja, hat vermutlich ewig in der Küche rumgestanden.” Das glauben wir allerdings nicht, und wenn doch, hat es der Sache keinen Abbruch getan.

Der Bananenshake war spitze und schmeckte nicht nach künstlichem Bananenaroma. Die Mixer machen allerdings Krach ohne Ende, der untrügliche Beweis für die zeitnahe Herstellung.

Schweinefleisch mit Nudeln: 6,90 € / Frischgepreßter Orangensaft: 3,40 €

Das andere Tagesgericht war Schweinefleisch mit Nudeln und Gemüsen, viel Sellerie, Sesam und Grünkram. 46halbe mag leider Sellerie nicht so doll. Naja, es war trotzdem ziemlich gut. Allein schon die Tatsache, daß sie keineswegs hungrig bei Monsieur Vuong ankam und dennoch so gut wie den ganzen Inhalt der Eßschüssel verspeiste, spricht für das Gericht.

Apropos Eßschalen: hier vereinte sich ansprechendes und praktisches Design. Auf den Bildern sieht man nicht so gut, daß die Schalen leicht nach vorn geneigt waren, was neidische Blicke abhält und die Nahrungsentnahme vereinfacht. Man kann die Schale und damit die angesprochenen Effekte übrigens auch umdrehen harhar.

Bia Saigon 0,3 l: 2,90 €

Zum Nachtisch gab es heute kein Süßzeug, sondern Cappuccino und ein Bia Saigon. Bereits in der Karte wird darauf verwiesen, daß ”Bia” kein Schreibfehler, sondern das vietnamesische Wort für Bier ist. Es ist ein klares, pilsartiges, leicht säuerliches, solides Biergetränk, das man aber nicht süffig nennen kann und den Preis auch nicht rechtfertigt.

Der Cappuccino für 2,10 €, serviert in lustigem, rundlichem Glas, hat dagegen gut geschmeckt. Gezuckert und gerührt wird mit einem Holzlöffel. Beim Genießen des Heißgetränks schaukelte die nächste Straßenbahn vorbei und das gesamte Lokal vibrierte in der Nachmittagssonne. Das Leben ist schön.

Monsieur Vuong, Alte Schönhauser Str. 46, 10119 Berlin-Mitte

Telefon: 030 / 24 63 87 60

www.monsieurvuong.de

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Westin Grand (nicht wirklich)

“Surf & Turf”: 0 € (Aber man braucht eine Eintrittskarte zum ZDF-Sommerfest.)

Das ZDF-Sommerfest ist, wenn man von der Platzverteilung ausgeht, vor allem eine große Sponsorenveranstaltung. Verschiedene Firmen bieten etwas Essen und/oder Getränke in einem Zelt an, in dem auch die eigenen Produkte präsentiert werden. Im Microsoft-Zelt gab es zum Beispiel Caipirinha mit zuviel Rum und man konnte Tischtennis an einer XBox 360[1] spielen. Kulinarischer Höhepunkt war für mich aber das Essen, dass vom Westin Grand aufgetragen wurde.

Die Garnele fand ich zwar unpassend, aber das Fleisch war sehr zart und der Salat hatte ein superleckeres scharfes aber unaufdringliches Dressing. Durch das Essen hat sich bei mir der Verdacht erhärtet, dass es sich lohnen könnte, beim Kochen mit hochqualitativen Zutaten zu arbeiten. Danach schmeckte das Büffet der ZDF-Kantine einfach nur noch fade, obwohl es ordentlich gemacht war.

Nicht nur Wasser: 0 € (Aber Eintrittskarte.)

Ich habe mich gefragt, wer auf einer Party, bei der es kostenlosen Alkohol und Kakao- und Fruchtsaft-Cocktails gibt, Wasser trinken will. Aus mir unerklärlichen Gründen war der Stand aber immer gut besucht. Auch ich musste zu später Stunde dort aufschlagen, da ich mir den Tequila verdünnen wollte, der das Einzige gewesen war, was in der Microsoft-Bar noch übrig geblieben war.

Mir konnte geholfen werden. Mit “Jolt”. Schmeckt wie die gute alte Club Cola (klebrig, süß und total künstlich), soll aber doppelt soviel Koffein haben.

Verschiedene Zigaretten: 0 € (Auch nur mit Eintrittskarte. Evtl. Langzeitschäden.)

Großartig fand ich den Bauchladen des VDC. Warum waren die auf der Party? Ein letztes Aufbäumen, bevor Rauchen in Deutschland verboten wird? Die beiden jungen Damen schienen sich jedenfalls auch nicht wirklich sicher zu sein, ob es eine gute Idee ist, Zigaretten zu verteilen. Das Photo durfte ich nur machen, nachdem sie sichergestellt hatten, dass es nur für den privaten Gebrauch ist – deshalb der detailgenaue Bildausschnitt.

Ich empfehle den Besuch des ZDF-Sommerfestes jedem, der mal gut, billig und viel Essen möchte. Allerdings hilft es, wenn man Bier oder Wein mag, die Cocktails waren alle eher mäßig. Eine Einladung kann Gerüchten zufolge fast jeder bekommen, der in Berlin irgendwie beim Fernsehen arbeitet oder über die Sponsoren an Karten kommt.

ZDF-Sommerfest auf dem Gelände der Neuen Nationalgalerie am Potsdamer Platz.

  1. Außerdem ein Rennspiel, was ich nicht ausprobiert habe und FIFA WM 2006. Deutschland hat 0:1 gegen England verloren. []

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