Category Archives: Neukölln

Liberda

Das heutige Frühstücksgourmet-Team[1] hat sich auf den Weg nach Neukölln ins Liberda gemacht. Hier galt es zwischen frisch auf alt gemachten Wänden und einfachen Holzmöbeln, die viel zu eng aneinander standen, einen Platz zu finden, den man ohne körperliche Quetschungen besetzen konnte, aber der trotzdem von der Bedienung erreichbar war, zu finden. Wir scheiterten. Am Anfang war zwar noch eine kleine Gasse zur Theke vorhanden, aber im weiteren Verlauf des Tages wurden die Gäste immer mehr ineinander gestapelt.

Innenansicht Liberda

Innenansicht

Am Anfang war aber noch alles überschaubar und die freundliche, wenn auch etwas verhuscht wirkende Servicekraft, vermochte es innerhalb akzetabler TTH[2] einen schwarzen Darjeeling zubereiten zu lassen und zu servieren. Positiv soll hier hervorgestellt werden, dass es sich dabei um losen Tee in einem frischen Filterbeutel handelte, ein Umstand, der den männlichen Teil der Testmannschaft mit hoher Zufriedenheit erfüllte.

Schwarzer Darjeeling 1,80 € (Es gibt auch Grünen)

Schwarzer Darjeeling (1,80 € - Es gibt auch Grünen)

Die von Optionsparalyse betroffene Dame des Teams war nicht so entscheidungsfreudig, entschied sich aber nach reiflicher Überlegung für einen Milchkaffee und ein süßes Frühstück. Damit aber nicht genug der Auswahlmöglichkeiten. In dem süßen Frühstück gab es noch diverse Falltüren: Joghurt oder Vanillequark zu den Früchten? Nutella oder Marmelade? Wurst oder Käse? Nachdem diese Hürden genommen waren, bestellte die Testerin wie im Rausch noch eine Extraportion Parmaschinken, die auch ohne Murrren geliefert wurde.

Süßes Frühstück (4,90 €) mit Extra-Parmaschinken (1,90 €)

Süßes Frühstück (4,90 €) mit Extra-Parmaschinken (1,90 €)

Alle anderen anwesenden Parteien entschieden sich für ein englisches Frühstück. Nicht so sehr, weil danach ein unglaublicher Heißhunger bestand, sondern vielmehr im Dienst am Leser, da ein englisches Frühstück eine weitgehend normalisiert formatierte Standardgröße ist, nach deren Qualität sich leicht Ableitungen auf den Rest eines Etablissements errechnen lassen.

Englisches Frühstück (7,70 €)

Englisches Frühstück (7,70 €)

Die Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden, wenn es auch leider die waren, dass sich an einem Frühstück oft Rückschlüsse auf die Gesamtqualität des Angebots schließen lassen. Aber der Reihe nach: Das englische Frühstück erwies sich als weitgehend okay. Zu einer besseren Bewertung konnte es nicht kommen, da sich bei näherer Untersuchung folgende Mängel nachweisen ließen: Die Bohnen waren nur lauwarm, die Würstchen kurz vor fade und der Bacon zu zäh. Lediglich die Orangenmarmelade stach positiv hervor.

Extrastarker Latte Macchiato (3,80 €)

Extrastarker Latte Macchiato (3,80 €)

Das süße Frühstück erwies sich hingegen als eine gute, abwechslungsreiche und sättigende Variante mit frischen Brötchen, die die Testerin ohne große Beanstandung so weiterempfehlen würde, sich allerdings auch damit schwer tat besondere Höhepunkte des Geschmackserlebnisses benennen zu können.

Mousse au Chocolat & Tiramisu. Creme Brulée war leider aus. (je 3,90 €)

Mousse au Chocolat & Tiramisu. Creme Brulée war aus. (je 3,90 €)

Nach dem klimaxlosen Frühstück wurde die Aufmerksamkeit der anwesenden Gourmetiker auf eine simple Tafel gelenkt, welche hausgemachte Desserts versprach, welche ohne weitere Umschweife bestellt wurden. Mittlerweile war der Laden so gut gefüllt, dass sich Bestellungen und Lieferzeiten etwas in die Länge zogen – vielleicht sind anderthalb Servivekräfte für zwei Zimmer voller Leute doch zu wenig.

Als dann die Nachtischbestellungen doch noch zum Vollzug kamen, stellte sich leider heraus, dass die Bedeutungshoheit des Wortes  „hausgemacht“ schamlos ausgenutzt wurde. Sowohl bei der Mousse als auch bei Tiramisu handelt es sich nach einhelliger Expertenmeinung um industriell produzierte Ware oder vielleicht auch langgelagerte Inhouse produzierte Instantsüßspeisen handeln muss, die von einer klebrigen Pappigkeit waren. Vor allem die Schokoladenspeise scheint vor allem für das Reenactment eines bekannten Kurzfilmes gedacht zu sein, bei dem zwei junge Damen und ein Trinkgefäß eine wichtiger Rolle spielen.

Das Liberda ist empfehlenswert für Freunde des antik angetäuschten italienischen Flairs[3], die sich mit einem guten, preislich fairen, aber nicht außergewöhnlichem Frühstück mit leichten Mäkelabstrichen in der B-Note zufrieden geben. Von weiterem Verzehr pappiger Süßspeisen raten die Tester allerdings dringend ab.

Liberda
Pflügerstr. 67, 12047 Berlin

Tel. (030) 62 90 33 67

 

  1. bestehend aus M. und Teresa []
  2. Time To Heißgetränk []
  3. das bedeutet auch: beengete Sitzverhältnisse []

Leave a Comment

Filed under À la carte, Netz: Gratis, Neukölln

leuchtstoff – Kaffeebar

Es war einmal eine Empfehlung. Diese Empfehlung wurde im Geheimen gegeben und es sollte ein paar Zeiteinheiten dauern, bevor sie in die Tat umgesetzt werden konnte. An einem regnerischen Dienstag-Vormittag entschied sich die FiöR[1] zu einer Expedition in eine der ranzigeren Ecken Neuköllns.

Das Betreten der kleinen Kemenate erstaunt den Betrachter durch seine Leere. Die ungestellte Frage nach dem, was hier vielleicht Fehlen mag, verhallt jedoch schnell im umgebauten wohnzimmerähnlichen Nebenraum, in dem Sofas auf dem Boden stehen und an die Wand genagelt wurden.

Interessante Sitzplatzwahl

"Wenn ich ein Tourist wäre, würde ich das super finden." - Frl. T.

Die oberen Sitzplätze sind dabei als interessant einzustufen, aber keineswegs praktisch. Wie Fräulein Teresa richtig bemerkte, scheint es sich hierbei um einen Ort zu handeln, an dem man sich eher Abends die Zeit mit einem Buch und einer Gerstenkaltschale auf einer Couch vertreiben kann.

Die Anwesenden ließen sich trotzdem nicht von diesen Umständen abschrecken und bestellten am Tresen ein Frühstück. Das war bedauerlicherweise kein Problem, denn das Angebot ist – um es diplomatisch Auszudrücken – übersichtlich. Es gibt die Auswahl zwischen Haselnuß-Tofu-Baguette, Mozarella-Baguette, Croissant und Käsebrot. Außerdem Tees und Kaffee, letzterer sogar in einer Aeropress-Version.

Während der Milchkaffee (2,60), welcher, das soll an dieser Stelle auf besonderen Wunsch von Frl. T. noch erwähnt werden, in Bechern ohne Henkeln serviert wurde, sich als schlicht, aber gut erwies, stellte sich die Aeropress-Variante als dünnes Plörrchen heraus. Auf einer Meta-Ebene lässt sich also feststellen, dass hier eine weitere Zubereitungsform des göttlichen Koffeingebräus so verwässert wurde, dass sie in diesem Kontext als durchgehipstert bezeichnet werden muss.

Frühstückstisch im leuchtstoff

Aeropress, groß (2,40), Croissant (1,00), Mozarella-Baguette (3,20), Käsebrot (2,60)

Die zubereiteten Mahlzeiten fallen nach Aussage der anwesenden Experten in die Kategorie „Kann man mal machen, ist aber nichts Spezielles“. Während die Frische und die frische Zubereitung lobend erwähnt sollen, fehlt doch das gewisse Etwas. Und Fleisch. Schon die Verwendung des Begriffs „Käsebrot“ lässt auch hier wieder auf den gentrifizierenden Einfluß der mainstreamkritischen Hipsteria schließen.

Wir wollen aber auch der Vollständigkeit halber erwähnen, dass das kleine, aber eben nicht perfekte Angebot möglicherweise einen Neulingsbonus zur wohlwollenden Betrachtung verdient hätte. Ob sich Besserung einstellt, können nur weitere Feldversuche zeigen, von denen nicht unbedingt abgeraten wird.

Zweiter Versuch: Doppelter Espresso Macchiatto (2,20) an Cafe Latte (2,60)

Zweiter Versuch: Doppelter Espresso Macchiatto (2,20) an Cafe Latte (2,60)

Die Expertengruppe bestellte sich bei dem nach Politikwissenschaftsstudent im 10. Semester aussehenden Barista einen weiteren Milchkaffee und einen doppelten Espresso Macchiato. Leider folgte nach der Aeropress-Enttäuschung die Espresso-Enttäuschung: Zu bitter! Zu allem Übel wechselte zu diesem Zeitpunkt die musikalische Untermalung von hippem Berliner Minimal zu (viel zu) aufgeregten afrikanischen Klängen.

Es soll jedoch an dieser Stelle die angenehme, verpeilte Freundlichkeit der Betreiber erwähnt werden. Sind die beiden jungen, bebrillten Männer zwar stets aufmerksam, wirken sie doch nicht ganz ausgeschlafen. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit der dynamisch schwankenden Qualität der koffeinhaltigen Heißgetränke, die sich auch auf die Macher auswirkt.

Alles in allem muss abschließend postuliert werden, dass der autodidaktisch anmutende Charme zwar sehr sympathisch ist, aber eben auch noch Spielraum für Verbesserungspotential hat. Ein Besuch lohnt sich für alle abenteuerlustigen Frühaufsteher, da der Laden unter der Woche schon ab 8 Uhr geöffnet hat, die auf der Suche nach einem erhöhten, aber weichen Sitzplatz sind und deren Tagesmotivation nicht nur am ersten oder zweiten Kaffee hängt.

Disclaimer: Auch wenn eine Interpretation einer Hipsterabneigung aus diesen Zeilen herausgelesen werden könnte, muss natürlich betont werden, dass dieses Werk nicht hätte verfasst werden können, wenn es nicht zumindest teilweise Überschneidungen des hier nicht wirklich angeprangerten Lebensstils mit allen Anwesenden der Autorenschaft geben würde.

leuchtstoff – Kaffeebar
Siegfriedstr. 19, 12051 Berlin
0177/1961512
leuchtstoffk.de

 

  1. Frühstücken im öffentlichen Raum, vertreten durch Fräulein Teresa und den ehrenwerten Autor []

Leave a Comment

Filed under À la carte, keine Kreditkartenzahlung, Netz: Gratis, Neukölln

Goldberg

Um Gottes willen[1]! Wir waren anscheinend noch niemals zum Frühstück im schönen Neukölln! Aber das sollte sich an einem denkwürdigen Tag ändern, an dem das Goldberg in der Reuterstraße zum Treffpunkt[2] auserkoren wurden.

Schon der erste Eindruck schien alle Vorurteile, die man als satter Friedrichshainer so haben kann, bestätigen zu wollen. Vor dem Etablissement begegnete der Tester einer jungen Frau, die dem Aussehen nach mit dem BTMG[3] in Konflikt stand. Auch das Goldberg selber bot auf den ersten Blick eine sorgfältige Auswahl angegammelter Chiqué, einen recht modrig riechenden Nebenraum und einen Betreiber, der durchaus als Antagonist eines Horrorfilms gut ausgesucht wäre. Aber alles kam anders.

Kännchen Darjeeling im Goldberg

Kännchen Darjeeling 2,60 €

Der seltsame bleiche Mann in Hoodie und Sonnenbrille war nicht nur aufmerksam und freundlich, er brachte den Tee nach einer äußerst angemessen kurzen Zeit so, wie er sein soll[4]. Nicht nur das, der Tee schmeckte auch noch gut. Solchermaßen gut eingestimmt begab es sich, dass die zweite Versuchsperson alsbald auftauchte und sich von der Karte einen Milchkaffee bestellte, der auch prompt und in ebenso guter Qualität an den Tisch geliefert wurde.

Nun war es Zeit für das eigentliche Ziel der Goldbergbesteigung: Das Frühstück. Nach langem Überlegen und kurzer Entschlossenheit orderten die Expeditionsteilnehmer eines jener Frühstücke, das der Lokalität den Namen gab und eines jener Frühstücke, das seinen Namen den Menschen verdankt, die pünktlich um fünf Uhr einen Tee zu nehmen pflegen.

Frühstücke im Goldberg

Vorn: Goldberg (7,60 €). Hinten: Englisches Frühstück (6,50 €)

„Halt!“, rief da sofort der unsichtbare, aber dennoch stets anwesende Restaurantkritiker. „Wo ist denn der Bacon?“ Doch jene vorlaute Person verstummte sofort, als nur wenige Augenblicke später frisch angebratener Bacon wie von Zauberhand den Tisch erreichte.

Frischer Bacon im Goldberg

Frischer Bacon

Nach diesem Vorfall waren auch die letzten Bedenken ausgeräumt. Beide Mahle mundeten vorzüglich und wurden durch den Verzehr weiterer Heißgetränke, die stets schnell und wohlzubereitet kamen, obwohl sich der Laden mittlerweile merklich gefüllt  hatte, abgerundet.

Die Expedition war von der Qualität sogar so begeistert, dass sie sich – allen Bedenken zum Trotz – noch einen zweiten Gang in Form eines Stückes New York Cheesecake einverleibte.

Cheesecake & Heißgetränke im Goldberg

New York Cheesecake (2,80 €), Kaffee (1,70 €), Milchkaffee (2,50 €)

Der weitere Verbleib wurde nur dadurch unmöglich gemacht, dass dringende weitere Terminierungen durch einen andauernden Aufenthalt verhindert worden wären. Gerüchteweise soll sich das Goldberg im Laufe eines ganzen Tages als sehr wandlungsfähig erweisen. Von der durchaus empfehlenswerten Frühstückslokation, die für alle geeignet ist, die gut frühstücken wollen, metamorphiert der Laden in eine gemütliche Kneipe, in der man durchaus seine x Biere[5] in entspannter Athmosphäre zu sich nehmen kann.

Ob dem wirklich so ist, konnten wir wie gesagt nicht genau herausfinden, empfehlen aber den getreuen Leser das Goldberg schnell aufzusuchen, möglichst noch bevor das Viertel und damit auch diese Oase für Frühstücker durch eine mit Sicherheit bevorstehende Schwabisierung zerstört wird.

Goldberg
Reuterstraße 40, 12047 Berlin
Telefon: 030 / 53 06 99 28
www.goldberg-bar.de

Sämtliche Bilder befinden sich in höherer Auflösung auch noch an dieser Stelle. Dort ist auch das Butterfäßchen zu bewundern.

  1. Ja, ich gebe zu, dass musste ich nachschlagen. []
  2. Es trafen sich dort der unvergleichliche John Goldtrain und monoxyd []
  3. Bissiges Tierchen muss Gassi []
  4. Also loser Tee in einem Beutel []
  5. x >= 3 []

6 Comments

Filed under À la carte, Netz: Gratis, Neukölln