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Nest

Das Nest

Das Nest

Teilen des Frühstücksteams[1] sind viele in Berlin verfügbare Frühstückslokalitäten bekannt. Aber nur deswegen, weil sie den größeren Teil ihres Medienelitenbohemianlebens zu späterer Stunde mit alkoholischen Getränken an ebenjenen Orten verbringen, die es einfach versäumen nach der Frühstückszeit ihre Pforten zu schließen.

Das in Kreuzberg ansässige Nest gehört, genau wie das Bateau Ivre, zu diesen Orten. Für unsere Leser sind aber keine Mühen zu klein, deswegen wurde zu nachtschlafender Zeit (das Nest öffnet um 10:00 Uhr) der Rand des Görlitzer Parks besucht, um die übersichtliche, aber wohlsortierte Frühstückskarte des Nests zu durchforsten.

Milchkaffee (2,80 €) und Darjeeling (2,20 €)

Milchkaffee (2,80 €) und Darjeeling (2,20 €)

Ein Erlebnis, dass sich als ambivalent herausstellen sollte. Schon die erste Lieferung Heißgetränke kann dafür als Beispiel herhalten. Während der Darjeeling zwar lose im Beutel angeliefert wurde[2], entpuppte sich der Milchkaffee als wässrig. Also so, dass die herzkranke Großmutter vielleicht ihren Hochgenuß daran gefunden hätte, aber der unterkoffeinierte Berufsjugendliche einer schlimmen Zumutung ausgesetzt war.

Nichtsdestotrotz wurden in selten synchroner Simultanübereinstimmung „Gemischte Frühstücke“ bestellt, die jeweils durch ein gekochtes Ei und in einem Fall noch durch ein Zusatzcroissant[3] erweitert wurden. Noch bevor eine Bewertung der Verspeisung vorgenommen werden konnte, fiel auf, dass die gut bestückte Frühstücksplatte keinen Platz mehr für eine Auf- und Belegung der mitgelieferten Teigwaren bot, so dass ein zusätzlicher Teller wohl angebracht gewesen wäre.

Gemischtes Frühstück (6,40 €) mit Ei {1,20 €) und Croissant (1,50 €)

Gemischtes Frühstück (6,40 €) mit Ei {1,20 €) und Croissant (1,50 €)

Das Frühstück selbst entpuppte sich als akzeptabel mit kleinen Abstrichen. Menge und Auswahl waren zwar völlig zufriedenstellend, aber leider stellte sich heraus, dass den anwesenden Wurst- und Käsespezialitäten leider das Spezielle fehlte. Vielmehr muss unterstellt werden, dass sie aus einer handelsüblichen Supermarktplastikpackung entnommen wurden, wie sich an dieser bildlichen Darstellung eines Käselappens sehr gut nachvollziehen lässt.

Käse, lapprig

Käse, lapprig

Aber bevor sich allgemeiner Hass breit machen konnte und das Nest von einer Welle gerechten Zorns durchfegt wurde, beruhigte das mitgelieferte Ei die erhitzten Gemüter. Es muss neidlos postuliert werden, dass  in den Weiten der Berliner Frühstückswelt selten eine Hühnerperiode so perfekter Konsistenz serviert wurde.

Frühstücksei perfekter Konsistenz

Frühstücksei perfekter Konsistenz

Dermaßen hochgradig verwirrt und trotz abwertender Tendenzen unentschlossen, wurde ob eines endgültigen Urteils ein Kleinod bestellt, dass den Frühstückgast zwischen den herkömmlichen Morgenmahlzeiten aus der Karte anlacht. Arme Ritter. Mit Apfelkompott. Schlimmes Resteessen oder kulinarische Offenbarung? Das auswurfartige Foto lässt nichts Gutes vermuten und auch die getrockneten Bananenscheiben sorgten bei der Hälfte aller befragten Testsubjekte für Irritation und Unbehagen.

Arme Ritter mit Apfelkompott (4,20 €)

Arme Ritter mit Apfelkompott (4,20 €)

Das Apfelkompott hätte zwar warm sein können, aber dennoch erfreute der winterliche, leicht zimtige Geschmack den Gaumen. Mit den herkömmlichen Armen Ritter hat das aber nur entfernt zu tun, es handelt sich eher um die Variante des Hofritters, der in vollem Ornat dem König zur Hand geht. Die Grundlage ist dieselbe, aber das Ergebnis dennoch ein anderes. Aber wie gesagt, eine gute, süße Bereicherung eines jeden Morgens.

War es also doch möglich, hier ein vollkommenes Frühstück zu erstehen, wenn es nur gelingt die gefährlichen Klippen der Mittelmäßigkeit zu umschiffen? Ein letzter Heißgetränketest sollte Klarheit bringen.

Kaffee (1,80 €) und Doppelter Espresso Macchiato mit Sojamilch (3,00 €)

Kaffee (1,80 €) und Doppelter Espresso Macchiato mit Sojamilch (2,70 €)

Der Kaffee wurde zwar etwas undurchsichtiger geliefert, war aber leider immer noch zu dünn. Ob hier heimlich Homöopathen am Werk sind? Auch der Espresso konnte keinen Gefallen finden. Er war zwar stark genug, aber zu sauer. Wie gesagt: Das Nest ist ein ambivalentes Erlebnis.

Wer sich an edlen Armen Rittern, perfekten Frühstückseiern und leckerem Tee erfreut, kann hier in sehr angenehmer Atmosphäre einige gemütliche Morgenstunden verbringen. Für einen großen Frühstücksrundumschlag oder fortgesetzten Kaffeegenuß sollte dennoch ein anderer Ort aufgesucht werden.

Was allerdings nicht verschwiegen werden soll: Ab Mittag ändert sich das Bild, da sich das Nest auf das Zubereiten warmer, einfacher Mahlzeiten ungleich besser versteht, als auf die frühen Morgenstunden. Im Berlin Lunch Blog bekäme das Nest also durchaus eine gute Empfehlung, die nicht von so vielen Einschränkungen begleitet ist, wie dieser Bericht. Aber das ist eine Geschichte, die an anderer Stelle erzählt werden muss.

Für kurzes Amüsement sorgte das Schild mit einem durchgestrichenen Kinderwagen und der Aufschrift „Alle Parkplätze belegt.“ Was wie die diplomatischste Variante des Barner Pollers wirkt, die uns jemals begegnet ist, entpuppte sich aber tatsächlich als freundlich gemeinter Hinweis: Beim Verlassen des Lokals waren keine Kinderwagen mehr zu sehen und dementsprechend das Schild auch weg.

Das Nest
Görlitzer Str. 52, 10997 Berlin

030 627 357 87
cafenest.de

PS: An diesem Ort entstand übrigens das Bild, dass seitdem traditionsgemäß als ikonifizierter Avatar des Autors gilt.

  1. We are looking at you, Teresa. []
  2. wir wollen an dieser Stelle gnädig darüber hinweg sehen, dass sich der Beutel bereits in der Tasse befand []
  3. beides kostenpflichtig []

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Liberda

Das heutige Frühstücksgourmet-Team[1] hat sich auf den Weg nach Neukölln ins Liberda gemacht. Hier galt es zwischen frisch auf alt gemachten Wänden und einfachen Holzmöbeln, die viel zu eng aneinander standen, einen Platz zu finden, den man ohne körperliche Quetschungen besetzen konnte, aber der trotzdem von der Bedienung erreichbar war, zu finden. Wir scheiterten. Am Anfang war zwar noch eine kleine Gasse zur Theke vorhanden, aber im weiteren Verlauf des Tages wurden die Gäste immer mehr ineinander gestapelt.

Innenansicht Liberda

Innenansicht

Am Anfang war aber noch alles überschaubar und die freundliche, wenn auch etwas verhuscht wirkende Servicekraft, vermochte es innerhalb akzetabler TTH[2] einen schwarzen Darjeeling zubereiten zu lassen und zu servieren. Positiv soll hier hervorgestellt werden, dass es sich dabei um losen Tee in einem frischen Filterbeutel handelte, ein Umstand, der den männlichen Teil der Testmannschaft mit hoher Zufriedenheit erfüllte.

Schwarzer Darjeeling 1,80 € (Es gibt auch Grünen)

Schwarzer Darjeeling (1,80 € - Es gibt auch Grünen)

Die von Optionsparalyse betroffene Dame des Teams war nicht so entscheidungsfreudig, entschied sich aber nach reiflicher Überlegung für einen Milchkaffee und ein süßes Frühstück. Damit aber nicht genug der Auswahlmöglichkeiten. In dem süßen Frühstück gab es noch diverse Falltüren: Joghurt oder Vanillequark zu den Früchten? Nutella oder Marmelade? Wurst oder Käse? Nachdem diese Hürden genommen waren, bestellte die Testerin wie im Rausch noch eine Extraportion Parmaschinken, die auch ohne Murrren geliefert wurde.

Süßes Frühstück (4,90 €) mit Extra-Parmaschinken (1,90 €)

Süßes Frühstück (4,90 €) mit Extra-Parmaschinken (1,90 €)

Alle anderen anwesenden Parteien entschieden sich für ein englisches Frühstück. Nicht so sehr, weil danach ein unglaublicher Heißhunger bestand, sondern vielmehr im Dienst am Leser, da ein englisches Frühstück eine weitgehend normalisiert formatierte Standardgröße ist, nach deren Qualität sich leicht Ableitungen auf den Rest eines Etablissements errechnen lassen.

Englisches Frühstück (7,70 €)

Englisches Frühstück (7,70 €)

Die Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden, wenn es auch leider die waren, dass sich an einem Frühstück oft Rückschlüsse auf die Gesamtqualität des Angebots schließen lassen. Aber der Reihe nach: Das englische Frühstück erwies sich als weitgehend okay. Zu einer besseren Bewertung konnte es nicht kommen, da sich bei näherer Untersuchung folgende Mängel nachweisen ließen: Die Bohnen waren nur lauwarm, die Würstchen kurz vor fade und der Bacon zu zäh. Lediglich die Orangenmarmelade stach positiv hervor.

Extrastarker Latte Macchiato (3,80 €)

Extrastarker Latte Macchiato (3,80 €)

Das süße Frühstück erwies sich hingegen als eine gute, abwechslungsreiche und sättigende Variante mit frischen Brötchen, die die Testerin ohne große Beanstandung so weiterempfehlen würde, sich allerdings auch damit schwer tat besondere Höhepunkte des Geschmackserlebnisses benennen zu können.

Mousse au Chocolat & Tiramisu. Creme Brulée war leider aus. (je 3,90 €)

Mousse au Chocolat & Tiramisu. Creme Brulée war aus. (je 3,90 €)

Nach dem klimaxlosen Frühstück wurde die Aufmerksamkeit der anwesenden Gourmetiker auf eine simple Tafel gelenkt, welche hausgemachte Desserts versprach, welche ohne weitere Umschweife bestellt wurden. Mittlerweile war der Laden so gut gefüllt, dass sich Bestellungen und Lieferzeiten etwas in die Länge zogen – vielleicht sind anderthalb Servivekräfte für zwei Zimmer voller Leute doch zu wenig.

Als dann die Nachtischbestellungen doch noch zum Vollzug kamen, stellte sich leider heraus, dass die Bedeutungshoheit des Wortes  „hausgemacht“ schamlos ausgenutzt wurde. Sowohl bei der Mousse als auch bei Tiramisu handelt es sich nach einhelliger Expertenmeinung um industriell produzierte Ware oder vielleicht auch langgelagerte Inhouse produzierte Instantsüßspeisen handeln muss, die von einer klebrigen Pappigkeit waren. Vor allem die Schokoladenspeise scheint vor allem für das Reenactment eines bekannten Kurzfilmes gedacht zu sein, bei dem zwei junge Damen und ein Trinkgefäß eine wichtiger Rolle spielen.

Das Liberda ist empfehlenswert für Freunde des antik angetäuschten italienischen Flairs[3], die sich mit einem guten, preislich fairen, aber nicht außergewöhnlichem Frühstück mit leichten Mäkelabstrichen in der B-Note zufrieden geben. Von weiterem Verzehr pappiger Süßspeisen raten die Tester allerdings dringend ab.

Liberda
Pflügerstr. 67, 12047 Berlin

Tel. (030) 62 90 33 67

 

  1. bestehend aus M. und Teresa []
  2. Time To Heißgetränk []
  3. das bedeutet auch: beengete Sitzverhältnisse []

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leuchtstoff – Kaffeebar

Es war einmal eine Empfehlung. Diese Empfehlung wurde im Geheimen gegeben und es sollte ein paar Zeiteinheiten dauern, bevor sie in die Tat umgesetzt werden konnte. An einem regnerischen Dienstag-Vormittag entschied sich die FiöR[1] zu einer Expedition in eine der ranzigeren Ecken Neuköllns.

Das Betreten der kleinen Kemenate erstaunt den Betrachter durch seine Leere. Die ungestellte Frage nach dem, was hier vielleicht Fehlen mag, verhallt jedoch schnell im umgebauten wohnzimmerähnlichen Nebenraum, in dem Sofas auf dem Boden stehen und an die Wand genagelt wurden.

Interessante Sitzplatzwahl

"Wenn ich ein Tourist wäre, würde ich das super finden." - Frl. T.

Die oberen Sitzplätze sind dabei als interessant einzustufen, aber keineswegs praktisch. Wie Fräulein Teresa richtig bemerkte, scheint es sich hierbei um einen Ort zu handeln, an dem man sich eher Abends die Zeit mit einem Buch und einer Gerstenkaltschale auf einer Couch vertreiben kann.

Die Anwesenden ließen sich trotzdem nicht von diesen Umständen abschrecken und bestellten am Tresen ein Frühstück. Das war bedauerlicherweise kein Problem, denn das Angebot ist – um es diplomatisch Auszudrücken – übersichtlich. Es gibt die Auswahl zwischen Haselnuß-Tofu-Baguette, Mozarella-Baguette, Croissant und Käsebrot. Außerdem Tees und Kaffee, letzterer sogar in einer Aeropress-Version.

Während der Milchkaffee (2,60), welcher, das soll an dieser Stelle auf besonderen Wunsch von Frl. T. noch erwähnt werden, in Bechern ohne Henkeln serviert wurde, sich als schlicht, aber gut erwies, stellte sich die Aeropress-Variante als dünnes Plörrchen heraus. Auf einer Meta-Ebene lässt sich also feststellen, dass hier eine weitere Zubereitungsform des göttlichen Koffeingebräus so verwässert wurde, dass sie in diesem Kontext als durchgehipstert bezeichnet werden muss.

Frühstückstisch im leuchtstoff

Aeropress, groß (2,40), Croissant (1,00), Mozarella-Baguette (3,20), Käsebrot (2,60)

Die zubereiteten Mahlzeiten fallen nach Aussage der anwesenden Experten in die Kategorie „Kann man mal machen, ist aber nichts Spezielles“. Während die Frische und die frische Zubereitung lobend erwähnt sollen, fehlt doch das gewisse Etwas. Und Fleisch. Schon die Verwendung des Begriffs „Käsebrot“ lässt auch hier wieder auf den gentrifizierenden Einfluß der mainstreamkritischen Hipsteria schließen.

Wir wollen aber auch der Vollständigkeit halber erwähnen, dass das kleine, aber eben nicht perfekte Angebot möglicherweise einen Neulingsbonus zur wohlwollenden Betrachtung verdient hätte. Ob sich Besserung einstellt, können nur weitere Feldversuche zeigen, von denen nicht unbedingt abgeraten wird.

Zweiter Versuch: Doppelter Espresso Macchiatto (2,20) an Cafe Latte (2,60)

Zweiter Versuch: Doppelter Espresso Macchiatto (2,20) an Cafe Latte (2,60)

Die Expertengruppe bestellte sich bei dem nach Politikwissenschaftsstudent im 10. Semester aussehenden Barista einen weiteren Milchkaffee und einen doppelten Espresso Macchiato. Leider folgte nach der Aeropress-Enttäuschung die Espresso-Enttäuschung: Zu bitter! Zu allem Übel wechselte zu diesem Zeitpunkt die musikalische Untermalung von hippem Berliner Minimal zu (viel zu) aufgeregten afrikanischen Klängen.

Es soll jedoch an dieser Stelle die angenehme, verpeilte Freundlichkeit der Betreiber erwähnt werden. Sind die beiden jungen, bebrillten Männer zwar stets aufmerksam, wirken sie doch nicht ganz ausgeschlafen. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit der dynamisch schwankenden Qualität der koffeinhaltigen Heißgetränke, die sich auch auf die Macher auswirkt.

Alles in allem muss abschließend postuliert werden, dass der autodidaktisch anmutende Charme zwar sehr sympathisch ist, aber eben auch noch Spielraum für Verbesserungspotential hat. Ein Besuch lohnt sich für alle abenteuerlustigen Frühaufsteher, da der Laden unter der Woche schon ab 8 Uhr geöffnet hat, die auf der Suche nach einem erhöhten, aber weichen Sitzplatz sind und deren Tagesmotivation nicht nur am ersten oder zweiten Kaffee hängt.

Disclaimer: Auch wenn eine Interpretation einer Hipsterabneigung aus diesen Zeilen herausgelesen werden könnte, muss natürlich betont werden, dass dieses Werk nicht hätte verfasst werden können, wenn es nicht zumindest teilweise Überschneidungen des hier nicht wirklich angeprangerten Lebensstils mit allen Anwesenden der Autorenschaft geben würde.

leuchtstoff – Kaffeebar
Siegfriedstr. 19, 12051 Berlin
0177/1961512
leuchtstoffk.de

 

  1. Frühstücken im öffentlichen Raum, vertreten durch Fräulein Teresa und den ehrenwerten Autor []

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Goldberg

Um Gottes willen[1]! Wir waren anscheinend noch niemals zum Frühstück im schönen Neukölln! Aber das sollte sich an einem denkwürdigen Tag ändern, an dem das Goldberg in der Reuterstraße zum Treffpunkt[2] auserkoren wurden.

Schon der erste Eindruck schien alle Vorurteile, die man als satter Friedrichshainer so haben kann, bestätigen zu wollen. Vor dem Etablissement begegnete der Tester einer jungen Frau, die dem Aussehen nach mit dem BTMG[3] in Konflikt stand. Auch das Goldberg selber bot auf den ersten Blick eine sorgfältige Auswahl angegammelter Chiqué, einen recht modrig riechenden Nebenraum und einen Betreiber, der durchaus als Antagonist eines Horrorfilms gut ausgesucht wäre. Aber alles kam anders.

Kännchen Darjeeling im Goldberg

Kännchen Darjeeling 2,60 €

Der seltsame bleiche Mann in Hoodie und Sonnenbrille war nicht nur aufmerksam und freundlich, er brachte den Tee nach einer äußerst angemessen kurzen Zeit so, wie er sein soll[4]. Nicht nur das, der Tee schmeckte auch noch gut. Solchermaßen gut eingestimmt begab es sich, dass die zweite Versuchsperson alsbald auftauchte und sich von der Karte einen Milchkaffee bestellte, der auch prompt und in ebenso guter Qualität an den Tisch geliefert wurde.

Nun war es Zeit für das eigentliche Ziel der Goldbergbesteigung: Das Frühstück. Nach langem Überlegen und kurzer Entschlossenheit orderten die Expeditionsteilnehmer eines jener Frühstücke, das der Lokalität den Namen gab und eines jener Frühstücke, das seinen Namen den Menschen verdankt, die pünktlich um fünf Uhr einen Tee zu nehmen pflegen.

Frühstücke im Goldberg

Vorn: Goldberg (7,60 €). Hinten: Englisches Frühstück (6,50 €)

„Halt!“, rief da sofort der unsichtbare, aber dennoch stets anwesende Restaurantkritiker. „Wo ist denn der Bacon?“ Doch jene vorlaute Person verstummte sofort, als nur wenige Augenblicke später frisch angebratener Bacon wie von Zauberhand den Tisch erreichte.

Frischer Bacon im Goldberg

Frischer Bacon

Nach diesem Vorfall waren auch die letzten Bedenken ausgeräumt. Beide Mahle mundeten vorzüglich und wurden durch den Verzehr weiterer Heißgetränke, die stets schnell und wohlzubereitet kamen, obwohl sich der Laden mittlerweile merklich gefüllt  hatte, abgerundet.

Die Expedition war von der Qualität sogar so begeistert, dass sie sich – allen Bedenken zum Trotz – noch einen zweiten Gang in Form eines Stückes New York Cheesecake einverleibte.

Cheesecake & Heißgetränke im Goldberg

New York Cheesecake (2,80 €), Kaffee (1,70 €), Milchkaffee (2,50 €)

Der weitere Verbleib wurde nur dadurch unmöglich gemacht, dass dringende weitere Terminierungen durch einen andauernden Aufenthalt verhindert worden wären. Gerüchteweise soll sich das Goldberg im Laufe eines ganzen Tages als sehr wandlungsfähig erweisen. Von der durchaus empfehlenswerten Frühstückslokation, die für alle geeignet ist, die gut frühstücken wollen, metamorphiert der Laden in eine gemütliche Kneipe, in der man durchaus seine x Biere[5] in entspannter Athmosphäre zu sich nehmen kann.

Ob dem wirklich so ist, konnten wir wie gesagt nicht genau herausfinden, empfehlen aber den getreuen Leser das Goldberg schnell aufzusuchen, möglichst noch bevor das Viertel und damit auch diese Oase für Frühstücker durch eine mit Sicherheit bevorstehende Schwabisierung zerstört wird.

Goldberg
Reuterstraße 40, 12047 Berlin
Telefon: 030 / 53 06 99 28
www.goldberg-bar.de

Sämtliche Bilder befinden sich in höherer Auflösung auch noch an dieser Stelle. Dort ist auch das Butterfäßchen zu bewundern.

  1. Ja, ich gebe zu, dass musste ich nachschlagen. []
  2. Es trafen sich dort der unvergleichliche John Goldtrain und monoxyd []
  3. Bissiges Tierchen muss Gassi []
  4. Also loser Tee in einem Beutel []
  5. x >= 3 []

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Sowohl als auch

Es begab sich aber zur Zeit, daß die jungen Helden[1] gedachten, ein gemeinsames Frühstück einzunehmen und dazu das Ben-Uschi & der Papst auserkoren. Es begab sich aber zu dieser Zeit auch, daß eben jenes Etablissement durch ein Kasperletheater ersetzt worden ward. Unverdrossen zogen die jungen Helden weiter zu Anna Blume, die sie jedoch wiederum schnöd wegen Überfüllung zurückwies.
Abgeschlagen, abgebrannt und fast verhungert landeten die beiden Streiter im „Sowohl als auch“, welches schon in grauer Vorzeit von anderen Eßtestern vorgeprüft worden war. Nichtsdestotrotz setzten sich die Protagonisten und suchten aus der Speisekarte, die über ein wohlfeiles Inhaltsverszeichnis verfügte, je einen Tee heraus. Für Don Quijote gab es Breakfast Tea, für den getreuen Sancho eine aus Kräutersud gekochte Teemischung.
Sowohl als auch - Tee
Hocherfreut wurde nach einer äußerst akzeptablen TTT[2] festgestellt, daß die Gebräue in großen Tassen serviert und lose in papiernen Beutel präsentiert wurden. Der Preis von zwei Goldstücken und achtzig Kupferlingen scheint daher nicht ungerechtfertigt. Derart aufgeheizt wurde erneut die Karte zur Mahlwahl studiert.
Aus der üppigen Frühstücksgewinnpalette wählte Mr. Smithers das „Osloër“ (7,90 €)[3], Dr. M. Burns hatte sich hingegen vorgenommen, seinen Magen mit einem „Sylter“ (7,20 €)[3] vollzuschlagen. Gesagt – getan. Noch weit bevor der Tee alle war, erschienen auch schon zwei übersichtlich befüllte Teller mit totem Meeresgetier.
Sowohl als auch - Osloër
Obwohl die Übersichtlichkeit der Teller Stirnrunzeln hervor rief, wurden beide Esser wohl gefüllt, kommen allerdings nicht umhin, die fehlende geschmackliche Abwechlsung zu bemerken. Die Vermutung liegt nahe, dass das tote Meeresgetier industriell verarbeitet und auf den Teller verbracht wurde. Kein Grund zur Beschwerde, aber von einem Geschmackserlebnis kann und soll an dieser Stelle nicht gesprochen werden.
Sowohl als auch - Sylter
Das anwesende Volk entsprach dem seit unserem letzten Besuch deutlich veränderten Gentrifikationsmaß im Kiez[4] und führte zu einer beschleunigten Nahrungsaufnahme. Unterstützt wurde dieser Eindruck durch die sanft-süß-säuselnde Fahrstuhl-Muzak. Der Blick in die Kuchenvitrine verzögerte die frühen Abreisepläne noch ein wenig und führte schließlich zum Erwerb eines Stücks Schoko-Sahne-Schnitte, ähhh, -Torte.
Sowohl als auch - Schokosahnetorte
Während die SSS einen guten Schokoladisierungseffekt erzeugte, enttäuschten die dazu bestellten koffeinhaltigen Heißgetränke. Während der bestellte Espresso durch Aufhäufung eines kleinen Zuckergebirgens durchaus genießbar war, war der Milchcafé eher ein spröder kaffffe, den auch größere Schwünge Zuckers nicht retten konnten.
Farsid: Unter den an diesem Morgen besuchten Eßstellen hat das „Sowohl als auch“ einen wohlverdienten dritten Platz eingenommen. Sollte es das verehrte Publikum in dieses Etablissement verschlagen, hat es nichts Böses™ zu befürchten. Allerdings fällt uns auch gerade kein gewichtiger Grund ein, das „Sowohl als auch“ als explizite Wahl einer Befrühstückung zu empfehlen. Möglicherweise ändert sich diese Beurteilung aber, sobald die Sonne es ermöglicht, die Mahlzeit vor dem Café einzunehmen. Wir werden berichten.
Sowohl als auch
Kollwitzstr. 88, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 442 93 11
www.tortenundkuchen.de
  1. Nicht mehr ganz so jung: erdgeist. Trotzdem heldenhaft: monoxyd. []
  2. Time To Tea []
  3. Wir können für die Preise nicht garantieren, da sie aus dem Gedächtnis angegeben werden. [] []
  4. Windows-NET-Umhängetasche eines glatt-gegelten Herren []

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