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Nest

Das Nest

Das Nest

Teilen des Frühstücksteams[1] sind viele in Berlin verfügbare Frühstückslokalitäten bekannt. Aber nur deswegen, weil sie den größeren Teil ihres Medienelitenbohemianlebens zu späterer Stunde mit alkoholischen Getränken an ebenjenen Orten verbringen, die es einfach versäumen nach der Frühstückszeit ihre Pforten zu schließen.

Das in Kreuzberg ansässige Nest gehört, genau wie das Bateau Ivre, zu diesen Orten. Für unsere Leser sind aber keine Mühen zu klein, deswegen wurde zu nachtschlafender Zeit (das Nest öffnet um 10:00 Uhr) der Rand des Görlitzer Parks besucht, um die übersichtliche, aber wohlsortierte Frühstückskarte des Nests zu durchforsten.

Milchkaffee (2,80 €) und Darjeeling (2,20 €)

Milchkaffee (2,80 €) und Darjeeling (2,20 €)

Ein Erlebnis, dass sich als ambivalent herausstellen sollte. Schon die erste Lieferung Heißgetränke kann dafür als Beispiel herhalten. Während der Darjeeling zwar lose im Beutel angeliefert wurde[2], entpuppte sich der Milchkaffee als wässrig. Also so, dass die herzkranke Großmutter vielleicht ihren Hochgenuß daran gefunden hätte, aber der unterkoffeinierte Berufsjugendliche einer schlimmen Zumutung ausgesetzt war.

Nichtsdestotrotz wurden in selten synchroner Simultanübereinstimmung „Gemischte Frühstücke“ bestellt, die jeweils durch ein gekochtes Ei und in einem Fall noch durch ein Zusatzcroissant[3] erweitert wurden. Noch bevor eine Bewertung der Verspeisung vorgenommen werden konnte, fiel auf, dass die gut bestückte Frühstücksplatte keinen Platz mehr für eine Auf- und Belegung der mitgelieferten Teigwaren bot, so dass ein zusätzlicher Teller wohl angebracht gewesen wäre.

Gemischtes Frühstück (6,40 €) mit Ei {1,20 €) und Croissant (1,50 €)

Gemischtes Frühstück (6,40 €) mit Ei {1,20 €) und Croissant (1,50 €)

Das Frühstück selbst entpuppte sich als akzeptabel mit kleinen Abstrichen. Menge und Auswahl waren zwar völlig zufriedenstellend, aber leider stellte sich heraus, dass den anwesenden Wurst- und Käsespezialitäten leider das Spezielle fehlte. Vielmehr muss unterstellt werden, dass sie aus einer handelsüblichen Supermarktplastikpackung entnommen wurden, wie sich an dieser bildlichen Darstellung eines Käselappens sehr gut nachvollziehen lässt.

Käse, lapprig

Käse, lapprig

Aber bevor sich allgemeiner Hass breit machen konnte und das Nest von einer Welle gerechten Zorns durchfegt wurde, beruhigte das mitgelieferte Ei die erhitzten Gemüter. Es muss neidlos postuliert werden, dass  in den Weiten der Berliner Frühstückswelt selten eine Hühnerperiode so perfekter Konsistenz serviert wurde.

Frühstücksei perfekter Konsistenz

Frühstücksei perfekter Konsistenz

Dermaßen hochgradig verwirrt und trotz abwertender Tendenzen unentschlossen, wurde ob eines endgültigen Urteils ein Kleinod bestellt, dass den Frühstückgast zwischen den herkömmlichen Morgenmahlzeiten aus der Karte anlacht. Arme Ritter. Mit Apfelkompott. Schlimmes Resteessen oder kulinarische Offenbarung? Das auswurfartige Foto lässt nichts Gutes vermuten und auch die getrockneten Bananenscheiben sorgten bei der Hälfte aller befragten Testsubjekte für Irritation und Unbehagen.

Arme Ritter mit Apfelkompott (4,20 €)

Arme Ritter mit Apfelkompott (4,20 €)

Das Apfelkompott hätte zwar warm sein können, aber dennoch erfreute der winterliche, leicht zimtige Geschmack den Gaumen. Mit den herkömmlichen Armen Ritter hat das aber nur entfernt zu tun, es handelt sich eher um die Variante des Hofritters, der in vollem Ornat dem König zur Hand geht. Die Grundlage ist dieselbe, aber das Ergebnis dennoch ein anderes. Aber wie gesagt, eine gute, süße Bereicherung eines jeden Morgens.

War es also doch möglich, hier ein vollkommenes Frühstück zu erstehen, wenn es nur gelingt die gefährlichen Klippen der Mittelmäßigkeit zu umschiffen? Ein letzter Heißgetränketest sollte Klarheit bringen.

Kaffee (1,80 €) und Doppelter Espresso Macchiato mit Sojamilch (3,00 €)

Kaffee (1,80 €) und Doppelter Espresso Macchiato mit Sojamilch (2,70 €)

Der Kaffee wurde zwar etwas undurchsichtiger geliefert, war aber leider immer noch zu dünn. Ob hier heimlich Homöopathen am Werk sind? Auch der Espresso konnte keinen Gefallen finden. Er war zwar stark genug, aber zu sauer. Wie gesagt: Das Nest ist ein ambivalentes Erlebnis.

Wer sich an edlen Armen Rittern, perfekten Frühstückseiern und leckerem Tee erfreut, kann hier in sehr angenehmer Atmosphäre einige gemütliche Morgenstunden verbringen. Für einen großen Frühstücksrundumschlag oder fortgesetzten Kaffeegenuß sollte dennoch ein anderer Ort aufgesucht werden.

Was allerdings nicht verschwiegen werden soll: Ab Mittag ändert sich das Bild, da sich das Nest auf das Zubereiten warmer, einfacher Mahlzeiten ungleich besser versteht, als auf die frühen Morgenstunden. Im Berlin Lunch Blog bekäme das Nest also durchaus eine gute Empfehlung, die nicht von so vielen Einschränkungen begleitet ist, wie dieser Bericht. Aber das ist eine Geschichte, die an anderer Stelle erzählt werden muss.

Für kurzes Amüsement sorgte das Schild mit einem durchgestrichenen Kinderwagen und der Aufschrift „Alle Parkplätze belegt.“ Was wie die diplomatischste Variante des Barner Pollers wirkt, die uns jemals begegnet ist, entpuppte sich aber tatsächlich als freundlich gemeinter Hinweis: Beim Verlassen des Lokals waren keine Kinderwagen mehr zu sehen und dementsprechend das Schild auch weg.

Das Nest
Görlitzer Str. 52, 10997 Berlin

030 627 357 87
cafenest.de

PS: An diesem Ort entstand übrigens das Bild, dass seitdem traditionsgemäß als ikonifizierter Avatar des Autors gilt.

  1. We are looking at you, Teresa. []
  2. wir wollen an dieser Stelle gnädig darüber hinweg sehen, dass sich der Beutel bereits in der Tasse befand []
  3. beides kostenpflichtig []

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Bateau Ivre

Schon beim Betreten des Ladens, der wie eine Mischung aus aufgeräumter Rumpelkammer und großzügiger Kemenate wirkt, wird klar: Hier erwartet den Besucher der entspannt-kumpelhafte Charme dessen, was Touristen und vor weniger als zehn Jahren Hinzugezogene für authentischen Kreuzberger Stil halten. Die Bedienung wird noch von Erwachsenen erledigt, die Scheiben könnten mal geputzt werden, Tischdecken sind unnötig.

Den besonderen Kreuzberger Charme beweist eingangs einer der Gästebetreuer (mit Hut), der einem Teil des Dokumentationsteams[1] sofort auf die Pelle rückt, als dieser versucht, ein Panoramabild der Örtlichkeit zu erstellen: „Du mußt aber fragen, bevor Du den Leuten die Gesichter klaust!“ Hier herrschen noch diskrete Sitten, hier kümmert sich der Wirt noch um die Belange seiner Kunden. Entsprechend haben wir selbstredend die Gesichter im Panoramabild unkenntlich gemacht.

panorama-blick

Nehmt Euch ein Vorbild an uns.

Fortan scheint es, als hege der Schankwirt einen empfindlichen Groll gegen den Fotographen, doch bevor der sich einen Sekundanten besorgt, wird doch noch eine Bestellung entgegengenommen. Kamillentee, und zwar nicht im schnöden Papierbeutel, sondern frisch und lose, wie es sich gehört.

kamillentee

Kamillentee: 2,30 €.

Derart gut gestimmt wird das eigentliche Frühstück geordert. Die Auswahl in der Karte ist hier, wir sagen wir es mal diplomatisch, übersichtlich. 46halbes mutige Frage nach einem Rührei, das auf der Karte nicht zu finden ist, wird mit einer Absage quittiert. Doch eine schlanke Karte ist ja oft ein ansprechendes Zeichen einer Küche, die sich auf die wesentlichen, aber dafür guten Dinge konzentriert. So auch hier, denn das Essen findet schon nach wenigen Minuten seinen Weg zu unserem Platz, allerdings etwas anders, als sich die Expeditionsgruppe das vorgestellt hat.

Vor 46halbes Nase manifestiert sich ein köstlich aussehender, aber leider nicht bestellter Joghurt mit Früchten, den sie sogleich ins Herz schließt. Der Fotobeweis zeigt die optischen Reize:

fruechte-joghurt

(Unbestellte) Früchte mit Joghurt: 4 €.

Mit Gegenwehr reagiert sie auf die versuchte Wegnahme des Joghurts, was verhaltenspsychologisch in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit ist. monoxyd kann zwar nicht an sich halten und erklärt dem Kellner, daß wir das nicht bestellt hätten. Doch 46halbe kann mit geübtem Rehblick genug Überzeugungskraft aufbringen, um den Joghurt behalten und verspeisen zu dürfen.

franzose

Frühstück „Der Franzose“, 3,80 €.

Das von 46halbe regulär bestellte Frühstück „Der Franzose“ ist ein frugales Mahl, nur bestehend aus einem Croissant, etwas Erdbeermarmelade, dazu Butter und ein Milchkaffee inklusive. Zusätzlich gibt es ein Stück in Scheiben geschnittenes Baguettebrot. Für 46halbe ist es der perfekte Morgen, allerdings nur, weil auch der Joghurt seinen schicksalhaften Weg zu ihr gefunden hat.

Nach dem Essen wird sogar noch ein zweiter Milchkaffee (2,30 Euro) bestellt, auch weil die entspannte Atmosphäre, das eingespielte und freundliche Service-Team zum Verweilen anregt. Trotz anwesenden Hunden, Babies und laufender Musik ist es nicht wirklich laut im Laden, sondern in normaler Gesprächslautstärke zu weiteren Heißgetränken einladend.

wurstfruehstueck

Wurstfrühstück, klein: 5 €.

Da monoxyd von vornherein klar ist, daß ein frugaler Franzose lediglich eine Ergänzung sein kann, bestellt er ein Wurstfrühstück in der kleinen Variante. Anfängliche Bedenken, es könne sich hier um einen carnivoren Minimalteller handeln, zerstreuen sich ebenso schnell wie die Befürchtung, daß hier billige Plastewurst gereicht wird. Es handelt sich vielmehr um eine ansprechende Menge fleischlicher Genüsse, die höchst zufriedenstellend aussehen und schmecken.

Bemerkenswerterweise gibt es dieses Frühstück auch noch in „mittel“ und „groß“ sowie in den Ausprägungen „Käse“ und „gemischt“, hier ist also für jeden nicht-veganen Geschmack ausreichend gesorgt. Als ebenso positive Überraschung erweist sich das zusätzlich georderte Frühstücksei, das in Kochzeit und Konsistenz der Perfektion erstaunlich nahekommt.[2]

ei

Ei, gekocht: ein €.

Mit anderen Worten: Die Speisen sind ein voller Erfolg und machen den natürlichen Kreuzberger Charme und anfängliche Irritationen mehr als wett, und auch die koffeinhaltigen Heißgetränke sind annehmbar bis gut. Um uns herum bemerken wir allerdings andere Frühstücksgewohnheiten: Wie Ur-Kreuzberger wirkende Gestalten bestellen statt Kaffee und Brötchen einfach Rotwein und Wasser. Kann natürlich auch sein, daß das als Touristenattraktion nur simuliert wird. :}

Hingehen sollten alle, die sich mit einem guten, kräftigen Frühstück, Überraschungsservierungen, Laptop-freien Stunden und einer gewissen Punk-Attitüde anfreunden können. Letzteres ist weit mehr als leeres Geschwafel, was ein kurzer Blick in die Sanitäranlagen zeigt, der beweist, daß hier der Begriff „Porzellanthron“ wörtlich genommen wird, denn etwaige frei schwenkbare Auflagen zur Bequemlichkeit wurden vollständig entfernt. Ob das damit zu tun hat, daß Gäste, die schon in den frühen Morgenstunden dem ein oder anderen Glas Wein nicht abgeneigt sind, keine Seltenheit zu sein scheinen, müßte allerdings in einer Langzeitstudie untersucht werden.

Bateau Ivre
Oranienstr. 18, 10999 Berlin
Tel. (030) 614 03 659
Außenansicht

  1. 46halbe war mit monoxyd unterwegs, der nichtsahnenderweise die Kamera schwang. []
  2. Das Weiße hart, das Gelbe weich, aber nicht zu flüssig. []

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Milch & Zucker

Das Milch & Zucker ist einer der Klassiker, den wir schon lange mal hier im Blog besprechen wollten. Das liegt daran, daß man eigentlich mindestens einmal im Monat zwangsweise in der Oranienstraße vorbeikommt.[1] Es gibt da Netz, Kaffee und Kuchen, den wir heute stellvertretend für Euch probiert haben.[2] Näheres dazu erfahrt ihr im Podcast, und auch, warum 46halbe bei Bärten Fersengeld gibt.

Obst, Beerentörtchen und Brownie

Obst, Beerentörtchen und Brownie.

Aber der Reihe nach: Das Milch & Zucker ist eine der Kaffeebars, die – genau wie das Internet, von dem in letzter Zeit alle reden – immer häufiger im Berliner Stadtbild auftauchen. Bestellt wird an der Theke, an der auch sofort bezahlt wird. Die TTT ist demzufolge als instantan zu bezeichnen. Neben den üblichen Heißgetränken, die auch in Puschenversionen offeriert werden,[3] gibt es auch belegte Brotsachen aller Arten und Weisen, eine große Auswahl an Frischgetränken[4] sowie Backwaren, Müsli und Obstsalat.

Latte Machiatto (Single)

Latte macchiato (2,40 Euro).

46halbe orderte den einen oder anderen Latte macchiato sowie einen Kuchen, der einfach ansprechend aussah, dessen Zusammensetzung aber weniger von Bedeutung war. Natürlich ißt das Auge bekanntermaßen mit, was also schon aussieht wie eine Vogelscheuche mit Affenschaukel, wird erst gar nicht bestellt. Die ausgesprochen freundliche Bedienung klärte uns später auf: Es war ein Karottenkuchen. Doch Vorsicht! Diese Art Kuchen vergrößert sein Volumen exponentiell nach dem Verzehr.

Karottenkuchen (ganz)

Karottenkuchen (2,50 Euro).

Im Milch & Zucker sitzen um einen herum meistens klickende Computerbesitzer und ein paar Anwälte der Sorte, die keinen Schlips trägt – man ist schließlich in Kreuzberg. Im Sommer sind vor dem Lokal an der vielbefahrenen Oranienstraße auch draußen ein paar Tische aufgebaut. Da dies bei der derzeitigen Witterung nicht der Fall ist, kann es zu Stoßzeiten durchaus recht voll sein.

Karottenkuchen (halb)

Der Karottenkuchen hatte es in sich: Durch die spontane Verdreifachung seines Volumens kurz nach dem beginnenden Verzehr konnte er nur etappenweise verspeist werden.

Im Gegensatz zur nur mäßig eßbereiten 46halbe, die aufgrund ihrer geringen Nahrungsaufnahme auch so aussieht, ließ sich Jeck Pixelbrei nicht lumpen und orderte für den ersten Gang einen Focaccia[5] mit Rosmarinschinken und einem Darjeeling-Tee. Die Preise können nicht mehr genau angegeben werden, betragen aber in der Regel zwischen zwei und drei Euro.

Darjeeling, Focaccia und Uhrzeit

Darjeeling und Focaccia.

Der Focaccia zeichnete sich durch äußerste Leckerhaftigkeit aus, was dazu führte, daß er innerhalb kürzester Zeit verspeist wurde. Besonders gelobt werden soll an dieser Stelle die gute Qualität des Schinkens und das kleine, aber sehr mundende Detail der Trockentomate.

Hingehen sollten alle, die auf kuchenartige Kalorienbomben stehen oder einfach nur in der Oranienstraße vorbeilaufen, denn koffeinhaltige Heißgetränke zum Mitnehmen werden auch offeriert.

Milch & Zucker, Oranienstraße 37
Tel. 030 / 61 67 14 97
Die Außenansicht bei Flickr

  1. Gerüchteweise ist das eines der Büros von Jeck. []
  2. Und zwar nur, weil wir uns für Euch, die geehrten Leser, vollgefressen haben, um auch ja ein wohlfundiertes Urteil für Euch zu fällen. []
  3. koffeinfrei und/oder mit Sojamilch bzw. laktosefrei – lecker! []
  4. Zum Beispiel: Club-Mate. Das gehört wohl mittlerweile zum guten Ton. []
  5. Immer dieses neumodische Zeug. Das heißt eigentlich schlicht und simpel: Fladen. []

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Morgenland

Heute wird in unserem kleinen, hoffentlich nutzbringenden Blog mal wieder ein Lokal besprochen, dessen geographische Lage in die Kategorie „gut erreichbar“ fällt. Man kommt also dauernd dran vorbei: das Morgenland in der Skalitzer. Der Besuch diesmal war nicht zufällig, denn zeitgleich mit dem Frühstückstest wurden die Qualitäten des Etablissements für Arbeitsbesprechungen im weitesten Sinne erforscht.

Als wir[1] eintraten, fiel uns zunächst auf, daß der ganze Laden vollgestopft mit Mobiliar war. Das Ambiente war durchaus einladend, man hatte nur erhebliche Mühe, zu einem der Tische zu gelangen.[2] Da es zudem recht voll war, hatten wir verdammtes Glück, einen schönen Platz am Fenster okkupieren zu können. Leider war die Stimmung noch aus einem anderen Grund eingangs gedrückt:

steuer-ID              

Kostenlos, nicht ungefährlich und schlechte Laune machend: die Steuer-ID.

Stefan und 46halbe warteten zunächst vergeblich auf Andrea – also mußte zu zweit bestellt werden. Wir entschieden uns nach nur kurzer Durchsicht der Karte für das „Frühstück Paris“ und das „Italienische Frühstück“, dazu eine Schokolade und abweichend von den Gewohnheiten einen Milchkaffee, beides jeweils für 2,50 Euro.[3] Die nach einer halben Stunde endlich eingetroffene Andrea war nicht dazu zu bringen, ein drittes Frühstück zu testen. Sie entschied sich ehern für das „Italienische Frühstück“.

Als gegrilltes Gemüse warteten nun auf beide Paprika und Zucchini, dazu leckere getrocknete Tomaten und Salami milanese:

italienisches fruehstueck              

Das „Italienische Frühstück“ für 7 €.

Außerdem waren noch dabei: Zwiebeln, die allerdings etwas länger hätten eingelegt sein dürfen, Gorgonzola, Parmesan und Mozzarella sowie Schinken.[4] Stefan war begeistert („Super, fantastisch!“), meinte aber dann doch, daß es zwar leider etwas zu fettig, aber dafür lecker knoblauchig war.

fruehstueck paris               

Für das Frühstück „Paris“ sind 5 € fällig.

46halbes „Paris“ erfüllte die Erwartungen ebenfalls: Der Quark war köstlich und wurde mit Mango, Trauben, Orangen-, Grapefruit- und Melonenstückchen versüßt. Dazu wurde ein Crossaint mit Butter und Marmelade gereicht. Genau, was 46halbe vorgeschwebt hatte.

Nach dem genüßlichen Mahl folgten allerdings so einige Flausen der Bedienung, die das perfekte Frühstücksgefühl nicht recht aufkommen lassen wollten:[5] Im Morgenland findet kein Abräumen statt.[6] Nach einer halben Stunde vor leeren Tellern bequemte sich der Kellner wortlos an unseren Tisch.[7] Und hey, man kann auch dann, wenn man nicht gefragt wird, laut sagen: „Ja, es hat geschmeckt. Vor einer Stunde.“[8]

Hingehen sollten alle, die auch ein für Kreuzberger Verhältnisse Yuppie-eskes Ambiente verkraften, aber wenig Zeit für leckere Frühstücke haben und daher ihr Geld direkt nach dem Essen auf den Tisch hauen, gehen und daher nicht auf das Abräumen warten müssen und die im Winter mit leichter Zugluft um die Waden klarkommen.

Morgenland Skalitzer Straße 35
Tel. (030) 611 32 91
Außenimpression im Sommer

  1. Diesmal war eine Dreiertruppe – bestehend aus Stefan, Andrea und 46halbe – als gemeinnützige Testpersonen unterwegs. []
  2. Lustigerweise hatten wir ziemlichen Spaß dabei, neuankommende Gäste dabei zu beobachten, wie sie ebenfalls versuchten, sich an den vielen Tischen und Stühlen vorbeizuquetschen. :} []
  3. Na? Wer hatte wohl was? []
  4. Es schmeckte wie Parmaschinken, war aber keiner. []
  5. Dazu kamen die Diskussionen um die adäquate Frisur bei männlichen Gesichtshaarträgern und um gegauckte Akten, aber die müssen hier aus Platzmangel entfallen. []
  6. Wir sinnierten schon, ob wir ein „Geschirr hier“-Schild übersehen haben könnten. []
  7. Damit ist auch die Frage klar, ob man dort eine halbwegs passable Arbeitsbesprechung mit etwaigen Notizen machen kann. *seufz* []
  8. Wir haben das aber nicht so gesagt. []

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Filed under À la carte, Kreuzberg

Cream

Die Schlesische Straße kennt man. Als Berliner fährt man im Schnitt mindestens zehnmal durch im Monat. Es gibt da also nichts zu entdecken, was man nicht vom Auto oder vom Fahrrad aus bereits gesehen hätte? Oh doch – das Café Cream.

Das „Cream“ liegt etwas unauffällig am Wegesrand der Schlesischen Straße in der Nähe des U-Bahnhofes Schlesisches Tor an der Skalitzer. Wir[1] waren zuvor noch nie in dieser Kaffeerösterei, obgleich man Orte, wo es frischen, guten Kaffee in Berlin gibt, kennen sollte. Ich kam allein etwas früher als die beiden an und wurde freundlichst begrüßt. Eine taz und die ausgedehnte Lektüre der Speisekarte half mir über die Wartezeit.

Frühstück „Alles Wurst“ für 6,90 €.

Ich hatte also meine Entscheidung bereits getroffen, als die beiden dazukamen. Der obligate Latte macchiato, der hier 3,10 Euro kostet, stand schon lange auf dem Tisch. Das Frühstück „Alles Wurst“, was mich als ehemaligen Zoni aufgrund der Namensgebung irgendwie an FDGB-Abendbrotbuffets erinnerte, gesellte sich dazu, wobei das Affenfett fehlte. Es gab dafür aber Putenbrust, Serranoschinken, Pastirma, Salami und ein paar Gurken. Zwar war kaum Obst dabei, dafür jedoch die ständigen Tomaten-Begleiter. Aber alles schmeckte lecker und frisch und wurde durch freundliche Servierer mit merkwürdigen Bärten gereicht.

Hedwig und Michael konnten sich zunächst nur schwer entscheiden, nachdem die Heißgetränke bestellt waren. Mag sein, daß meine wieder mal etwas übersteigerte Mitteilungsfreude ihre Konzentration auf die Speisekarte nicht eben beförderte. Sie hätten allerdings dann auch feststellen müssen, daß die deutsche Rechtschreibung nicht gerade die Stärke des Karten-Entwerfers war. Das gibt mindestens zwei Punkte Abzug auf der Gastronomiewertungsliste.

Das mediterrane Zwei-Leute-Frühstück für 12,90 €.

Auf das mediterrane Frühstück für zwei fiel dann die Wahl, dazu gehörten zwei gekochte Eier. Beide gaben übereinstimmend an, daß alles gut geschmeckt hätte, jedoch „ohne Überraschung“ gewesen sei. Hm, was mögen sie erwartet haben? Glückskekse? Johannisbeerbeilagen?  Das mag sich der geneigte Leser selbst überlegen.

Mit dabei: Zwei Eier.

Als sehr angenehm am „Cream“ muß bemerkt werden, daß die Lautstärke des Abspielgerätes für die Musik angemessen leise war. Kein lautes Gedudel, dazu ein ruhiger Besuchermix aus vermuteten Anwohnern, jedenfalls in der Mehrzahl Berliner. Die ganze Atmosphäre kann als wirklich „kaffeehausig“ umschrieben werden. Hätten nicht anderweitige Termine gewartet, wären wir sicher gern noch ein halbes Stündchen länger geblieben.

Hingehen sollten alle, die selbstgerösteten Kaffee und Frühstück a la carte möchten, zur Abwechslung mal männliche Kellner als Bedienung vorziehen und denen nach einer durch und durch entspannenden Kaffeehaus-Atmosphäre ist. Und Kaffee kaufen nicht vergessen.

Cream, Schlesische Str. 6
Tel. (030) 610 74 980
Cream-Logo draußen am Haus

  1. Eine ganz neue Dreiertruppe war diesmal unterwegs. Leider konnten wir uns nicht sofort auf die aus Gründen des Privatsphäreschutzes nötigen Aliase der beiden neuen Tester einigen. Aber ich habe in Erinnerung, daß wir und geeinigt haben, daß wir 46halbe, Michael und Hedwig heißen. []

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Matilda

Der Graefekiez zwischen Südstern, Planufer und Kottbusser Damm in Kreuzberg ist ein weit attraktiveres Pflaster als gemeinhin bekannt. Das gilt insbesondere auch für ein Frühstück. Zwar ist der Nachmittag nicht die optimale Zeit dafür, aber das stets gut besuchte Matilda in der Graefestraße hat einen anderen Verkaufsschlager: Kuchen.

Schon beim Eintreten wurde das verwöhnte Ohr mit Musik im Stil von Vic Fontaine umweht. Wir[1] ergatterten ein Sofa im Hinterzimmer, ließen die Karte links liegen und bestellten nach kurzem Blick in die Kuchenvitrine zwei Stückchen Pflaumenstreusel nebst Latte macchiato.

Der spätere Blick in die Speisekarte zeigte übrigens so manche Überraschung: Nicht nur waren fünf Frühstücke im Angebot, auch gibt es jeden ersten Samstag im Monat ab 20.30 Uhr Bingo sowie immer sonntags gemeinsames Tatort-Gucken am Beamer! :}

Zwei latte

Latte Macchiato für je 2,60.

Die koffeinhaltigen Heißgetränke wurden freundlich und schnell serviert. Ulf quittierte die Qualität des Latte kurz mit der Bewertung „okay, wird durchgewunken“. Erfreulicherweise wurde auch das stets goutierte Wasser dazu gereicht. Schon wenig später kam der Streuselkuchen – dann allerdings vergaß die Kellnerin, daß wir da waren.

pflaumenstreusel mit sahne

Pflaumenstreuselkuchen mit Sahne für 2,70 €.

Ulf hatte den Streuselkuchen mit Sahne, der nach seinem Bekunden sehr gut schmeckte, allerdings ein bißchen zu kalt war. In warm und duftend wäre das Geschmackserlebnis noch vollkommener gewesen. Nunja, den hatte eben nicht Mama gebacken, sondern die Serviererin vor vielleicht zwei Stunden der Tiefkühltruhe entnommen.

Generell fehlte etwas der Gemütlichkeits- und Kuschelfaktor im Matilda. Es mag an der etwas düsteren Lichtsituation gelegen haben, die nur durch eine neben uns stehende Stehlampe mit Bommeln und etwas von draußen einfallendes Restlicht geprägt war. Überhaupt schienen die Möbel irgendwann in der Zeit zwischen dem Ende der Arbeit der Trümmerfrauen und dem Aufkommen von Telespielen für Fernseher erstanden worden zu sein. Dazu passend gab es leicht glänzende Wände in rauchgelb. Nach kurzer Debatte verständigten wir uns außerdem darauf, daß die unverzierten Wände dringend das Interieur ironisch brechende Kunstdrucke vertragen würden.

Nicht daß wir uns hier groß beschweren wollten – schließlich hilft eine spannende Unterhaltung über die Einrichtung leicht hinweg. Es ist vielleicht nur der vor der Tür stehende Herbst: Bekanntermaßen brauchen Menschen in dieser Zeit eben viel Licht.

streuselkuchen ohne sahne

Den Streuselkuchen gab es auch ohne Sahne.

Nachdem 46halbe ihren Streuselkuchen ohne Sahne ebenfalls verspeist hatte, mußten wir zwar auf das Abräumen und die weiteren Getränke ein Weilchen warten, blieben aber ob der ansonsten stets lächelnden Kellnerin frohgemut und entschlossen uns dann zu einem Verdauungsspaziergang.

Ausblick im Graefekiez

Umsonst: Ausblick am Planufer im Graefekiez.

Hingehen sollten alle, die in diesem Berliner Kiez täglich ab neun Uhr ein entspanntes Lokal zum Verweilen suchen und bereit sind, auch mal ein paar Minuten auf umfassenden Service zu verzichten. Wer danach noch zu Fuß die Gegend erkunden möchte, ist hier ebenfalls genau richtig.

Matilda, Graefestr. 12
Tel. 030 / 817 97 288
Außenansicht

  1. Mit der kulinarischen Mission waren heute Ulf und 46halbe betraut. []

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Salon Schmück

Sonntags frühstücken scheint in Berlin etwas besonders zu sein. Alle möglichen Cafés mit sonst ansehnlichem Angebot kommen auf die verwegene Idee, man wolle bloß wegen des Wochenendes plötzlich lieber selber aufstehen, Nahrung von unübersichtlichen Theken auf seinem Teller balancieren und um 15 Uhr noch die warmgehaltene Suppe vom Vormittag mit einer der nie ausreichen wollenden Hände umtopfen.

Umso angenehmer ist es, in ein Lokal zu stolpern, das einen versteht, im sonntagsmorgendlichen Kater abholt und mit der Selbstverständlichkeit des Kreuzberger Kiezpatriotismus die Karte mit „Dem Frühstück“ hinwirft. Und die Karten im „Salon Schmück“, in das wir[1] vor dem einsetzenden Sonntagnachmittagsregen flüchtend einkehrten[2], waren wirklich liebevoll gestaltet: PVC-Klappkärtchen in Stullenbrett- und rotem Krokodillederimitatsmuster versetzten uns gleich in die beschwingte Stimmung, die durch die eigenwillige Innenraumausstattung unterstrichen wurde. Uns begrüßten Setzkästen mit Matroschkas und sonstigem Tinnef, eine rot-braune runde Ledercouch in der Mitte des Raums, eine Kuchenvitrine und viele längst ausgestorben geglaubte Beleuchtungsgegenstände. Und wem noch immer zu „normal“ war, wurde spätestens durch die anderen Gäste mitgerissen, die – teils Murmeln auf ihrem Kopf balancierend, teils noch im Schlafanzug – alle herrlich schräg unterwegs waren.

Der Salon Schmück gibt sich innen verträumt.

Andrea, Kathrin und Anett waren vegetarisch unterwegs: Sie teilten sich zu dritt das „Alm Frühstück“ in der „Frühstück für Zwei“-Edition für neun Euro, dazu Milchkaffee für 2,30 Euro bzw. Latte macchiato für preiswerte zwei Euro. Dazu die obligatorischen Leitungswasser und Apfelschorle: 0,3l kosten hier ebenfalls zwei Euro. Anett probierte dazu den frischen Obstsalat für 3,50 Euro, Andrea die Bio-Eier mit Mozzarella und Tomate für 4,50 Euro. Die Getränkebestellung wurde zwar zuerst an der Bar verpeilt, dauerte aber nach einer Erinnerung[3] nur vier Minuten.

Das Essen war nach nur vierzig Minuten da, führte dann auch gleich zu schwungvollen Diskussionen zwischen den professionellen Testern auf der einen und den Damen vom Fach, die üblicherweise auf der anderen Seite des Tresens stehen: Ein wirklich gutes Frühstück zuzubereiten ist nämlich eine Heidenarbeit. Für frisch geschnippeltes Obst, Gemüse, schön arrangierten Käse, geschmackvoll drapierte Kräuter, passende Eibeilage, herrliche Mozzarella-Tomaten-Basilikum-Kaskaden – und das noch auf mehreren unterschiedlich verzierten Tellern gleichzeitig – kann und sollte man schon mal Geduld aufbringen.

Das Zwei-Leute-„Alm Frühstück“ (rechts) für 9 €, linkerhand das Bio-Ei vegetarisch für 4,50 €.

Das „Alm Frühstück“ präsentierte sich dann aber auch prachtvoll: Das Foto kann die „phänomenale“ (Anett) Pracht kaum wiedergeben. Zu den leckersten denkbaren Käsesorten (siehe auch die Karte) gesellten sich Advocado-Creme, Bio-Marmelade und als Krönung eine Schüssel voll zerlassenem Camembert zum Selberditschen. Der Brotkorb, den sich erdgeist mit den Alm-für-Zwei-lern teilen sollte, war hingegen ein wenig lütt – selbst wenn statt der hungrigen vier nur die geplanten drei Mäuler zu stopfen gewesen wären – und sollte durch einen weiteren für stolze 1,50 Euro[4] ergänzt werden. Die Funktion des im zweiten Brotkorb heimlich mitgelieferten Kühlschrankmagneten wurde uns auch nach längerem Überlegen nicht klar. Dessen Anwesenheit wunderte uns aber nach Anblick des Interieurs nicht mehr. Die Bio-Eier schmeckten deutlich leckerer als auf dem Foto zu erahnen – alles in allem war die Vegetarierfraktion mit ihrem Mahl mehr als zufrieden, Urteil: ausgewogen und günstig.

Links der Brotkorb, für dessen 3-Schrippen-Ersatz 1,50 € fällig wurden. Mitte: Ein 3 € Latte macchiato. Noch im Bild: Obstsalat richtig gemacht.

nitram brauchte zur Stärkung etwas herzhafteres: Er war mit einem Chili con carne und drei Bio-Rühreiern mit Käse und Schinken zu jeweils 4,50 Euro dabei. Das Rührei war – wie bereits angedeutet – durchweg lecker, das Chili hätte mit mehr Fleisch und vollständig heiß noch besser geschmeckt. Da nicht alle ihre Teller komplett leer aßen, war der für seine restlosen Vertilgungsfähigkeiten bekannte nitram ein echter Glücksgriff: Seine Schnitt- und Rühreibemmen-Kreation konnte der restlichen Kunst im Raum durchaus das Wasser reichen! Warum während des Frühstücks die Begriffe Moppelkotze und knorke aufgekommen sind, ist leider nicht mehr überliefert, bot aber einen unterhaltsamen Anfangspunkt für eine weitere Recherche, die zu spannenden Details über die Senatsreserve führte.

Chili con Carne für 4,50 €. Umsonst: sich aus den Resten kreative Bemmen basteln.

Da erdgeist schon leicht verkatert ankam und zu den fröhlich spielenden Kindern inkompatibel war, mußte er sich zusammenreißen, die ersten Eindrücke nicht zu hochzuhängen: Die Raumakustik war auch nach dem Verschwinden der Kleinen nur mit starken Nerven zu ertragen, die Musik[5] half nur wenig. Auf dem Tresen stapelte sich das Altgeschirr, und die Rhabarberschorle[6] wurde mit einer Scheibe Zitrone verhunzt.[7] Die Leitungswasser wurden – wie leider viel zu oft üblich – vergessen, trotz expliziter Bestellung. Die reine Anwesenheit von Rhabarbersaft[8] war aber schon mal ein dicker Pluspunkt.

Nach der Zufuhr von Eiweißen und der Anhebung des Blutzuckerspiegels wirkte aber auch bei erdgeist die Magie des Raums: Das bestellte „Berg & Tal Frühstück“ für 6,50 Euro kam mit einer großen Auswahl an Wurst, einer kleineren Auswahl an Käse, einem Bio-Ei und allen Details daher, die auch das „Alm Frühstück“ liebenswert machten: Kiwi- (noch mit Aufkleber), Melonen- und Orangenscheibe, der Mozzarella-Zauber, wirklich leckere Waldbeerenmarmelade. Dazu gab es – suchtbedingt – einen Latte macchiato mit Extrashot für drei Euro, der dann auch prompt im Caipi-Glas daherkam. Wie nun unschwer zu erraten, war auch das „Berg & Tal Frühstück“ außerordentlich lecker, ausreichend und in angenehmer Atmosphäre gern verspeist.

Das „Berg & Tal“-Frühstück. Preis: 6,50 €.

Hingehen sollten alle, die auch sonntags leckeres und günstiges Frühstück a la carte wollen, ein wenig Zeit mitbringen und denen „normal“ zu anstrengend ist. Der Second-Hand-Shop im hinteren Teil des Salons lädt auch die anspruchsvolleren Zeitgenossen zum Eintauchen in die gemütliche Atmosphäre ein.

Salon Schmück, Skalitzer Str. 80
Tel. (030) 69004775
Außenimpression bei Sonne

  1. Diesmal war eine geduldsstrapazierende Fünfertruppe – bestehend aus nitram, Andrea, Anett, Kathrin und erdgeist – für euch im Regen unterwegs. []
  2. Der „Salon Schmück“ besteht aus zwei großen Räumen, bei gutem Wetter kann man auch draußen sitzen. []
  3. Nach 25 Minuten kann man schon mal höflich nachfragen. []
  4. Dies entspricht fünfzig Eurocent pro Schrippe. []
  5. Es wurde „Black Music“, später entspannter Funk kredenzt. []
  6. Schorlen kosten alle zwei Euro. []
  7. Sowas kennt man sonst eigentlich nur vom günstigen Eck-Inder. []
  8. Die Mehrheit der Anwesenden sind ausgewiesene Rhabarberfans. []

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Cutie Pie

Eigentlich waren wir später noch zum Frühstück verabredet, aber als wir so durch die Lausitzer Straße flanierten, lachte uns ein kleiner Kaffeeladen an.

Wir also rein – Zeit und Hunger waren noch genug da – und erst einmal die beiden Bedienungen ein bißchen verunsichert. Das Cutie Pie ist sehr nett eingerichtet, wirkt ein bißchen wie ein heller, gemütlicher Leseclub und war total leer, als wir da waren. Allerdings läßt das haufenweise herumstehende Kinderspielzeug vermuten, daß es hier normalerweise nicht so gemütlich zugeht.

Das Angebot ist nicht wirklich groß, sieht aber sehr lecker aus. Es gibt die üblichen Kaffeevariationen und Kuchen, der teilweise selbstgebacken ist. Die folgende Zusammenstellung hat ungefähr 6,30 Euro gekostet, genaue Preise konnte ich mir leider nicht merken – es war einfach noch zu früh.

Der Kuchen war sehr lecker, die Heißgetränke auch, vor allem die Mini-Brownies dazu. Normalerweise gibt es hier frische Minze, die heute leider aus war, aber das restliche Teeangebot kann sich sehen lassen.[1]

Kein Ort also um lange und ausführlich zu frühstücken, aber genau richtig für das kleine Frühstück zwischendurch. Aperitif sozusagen, und der muß nicht süß sein, es gibt hier auch Bagel, Croissants und belegte Toasts[2]. Glauben wir zumindest. Auf jeden Fall auch was anderes als Kuchen.

Geht am besten mal selber hin und probiert das aus, das Cutie Pie ist nämlich sehr sympathisch, liegt aber ein bisschen ab vom Schuß und wirkt deswegen ein bißchen unausgelastet.

Cutie Pie, Lausitzer Str. 8, 10999 Berlin[3]
0163-201 37 68
…mehr Infos

  1. Obwohl es natürlich auch hier was zu meckern gibt: Einzeln in Plaste verpackte Teebeutel sind halt nicht wirklich Bio. []
  2. Outsider meint, das muß Sandwich heißen. Zugeklapptes Toast mit was drin halt. Warm. Für ab ’nen Euro. []
  3. Die im Netz angegebene Adresse, die Erinnerung der anwesenden Frühstücker und Google Maps passen nicht so richtig zusammen. Das Cutie Pie ist auf der Lausitzer, wenn man von der Wiener zur Reichenberger läuft auf der rechten Seite. []

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Baretto

Das Baretto ist einer von diesen kleinen unscheinbaren Läden, in die man kaum zufällig reinkommt. Es wirkt nicht wie ein Restaurant, sondern eher wie eine Mischung aus öffentlichem Gemeinschaftseßraum und Kaffeebar.

Jecks leckeres Essen

Und das ist es irgendwie auch. „Baretto“ bedeutet Happen.[1] Also schnell rein, einen Kaffee bestellen und eines der gar nicht unleckeren Brote[2]. Dann weiter, länger zu verweilen geht nicht. Nicht weil es unangenehm ist, sondern weil es nach Essen, Kaffee und der Zeitung einfach besser ist weiterzugehen.

Schrags leckeres Essen

Es sei denn man holt sich den Besitzer Claudio Canale an den Tisch und läßt sich die Geschichte der Entstehung des Kaffees erzählen, ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie machtlos man gegen bürokratischen Beamtensumpf sein kann. Die Kaffeemarke Trinci, die hier ausgeschenkt wird und etwas ganz besonderes sein soll – ich kann das nicht beurteilen, aber lecker war er auf jeden Fall – spielt dabei auch eine wichtige Rolle.

Leckerer Kaffee

Viel mehr will ich jetzt nicht verraten, geht einfach mal vorbei und probiert den Kuchen aus.

Leckerer Kuchen

Der wird selbstgemacht und wird gern am Gast ausprobiert. Als wir[3] da waren, ist das Experiment auf jeden Fall geglückt. Hingehen sollten alle, die eine gute Geschichte schätzen können und die keinen Platz zum Verweilen suchen, sondern sich einen Energieschub für den Tag abholen wollen.

BarettoWrangelstraße, 10997 Berlin

Innenansicht Baretto

Das Baretto von Innen

Im Podcast erfahrt ihr etwas mehr über das Baretto, seine Herkunft und den Kaffee. Außerdem gibt es einen philosophischen Kurs in die Gefilde der Knirscherschienen und des Nah-Kneipen-Besuches. Im Podcast behauptet jemand, man könne da lange sitzen. Das stimmt auch irgendwie. Noch ein Grund, warum ihr vorbei gehen solltet.

  1. Wenn ich mir das richtig gemerkt habe. []
  2. Die bestimmt irgendwie anders heißen. []
  3. Der Schrag und Jeck. []

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Cafe V

Zwei Fleischesser in einem Frühstückslokal mit ausschließlich vegetarischen Spezialitäten – kann das gutgehen? Klar! Wir[1] trafen uns mit etwas asymmetrischer Ausgangslage: bert war schon ziemlich oft im Cafe V, da er in der Nähe arbeitet, 46halbe aber noch nie. Erfreut darf jedoch konstatiert werden, daß es noch kein “Stammtisch”-Schild auf dem Tisch gab, wo bert saß.

Wir waren die ersten Gäste des Tages, weswegen die Kellnerin ein paar Minütchen brauchte, den Laden hochzufahren. Die schlichte Frage: “Brauchst Du nen Kaffee?” hat bert beeindruckt, nicht etwa wegen der netten Art des Vortrags, sondern wegen des Verbes “brauchen”. Positiv muß mal wieder hervorgehoben werden, daß die zuerst bestellten koffeinhaltigen Heißgetränke mit stillem Wasser serviert werden (Latte macchiato 2,30 Euro und großer Kaffee 2,40 Euro). Man kann es nicht oft genug betonen: Es macht einfach einen Unterschied. Sogar bert, der koffeinabhängig im letzten Stadium ist, weiß dies zu würdigen.

Aus einer momentan nicht mehr rekonstruierbaren Laune heraus löste das Lesen des Wortes “Tofuwurst” bei 46halbe den Pawlowschen Reflex inklusive Salivieren aus. Obgleich sie ausweislich dieses Blogs so gut wie nie eine Art von gebratener Wurst oder auch nur irgendwie Gebratenes zur frühen Morgenstunde ordert, hörte sie sich selbst das Tofuwurst-Frühstück bestellen. Im Nachhinein kann man sich natürlich auch fragen, ob es schlicht an der Tatsache lag, daß das Tofu-Frühstück an neunter Stelle der Frühstückskarte zu finden war.[2]

Vielleicht ist es generell eine gute Idee, die Testesser vorab darauf festzunageln, daß sie etwa das sechste (oder eben neunte) Frühstück der Karte aufessen müssen. Das wär allemal neutraler für die Bewertung. 46halbe fürchtet nur, sie hat dann bald keine Freunde mehr, die mit ihr frühstücken wollen. Außerdem könnte es sie ja selber treffen – was für ein Grauen, wenn die Nummer sechs dann das Tomatenfrühstück wär!

Tofu-Frühstück: 5,90 Euro

Aber mal zurück zum Frühstück: Es gab lecker Tofuwurst, die einfach dermaßen nach Fleisch schmeckt, daß man anfängt, am vegetarischen Versprechen des Ladens zu zweifeln. Dazu wurden Bohnen und etwas Rührei serviert, die zusammen mit dem Schafskäse eine ausgesprochen wohlschmeckende Kombination bildeten. Ein bißchen Obst und Grünzeug rundeten das Frühstück ab. Hatte sich 46halbe anfangs noch entsetzt über die eigene Bestellung gegruselt, stellte sich nun sehr schnell das Gefühl ein, das absolut perfekte Frühstück für diesen Morgen gewählt zu haben.

Rührei mit Schafskäse: 3,90 €

berts Frühstück war ein schlichtes Rührei an Schafskäse. Da er ein erfahrener Rühreiesser ist und gerade im Cafe V das liebevoll zubereitete Hühnergedeck schon oft genossen hat, ist es auch diesmal offenbar die richtige Wahl. bert betont, daß er satt geworden ist und genau nichts zu kritisieren hat.

Es war ein im Vergleich eher kurzes Frühstück, da wir beide ordentlich Arbeit am Hals haben, die uns am längeren Verweilen hinderte. Aber daß wir als Fleischverzehrer im vegetarischen Spezialitätenlokal vollauf glücklich waren, ist doch mal eine Aussage.

Hingehen sollten alle, die anständigen Kaffee und fleischlose Kost in vielen Varianten möchten, vielleicht auch mal auf den obligatorischen Speck und damit vielleicht in Zukunft die nach ihm benannten Ringe am Leib verzichten wollen oder zwischen 10 und 2 Uhr grad ohne rechtes Ziel am Lausitzer Platz rumstehen.

Cafe V,
Lausitzer Platz 12, 10997 Berlin
Telefon: 030 / 612 45 05
Außenansicht Cafe V

  1. 46halbe frühstückte diesmal mit bert. Die Bilder sind mit seiner Handykamera gemacht, da ich die Kamera leider vergessen hatte. []
  2. Auf die Auswirkungen von 46halbes Zwangsneurose um die Zahl neun wird später irgendwann eingegangen. []

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