Cafe V

Zwei Fleischesser in einem Frühstückslokal mit ausschließlich vegetarischen Spezialitäten – kann das gutgehen? Klar! Wir[1] trafen uns mit etwas asymmetrischer Ausgangslage: bert war schon ziemlich oft im Cafe V, da er in der Nähe arbeitet, 46halbe aber noch nie. Erfreut darf jedoch konstatiert werden, daß es noch kein “Stammtisch”-Schild auf dem Tisch gab, wo bert saß.

Wir waren die ersten Gäste des Tages, weswegen die Kellnerin ein paar Minütchen brauchte, den Laden hochzufahren. Die schlichte Frage: “Brauchst Du nen Kaffee?” hat bert beeindruckt, nicht etwa wegen der netten Art des Vortrags, sondern wegen des Verbes “brauchen”. Positiv muß mal wieder hervorgehoben werden, daß die zuerst bestellten koffeinhaltigen Heißgetränke mit stillem Wasser serviert werden (Latte macchiato 2,30 Euro und großer Kaffee 2,40 Euro). Man kann es nicht oft genug betonen: Es macht einfach einen Unterschied. Sogar bert, der koffeinabhängig im letzten Stadium ist, weiß dies zu würdigen.

Aus einer momentan nicht mehr rekonstruierbaren Laune heraus löste das Lesen des Wortes “Tofuwurst” bei 46halbe den Pawlowschen Reflex inklusive Salivieren aus. Obgleich sie ausweislich dieses Blogs so gut wie nie eine Art von gebratener Wurst oder auch nur irgendwie Gebratenes zur frühen Morgenstunde ordert, hörte sie sich selbst das Tofuwurst-Frühstück bestellen. Im Nachhinein kann man sich natürlich auch fragen, ob es schlicht an der Tatsache lag, daß das Tofu-Frühstück an neunter Stelle der Frühstückskarte zu finden war.[2]

Vielleicht ist es generell eine gute Idee, die Testesser vorab darauf festzunageln, daß sie etwa das sechste (oder eben neunte) Frühstück der Karte aufessen müssen. Das wär allemal neutraler für die Bewertung. 46halbe fürchtet nur, sie hat dann bald keine Freunde mehr, die mit ihr frühstücken wollen. Außerdem könnte es sie ja selber treffen – was für ein Grauen, wenn die Nummer sechs dann das Tomatenfrühstück wär!

Tofu-Frühstück: 5,90 Euro

Aber mal zurück zum Frühstück: Es gab lecker Tofuwurst, die einfach dermaßen nach Fleisch schmeckt, daß man anfängt, am vegetarischen Versprechen des Ladens zu zweifeln. Dazu wurden Bohnen und etwas Rührei serviert, die zusammen mit dem Schafskäse eine ausgesprochen wohlschmeckende Kombination bildeten. Ein bißchen Obst und Grünzeug rundeten das Frühstück ab. Hatte sich 46halbe anfangs noch entsetzt über die eigene Bestellung gegruselt, stellte sich nun sehr schnell das Gefühl ein, das absolut perfekte Frühstück für diesen Morgen gewählt zu haben.

Rührei mit Schafskäse: 3,90 €

berts Frühstück war ein schlichtes Rührei an Schafskäse. Da er ein erfahrener Rühreiesser ist und gerade im Cafe V das liebevoll zubereitete Hühnergedeck schon oft genossen hat, ist es auch diesmal offenbar die richtige Wahl. bert betont, daß er satt geworden ist und genau nichts zu kritisieren hat.

Es war ein im Vergleich eher kurzes Frühstück, da wir beide ordentlich Arbeit am Hals haben, die uns am längeren Verweilen hinderte. Aber daß wir als Fleischverzehrer im vegetarischen Spezialitätenlokal vollauf glücklich waren, ist doch mal eine Aussage.

Hingehen sollten alle, die anständigen Kaffee und fleischlose Kost in vielen Varianten möchten, vielleicht auch mal auf den obligatorischen Speck und damit vielleicht in Zukunft die nach ihm benannten Ringe am Leib verzichten wollen oder zwischen 10 und 2 Uhr grad ohne rechtes Ziel am Lausitzer Platz rumstehen.

Cafe V,
Lausitzer Platz 12, 10997 Berlin
Telefon: 030 / 612 45 05
Außenansicht Cafe V

  1. 46halbe frühstückte diesmal mit bert. Die Bilder sind mit seiner Handykamera gemacht, da ich die Kamera leider vergessen hatte. []
  2. Auf die Auswirkungen von 46halbes Zwangsneurose um die Zahl neun wird später irgendwann eingegangen. []

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