Sigiriya

Der erste Eindruck des heutigen Testteams[1] nach dem Platznehmen im „Sigiriya“ ist eine umfängliche, fast schon erschlagende Speisekarte voller exotischer Namen und einiger unbekannter Gewürze. Dankenswerterweise sind drei Dutzend dieser Gewürze gleich vorn in der Karte erklärt und für den nachhaltigen Lerneffekt der kleinen Gewürzkunde mit Abbildungen versehen. Als Zweites fällt eine große Auswahl vegetarischer Gerichte ins Auge, worauf auch die Werbetafeln des Lokals die Passanten auffällig hinweisen und worüber sich insbesondere elzbieta freut.

Als Drittes bemerken wir die Abwesenheit von Bildschirmen. Obwohl wegen der Fußballweltmeisterschaft der Männer momentan halb Berlin mit zumeist recht großen Fernsehern vollgestellt ist, verweigert man sich im „Sigiriya“ offenbar dem Fußball-Hype.[2] Dem Testteam bleibt das traurige Schauspiel des Betrachtens überbezahlter Leibesübungen damit erspart. Durch die umliegenden Lokale kommt zwar dennoch die Geräuschkulisse der Stadien bei uns an, sie ist aber durch die Entfernung gedämpft und schon wegen des sonstigen Berliner Grundrauschens nicht weiter störend.

Zuerst müssen die Getränke her. Wenig zurückhaltend ordert 46halbe neben einem Ginger Ale einen als frisch gepriesenen Erdbeermilchshake. Er erweist sich als geschmacklich ansprechend und nicht zu süß, jedoch optisch als recht durchschnittlich:

milchshake, ginger ale, schorle

Apfelschorle (0,2 l, 2,50 €), Erdbeermilchshake (0,3 l, 3 €), Ginger Ale (0,2 l, 2,50 €).

Die TTM[3] lag bei gefühlten zwei Minuten. elzbieta wählt sich dazu die schnöde Apfelschorle im Farbton naturtrüb, immerhin aus biologischem Anbau.

Sie entscheidet sich aus der umfänglichen Karte für ein vegetarisches Gericht mit dem Namen Polos Hodhi mit Paripoo Hodhi und Sini Sambole. Das klingt reichlich exotisch, wir versuchen auch gar nicht erst, es korrekt auszusprechen.

Wie bei den meisten Gerichten im „Sigiriya“ ist es eine Kombination verschiedener Speisen: Ein würziges Jackfrucht-Curry und ein mildes Linsen-Curry werden ergänzt durch Reis, karamellisierte Zwiebeln und ein leckeres, aber viel zu kleines Papadam-Knusperschnipsel. elzbietas fachgerechte Bewertung dieser gaumenschmeichelnden Mischkassette an Geschmäckern lautet in bester Neufünfländer-Mundart: „Schmackofatz!“

Als 46halbe etwas von der karamellisierten Zwiebel nascht, ist sie allerdings von der Schärfe überrascht und verbringt die nächste Minute barmend.

Polos Hodhi

Polos Hodhi (9,50 €) mit Paripoo Hodhi und Sini Sambole.

Auch 46halbe wählt eine nahezu unaussprechliche Nahrung mit Rindfleisch: Mas Hodhi mit Carrot Hodhi und Petersilien-Sambole. Dazu wird wie beim Polos Hodhi noch ein kleiner Salat serviert, direkt auf dem Teller. Der Reis, sein Geschmack und seine Konsistenz sind wenig bemerkenswert, aber die Gewürze des Gerichts insgesamt wunderbar aufeinander abgestimmt, das Rindfleisch zart.

Mas Hodhi

Mas Hodhi mit Carrot Hodhi und Petersilien-Sambole (11,80 €).

Allerdings werden nicht die gewünschten Mohrrüben geliefert, sondern Süßkartoffeln.[4] Ehe wir das selbst durch Ausprobieren bemerken können, steht der Kellner jedoch schon vor unserem Tisch und reicht uns mit einer Entschuldigung für die Verwechslung ein Extra-Schüsselchen Mohrrüben.

mohrruebchen

Kleine Schüssel mit Mohrrüben, kostenlos.

Wir können uns trotz beachtlichem Magenfüllstand mit Blick auf die Desserts nicht beherrschen und bestellen zu guter Letzt noch ein süßes Gericht namens Päni Appe, das aber auch in herzhaften Varianten angeboten wird. Die zwei eierkuchenartigen Gebilde sind warm und fluffig, mit frischen Kokosraspeln bestreut. Darauf ist Palmensirup verteilt, der aber nicht zu süß ist. Es gibt daran nichts zu meckern, außer vielleicht der Tatsache, dass elzbieta und 46halbe das Gericht miteinander teilen müssen. :}

Päni Appe

Päni Appe (4,50 €).

Wir sitzen noch eine Weile vor dem Lokal draußen auf den Bänken. Der fast obligatorische Espresso (1,90 €) für 46halbe soll die Verdauung anregen, als Bio-Espresso auch mit gutem Gewissen. Es ist zwar ein wenig laut wegen des Autoverkehrs auf der Grünberger Straße, aber noch in einem akzeptablen Rahmen für unsere Unterhaltung weit unterhalb des Schreiens.

Hingehen sollten alle, die es beim Draußensitzen auch ohne Stuhllehnen ein Weilchen aushalten, das Frühstücken großzügig interpretieren und keine Scheu davor haben, beim Bestellen entweder Zahlen anzusagen oder sich an den komplexen Speisennamen die Zunge zu zerbrechen.

Sigiriya
Grünberger Straße 66, 10245 Berlin

Tel. (030) 29 04 42 08

 

  1. Bestehend aus 46halbe und elzbieta. []
  2. Wir waren im „Sigiriya“, bevor die deutsche Mannschaft ausgeschieden ist. []
  3. Time To Milchshake. []
  4. elzbieta behauptet dagegen mit voller Vegetarierkompetenz, dass es sich um Kochbananen handelt. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain, Nicht wirklich Frühstück

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