Datscha

Das Testteam[1] hat den folgenden Artikel unter unerwartet erschwerten Bedingungen verfaßt. Der Leser möge also nachsehen, falls zwischen den Zeilen Zähneknirschen zu vernehmen ist. Aber der Reihe nach…

Das Datscha erfreut seine Gäste mit einem kostenlosen WLAN und vor allem erstaunlich vielen gut zugänglichen Steckdosen.[2][3] Dieser Umstand regt dazu an, grundsätzlich über die ethischen Dilemmata der freien Netznutzung in Cafés zu sprechen. Für jeden, der sich der Hackerethik verpflichtet fühlt, ist ja immer mal wieder die Diskussion darüber an der Tagesordnung.

Wir mußten schon nach kurzer Debatte feststellen: Es wäre in der Tat eine große Herausforderung für das anwesende Testteam beispielsweise über einem ebensolchen Café zu wohnen und trotzdem alle moralischen Richtlinien zu befolgen, die verantwortungsvolle Nutzer von neuartigen Rundfunksempfangsgeräten sich selbst aufzuerlegen pflegen. Groß wäre die Versuchung, sich in Splinter-Cell-Manier auf die Lauer zu legen, um unwissende oder fahrlässige Menschen zu beobachten und auszuspionieren.[4]

Aber endlich mal zum Zweck dieses Blog-Postings: Der erste Blick in die Karte war irgendwie vertraut, obgleich das Datscha vorher nie besucht wurde. Aber die Speisekarte erinnerte in Aussehen, Schriftart und vor allem wegen eines bestimmten Spruchs sofort an das Gorki Park in Mitte. Das gleiche gilt für die Teegläser:


Loser Darjeeling-Tee in einem schönen Glas für 2,00 Euro. So soll es sein.

Glücklicherweise wurde die oben beschriebene hackerethische Versuchung jäh unterbrochen, da die TTT[5] so klein war, daß sie im nicht meßbaren Bereich lag. Dies könnte allerdings auch daran liegen, daß Jeck gerade damit zu tun hatte, seine Pflanzen gegen Zombies zu pflegen. Die einzig halbwegs verläßliche Aussage, die ihm zu entlocken war: „Der Tee war auf jeden Fall noch während der ersten Welle von Zombies hier!“[6]


Leckerer Capuccino für 2,20 Euro.

Nach dem diesmal übrigens nur ganz leicht verspäteten Eintreffen[7] von 46halbe konnte deshalb ohne viel Verzögerung die Essensbestellung aufgegeben werden. Die Auswahl gestaltet sich einfach, denn es gibt überschaubar viele Angebote, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Es ist ein Tag für ein deftiges Frühstücksmahl: Nach kurzer interner Debatte wurde ein Schwarzes Meer und ein klassischer Flammkuchen mit Speck bestellt.


Klassischer Flammkuchen. Gut für den Tester, hart für das Büro. 5,90 Euro.

Der Flammkuchen fiel auf den ersten Blick dadurch auf, daß Unmengen von Zwiebeln[8] den geneigten Esser anlugten. 46halbe mag Zwiebeln, bekam aber instantan ein mitleidiges[9] Gefühl gegenüber ihren Büronachbarn, die offenbar einen harten Tag vor sich hatten. Das Hineinbeißen in den natürlich noch warmen Flammkuchen ergab einen angenehm dilligen Geschmack.

Das Schwarze Meer ist eines der auf einem Teller in kleinen Schälchen angerichteten Mahlzeiten, die dem Betrachter ein spontanes „Was?! Das ist alles!?“ entlocken.


Perfektes Katerfrühstück: Schwarzes Meer für sieben Euro.

Bei genauerem Beessen stellt sich zum Glück heraus, daß die Datscha-Küche ein sehr genaues Gespür dafür hat, wieviel Portion gerade genug ist. Beim Würzen ist dieses schon an Gleichberechtigungsmanie erinnernde Fingerspitzengefühl allerdings nicht vorhanden. Die verschiedenen Sachen waren entweder sehr salzig oder scharf (Tomaten/Zwiebel-Paste und Heringstartar) oder gar nicht in die Nähe eines geschmacksverändernden Stoffes gekommen (Rührei und Kartoffelröstling mit Lachs).

Glücklicherweise mag Testesser Jeck salzig und gehört dem Kompetenznetzwerk der Eigenwürzer an, sodaß die Essung des Schwarzen Meeres zur allgemeinen Zufriedenheit verlief und vor allem all jenen Weggefährten empfohlen wird, die an den Nachwirkungen einer Ethanol-Intoxikation leiden.

Um wirklich einen kompletten Testbericht[10] abliefern zu können, wurde dann noch ein Stück Käsekuchen bestellt.


Normalerweise gibt es noch zwei andere Sorten[11]: Käsekuchen für 2,50 Euro.

Zur Bewertung dieses Stückes kann leider kein ganz neutrales Testurteil angegeben werden, da Herr P. eigentlich keine Käsekuchen mag und 46halbe sich mit fadenscheinigen Ausflüchten, die sich auf das Kokoszeugs auf dem Kuchen bezogen, dem zuvor angekündigten Testessen entzog. Mit aller zu Rate gezogenen Kompetenz kann das Team aber bestätigen, daß der Kuchen handwerklich korrekt und wohlschmeckend zubereitet wurde und Käsekuchen-mit-Mandarinen-und-Kokosflocken-Liebhabern durchaus Freude bereiten kann.

Hingehen sollten alle, die ein praktisches, schnelles und freundliches Frühstück wünschen und keine Angst vor Kindersirenen in einem ansonsten aber nur mittelmäßig gefüllten Lokal haben.[12] Da das Netz nach dem guten Essen noch etwas zum Bleiben einlädt, die Bedienung freundlich ist und die koffeinhaltigen Heißgetränke schmecken, können wir das Datscha guten Gewissens weiterempfehlen.

Datscha
Gabriel-Max-Str. 1, 10245 Berlin
Tel. 030 / 700 86 735
cafe-datscha.de

  1. 46halbe und der ehrenwerte Herr Pixelbrei. []
  2. Steckdosen sind im Grunde wichtiger als das Netzangebot, da man ja heutzutage sein mobiles Internet dabei hat. []
  3. Ach wirklich? GPRS zählt als mobiles „Netz“? []
  4. *sniff* []
  5. Time To Tea. []
  6. Was dies bedeutet, überlassen wir dem Leser, weisen aber vorsorglich daraufhin, daß die TTT und TTL auch im restlichen Verlauf der Sitzung angenehm klein war. []
  7. Nee, klar. []
  8. Die Zwiebeln sahen für Jeck sehr frisch und lecker aus. []
  9. Diese Fußnote wurde gegen 46halbes Willen eingefügt und dient nur der Ablenkung. 46halbe weint jetzt, denn sinnlose und unnötig lang ausformulierte Fußnoten sind eine Nemesis. Das habt ihr nun davon. []
  10. Ja, wir haben auch Wostok, so eine Art russische Bionade ausprobiert, wollen aber an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur so viel: Interessant. []
  11. Am Vortag war eine Touristengruppe eingefallen. []
  12. Auf diesen Umstand bezog sich die eingehende Bemerkung, die der Datscha natürlich keineswegs anzulasten ist. Obwohl man anmerken muß, daß ein paar Kinderwagenkrähenfüße das Problem aus der Welt schaffen könnten. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain, keine Kreditkartenzahlung, Netz: Gratis

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