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kaufbar

Mitten in Berlin ein idyllisches und vielleicht gar ruhiges Plätzchen zu finden, ist nicht immer einfach. Das Lokal kaufbar ist dafür eigentlich nicht bekannt, da es an der recht stark befahrenen Gärtnerstraße in Friedrichshain gelegen ist. Allerdings versteckt sich ein Teil der Tische im Hinterhof, und der ist nicht nur fabelhaft still, sondern hat einen schönen großen Ahornbaum. Dank an die freundliche Kellnerin, welche die zuerst eintreffende Testesserin darauf hinwies.

Dieser Frühstückstest stand unter besonderen Vorzeichen, die eine ruhige Umgebung verlangten: Juliane vom Berliner Radiosender Fritz nahm einen kurzen, aber launigen Bericht (mp3, ab Minute 38) über Blogs, die sich der Bewertung von Gaststätten verschrieben haben, für die Sendung Trackback auf. Wir[1] setzten uns also an einen der Tische unter den Ahornbaum. Die restlichen Tische waren noch unbesetzt, perfekte Bedingungen also für sowohl den Genuß des Frühstücks als auch die Aufnahme für den Radiobericht.

Die Karte ist in der kaufbar übrigens zweigeteilt. Die eine Hälfte ist voller Vorschläge für Krawallbrause und Cocktails, die andere eine Art Multiple-Choice-Test: Man kreuzt an, was man für das perfekte Frühstück hält. Ob wir damit diesmal richtig liegen?

streichholzschachtel

Der Name ist Programm: Alles hier ist kaufbar, nur die Streichhölzer sind kostenlos. :}

Nachdem der übliche Latte macchiato in einer TTL von unter drei Minuten auf dem Tisch stand und zudem mit Wasser gereicht wurde, versprach der Besuch ein angenehmes Erlebnis zu werden. Juliane hatte allerdings noch etwas mit den Auswirkungen einer durchzechten Nacht zu kämpfen und war daher zunächst nicht übermäßig hungrig. Sie orderte gegen die leichte Apetitlosigkeit im Ankreuzverfahren Obst mit Joghurt. 46halbe bestellte das vegetarische Frühstück, allerdings ohne Gouda.

obst mit joghurt

Obst mit Joghurt für 2,80 €.

Juliane bewertete ihren Joghurt mit Bananenstücken, Orangen und Pinienkernen als sehr wohlschmeckend, aber nicht weiter aufregend. Während sie ihn ohne besondere Eile verspeiste, widmeten wir uns einem Gespräch über Essensbewertungen, Blog-Kategorien und Verfehlungen beim Service. Da der Radiobericht aber nur ein paar Minuten umfassen sollte, kamen wir recht schnell auf journalistische Arbeit ganz allgemein und die Sinnhaftigkeit und den Inhalt von Fragen bei Bewerbungstests an Journalistenschulen zu sprechen. Juliane wußte da Aktuelles und Spannendes zu berichten, was aber hier nicht weiter ausgewalzt werden soll.

vegetarisches fruehstueck

Vegetarisches Frühstück für 4,10 €.

Das vegetarische Frühstück kam mit einem frischen, noch warmen Brötchen. Das ließ sogar darüber hinwegsehen, daß das Messer nicht richtig abgewaschen war. Garniert waren die beiden Aufstriche und die Marmelade mit Trauben, Äpfeln, dazu etwas Grünzeugs. 46halbe vergab das Prädikat „sehr köstlich“.

zweites fruehstueck

Julianes zweites Frühstück, Preis unklar.

Julianes zunächst unterdurchschnittlicher Apetit wurde offenbar durch die Leckereien dann doch angeregt: Sie bestellte mittels der Ankreuzliste frische Toskana-Brötchen, Serrano-Schinken und ein Ei. Natürlich waren auch hier ein paar Sprossen und Salat als Garnitur dabei. Während sie noch das Essen genoß, füllte sich gegen ein Uhr das Lokal merklich. Offenbar waren die Friedrichshainer nun wach geworden..

Hingehen sollten alle, die preiswert speisen wollen, aber nichts Außergewöhnliches erwarten, gern aber gemütlich und idyllisch chillen und dabei schnell und ausnehmend freundlich bedient werden möchten. Wer dem Müßiggang nicht abgeneigt ist und bis kurz vor Sonnenuntergang bleiben kann, sollte nicht verpassen, zur unweiten Modersohnbrücke zu gehen und unbeeinträchtigt von den in Berlin häufig anzutreffenden Pomadenhengsten den Sonnenuntergang an der fast schönsten Stelle in Berlin zu genießen.

kaufbar, Gärtnerstr. 4
Tel. 030 / 297 78 825
Webseite kaufbar

  1. Mit der wie immer völlig objektiven Berichterstattung waren heute ebenjene Juliane und 46halbe betraut. []

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Rotwild aska Fargo

„Draußen in der Stadt. Wanderer halten an, den Atem. Kehren ein, und wieder. Ein rüdes Wort, dem Hunde. Stolpern und stapeln, zertretenes Grün. Boxi.“ – Unbekannter Erdgeist

Für professionelle Krawalltouristen wie uns[1] gehört das Auskundschaften des Walpurgisnachtkiezes zum Routineprogramm. Auf der Grünberger Straße, gleich neben dem Zielona Góra, schickt sich das Fargo[2] an, Friedrichshainer Schickimicki-Gentrifizierung zum Trotz Verweil für Alteingesessene zu sein.

Ja, da steht immer noch Fargo dran. Nein, es heisst Rotwild.

Idyllisch gelegen am Hunde- und Assi-Boxi, mit Blick auf den Spießerbiomarkt und das Resozialisierungsprojekt „Cafe am Boxi“[3] verschlug den überpünktlich eingetroffenen Jeck die Befüllung der Freiluftplätze auf die – immerhin noch gut belüfteten – Fensterplätze.[4]

Hier wird am 1. Mai alles noch viel grüner sein.

Das Lebensgefühl im Fargo[2] ist Norddeutsch. Man setzt sich erstmal. Man genießt den Ausblick. Man denkt über das Leben nach. Man fragt sich, wo eigentlich die anderen Frühstücksblogger bleiben. Dann löst man noch schnell das Energieproblem der Erde, ohne dazu fossile Brennstoffe zu benötigen.[5] Und dann…

…dann wird nach ungefähr 20 Minuten zum ersten Mal der Bediener[6] aufmerksam und widmet sich dem frisch vervollständigten Testerteam. Das kann viele Gründe haben: Vielleicht sind Gästegruppen der Größe N=1 nicht signifikant genug. Vielleicht muß man draußen sitzen, um bemerkt zu werden. Aber vielleicht waren auch einfach nicht genug Bediener da.

Links auf der Theke stand das Büffett.[7] Rechts saßen die Inspektoren.

Das machte sich auch in der TTM[8] bemerkbar. Während die TTT[9] sportliche vier Minuten beträgt, liegt die TTM hingegen bei verpeilerischen 11 Minuten. ABER: Es gab eine höfliche Entschuldigung! Trotz Berlin! Trotz Friedrichshain.[10]

Einer der anwesenden Frühstücksblogger hat eine kleine Teebeutelneurose[11] Glücklicherweise brach die Neurose hier nicht aus. Es handelte sich also um Tee, der sich auch so nennen darf. Schon das Äußere überzeugte: Statt eines Fixminze-Beutels aus der Pappschachtel gab es losen Tee fein verpackt in einen ebenfalls losen Filterbeutel.[12]

Ein Tee, der zumindest schon mal gut aussieht. Lose!

Der Milchkaffee brauchte keinen Zucker, was laut Versuchsperson Zeta ein gutes Zeichen für Heißgetränke dieser Art ist, war gut trinkbar und definitiv keine Krönung[13]. An die heiße Tasse schmiegte sich ein – den Wärmetransfergesetzen der Thermodynamik folgend schon leicht angeflüssigtes – Stück Sarottischokolade.

Das Angebot an Speisen wurde in Berliner Sonntagstradition dargereicht: „Kleenet Jemüschtet uffe Theke vateilt, Alta“. Für alle Non-Native-Speaker: Buffet. Das Frühstücksbuffet ist eine für Tavernen-Betreiber billige und lukrative Variante, Leute am Wochenende abzufrühstücken. Positive Ausnahmen existieren, sind aber selten. Die Regel sind eher „Dienst nach Vorschrift“-Anrichten. Auch das Buffet im Fargo[2] zeichnet sich durch eine fast schon professionelle Beliebigkeit aus. Selbst der Preis ist Mittelmaß: 8,50 Euro ist nicht wirklich billig, aber auch keineswegs zu viel.

Herr Erdgeist verspeiste gelb mit rot.

Der geneigte Leser möge uns nicht falsch verstehen. Das Buffet war durchaus sättigend und auch schmeckend. Die Suche nach dem besonderen, einzigartigen Merkmal; der einen Speise, die uns wieder ins Fargo[14] ziehen wird, lief aber leider erfolglos.[15] Daß die BBB-Crew wirklich alles ausprobiert hat, um die besondere Speise zu finden, soll an dieser Stelle natürlich auch dokumentiert werden:

Herr Pixelbrei nahm den ganzen Rest.

Nach dem ersten Hauptgang genehmigten sich die externen Inspektoren ein weiteres Heißgetränk jeweils derselben Art, das nun mit jeweils 2,40 Euro berechnet wurde. Das erste Heißgetränk ist im Büffetpreis inbegriffen.[16] Erstaunliches Detail: Nachdem Versuchsperson Zeta in Apothekerschrift Notizen gemacht hatte und Versuchsperson 13 mit einem fotografischen Apparat operierte, wurde die zweite Runde in der Hälfte der TTT(1)-Zeit geliefert.[17]

Was ist an diesem Bild falsch?[18]

Damit war genug Flüssigkeit vorhanden, um das Dessert herunterzuspülen. Wir stellen hier im Bild nur eine der gewählten Kombinationen dar, um dem geneigten Leser die Ei-Müsli-Kombination von Versuchsperson Zeta zu ersparen[19]. Die Qualität war halt… okay. Aber das sagten wir ja bereits.

Versuchsperson 13 räkelte sich nach dem Essen versonnen in seiner semibequemen Sitzgelegenheit und ließ einen wohligen „wunderbar“-Seufzer vernehmen. Daß dies zum guten Teil seiner erleuchteten, weisen und gelassenen Geisteshaltung zu verdanken ist, scheint ein passendes Fazit für das Fargo[20] zu sein:

Gut gelaunte Menschen, die keine großen Überraschungen und kein Latteschlürfer brauchen, bekommen hier ein solides Frühstück zum annehmbaren Preis[21] und werden satt. Wer allerdings sowieso schon einen Griesgrampf gefressen hat, wird sich über das frugale Angebot beschweren, sollte aber wahrscheinlich sowieso zu Hause bleiben.

Rotwild aska[22] Fargo, Grünberger Straße 77, 10245 Berlin
Tel. 030 – 29 00 57 19

  1. Die Inertia des Sonntagmorgen überwanden für euch Jeck und erdgeist. []
  2. Entschuldigung: Rotwild [] [] []
  3. Namen recherchieren. Quatsch. Wozu denn, weiß doch jeder, was gemeint ist. So ein Hundfutterkochladen halt. Kein Wunder, daß die rückfällig werden. []
  4. Also die Wand war weg, das Fenster ging bis zum Boden und war quasi ausgebaut. Also fast draußen. []
  5. Wurde natürlich gleich wieder vergessen. Wegen Unterkoffeeinierung. []
  6. Es bediente Sie: Herr Fuchs. []
  7. Das war aber schon weg, als VP13 zurückkam um die fehlenden Fotos zu machen. []
  8. TimeToMilchkaffee []
  9. TimeToTea []
  10. An dieser Stelle bemerkt der geneigte Leser, wie sehr sich der Anspruch der einst stolzen Zunft der Frühstücksblogger der Realität angepasst (lies: gesenkt) hat, wenn solche dem Dienstleistungsgewerbe eigentlich selbstverständlich scheinende Gesten extra erwähnt werden müssen. Dennoch: Ein Lächel-Bienchen an dieser Stelle für den Bediener. []
  11. Er ist der Ansicht, für einen labbrigen Messmerteekannenbeutel nicht teuer Restaurant-Geld bezahlen zu wollen. []
  12. Auch hierbei ist es schon bezeichnend, daß wir das extra erwähnen müssen. Natürlich könnte man an dieser Stelle noch bemängeln, daß zwei Teelöffel Tee auf eine Tasse Tee ein bißchen viel sind, aber hier ist nicht London. []
  13. Ihr wißt schon: Der westverwandtschaftsgeschmuggelte Fegerestekaffee, bei dem man sich immer gut vorstellen kann, er sei durch Onkel Horsts alte Socken gefiltert. []
  14. Rotwild []
  15. Nein, das hat nichts damit zu tun, daß unmittelbar davor 50 Prozent der teilnehmenden Kontrollgruppe ***-Essen in sich gestopft hatte. []
  16. Eigentlich war das bei uns ein bisschen komplexer, aber eine detailgetreue Darstellung der Verhandlungen würden jetzt zu weit führen. []
  17. Wir empfehlen sämtlichen Gästen Berliner Servicebetriebe, immer mal wieder ihr Essen zu fotografieren. Das spornt anscheinend an. []
  18. Der Aufkleber auf der Banane. Wir wissen, dass ihr die Bananen im Großmarkt kauft. Aber wir wollen wenigstens die Illusion, ihr hättet sie gerade frisch vom Baum gepflückt. Also macht gefälligst die verdammten Aufkleber vom Obst ab! []
  19. Ebenfalls unerwähnt müssen die neckischen Anekdoten bleiben, die aus dem altersschwächebedingten Auf-dem-Boden-verteilen von Stiften und Broten und der heroischen Anwendung der 5-Sekunden-Regel erwuchsen. Auch die spontane Selbstheilung der VP13 von seinen jugendlich naiven Vegetarismusexperimenten werden wohl erst in einem späteren Bericht ausgerollt werden. []
  20. Entschuldigung: Rotwild, was es mit dem Verzicht auf den alten Namen auf sich hat, wird dem Leser als Hausaufgabe angetragen. []
  21. Die ebenfalls vertretene Mindermeinung, daß 17 Mark eigentlich zu viel seien, ist ein anderes Thema. Im derzeitigen Berliner Frühstücksmarkt ist der Preis in jedem Falle gerechtfertigt. []
  22. also still known as []

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Kuchenrausch

Der Besuch eines Frühstückslokals sollte wohlgeplant sein. Da sich nicht leugnen läßt, daß unsere[1] Laune vor dem Essen am unteren des Zivilisationslacks kratzt, sollten wir nicht mit der vollen Wucht des Zorns unseres grollenden Hungergottes einen Kiez aussuchen, dem man eh schon immer eins auswischen wollte. Auch ist es angezeigt, die ersten – noch auf dem Zahnfleisch kriechend gewonnenen – Eindrücke zu unterdrücken und sich diesen später nochmal objektiv zu nähern.

Kuchenrausch also – im Friedrichshainer Südkiez.[2] Schmuck gemacht, mit schnieke verkleideten Kellnern, vornehm hintergründigem 70er-Jahre Britpunk, später durch Chill-Funk und Dixieland abgelöst. Minimalistisches Dekor mit Blick auf die Kreuzung Boxhagener/Simon-Dach, auf dem Vorplatz gut zwei dutzend Tische, die wir aber aufgrund eines verräterischen rheumatischen Juckens in Fannys Knie Draußen-Tische sein ließen und uns im Innern ans Fenster setzten.[3] Das Panorama – ganz unvoreingenommen für die werte Leserschaft zum Selbergucken:

Schickes Ambiente im Kuchenrausch.

Angenehm fällt auf, daß das Kuchenrausch sich dem überall sonst um sich greifenden Branding-Wahn entgegenstellt und Sonnenschirme, Streichholzschachteln, Aschenbecher und Außenreklame ohne Werbeaufdrucke exponiert.[4] Es gab Wlan auf Nachfrage für umsonst und genug Steckdosen für’s hungrige Notebook. Auch die Speisekarte kommt erfrischend edel daher, kein bewußt dilettantisch gestalteter, achtfach kopierter, in Word gesetzter Schülerzeitungsbogen, sondern Elefantenhaut mit Goldprägedruck. In dessen Innern ein Angebot abwechslungsreich wie ein Ostpaket: acht verschiedene Sorten heißer Schokolade, davon fünf alkoholisch, ein kurzer Abriß über die Geschichte Boxhagens und des Boxhagener-Straßen-Kiezes von der März- über die November- bis zur Yuppierevolution.

Erdgeist wählte – für Eingeweihte völlig überraschend – das Kleine Gemischte, welches hier für den läppischen Betrag von 4,10 € gereicht wurde. Zum Tunken orderte er sich einen „caffe latte“, der von der Bedienung keck als Milchkaffee interpretiert, glücklicherweise aber doch nicht mit der „Krönung“ aus obig erwähntem Ostpaket gebrüht wurde.

Überhaupt ist die Kaffeekultur in Berlin immer wieder ein Quell für Überraschungen. Erdgeist ist ja dazu übergegangen, die von ihm benötigte Dröhnung meist als „Latte macchiato mit doppeltem Espresso drin“ zu bestellen, nur um dann belehrt zu werden, daß sowas „caffe latte“ hieße. An anderer Stelle bekam er durchaus auch Latte macchiato und einen doppelten Espresso extra, nur um wieder woanders – von einem augenscheinlich besserwisserischen Kellner – mit einem stinknormalen Latte abgespeist zu werden. Aber zurück zum Kuchenrausch, hier gab es – zumindest für erdgeist – ansprechenden Kaffee, der völlig selbstverständlich mit Wasser gereicht wurde. Ein Panoramablick auf erdgeists Frühstück:

Kleines Gemischtes (ungesüßt) für 4,10 €, links oben im Bild der lütte Brotkorb.

Ja, ihr seht richtig: Das Kleine Gemischte kam im Kuchenrausch ohne den geringsten Hauch Süßes.[5] Auch wenn der nachträgliche Blick in die Kurzbeschreibung im Menü bestätigte, daß das wohl seine Richtigkeit hat, kam der Zuckermangel doch überraschend. Selbst das Deko-Obst konnte das Wurst-Käs‘-Szenario auf dem Teller nicht auflockern. Am deprimierendsten war, nicht das geringste bißchen Material für einen fairen Tauschdeal für den vor Süßem nur so strotzenden Nachbarteller zu haben. Der Brotkorb wartete mit leckerem Walnußbrot konterkariert von zwei lapprigen Westbrötchen auf. Diese wiesen ein verräterisches Industriebackmuster an der Unterseite auf, sind wahrscheinlich nicht vom Biobäcker um die Ecke.[6]

Fanny orderte – des Preisvergleichs mit anderen Lokalen wegen – einen Latte macchiato für 2,80 € und das Süße Frühstück zu 6,50 €. Gereicht wurde ihr ein lauwarmer Eierkuchen mit einer schmackhaften Vanillequarkcreme. Dazu ein Kelch voller Joghurtfruchtspeise (dem Geschmack nach mit frisch püriertem Obst). Auch auf dem Teller: Nutella, Honig und Erdbeermarmelade und eine Obstgarnitur. Die dezent über das Frühstück verstreuten Gummibärchen empfand Fanny als verstörend, fanden jedoch als Nachtisch in erdgeist eine neue Heimat.

Das Süße Frühstück. Preis: happige 6,50 €.

Enttäuschend der Latte macchiato: Nach mehrmaligen Umrühren und einem Schluck war es geschehen. Sämtliche braune Essenz war aus dem Glas verschwunden und übrig blieb ein halbvolles Glas mit eierschalenfarbener Flüssigkeit. Mißtrauisch fing Fanny nun an, die Nachbartische mit Argwohn zu beobachten: Auch die Lattes der anderen Gäste schauten viel zu lasch aus. Wach macht sowas nicht.

Der Kurzbesuch zum Austreten führte Fanny vorbei an der Vitrine mit vielen köstlich anzuschauenden Torten und Kuchen. Diese mußten jedoch unberührt bleiben und werden an einem anderen Tag beim Kaffeekränzchen probiert. Die Toiletten sind geschmackvoll eingerichtet: Der dunkel gebeizte Dielenboden verbreitet angenehme Atmosphäre. Eine Einladung, sich gemeinsam mit der Freundin für den Tag aufzubretzeln und eine Besorgungsliste in den zahlreichen Bekleidungsgeschäften der nahegelegenen Wühlischstraße zu verfassen. Sollte jene unerwartet eher fertig sein, kann sie sich’s auf einem der Stühle im Vorraum gemütlich machen.

Gratis: Blick auf den noch trockenen Vorplatz, das edle Menü und ein Überbleibsel aus Schland[7]-Tagen: Beamer neben dem Kronleuchter.

Hingehen sollten alle die, denen der Südkiez noch nicht zum Halse raushängt, die ihre Schwiegermutter hübsch ausführen, dafür aber den Bezirk nicht verlassen wollen oder einen Laptoparbeitsplatz mit Strom und Wlan suchen.

Besser nicht hingehen sollte, wem nach günstig-üppigem Frühstück oder Wachmache-Latte verlangt und wer morgens eine bunte kulturelle Mischung braucht.

Kuchenrausch, Simon-Dach-Straße 1 (Ecke Boxhagener Straße)
Telefon: 030 / 55953855
Webpräsenz des Kuchenrauschs

  1. Das Lokal wurde durch den Besuch von Fanny und erdgeist beehrt. []
  2. Warum es im Nordkiez keine angemessene Frühstückslokation gibt, wird noch einmal Gegenstand länglicher Betrachtungen sein. []
  3. Das Knie hat nicht gelogen, keine halbe Stunde später strömten die Volksmassen – in der Montage noch gut zu sehen – in hektischer Flucht vor dem Regen ins Innere des Etablissements. []
  4. Einzige – erst post scriptum entdeckte – Ausnahme waren die Obstschorlengläser. []
  5. Gefährlich vor allem in Anbetracht der Unterzuckerung, die Kundschaft doch erst zum Frühstücken treibt. []
  6. Die Speisekarte enthält – im Gegensatz zu den den angeblich BIO-erzeugten Eiern – keine Hinweise zur Herkunft der Brötchen. []
  7. Für den Uneingeweihten: Während der EM-Übertragung in fast allen Kneipen Berlins waren (Deut)’schland-Rufe an der Tagesordnung. []

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Uebereck

In einer Stadt so groß wie Berlin, mit über 12.000 Straßen, über 5.000 Cafés und zehntausenden Beschäftigten in der Gastronomie bleiben Namensraumkollisionen nicht aus. Und da fast jeder Ostberliner Kiez seine „Traditionskneipe“ hat, um die herum sich im Zuge der Gentrifizierung andere Cafés ansiedeln, und da auch beide „Ueberecks“ für ihre jeweiligen Kieze dazugehören, fällt es schwer zu sagen, ob eines von beiden seinen Namen eher verdient hätte.
Wir[1] waren nun im Uebereck am S-Bahnhof Ostkreuz frühstücken, um den direkten Vergleich zu dem im Prenzlauer Berg an der Prenzlauer Allee gelegenen Namensvetter zu erleben. Der Bericht über das Frühstück dort steht noch aus.[2]

Jede Frühstückslokation, die es länger als zehn Jahre gibt, bringt naturgemäß Erinnerungen – man möchte fast Wahrnehmungsverzerrungen sagen – mit sich. Man ist hier mal mit einem beeindruckenden Partner weggegangen, dort mal unfreundlich behandelt worden. Sowas prägt. Das Uebereck brilliert im Gedächtnis nun mit der Tatsache, daß erdgeist noch während seiner Schulzeit von Stumpen, seines Zeichens Sänger – gut, sagen wir Shouter – von Knorkator bedient wurde, der dort seine Schichten als Kaffee- und Milchmann schob.

46halbe war auch schon öfter mal dort und verbindet ebenfalls nette Begegnungen mit dem Uebereck, allerdings kann sie sich an keine dort gesichteten Nachrichtensprecher, Serienschauspieler oder Luder aus den Klatschspalten als Servicekräfte erinnern. Auch Frühstück hat sie dort bisher nicht verkostet. Da lohnt sich also ein Blick in die Speisekarte, der aber wenig Spannendes hervorbrachte. Naja, es war ohnehin eher so ein Tag für Standardmahlzeiten: Her mit dem Französischen Frühstück!

Franzoesisches Fruehstueck

Französisches Frühstück: 4,50 Euro

Zuerst kam noch der begehrte Latte macchiato (2,80 Euro), allerdings in einem angeschlagenen Glas. Aber keine Sorge, es gab keine nennenswerten Mundhautabschürfungen. Also konnten die zwei frischen Croissants ungestört verspeist werden, dazu gab es Honig, Erdbeermarmelade und Nutella. 46halbe schätzte auch die dekorativen Obstbeilagen, die serviert wurden.

Wir hatten uns gemütlich ans Fenster mit schönem Blick auf eine kleine Grünfläche und die dahinterliegende Bahnhofsbaustelle gesetzt. Leider begannen Straßenbaumaßnahmen, just als wir drinnen das Frühstück in Empfang nahmen. Betonschneider können den Frühstücksgenuß erheblich schmälern. 46halbe verspürte aber glücklicherweise grade den Drang, erdgeist mal so richtig anzuschreien, da kamen die Bauarbeiter grade recht. :}

Da auch erdgeist ein Traditionstier ist und faire Vergleiche beim Frühstück ziehen will, gab es für ihn das Kleine Frühstück, zusammen mit einem Milchkaffee (2,20 Euro). Er konnte sich leider gar nicht für die Salami begeistern. Ist natürlich eine Geschmacksfrage, mehr als das Prädikat „minder lecker“ war nicht zu vergeben, schöne Erinnerungen hin oder her.

kleines Fruehstueck

Kleines Frühstück: 4,40 Euro

Wir saßen nach dem Frühstück noch eine Weile bei weiteren genüßlichen Koffeinheißgetränken und unterhielten uns. Das Uebereck ist einfach ein entspannender Platz zum Verweilen. Die Straßenbauarbeiten legten eine Pause ein, und wir konnten in normaler Lautstärke weiterplaudern.

Hingehen sollten alle, die aus angemessener Entfernung einen entspannten Blick auf die große Baustelle am Bahnhof Ostkreuz werfen möchten, freundlichen Service schätzen und schon immer mal in einem ehemaligen Bettenhaus frühstücken wollten.

Uebereck
Lenbachstraße 8
, Ecke Sonntagstraße
Telefon: 030 / 291 27 92

Foto Innenraum Uebereck

  1. 46halbe und erdgeist bildeten wieder das Frühstückstraumpaar. []
  2. Demnächst auf dieser Webseite :} []

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Intimes

Im Intimes war ich schon ewige Zeiten nicht mehr. Im Sommer kann man gut dort draußen sitzen, obgleich es immer etwas zu laut ist wegen der vielen Autos in der Boxhagener Straße. Jetzt, wenn es draußen schon zugig ist, kann man es sich drinnen gemütlich machen mit jeweils nicht störender Musik in angenehmer Lautstärke, netter Bedienung sowie Filmplakaten und attraktiven Wandbemalungen.

Ich hatte eine Berliner Morgenpost unterm Arm, die einer dieser bedauernswerten Aboverkäufer unbedingt loswerden wollte. Naja, nicht gerade die bevorzugte Morgenlektüre, aber man muß sich ja zuweilen auch über die sonst nicht goutierte Presse informieren. Aber erstmal die Zeitung weglegen und die Karte studieren..

Nur Leute, die früher zu oft mit einem Bonanzarad unterwegs waren, bestellen normalerweise Sektfrühstück. Da frank aber unverdächtig ist, je eines besessen zu haben, da er als Ossi kaum als Besitzer in Frage kommt und zudem sicher keiner dieser Brits war, muß er wohl in seltener Sektlaune gewesen sein. Er entschied sich jedenfalls für das Frühstück Metropolis mit perlendem Sekt.

Frühstück Metropolis: 7,50 Euro

Um es gleich zu sagen: frank war nach dem Verzehr „zufrieden und faul“. Entsprechend müssen die Menge ausreichend und die Zutaten wohlschmeckend gewesen sein. Nach seiner Auskunft war das Brot frisch und besonders die gereichten Birnenstückchen schmackhaft. Das Ei allerdings muß ein wenig bekrittelt werden, frank empfiehlt, das Abschrecken nochmal zu üben. Nach dem Abpellen wurde es aber als hartgekocht und zweifelsohne nicht aus der Legebatterie gelobt.

Frühstück Point Neuf: 5,50 Euro

Das Frühstück Point Neuf bestand aus zuckersüßen Bananen- und Melonenstückchen, Erdbeermarmelade, etwas Orange, dunklen, aber etwas trockenen Croissants, Blaubeerquark, Nutella, Honig und Apfelmus. Alles in allem eine gute Sache, mengenmäßig aber an diesem Morgen kaum zu schaffen.

Der schon erwähnte Blaubeerquark, der zu beiden Frühstücken serviert wurde, hat zu einigen Diskussionen bei der Bewertung geführt. Zunächst war unsere einhellige Meinung, daß hier die bekannte Mindener Aromafabrik ihre Hände im Spiel hatte, aber beim zweiten Löffel waren wir nicht mehr sicher. Er schmeckte eben doch wie selbstgemacht, mit reichlich Zimt zwar, aber die Schälchen wurden ausgekratzt.

Hingehen sollten alle, die vom Kellner nicht übermäßig belästigt werden wollen, eine chillige Atmosphäre zum Frühstück vorziehen, einfach mal eine Bürgerinitiative gründen wollen und idealerweise einen cineastischen Hang haben.

Intimes, Boxhagener Str. 107, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 29 66 64 57
Außenansicht Intimes

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100wasser

Eigentlich wollten wir[1] an jenem Morgen in die Tempobox. Aber die haben die Sache mit der Cocktailbar so ernst genommen, daß sie gar nicht offen hatten. Da gibt es anscheinend also nur noch Brunch zum Wochenende. Oder haben die Urlaub?

Dem Jeck hatte irgendwann mal jemand vom 100 Wasser erzählt. Da soll es ganz okay sein, nur ein paar Schritte die Simon-Dach-Straße runter. Und so ein bißchen künstlerisches Flair am Morgen kann ja auch nicht schaden, denn der Name des Restaurants geht auf den Künstler Friedensreich Hundertwasser zurück. 46halbe kennt das Lokal übrigens auch abends und kann durchaus eine Empfehlung für die dort servierten Steaks geben. Außerdem gibt es morgens dieses verlockende Angebot:

Ein verlockendes Angebot. Dafür schlafen wir aber zu lange.

Wir waren natürlich zu spät – aber egal. Also reingegangen, Platz gesucht, hingepflanzt. Wir sitzen noch keine Minute an unserem Platz, da stellt ein vordergründig flinker Kellner wortlos einen Brotkorb auf unseren Tisch. Und zwar so schnell, daß wir schon an einen Gedankenleser glaubten. Dann passierte erstmal nichts mehr. Es dauerte einige Minuten, bis er den Brotkorb ebenso wortlos wieder von unserem Tisch nahm, leider aber keine Speisekarte bei uns zurückließ. Wir warteten – das können wir mittlerweile echt gut.

Der Kellner erwies sich danach leider generell als wortkarg und gehetzt. Immerhin gab es dann doch irgendwann Speisekarten, die uns vor das übliche Problem stellten: Was soll denn jetzt gegessen werden? Bei immerhin fast dreißig Frühstücken mit und ohne Ei fiel die Entscheidung nicht eben leicht.

Aber in heldenhaftem Entscheidungswahn wurde auch diese Hürde gemeistert. 46halbe hatte das Frühstück California gewählt, Jeck nach langem Hin und Her das Kleine 100-Wasser-Frühstück. Die Getränke ließen dann erstmal eine Weile auf sich warten. Doch was ist eine Viertelstunde, wenn man sich viel zu erzählen hat? Und schon nach vierzig Minuten, die uns endlich ausgedehnt Gelegenheit gaben, uns mal wieder so richtig ausführlich auszusprechen, – wann hat man dazu heutzutage schon noch Gelegenheit? – kam das Frühstück.

Und sah irgendwie komisch aus. Lag wahrscheinlich an den Glastellern, darauf sahen die Zutaten irgendwie, ähm, abstrakt aus.

California 7,80 (Milchkaffee und frischgepreßter Orangensaft dabei)

Serviert werden sollten beim California zwei vegetarische Pasten, von denen leider nur eine auf dem Teller zu finden war. Es sei denn, man zählt die leckere Konfitüre als vegetarische Paste mit. Die stand nämlich nicht auf der Karte. Ansonsten war aber alles dabei: als Tsatsiki getarnter Kräuterquark, Avocadocreme, Erdnußbutter (!), etwas Obst und ein Spiegelei, das Jeck abgegriffen hat. Dazu war der Milchkaffee und der frischgepreßte Orangensaft im Preis inbegriffen. Die Brotscheiben und die Brötchen waren frisch und wohlschmeckend.

Kleines 100-Wasser-Mix 7,50, Milchkaffee war dabei

Der Kleine 100-Wasser-Mix war okay, wirkte aber so, als hätte jemand einfach drei Scheiben von jedem Zeug auf den Teller gelegt. Und es gab zu wenig Butter. Mit anderen Worten: ein Frühstück, daß man auch zuhause schnell hinbekommt. Aber da kann man wenigstens ordentlich Butter auf die Brote schmieren und muß keine Dreiviertelstunde warten.

Hingehen sollten alle, die viel Zeit zum Quatschen brauchen und leicht genervte Kellner aushalten oder wirklich früh am Morgen im Friedrichshain auf der Suche nach einem käuflichen Frühstück sind. Der Brunch soll übrigens wirklich gut sein. Wir werden bei Gelegenheit nochmal am Wochenende vorbeischauen und das nachprüfen.

100Wasser
Krossener Str. 14, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 29 00 13 56

  1. Diesmal die Klassiker-Frühstücksrunde: Jeck und 46halbe. []

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±0 ( Plus Minus Null )

Die Begrüßung war äußerst freundlich. Während wir unschlüssig im Etablissement herumstreunten, wurde uns mit forsch-freundlicher Stimme ein Platz an der Sonne angeboten.

Gut gelaunt begab ich mich an den angepriesenen Tisch. Herr C. aus S., der ob des frühen Morgens noch nicht so recht lächeln wollte, folgte mir wie ein treues Schaf an den Tisch. Gemeinsam warteten wir darauf, dass die junge Frau unsere Bestellung aufnehmen würde.

Doch es sollte anders kommen.

Eine nordisch unterkühlte Blondine (mit Pullover! Herr C. will Décolleté!) wollte bald unsere Bestellung aufnehmen. Wir schauten zwar noch in die Karte, aber davon ließ sich die Kellnerin nicht abschrecken. So schickten wir sie mit unseren Getränkewünschen davon und entschieden uns wenig später für einen “Fruchttopf” und ein “Amerika”.

Amerika Frühstück: 7,80 € / Tee: 2,00 €

Das Frühstück machte seinem Namensvetter alle Ehre: Es war zu fettig und schmeckte nach nichts. Die einzelnen Zutaten erweckten außerdem den Eindruck, als ob sie schon zu lange darauf gewartet hätten, auf einem Teller zu landen. Nach kaltem lapprigem Bacon bestand der Höhepunkt aus einem Stück ausgetrockneter Orange. Am besten war der Sirup, aber da kann man ja auch nicht viel falsch machen.

Der Fruchttopf hatte hingegen ein Weihnachtsproblem. Unter der nicht zu aufregenden Fruchtmischung aus Honigmelonen und Orangen verbarg sich eine Trend-Quark-Mischung, die offensichtlich noch vom Winterschlussverkauf übrig geblieben war. Die weihnachtliche Zimtnote wollte nicht so recht zu unserem Platz an der Sonne passen.

Früchtetopf: 4,70 € / Milchkaffee: 5,40 €

Unter der Woche lohnt sich ein Besuch also nicht wirklich. Sehr zu empfehlen ist aber der Brunch, den es hier am Sonntag immer gibt. Außerdem erwähnenswert: Wer nicht viel isst, aber zum Kaffee seine E-Mails checken will, kann auch unter der Woche hier aufschlagen. Das Heißgetränk ist in Ordnung und das WLAN kostenlos. Besonders erwähnenswert findet Herr C. aus S., dass es auf Nachfrage krebserzeugenden Süßstoff gibt.

±0, Grünberger Str. 61, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 21 23 96 24

PS: Falls jemand die Seite des Ladens kennt, bitte Bescheid sagen, ich habe sie auf jeden Fall nicht gefunden.

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Zebrano

Das Zebrano zu besuchen, weckt auf jeden Fall nostalgische Gefühle, weil hier größere Teile unserer[1] Studienarbeit entstanden sind. Der Laden ist nach wie vor sehr gemütlich, was man ja nicht von allen Einrichtungen sagen kann, die sich dem hippen Retro-Berlin-Chic verschrieben haben.

Einziger Wermutstropfen: Die Heizung kommt nicht so recht gegen die große Tür an, obwohl sie durch eine lustige Decke abgedichtet ist, für die bestimmt das ein oder andere Polyester sein Leben lassen mußte.

Danny Devito: 4,60 € / Chai Latte: 2,10 € / Der Brotkorb war für beide.

Apropos Hippness: Die macht auch vor den Getränken nicht halt, ich habe hier zum ersten Mal einen “Chai Latte” probiert. Ein Vergnügen, daß scheinbar eher selten in Anspruch genommen wird, da die Kellnerin durch die Bestellung leicht verwirrt wurde – offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet.

Zu unrecht, denn wie sich herausstellte, ist das genau der richtige Weg, um lecker im Milchschaum herumzustochern, ohne sich einen Koffeinschock zu holen. Der Tee ist hier überhaupt sehr gut und wird in angemessener Art und Weise präsentiert, von Meßmer-Beuteln weit und breit keine Spur.

Das Frühstück ist … solide. Keine großen Überraschungen, keine Spielereien, aber genau die richtige Menge in guter Qualität. Den Vorsprung, den sich das Zebrano durch die Teeauswahl erarbeitet hat, geht hier aber schon wieder flöten.

Little Joe: 4,10 € / Latte Macchiato mit Bonus-Wasser: 2,50 €

Marmelade und Nutella kommen abgepackt in kleinen Plastikdöschen, die Wurst ist aus der Packung. Das erkennt man daran, daß bei den letzten Scheiben lustige Muster eingeprägt sind. Hat man Glück, erwischt man Scheiben aus der Mitte, und die Frische-Illusion ist perfekt.

Das tut der guten Qualität aber keinen wirklichen Abbruch. Nachdem der Teller leer ist, stellt sich genau das richtige Sättigungsgefühl ein. Nicht soviel, daß man sich nicht mehr bewegen kann, aber genug, um eine ausgefeilte Frühstückskritik zu schreiben.

Interessant ist die Namensgebung der Mahlzeiten. Während der Studienarbeit standen bei uns oft die Herren Gandhi (vegetarisch)[2] und Graf Esterházy (Salami) auf dem Tisch. Neben den heute verspeisten Italo-Amerikanern gibt es außerdem noch Spezialitäten wie Muhammad Ali, J.F.K. und Dolly Buster[3].
Negativ ist uns noch aufgefallen, daß das Zebrano zwar einen WLAN-Hotspot hat, dieser aber von der Telekom betrieben wird. Bezahl-WLAN ist nach wie vor rotten! Das sollten auch die hippen Berlin-Ostkreuz-Bars langsam begreifen.

Ein Besuch lohnt sich für alle, die bei entspannter Lounge-Mucke neben bunten 70er-Jahre-Retro-Lampen chillig frühstücken wollen. Mal ehrlich: Was hier kritisiert wurde, ist meckern auf hohem Niveau. Wenn ihr in der Gegend und hungrig seid, ist das Zebrano die richtige Wahl. Zum Verfassen einer weiteren Arbeit würden wir aber raten, bis zum Sommer zu warten, auf Dauer wird es ganz schön kühl um die Hüfte.

Zebrano, Sonntagsstr. 8, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 296 365 874
www.zebranobar.de

Kleines Goodie fürs Auge: Einer der besten Kneipen-Flyer, der jemals in Berlin veröffentlicht wurde, kommt aus dem Zebrano:

Der Flyer ist schon ein paar Jahre alt, jetzt also nicht hingehen und dann wundern, wo Bruce bleibt!

  1. Dieser Artikel wurde nach besagtem Frühstück von 46halbe und Jeck Pixelbrei verfasst. []
  2. Die vegetarische Auswahl ist nicht groß, aber alleine dieses Frühstück rechtfertigt den Besuch. []
  3. Iß meine Melonen, Baby! []

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Tempobox

Frühstücksbuffet: 6,90 € / Tee 1,60 €

Am Sonntag auf der Simon-Dach-Straße ein Café zu finden, dass statt Brunch eine normale Frühstückskarte anbietet, ist nicht einfach und wir sind an diesem Auftrag auch gescheitert. Nach einem Blick auf das Buffet wollten wir es schließlich im Tempobox versuchen.

Eines war von Anfang an klar: Das Tempobox hat einen guten Ruf. Wir mussten zu unserem Entsetzen feststellen, dass auf allen guten Tischen ein “reserviert”-Schild von Foster stand. Glücklicherweise kam Hilfe in Gestalt einer sehr netten Kellnerin, die unsere ratlose Entschlusslosigkeit auflöste, indem sie kurzerhand einen reservierten Tisch mit bequemen Sofa für uns freimachte.

Der Tee war leider nicht so besonders, wie so oft gab es nur einen Beutel einer bekannten Marke, die ich auch im Supermarkt kaufen kann. Dafür war das Buffet sehr lecker. Wie immer habe ich mich nicht gross mit Brot oder anderen platzfressenden Beilagen aufgehalten. Doch damit nicht genug: Das Tempobox bietet so viel warmes Essen, dass man damit einen ganzen Teller fühlen kann, auch wenn man von jedem Gericht nur einen Löffel nimmt.

Im Preis inbegriffen: Der zweite Gang. So oft man will.

Während der herzhafte Teil in “gehobene Mittelklasse” eingeordnet werden kann, ist der süße Bereich ein Traum. Frisches Obst, Pudding, Süßspeisen und zwei verschiedene Kuchen. Da ich auch hier von allem kosten musste, konnte ich mich danach kaum bewegen. Doch das Beste hatten wir uns zum Abschluß aufgehoben:

Einfach, aber gut: Selbstgemachte Waffeln.

Nach den selbstgemachten Waffeln – lecker! – wollte ich nur noch raus, da ich fürchtete eine weitere Portion nicht mehr zu überleben. Doch die Kellnerinnen waren in dem mittlerweile gefüllten Lokal so viel zu tun, dass ich mich bis an die Kasse schleppen musste. Anscheinend sind drei Leute für eine bis an den Rand gefüllte Kneipe dieser Größe doch zu wenig. Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Die Kellnerinnen gehören zu den nettesten, die mir bis jetzt begegnet sind.

Glücklicherweise habe ich diesen Vormittag trotzdem überstanden, da mich ein Verdauungsspaziergang vor dem plötzlichen Explosionstod rettete. Sehr zu empfehlen ist für diese Zwecke der ganz in der Nähe befindliche Boxhagener Platz, auf dem am Sonntag ein Flohmarkt stattfindet.

Tempobox, Simon-Dach-Str. 15, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 740 788 61
www.tempo-box.de

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