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100wasser

Eigentlich wollten wir[1] an jenem Morgen in die Tempobox. Aber die haben die Sache mit der Cocktailbar so ernst genommen, daß sie gar nicht offen hatten. Da gibt es anscheinend also nur noch Brunch zum Wochenende. Oder haben die Urlaub?

Dem Jeck hatte irgendwann mal jemand vom 100 Wasser erzählt. Da soll es ganz okay sein, nur ein paar Schritte die Simon-Dach-Straße runter. Und so ein bißchen künstlerisches Flair am Morgen kann ja auch nicht schaden, denn der Name des Restaurants geht auf den Künstler Friedensreich Hundertwasser zurück. 46halbe kennt das Lokal übrigens auch abends und kann durchaus eine Empfehlung für die dort servierten Steaks geben. Außerdem gibt es morgens dieses verlockende Angebot:

Ein verlockendes Angebot. Dafür schlafen wir aber zu lange.

Wir waren natürlich zu spät – aber egal. Also reingegangen, Platz gesucht, hingepflanzt. Wir sitzen noch keine Minute an unserem Platz, da stellt ein vordergründig flinker Kellner wortlos einen Brotkorb auf unseren Tisch. Und zwar so schnell, daß wir schon an einen Gedankenleser glaubten. Dann passierte erstmal nichts mehr. Es dauerte einige Minuten, bis er den Brotkorb ebenso wortlos wieder von unserem Tisch nahm, leider aber keine Speisekarte bei uns zurückließ. Wir warteten – das können wir mittlerweile echt gut.

Der Kellner erwies sich danach leider generell als wortkarg und gehetzt. Immerhin gab es dann doch irgendwann Speisekarten, die uns vor das übliche Problem stellten: Was soll denn jetzt gegessen werden? Bei immerhin fast dreißig Frühstücken mit und ohne Ei fiel die Entscheidung nicht eben leicht.

Aber in heldenhaftem Entscheidungswahn wurde auch diese Hürde gemeistert. 46halbe hatte das Frühstück California gewählt, Jeck nach langem Hin und Her das Kleine 100-Wasser-Frühstück. Die Getränke ließen dann erstmal eine Weile auf sich warten. Doch was ist eine Viertelstunde, wenn man sich viel zu erzählen hat? Und schon nach vierzig Minuten, die uns endlich ausgedehnt Gelegenheit gaben, uns mal wieder so richtig ausführlich auszusprechen, – wann hat man dazu heutzutage schon noch Gelegenheit? – kam das Frühstück.

Und sah irgendwie komisch aus. Lag wahrscheinlich an den Glastellern, darauf sahen die Zutaten irgendwie, ähm, abstrakt aus.

California 7,80 (Milchkaffee und frischgepreßter Orangensaft dabei)

Serviert werden sollten beim California zwei vegetarische Pasten, von denen leider nur eine auf dem Teller zu finden war. Es sei denn, man zählt die leckere Konfitüre als vegetarische Paste mit. Die stand nämlich nicht auf der Karte. Ansonsten war aber alles dabei: als Tsatsiki getarnter Kräuterquark, Avocadocreme, Erdnußbutter (!), etwas Obst und ein Spiegelei, das Jeck abgegriffen hat. Dazu war der Milchkaffee und der frischgepreßte Orangensaft im Preis inbegriffen. Die Brotscheiben und die Brötchen waren frisch und wohlschmeckend.

Kleines 100-Wasser-Mix 7,50, Milchkaffee war dabei

Der Kleine 100-Wasser-Mix war okay, wirkte aber so, als hätte jemand einfach drei Scheiben von jedem Zeug auf den Teller gelegt. Und es gab zu wenig Butter. Mit anderen Worten: ein Frühstück, daß man auch zuhause schnell hinbekommt. Aber da kann man wenigstens ordentlich Butter auf die Brote schmieren und muß keine Dreiviertelstunde warten.

Hingehen sollten alle, die viel Zeit zum Quatschen brauchen und leicht genervte Kellner aushalten oder wirklich früh am Morgen im Friedrichshain auf der Suche nach einem käuflichen Frühstück sind. Der Brunch soll übrigens wirklich gut sein. Wir werden bei Gelegenheit nochmal am Wochenende vorbeischauen und das nachprüfen.

100Wasser
Krossener Str. 14, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 29 00 13 56

  1. Diesmal die Klassiker-Frühstücksrunde: Jeck und 46halbe. []

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±0 ( Plus Minus Null )

Die Begrüßung war äußerst freundlich. Während wir unschlüssig im Etablissement herumstreunten, wurde uns mit forsch-freundlicher Stimme ein Platz an der Sonne angeboten.

Gut gelaunt begab ich mich an den angepriesenen Tisch. Herr C. aus S., der ob des frühen Morgens noch nicht so recht lächeln wollte, folgte mir wie ein treues Schaf an den Tisch. Gemeinsam warteten wir darauf, dass die junge Frau unsere Bestellung aufnehmen würde.

Doch es sollte anders kommen.

Eine nordisch unterkühlte Blondine (mit Pullover! Herr C. will Décolleté!) wollte bald unsere Bestellung aufnehmen. Wir schauten zwar noch in die Karte, aber davon ließ sich die Kellnerin nicht abschrecken. So schickten wir sie mit unseren Getränkewünschen davon und entschieden uns wenig später für einen “Fruchttopf” und ein “Amerika”.

Amerika Frühstück: 7,80 € / Tee: 2,00 €

Das Frühstück machte seinem Namensvetter alle Ehre: Es war zu fettig und schmeckte nach nichts. Die einzelnen Zutaten erweckten außerdem den Eindruck, als ob sie schon zu lange darauf gewartet hätten, auf einem Teller zu landen. Nach kaltem lapprigem Bacon bestand der Höhepunkt aus einem Stück ausgetrockneter Orange. Am besten war der Sirup, aber da kann man ja auch nicht viel falsch machen.

Der Fruchttopf hatte hingegen ein Weihnachtsproblem. Unter der nicht zu aufregenden Fruchtmischung aus Honigmelonen und Orangen verbarg sich eine Trend-Quark-Mischung, die offensichtlich noch vom Winterschlussverkauf übrig geblieben war. Die weihnachtliche Zimtnote wollte nicht so recht zu unserem Platz an der Sonne passen.

Früchtetopf: 4,70 € / Milchkaffee: 5,40 €

Unter der Woche lohnt sich ein Besuch also nicht wirklich. Sehr zu empfehlen ist aber der Brunch, den es hier am Sonntag immer gibt. Außerdem erwähnenswert: Wer nicht viel isst, aber zum Kaffee seine E-Mails checken will, kann auch unter der Woche hier aufschlagen. Das Heißgetränk ist in Ordnung und das WLAN kostenlos. Besonders erwähnenswert findet Herr C. aus S., dass es auf Nachfrage krebserzeugenden Süßstoff gibt.

±0, Grünberger Str. 61, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 21 23 96 24

PS: Falls jemand die Seite des Ladens kennt, bitte Bescheid sagen, ich habe sie auf jeden Fall nicht gefunden.

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Zebrano

Das Zebrano zu besuchen, weckt auf jeden Fall nostalgische Gefühle, weil hier größere Teile unserer[1] Studienarbeit entstanden sind. Der Laden ist nach wie vor sehr gemütlich, was man ja nicht von allen Einrichtungen sagen kann, die sich dem hippen Retro-Berlin-Chic verschrieben haben.

Einziger Wermutstropfen: Die Heizung kommt nicht so recht gegen die große Tür an, obwohl sie durch eine lustige Decke abgedichtet ist, für die bestimmt das ein oder andere Polyester sein Leben lassen mußte.

Danny Devito: 4,60 € / Chai Latte: 2,10 € / Der Brotkorb war für beide.

Apropos Hippness: Die macht auch vor den Getränken nicht halt, ich habe hier zum ersten Mal einen “Chai Latte” probiert. Ein Vergnügen, daß scheinbar eher selten in Anspruch genommen wird, da die Kellnerin durch die Bestellung leicht verwirrt wurde – offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet.

Zu unrecht, denn wie sich herausstellte, ist das genau der richtige Weg, um lecker im Milchschaum herumzustochern, ohne sich einen Koffeinschock zu holen. Der Tee ist hier überhaupt sehr gut und wird in angemessener Art und Weise präsentiert, von Meßmer-Beuteln weit und breit keine Spur.

Das Frühstück ist … solide. Keine großen Überraschungen, keine Spielereien, aber genau die richtige Menge in guter Qualität. Den Vorsprung, den sich das Zebrano durch die Teeauswahl erarbeitet hat, geht hier aber schon wieder flöten.

Little Joe: 4,10 € / Latte Macchiato mit Bonus-Wasser: 2,50 €

Marmelade und Nutella kommen abgepackt in kleinen Plastikdöschen, die Wurst ist aus der Packung. Das erkennt man daran, daß bei den letzten Scheiben lustige Muster eingeprägt sind. Hat man Glück, erwischt man Scheiben aus der Mitte, und die Frische-Illusion ist perfekt.

Das tut der guten Qualität aber keinen wirklichen Abbruch. Nachdem der Teller leer ist, stellt sich genau das richtige Sättigungsgefühl ein. Nicht soviel, daß man sich nicht mehr bewegen kann, aber genug, um eine ausgefeilte Frühstückskritik zu schreiben.

Interessant ist die Namensgebung der Mahlzeiten. Während der Studienarbeit standen bei uns oft die Herren Gandhi (vegetarisch)[2] und Graf Esterházy (Salami) auf dem Tisch. Neben den heute verspeisten Italo-Amerikanern gibt es außerdem noch Spezialitäten wie Muhammad Ali, J.F.K. und Dolly Buster[3].
Negativ ist uns noch aufgefallen, daß das Zebrano zwar einen WLAN-Hotspot hat, dieser aber von der Telekom betrieben wird. Bezahl-WLAN ist nach wie vor rotten! Das sollten auch die hippen Berlin-Ostkreuz-Bars langsam begreifen.

Ein Besuch lohnt sich für alle, die bei entspannter Lounge-Mucke neben bunten 70er-Jahre-Retro-Lampen chillig frühstücken wollen. Mal ehrlich: Was hier kritisiert wurde, ist meckern auf hohem Niveau. Wenn ihr in der Gegend und hungrig seid, ist das Zebrano die richtige Wahl. Zum Verfassen einer weiteren Arbeit würden wir aber raten, bis zum Sommer zu warten, auf Dauer wird es ganz schön kühl um die Hüfte.

Zebrano, Sonntagsstr. 8, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 296 365 874
www.zebranobar.de

Kleines Goodie fürs Auge: Einer der besten Kneipen-Flyer, der jemals in Berlin veröffentlicht wurde, kommt aus dem Zebrano:

Der Flyer ist schon ein paar Jahre alt, jetzt also nicht hingehen und dann wundern, wo Bruce bleibt!

  1. Dieser Artikel wurde nach besagtem Frühstück von 46halbe und Jeck Pixelbrei verfasst. []
  2. Die vegetarische Auswahl ist nicht groß, aber alleine dieses Frühstück rechtfertigt den Besuch. []
  3. Iß meine Melonen, Baby! []

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Tempobox

Frühstücksbuffet: 6,90 € / Tee 1,60 €

Am Sonntag auf der Simon-Dach-Straße ein Café zu finden, dass statt Brunch eine normale Frühstückskarte anbietet, ist nicht einfach und wir sind an diesem Auftrag auch gescheitert. Nach einem Blick auf das Buffet wollten wir es schließlich im Tempobox versuchen.

Eines war von Anfang an klar: Das Tempobox hat einen guten Ruf. Wir mussten zu unserem Entsetzen feststellen, dass auf allen guten Tischen ein “reserviert”-Schild von Foster stand. Glücklicherweise kam Hilfe in Gestalt einer sehr netten Kellnerin, die unsere ratlose Entschlusslosigkeit auflöste, indem sie kurzerhand einen reservierten Tisch mit bequemen Sofa für uns freimachte.

Der Tee war leider nicht so besonders, wie so oft gab es nur einen Beutel einer bekannten Marke, die ich auch im Supermarkt kaufen kann. Dafür war das Buffet sehr lecker. Wie immer habe ich mich nicht gross mit Brot oder anderen platzfressenden Beilagen aufgehalten. Doch damit nicht genug: Das Tempobox bietet so viel warmes Essen, dass man damit einen ganzen Teller fühlen kann, auch wenn man von jedem Gericht nur einen Löffel nimmt.

Im Preis inbegriffen: Der zweite Gang. So oft man will.

Während der herzhafte Teil in “gehobene Mittelklasse” eingeordnet werden kann, ist der süße Bereich ein Traum. Frisches Obst, Pudding, Süßspeisen und zwei verschiedene Kuchen. Da ich auch hier von allem kosten musste, konnte ich mich danach kaum bewegen. Doch das Beste hatten wir uns zum Abschluß aufgehoben:

Einfach, aber gut: Selbstgemachte Waffeln.

Nach den selbstgemachten Waffeln – lecker! – wollte ich nur noch raus, da ich fürchtete eine weitere Portion nicht mehr zu überleben. Doch die Kellnerinnen waren in dem mittlerweile gefüllten Lokal so viel zu tun, dass ich mich bis an die Kasse schleppen musste. Anscheinend sind drei Leute für eine bis an den Rand gefüllte Kneipe dieser Größe doch zu wenig. Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Die Kellnerinnen gehören zu den nettesten, die mir bis jetzt begegnet sind.

Glücklicherweise habe ich diesen Vormittag trotzdem überstanden, da mich ein Verdauungsspaziergang vor dem plötzlichen Explosionstod rettete. Sehr zu empfehlen ist für diese Zwecke der ganz in der Nähe befindliche Boxhagener Platz, auf dem am Sonntag ein Flohmarkt stattfindet.

Tempobox, Simon-Dach-Str. 15, 10245 Berlin
Telefon: 030 / 740 788 61
www.tempo-box.de

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