Eckstein

Es gibt Klassiker, bei denen kommt man gar nicht darauf, noch extra Worte zu verlieren: Frühstück in der eigenen Küche zum Beispiel oder Picknick im Park. Das Eckstein im Prenzlauer Berg ist so ein Stück Frühstücksgeschichte. Seit das ehemalige Kolonialwarengeschäft vor fast fünfzehn Jahren zur Bar umgebaut wurde, hat es viele Morgen vor dem gefährlichen Vakuum im Kühlschrank gerettet. Dieses Mal jedoch muß es sich der kritischen Betrachtung (und gerade wegen des Heimvorteils einer besonders kritischen Betrachtung) unterziehen lassen.

Das Eckstein befindet sich an der Ecke Raumerstraße/Pappelallee. Draußen gibt es Klapptische mit Bierbänken, aber auch eine Hollywoodschaukel – die Verkehrsgeräusche sind erträglich, dank aufgemotzten Mopeds sogar eher dörflich. Im Inneren gibt es ein paar nicht zu dicht gestellte Tische vor der Bar und zwei betischte Emporen – eine davon jedoch wegen der dort befindlichen Küche eher zugig. Besonderes Feature des Ecksteins sind Rühreier, Smoothies und Pancakes.

Innenansicht mit Empore: kostenlos

An dem sonnigen Morgen war das Restaurant gut gefüllt und unser Tisch füllte sich etappenweise. Die daraus resultierende asynchrone Bestellweise verkraftete das zuvorkommende und gutgelaunte Personal mit Latte-Zubereitungszeiten von bis zu unter zwei Minuten[1] ausreichend gut – ähnlich wie die zugegeben blöden Witze eines der Tester. Die Meßgruppe war mit zwei verkaterten Fleischessern und zwei nicht-verkaterten Vegetariern gut gestreut – eine Placebo-Kontrollgruppe gab es jedoch nicht. Der große Latte macchiato kostete 2,60 Euro, ein extra-Shot Espresso fünfzig Cent. Zur preislichen Orientierung: Französisches Frühstück kostet 4,20 Euro, und als besonderes Extra für den Schmierfaulen gibt es zwei fertig belegte Bemmen als „Berliner Frühstück“.

Der Latte macchiato war durchschnittlich lecker, für den Kaffee konnte hannes – Koffeinjunky und ausgewiesener Kaffeeexperte – jedoch nur das vernichtende Urteil „man braucht Zucker“ vergeben. Sill genehmigte sich einen Himbeersmoothie mit Apfelsaft für 3,20 Euro und war sichtlich angetan. franks Wahl fiel auf das Skandinavische Frühstück, hannes und sill wählten beide das Kanadische Frühstück, während erdgeist seiner Tradition treu ein gemischtes Frühstück – hier „Allerweltsfrühstück“ – bestellte.

Skandinavisches Frühstück: 6,50 €

Das Skandinavische Frühstück hielt einen laut frank „amtlichen Haufen“ Lachs bereit und kam mit Shrimpsrührei, Gemüse, Salat, Butter sowie in je einem Töpfchen Avocadocreme, Dijonsenf und Meerrettich. Während frank vom Rührei durchweg begeistert war, lockte ihm die lasche Avocadocreme nur ein Gähnen hervor, das von der in vegetarischen Ausbildungslagern trainierten sill auch bestätigt wurde.

Kanadisches Frühstück: 5,50 €

Ein Kanadisches Frühstück besteht im Eckstein aus zwei Pancakes. Hannes wählte der Abwechslung wegen neben dem üblichen Blaubeer- ein Bananenpancake. Dazu gibt es Ahornsirup und Dekorobst. Die Blaubeerpancakes sind nach sills Aussage die Referenzdarreichung in Berlin. hannes hätte quantitativ ein wenig mehr für den Preis und seinen Hunger begrüßt – mußte aber nach dem Verzehr zugeben, daß diese nur scheinbar unscheinbar aussahen, es aber doch ganz schön in sich hatten.

Da wir aus früheren Fehlern gelernt und die erste sich bietende Wespe frühzeitig kalt- und zur Warnung im Fenster ausgestellt hatten, stellte das Essen der Pancakes keine entomologische Herausforderung dar. Es soll lobend erwähnt werden, daß sich die Speisekarte zum Wespenjagen eignet.

Allerweltsfrühstück: 5,60 €

Das Allerweltsfrühstück wartete mit vier frischen Wurstsorten, zwei Lagen Lachs, Gorgonzola, Camembert, Käsescheiben in drei Sorten, Marmelade satt, einem Ei, Obstsalat, selbstgemachtem Kräuterquark, Dekorobst und Tomaten auf. Kurzum: Sehr reichlich und nichts aus der Packung. Da es keinen Eierlöffel gab, mußte das offensichtlich nicht korrekt abgeschreckte Ei händisch geöffnet werden und lief prompt über unseren Notizen aus. Den Grund für das wäßrige Ei vermuten wir irgendwo um das Konzept „Vorkochen“.

Der zu den Selberschmier-Frühstücken gereichte Brotkorb beinhaltete sehr leckere, frische Ostschrippen und delikates Vollkornbrot. Alles in allem ist das Allerweltsfrühstück eines der bestausgestattetsten gemischten Frühstücke in der Gegend. Der Teller war spannend, aber leider nicht zu schaffen. Auch Salatkopf-Care-Pakete an den noch nicht vollständig gesättigten hannes führten nicht zur erhofften Abnahme des Essensbergs.

Hingehen sollten alle mit und ohne Kater, die Frühstück satt und dabei von 14 Jahren Erfahrung am Kunden profitieren wollen, keine Mittepack-Allergie haben und kein Internet beim Frühstück brauchen.

Eckstein
Pappelallee 73
, 10437 Berlin
Telefon: 030 / 441 99 60

Eckstein

  1. Da sein erster Kaffee „gefühlte zehn Minuten gedauert“ hat, besteht hannes darauf, die Durchschnittszeit mit fünf Minuten anzugeben. []

2 Comments

Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

2 Responses to Eckstein

  1. Pingback: Essend um den Prenzlberg « Schnick Schnack Schnuck

  2. mobau

    Moin könnt ihr mir sagen ob das Eckstein wieder offen ist?
    Bei meinem letzten Berlin Trip 07-2009 war es grade zu .

Schreibe einen Kommentar