Milch & Zucker

Das Milch & Zucker ist einer der Klassiker, den wir schon lange mal hier im Blog besprechen wollten. Das liegt daran, daß man eigentlich mindestens einmal im Monat zwangsweise in der Oranienstraße vorbeikommt.[1] Es gibt da Netz, Kaffee und Kuchen, den wir heute stellvertretend für Euch probiert haben.[2] Näheres dazu erfahrt ihr im Podcast, und auch, warum 46halbe bei Bärten Fersengeld gibt.

Obst, Beerentörtchen und Brownie

Obst, Beerentörtchen und Brownie.

Aber der Reihe nach: Das Milch & Zucker ist eine der Kaffeebars, die – genau wie das Internet, von dem in letzter Zeit alle reden – immer häufiger im Berliner Stadtbild auftauchen. Bestellt wird an der Theke, an der auch sofort bezahlt wird. Die TTT ist demzufolge als instantan zu bezeichnen. Neben den üblichen Heißgetränken, die auch in Puschenversionen offeriert werden,[3] gibt es auch belegte Brotsachen aller Arten und Weisen, eine große Auswahl an Frischgetränken[4] sowie Backwaren, Müsli und Obstsalat.

Latte Machiatto (Single)

Latte macchiato (2,40 Euro).

46halbe orderte den einen oder anderen Latte macchiato sowie einen Kuchen, der einfach ansprechend aussah, dessen Zusammensetzung aber weniger von Bedeutung war. Natürlich ißt das Auge bekanntermaßen mit, was also schon aussieht wie eine Vogelscheuche mit Affenschaukel, wird erst gar nicht bestellt. Die ausgesprochen freundliche Bedienung klärte uns später auf: Es war ein Karottenkuchen. Doch Vorsicht! Diese Art Kuchen vergrößert sein Volumen exponentiell nach dem Verzehr.

Karottenkuchen (ganz)

Karottenkuchen (2,50 Euro).

Im Milch & Zucker sitzen um einen herum meistens klickende Computerbesitzer und ein paar Anwälte der Sorte, die keinen Schlips trägt – man ist schließlich in Kreuzberg. Im Sommer sind vor dem Lokal an der vielbefahrenen Oranienstraße auch draußen ein paar Tische aufgebaut. Da dies bei der derzeitigen Witterung nicht der Fall ist, kann es zu Stoßzeiten durchaus recht voll sein.

Karottenkuchen (halb)

Der Karottenkuchen hatte es in sich: Durch die spontane Verdreifachung seines Volumens kurz nach dem beginnenden Verzehr konnte er nur etappenweise verspeist werden.

Im Gegensatz zur nur mäßig eßbereiten 46halbe, die aufgrund ihrer geringen Nahrungsaufnahme auch so aussieht, ließ sich Jeck Pixelbrei nicht lumpen und orderte für den ersten Gang einen Focaccia[5] mit Rosmarinschinken und einem Darjeeling-Tee. Die Preise können nicht mehr genau angegeben werden, betragen aber in der Regel zwischen zwei und drei Euro.

Darjeeling, Focaccia und Uhrzeit

Darjeeling und Focaccia.

Der Focaccia zeichnete sich durch äußerste Leckerhaftigkeit aus, was dazu führte, daß er innerhalb kürzester Zeit verspeist wurde. Besonders gelobt werden soll an dieser Stelle die gute Qualität des Schinkens und das kleine, aber sehr mundende Detail der Trockentomate.

Hingehen sollten alle, die auf kuchenartige Kalorienbomben stehen oder einfach nur in der Oranienstraße vorbeilaufen, denn koffeinhaltige Heißgetränke zum Mitnehmen werden auch offeriert.

Milch & Zucker, Oranienstraße 37
Tel. 030 / 61 67 14 97
Die Außenansicht bei Flickr

  1. Gerüchteweise ist das eines der Büros von Jeck. []
  2. Und zwar nur, weil wir uns für Euch, die geehrten Leser, vollgefressen haben, um auch ja ein wohlfundiertes Urteil für Euch zu fällen. []
  3. koffeinfrei und/oder mit Sojamilch bzw. laktosefrei – lecker! []
  4. Zum Beispiel: Club-Mate. Das gehört wohl mittlerweile zum guten Ton. []
  5. Immer dieses neumodische Zeug. Das heißt eigentlich schlicht und simpel: Fladen. []

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Casina delle Rose

„Tu si aliubi fueris, dices hic porcos coctos ambulare.“ – Petron, Satyrica 45,4

22 Grad und angenehme Sonnenstrahlen begrüßen den Besucher auf dem Weg durch den Villa Borghese[1] zum Casina delle Rose. An uns[2] vorbei kommen gutgelaunte Fußgänger, Rollschuhfahrer, Segway-Benutzer und Fahrradwanderer. Wir setzen uns auf die große Terrasse an den äußersten Rand, um den ersten Härtetest für das Servicepersonal zu proben.

casina

Außenansicht des Casina delle Rose mit Freiluftkino nebenan.

Doch es eilt sofort und mit freundlichem Lächeln eine bildhübsche Italienerin herbei und offeriert uns die Karte. Die typische Frühstücksuhrzeit am frühen Nachmittag läßt uns nach koffeinhaltigen Heißgetränken und Süßem ausschauen. 46halbe durchsucht das Eisangebot und wird fündig. Serviert wird ein köstliches, cremiges Gemisch aus Stracciatella und Vanille, das trotzdem so kalt ist, daß die Schokoladenstückchen am Löffel festfrieren. Lecker!

eis

Eis der Sorte Stracciatella-Vanille mit vernachlässigbarem Preis.

Um den Genuß zu vervollkommnen, werden ein Cappuccino und ein Eiskaffee geordert. Der Versuch, den Eiskaffee landesüblich auf italienisch zu bestellen, glückt vordergründig, denn die Nachfrage „Shakerato?“ sorgt für leichte Verwirrung. Die Kellnerin überbrückt ihr Fremdschämen äußerst professionell mit einer eindeutigen Geste, die Erleuchtung bringt: „Ja, geschüttelt! Äh, si, shakerato!“ Der Cappuccino kommt in einer besonderen Tasse mit ergonomisch wertvollem Henkel und erfreut durch den in diesem Teil der Welt durchaus üblichen guten Kaffeegeschmack. Der Eiskaffee, der hier Caffe Freddo genannt wird, aber toppt das Erlebnis angenehmer Gastronomie durch seine Optik:

eiskaffee

Cappuccino und Caffe Freddo, die ihren einzeln leider nicht mehr bekannten Preis Wert waren.

Die dunklen Applikationen an der Innenseite des Glases stellten sich als vergängliche Kunst heraus, die den rieselnden Effekt von pittoresken Schokoladenfällen hatte. Um eine lange Beschreibung kurz zu machen: Kaffee schmeckt hier einfach nach Kaffee, und die milde Temperiertheit des Getränks verleitet allzu schnell zu übereiltem Genuß.

Im Verlauf des entspannten Gesprächs über die Vorzüge mediterranen Lebens kamen die Tester übrigens überein, daß sie im Falle eines zukünftigen Umstiegs in das Spekulantengeschäft das Objekt definitiv erwerben werden. Ob wir die für römische Verhältnisse moderaten Preise beibehalten werden, wird sich allerdings erst dann zeigen: Unser Aufwand betrug inklusive eines fürstlichen, aber verdienten Trinkgeldes fünfzehn Euro.

gullideckel

Selbst die Gullideckel sind in Rom vielsagend.

Während wir das Spekulationsobjekt verließen und zu einem Spaziergang aufbrachen, fiel uns die allseits bekannte altrömische Sage des Marcus Curtius ein.[3] Der furchtlose junge Soldat adliger Herkunft schmiß sich dereinst mitsamt Harnisch und Roß in einen Erdspalt inmitten Roms, der sich zuvor als mit herkömmlichen Mitteln nicht auffüllbar erwiesen hatte. Sein selbstloses Opfer war nicht umsonst: Der Spalt schloß sich, so daß wir heutzutage fröhlich durch den Villa Borghese schlendern und dabei ansehnliche Reiterbildnisse des Herrn Martius bestaunen konnten.

Hingehen sollten alle, die erfahren wollen, was italienische Gastlichkeit praktisch bedeutet und den ansonsten durch ausgiebiges Hupen gekennzeichneten Straßenverkehr der Großstadt mal vergessen möchten. Das Casina delle Rose sollte einfach jeder Romtourist besuchen, auch wenn man gar keinen Hunger hat. Und zu Fuß sind es nur fünf Minuten zum örtlichen Segway-Vermieter.  :}

Casina delle Rose, Largo Mastroianni 1, 00197 Rom
Tel. +39 06 4201 6224

  1. Ja, wir sind im schnieken Rom, und der Villa Borghese ist der schönste und größte Park hier. []
  2. Das weitgereiste furchtlose Testteam ist heute 46halbe und naros. []
  3. Na gut, sie fiel uns durch das Blättern in römischen Stadtführern auf. []

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Filed under À la carte, Nicht wirklich Berlin

Datscha

Das Testteam[1] hat den folgenden Artikel unter unerwartet erschwerten Bedingungen verfaßt. Der Leser möge also nachsehen, falls zwischen den Zeilen Zähneknirschen zu vernehmen ist. Aber der Reihe nach…

Das Datscha erfreut seine Gäste mit einem kostenlosen WLAN und vor allem erstaunlich vielen gut zugänglichen Steckdosen.[2][3] Dieser Umstand regt dazu an, grundsätzlich über die ethischen Dilemmata der freien Netznutzung in Cafés zu sprechen. Für jeden, der sich der Hackerethik verpflichtet fühlt, ist ja immer mal wieder die Diskussion darüber an der Tagesordnung.

Wir mußten schon nach kurzer Debatte feststellen: Es wäre in der Tat eine große Herausforderung für das anwesende Testteam beispielsweise über einem ebensolchen Café zu wohnen und trotzdem alle moralischen Richtlinien zu befolgen, die verantwortungsvolle Nutzer von neuartigen Rundfunksempfangsgeräten sich selbst aufzuerlegen pflegen. Groß wäre die Versuchung, sich in Splinter-Cell-Manier auf die Lauer zu legen, um unwissende oder fahrlässige Menschen zu beobachten und auszuspionieren.[4]

Aber endlich mal zum Zweck dieses Blog-Postings: Der erste Blick in die Karte war irgendwie vertraut, obgleich das Datscha vorher nie besucht wurde. Aber die Speisekarte erinnerte in Aussehen, Schriftart und vor allem wegen eines bestimmten Spruchs sofort an das Gorki Park in Mitte. Das gleiche gilt für die Teegläser:


Loser Darjeeling-Tee in einem schönen Glas für 2,00 Euro. So soll es sein.

Glücklicherweise wurde die oben beschriebene hackerethische Versuchung jäh unterbrochen, da die TTT[5] so klein war, daß sie im nicht meßbaren Bereich lag. Dies könnte allerdings auch daran liegen, daß Jeck gerade damit zu tun hatte, seine Pflanzen gegen Zombies zu pflegen. Die einzig halbwegs verläßliche Aussage, die ihm zu entlocken war: „Der Tee war auf jeden Fall noch während der ersten Welle von Zombies hier!“[6]


Leckerer Capuccino für 2,20 Euro.

Nach dem diesmal übrigens nur ganz leicht verspäteten Eintreffen[7] von 46halbe konnte deshalb ohne viel Verzögerung die Essensbestellung aufgegeben werden. Die Auswahl gestaltet sich einfach, denn es gibt überschaubar viele Angebote, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Es ist ein Tag für ein deftiges Frühstücksmahl: Nach kurzer interner Debatte wurde ein Schwarzes Meer und ein klassischer Flammkuchen mit Speck bestellt.


Klassischer Flammkuchen. Gut für den Tester, hart für das Büro. 5,90 Euro.

Der Flammkuchen fiel auf den ersten Blick dadurch auf, daß Unmengen von Zwiebeln[8] den geneigten Esser anlugten. 46halbe mag Zwiebeln, bekam aber instantan ein mitleidiges[9] Gefühl gegenüber ihren Büronachbarn, die offenbar einen harten Tag vor sich hatten. Das Hineinbeißen in den natürlich noch warmen Flammkuchen ergab einen angenehm dilligen Geschmack.

Das Schwarze Meer ist eines der auf einem Teller in kleinen Schälchen angerichteten Mahlzeiten, die dem Betrachter ein spontanes „Was?! Das ist alles!?“ entlocken.


Perfektes Katerfrühstück: Schwarzes Meer für sieben Euro.

Bei genauerem Beessen stellt sich zum Glück heraus, daß die Datscha-Küche ein sehr genaues Gespür dafür hat, wieviel Portion gerade genug ist. Beim Würzen ist dieses schon an Gleichberechtigungsmanie erinnernde Fingerspitzengefühl allerdings nicht vorhanden. Die verschiedenen Sachen waren entweder sehr salzig oder scharf (Tomaten/Zwiebel-Paste und Heringstartar) oder gar nicht in die Nähe eines geschmacksverändernden Stoffes gekommen (Rührei und Kartoffelröstling mit Lachs).

Glücklicherweise mag Testesser Jeck salzig und gehört dem Kompetenznetzwerk der Eigenwürzer an, sodaß die Essung des Schwarzen Meeres zur allgemeinen Zufriedenheit verlief und vor allem all jenen Weggefährten empfohlen wird, die an den Nachwirkungen einer Ethanol-Intoxikation leiden.

Um wirklich einen kompletten Testbericht[10] abliefern zu können, wurde dann noch ein Stück Käsekuchen bestellt.


Normalerweise gibt es noch zwei andere Sorten[11]: Käsekuchen für 2,50 Euro.

Zur Bewertung dieses Stückes kann leider kein ganz neutrales Testurteil angegeben werden, da Herr P. eigentlich keine Käsekuchen mag und 46halbe sich mit fadenscheinigen Ausflüchten, die sich auf das Kokoszeugs auf dem Kuchen bezogen, dem zuvor angekündigten Testessen entzog. Mit aller zu Rate gezogenen Kompetenz kann das Team aber bestätigen, daß der Kuchen handwerklich korrekt und wohlschmeckend zubereitet wurde und Käsekuchen-mit-Mandarinen-und-Kokosflocken-Liebhabern durchaus Freude bereiten kann.

Hingehen sollten alle, die ein praktisches, schnelles und freundliches Frühstück wünschen und keine Angst vor Kindersirenen in einem ansonsten aber nur mittelmäßig gefüllten Lokal haben.[12] Da das Netz nach dem guten Essen noch etwas zum Bleiben einlädt, die Bedienung freundlich ist und die koffeinhaltigen Heißgetränke schmecken, können wir das Datscha guten Gewissens weiterempfehlen.

Datscha
Gabriel-Max-Str. 1, 10245 Berlin
Tel. 030 / 700 86 735
cafe-datscha.de

  1. 46halbe und der ehrenwerte Herr Pixelbrei. []
  2. Steckdosen sind im Grunde wichtiger als das Netzangebot, da man ja heutzutage sein mobiles Internet dabei hat. []
  3. Ach wirklich? GPRS zählt als mobiles „Netz“? []
  4. *sniff* []
  5. Time To Tea. []
  6. Was dies bedeutet, überlassen wir dem Leser, weisen aber vorsorglich daraufhin, daß die TTT und TTL auch im restlichen Verlauf der Sitzung angenehm klein war. []
  7. Nee, klar. []
  8. Die Zwiebeln sahen für Jeck sehr frisch und lecker aus. []
  9. Diese Fußnote wurde gegen 46halbes Willen eingefügt und dient nur der Ablenkung. 46halbe weint jetzt, denn sinnlose und unnötig lang ausformulierte Fußnoten sind eine Nemesis. Das habt ihr nun davon. []
  10. Ja, wir haben auch Wostok, so eine Art russische Bionade ausprobiert, wollen aber an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur so viel: Interessant. []
  11. Am Vortag war eine Touristengruppe eingefallen. []
  12. Auf diesen Umstand bezog sich die eingehende Bemerkung, die der Datscha natürlich keineswegs anzulasten ist. Obwohl man anmerken muß, daß ein paar Kinderwagenkrähenfüße das Problem aus der Welt schaffen könnten. []

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kaufbar

Mitten in Berlin ein idyllisches und vielleicht gar ruhiges Plätzchen zu finden, ist nicht immer einfach. Das Lokal kaufbar ist dafür eigentlich nicht bekannt, da es an der recht stark befahrenen Gärtnerstraße in Friedrichshain gelegen ist. Allerdings versteckt sich ein Teil der Tische im Hinterhof, und der ist nicht nur fabelhaft still, sondern hat einen schönen großen Ahornbaum. Dank an die freundliche Kellnerin, welche die zuerst eintreffende Testesserin darauf hinwies.

Dieser Frühstückstest stand unter besonderen Vorzeichen, die eine ruhige Umgebung verlangten: Juliane vom Berliner Radiosender Fritz nahm einen kurzen, aber launigen Bericht (mp3, ab Minute 38) über Blogs, die sich der Bewertung von Gaststätten verschrieben haben, für die Sendung Trackback auf. Wir[1] setzten uns also an einen der Tische unter den Ahornbaum. Die restlichen Tische waren noch unbesetzt, perfekte Bedingungen also für sowohl den Genuß des Frühstücks als auch die Aufnahme für den Radiobericht.

Die Karte ist in der kaufbar übrigens zweigeteilt. Die eine Hälfte ist voller Vorschläge für Krawallbrause und Cocktails, die andere eine Art Multiple-Choice-Test: Man kreuzt an, was man für das perfekte Frühstück hält. Ob wir damit diesmal richtig liegen?

streichholzschachtel

Der Name ist Programm: Alles hier ist kaufbar, nur die Streichhölzer sind kostenlos. :}

Nachdem der übliche Latte macchiato in einer TTL von unter drei Minuten auf dem Tisch stand und zudem mit Wasser gereicht wurde, versprach der Besuch ein angenehmes Erlebnis zu werden. Juliane hatte allerdings noch etwas mit den Auswirkungen einer durchzechten Nacht zu kämpfen und war daher zunächst nicht übermäßig hungrig. Sie orderte gegen die leichte Apetitlosigkeit im Ankreuzverfahren Obst mit Joghurt. 46halbe bestellte das vegetarische Frühstück, allerdings ohne Gouda.

obst mit joghurt

Obst mit Joghurt für 2,80 €.

Juliane bewertete ihren Joghurt mit Bananenstücken, Orangen und Pinienkernen als sehr wohlschmeckend, aber nicht weiter aufregend. Während sie ihn ohne besondere Eile verspeiste, widmeten wir uns einem Gespräch über Essensbewertungen, Blog-Kategorien und Verfehlungen beim Service. Da der Radiobericht aber nur ein paar Minuten umfassen sollte, kamen wir recht schnell auf journalistische Arbeit ganz allgemein und die Sinnhaftigkeit und den Inhalt von Fragen bei Bewerbungstests an Journalistenschulen zu sprechen. Juliane wußte da Aktuelles und Spannendes zu berichten, was aber hier nicht weiter ausgewalzt werden soll.

vegetarisches fruehstueck

Vegetarisches Frühstück für 4,10 €.

Das vegetarische Frühstück kam mit einem frischen, noch warmen Brötchen. Das ließ sogar darüber hinwegsehen, daß das Messer nicht richtig abgewaschen war. Garniert waren die beiden Aufstriche und die Marmelade mit Trauben, Äpfeln, dazu etwas Grünzeugs. 46halbe vergab das Prädikat „sehr köstlich“.

zweites fruehstueck

Julianes zweites Frühstück, Preis unklar.

Julianes zunächst unterdurchschnittlicher Apetit wurde offenbar durch die Leckereien dann doch angeregt: Sie bestellte mittels der Ankreuzliste frische Toskana-Brötchen, Serrano-Schinken und ein Ei. Natürlich waren auch hier ein paar Sprossen und Salat als Garnitur dabei. Während sie noch das Essen genoß, füllte sich gegen ein Uhr das Lokal merklich. Offenbar waren die Friedrichshainer nun wach geworden..

Hingehen sollten alle, die preiswert speisen wollen, aber nichts Außergewöhnliches erwarten, gern aber gemütlich und idyllisch chillen und dabei schnell und ausnehmend freundlich bedient werden möchten. Wer dem Müßiggang nicht abgeneigt ist und bis kurz vor Sonnenuntergang bleiben kann, sollte nicht verpassen, zur unweiten Modersohnbrücke zu gehen und unbeeinträchtigt von den in Berlin häufig anzutreffenden Pomadenhengsten den Sonnenuntergang an der fast schönsten Stelle in Berlin zu genießen.

kaufbar, Gärtnerstr. 4
Tel. 030 / 297 78 825
Webseite kaufbar

  1. Mit der wie immer völlig objektiven Berichterstattung waren heute ebenjene Juliane und 46halbe betraut. []

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Filed under À la carte, Friedrichshain

Rotwild aska Fargo

„Draußen in der Stadt. Wanderer halten an, den Atem. Kehren ein, und wieder. Ein rüdes Wort, dem Hunde. Stolpern und stapeln, zertretenes Grün. Boxi.“ – Unbekannter Erdgeist

Für professionelle Krawalltouristen wie uns[1] gehört das Auskundschaften des Walpurgisnachtkiezes zum Routineprogramm. Auf der Grünberger Straße, gleich neben dem Zielona Góra, schickt sich das Fargo[2] an, Friedrichshainer Schickimicki-Gentrifizierung zum Trotz Verweil für Alteingesessene zu sein.

Ja, da steht immer noch Fargo dran. Nein, es heisst Rotwild.

Idyllisch gelegen am Hunde- und Assi-Boxi, mit Blick auf den Spießerbiomarkt und das Resozialisierungsprojekt „Cafe am Boxi“[3] verschlug den überpünktlich eingetroffenen Jeck die Befüllung der Freiluftplätze auf die – immerhin noch gut belüfteten – Fensterplätze.[4]

Hier wird am 1. Mai alles noch viel grüner sein.

Das Lebensgefühl im Fargo[2] ist Norddeutsch. Man setzt sich erstmal. Man genießt den Ausblick. Man denkt über das Leben nach. Man fragt sich, wo eigentlich die anderen Frühstücksblogger bleiben. Dann löst man noch schnell das Energieproblem der Erde, ohne dazu fossile Brennstoffe zu benötigen.[5] Und dann…

…dann wird nach ungefähr 20 Minuten zum ersten Mal der Bediener[6] aufmerksam und widmet sich dem frisch vervollständigten Testerteam. Das kann viele Gründe haben: Vielleicht sind Gästegruppen der Größe N=1 nicht signifikant genug. Vielleicht muß man draußen sitzen, um bemerkt zu werden. Aber vielleicht waren auch einfach nicht genug Bediener da.

Links auf der Theke stand das Büffett.[7] Rechts saßen die Inspektoren.

Das machte sich auch in der TTM[8] bemerkbar. Während die TTT[9] sportliche vier Minuten beträgt, liegt die TTM hingegen bei verpeilerischen 11 Minuten. ABER: Es gab eine höfliche Entschuldigung! Trotz Berlin! Trotz Friedrichshain.[10]

Einer der anwesenden Frühstücksblogger hat eine kleine Teebeutelneurose[11] Glücklicherweise brach die Neurose hier nicht aus. Es handelte sich also um Tee, der sich auch so nennen darf. Schon das Äußere überzeugte: Statt eines Fixminze-Beutels aus der Pappschachtel gab es losen Tee fein verpackt in einen ebenfalls losen Filterbeutel.[12]

Ein Tee, der zumindest schon mal gut aussieht. Lose!

Der Milchkaffee brauchte keinen Zucker, was laut Versuchsperson Zeta ein gutes Zeichen für Heißgetränke dieser Art ist, war gut trinkbar und definitiv keine Krönung[13]. An die heiße Tasse schmiegte sich ein – den Wärmetransfergesetzen der Thermodynamik folgend schon leicht angeflüssigtes – Stück Sarottischokolade.

Das Angebot an Speisen wurde in Berliner Sonntagstradition dargereicht: „Kleenet Jemüschtet uffe Theke vateilt, Alta“. Für alle Non-Native-Speaker: Buffet. Das Frühstücksbuffet ist eine für Tavernen-Betreiber billige und lukrative Variante, Leute am Wochenende abzufrühstücken. Positive Ausnahmen existieren, sind aber selten. Die Regel sind eher „Dienst nach Vorschrift“-Anrichten. Auch das Buffet im Fargo[2] zeichnet sich durch eine fast schon professionelle Beliebigkeit aus. Selbst der Preis ist Mittelmaß: 8,50 Euro ist nicht wirklich billig, aber auch keineswegs zu viel.

Herr Erdgeist verspeiste gelb mit rot.

Der geneigte Leser möge uns nicht falsch verstehen. Das Buffet war durchaus sättigend und auch schmeckend. Die Suche nach dem besonderen, einzigartigen Merkmal; der einen Speise, die uns wieder ins Fargo[14] ziehen wird, lief aber leider erfolglos.[15] Daß die BBB-Crew wirklich alles ausprobiert hat, um die besondere Speise zu finden, soll an dieser Stelle natürlich auch dokumentiert werden:

Herr Pixelbrei nahm den ganzen Rest.

Nach dem ersten Hauptgang genehmigten sich die externen Inspektoren ein weiteres Heißgetränk jeweils derselben Art, das nun mit jeweils 2,40 Euro berechnet wurde. Das erste Heißgetränk ist im Büffetpreis inbegriffen.[16] Erstaunliches Detail: Nachdem Versuchsperson Zeta in Apothekerschrift Notizen gemacht hatte und Versuchsperson 13 mit einem fotografischen Apparat operierte, wurde die zweite Runde in der Hälfte der TTT(1)-Zeit geliefert.[17]

Was ist an diesem Bild falsch?[18]

Damit war genug Flüssigkeit vorhanden, um das Dessert herunterzuspülen. Wir stellen hier im Bild nur eine der gewählten Kombinationen dar, um dem geneigten Leser die Ei-Müsli-Kombination von Versuchsperson Zeta zu ersparen[19]. Die Qualität war halt… okay. Aber das sagten wir ja bereits.

Versuchsperson 13 räkelte sich nach dem Essen versonnen in seiner semibequemen Sitzgelegenheit und ließ einen wohligen „wunderbar“-Seufzer vernehmen. Daß dies zum guten Teil seiner erleuchteten, weisen und gelassenen Geisteshaltung zu verdanken ist, scheint ein passendes Fazit für das Fargo[20] zu sein:

Gut gelaunte Menschen, die keine großen Überraschungen und kein Latteschlürfer brauchen, bekommen hier ein solides Frühstück zum annehmbaren Preis[21] und werden satt. Wer allerdings sowieso schon einen Griesgrampf gefressen hat, wird sich über das frugale Angebot beschweren, sollte aber wahrscheinlich sowieso zu Hause bleiben.

Rotwild aska[22] Fargo, Grünberger Straße 77, 10245 Berlin
Tel. 030 – 29 00 57 19

  1. Die Inertia des Sonntagmorgen überwanden für euch Jeck und erdgeist. []
  2. Entschuldigung: Rotwild [] [] []
  3. Namen recherchieren. Quatsch. Wozu denn, weiß doch jeder, was gemeint ist. So ein Hundfutterkochladen halt. Kein Wunder, daß die rückfällig werden. []
  4. Also die Wand war weg, das Fenster ging bis zum Boden und war quasi ausgebaut. Also fast draußen. []
  5. Wurde natürlich gleich wieder vergessen. Wegen Unterkoffeeinierung. []
  6. Es bediente Sie: Herr Fuchs. []
  7. Das war aber schon weg, als VP13 zurückkam um die fehlenden Fotos zu machen. []
  8. TimeToMilchkaffee []
  9. TimeToTea []
  10. An dieser Stelle bemerkt der geneigte Leser, wie sehr sich der Anspruch der einst stolzen Zunft der Frühstücksblogger der Realität angepasst (lies: gesenkt) hat, wenn solche dem Dienstleistungsgewerbe eigentlich selbstverständlich scheinende Gesten extra erwähnt werden müssen. Dennoch: Ein Lächel-Bienchen an dieser Stelle für den Bediener. []
  11. Er ist der Ansicht, für einen labbrigen Messmerteekannenbeutel nicht teuer Restaurant-Geld bezahlen zu wollen. []
  12. Auch hierbei ist es schon bezeichnend, daß wir das extra erwähnen müssen. Natürlich könnte man an dieser Stelle noch bemängeln, daß zwei Teelöffel Tee auf eine Tasse Tee ein bißchen viel sind, aber hier ist nicht London. []
  13. Ihr wißt schon: Der westverwandtschaftsgeschmuggelte Fegerestekaffee, bei dem man sich immer gut vorstellen kann, er sei durch Onkel Horsts alte Socken gefiltert. []
  14. Rotwild []
  15. Nein, das hat nichts damit zu tun, daß unmittelbar davor 50 Prozent der teilnehmenden Kontrollgruppe ***-Essen in sich gestopft hatte. []
  16. Eigentlich war das bei uns ein bisschen komplexer, aber eine detailgetreue Darstellung der Verhandlungen würden jetzt zu weit führen. []
  17. Wir empfehlen sämtlichen Gästen Berliner Servicebetriebe, immer mal wieder ihr Essen zu fotografieren. Das spornt anscheinend an. []
  18. Der Aufkleber auf der Banane. Wir wissen, dass ihr die Bananen im Großmarkt kauft. Aber wir wollen wenigstens die Illusion, ihr hättet sie gerade frisch vom Baum gepflückt. Also macht gefälligst die verdammten Aufkleber vom Obst ab! []
  19. Ebenfalls unerwähnt müssen die neckischen Anekdoten bleiben, die aus dem altersschwächebedingten Auf-dem-Boden-verteilen von Stiften und Broten und der heroischen Anwendung der 5-Sekunden-Regel erwuchsen. Auch die spontane Selbstheilung der VP13 von seinen jugendlich naiven Vegetarismusexperimenten werden wohl erst in einem späteren Bericht ausgerollt werden. []
  20. Entschuldigung: Rotwild, was es mit dem Verzicht auf den alten Namen auf sich hat, wird dem Leser als Hausaufgabe angetragen. []
  21. Die ebenfalls vertretene Mindermeinung, daß 17 Mark eigentlich zu viel seien, ist ein anderes Thema. Im derzeitigen Berliner Frühstücksmarkt ist der Preis in jedem Falle gerechtfertigt. []
  22. also still known as []

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Filed under Brunchbuffet, Friedrichshain

Maibach

Wo es der Autoindustrie grade so schlecht geht, ist es nur angebracht, ins Maibach zu gehen, auch wenn sich das Auto anders schreibt. Das ist im Grunde unser Beitrag zur Abwendung der schlimmen Krise, die uns laut Meldungen aller Zeitungen unmittelbar bevorsteht. Wir geben also schon aus volkswirtschaftlichem Verantwortungsbewußtsein heute Unmengen Geld aus, natürlich in der Hoffnung, als Ausgleich dafür endlich das perfekte Frühstück serviert zu bekommen.

Die Gegend um das Maibach ist eine Zone ungaublich vieler herumfahrender High-Tech-Babyschiebewagen mit Eltern dran, Kindern mit bunten Mützen sowie Eso-Öko-Karma-Läden aller Couleur. Die breiten Gehwege der Rykestraße reichen kaum aus, um die Massen an Wagen zu fassen. Wir hechten also wie in einem Jump-and-Run-Spiel zur Eingangstür, um drinnen überraschend zu entdecken, daß fast gähnende Leere herrscht. Nur die Fensterplätze des an Fläche großzügigen Ladens sind besetzt. Nachdem wir an der fiesen Kuchenvitrine vorbeigehastet sind, die uns Hungrigen ihre Leckereien förmlich aufdrängt, finden wir einen Platz auf der dunkleren Nicht-Fenster-Seite des Lokals. Die Karte des Maibach hält zehn Frühstücke zur Auswahl bereit. So richtig werden uns die Unterschiede zwischen diesen aber nicht klar. Eine Ausnahme ist das Meeresfrühstück, das schon deswegen sogleich geordert werden muß.

meeresfruehstueck           

Meeresfrühstück für 8 €.

Leider fallen gleich zwei Dinge ins Auge: Die Ananas ist verrottet, und die Shrimps haben eine merkwürdige Farbe – sie erinnern an kleine Schweineembryos. Die holländischen genetisch verändert erscheinenden Gewächshaustomaten fallen farblich auch eher unangenehm auf. Es gab ansonsten Toastbrotscheiben (ungetoastet), Gurkenscheiben, ein Ei sowie ein rätselhaftes streichholzschachtelgroßes schwarzes Etwas. Mutig biß der Tester hinein. Es könnte ein durch nachlässige Offenlagerung angetrocknetes Stück Dosenthunfisch gewesen sein, aber auch ein krustiger quaderförmiger marokkanischer unbekannter Speisefisch kleiner Größe. Zum Glück hat die Kruste nicht verhindern können, daß der Geschmack sich vollständig verflüchtigt, denn der Tester mag keinen Thunfisch und auch keine unbekannten marokkanischen Speisefische. Er ringt sich nach dem Verzehr fast des gesamten Tellerinhalts zu folgender Aussage durch: „Satt hat es gemacht.“ Au weia.

grosses fruehstueck            

Großes Frühstück 7,40 €.

Die Ingredienzien des Mahls sind auf dem Bild gut erkennbar. Die Testerin des Großen Frühstückes reagiert auf Nachfrage nach Geschmack und Wohlfühlfaktor des Frühstücks mit einem äußerst diplomatischen Satz, den wir uns alle ins Stammbuch schreiben, falls wir ihn bei passender Gelegenheit zitieren wollen: „Man ist dann glücklich mit einem Frühstück, wenn man es mit netten Leuten einnehmen kann.“

maibachfruehstueck             

Maibachfrühstück für 8,50 €.

Das Maibachfrühstück fällt in die Kategorie „08-15“, bemerkenswert ist eigentlich nur die Rinderchiliwurst mit scharfem Rand. Alles andere strotzt vor Langeweile. Wir sinnieren über passende Begriffe, es fallen die Wörter „hausbacken“ und „gewöhnlich“.

Einige Heißgetränke wurden beim gemütlichen Beisammensitzen noch genossen, etwa ein Tee mit Sommerbeeren (2,20 Euro), der übliche Latte Macchiato (2,80 Euro) sowie ein wirklich großer Kaffee (2,70 Euro). Daß übrigens Kekse zum Tee oder Kaffee immer eine gute Idee sind, ist schlicht Humbug. Die Sache mit den Keksen an der Kaffeetasse muß hier also dringend problematisiert werden: Ein Keks, der widerlich schmeckt, wird das Kaffeeerlebnis nicht verbessern. Das Maibach bietet zu seinem mittelmäßigen Cappuccino (2 Euro) einen dieser typischen Karamelkekse an, die offenbar im Großhandel jedem Café hinterhergeworfen werden, aber für den Gast eine echte Nemesis sind. Der Geschmack ist so nachhaltig schlecht, daß der Koffeingenuß insgesamt geschmälert wird.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Maibach spiegelt in etwa die gesamtwirtschaftliche Situation wider, wegen der wir schließlich hier eingekehrt sind. Wo wir schon in nicht eben bester Laune sind, kommt die nächste Unbill mit der Rechnung: Wenn man kein Bares dabeihat, kann nur mit EC-Karte bezahlt werden. Jaja, wir wissen, daß ein Lokal viele Prozente an die Kreditkartenunternehmen abführen muß, wenn es dem Kunden den Service der Kreditkartenbezahlung anbieten möchte. Aber führt man Produkte, die eben über den Preis einer Leberwurst hinausgehen, sollte man als Geschäftsleitung im Touri-Bezirk auch mal einen Gedanken an die weitgereiste Gästeschaft verschwenden, oder? Diese Nur-EC-Karten-Bezahlung ist offenbar eine nicht auszumerzende deutsche Jahrtausendmacke.

Wir wollen niemandem abraten, ins Maibach zu gehen. Hingehen sollten alle, die beim Jump-and-Run-Spiel auf dem Bürgersteig einfach verlieren und zur Stärkung ein koffeinhaltiges Heißgetränk brauchen, voll wie eine Haubitze nicht mehr weiter gehen können oder wirklich gar nichts Eßbares mehr zuhause haben.

Maibach, Wörtherstr. 28, Ecke Rykestr.
Tel. 030 / 440 136 75
Außenansicht bei Nacht

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Filed under À la carte, keine Kreditkartenzahlung, Prenzlauer Berg

Morgenland

Heute wird in unserem kleinen, hoffentlich nutzbringenden Blog mal wieder ein Lokal besprochen, dessen geographische Lage in die Kategorie „gut erreichbar“ fällt. Man kommt also dauernd dran vorbei: das Morgenland in der Skalitzer. Der Besuch diesmal war nicht zufällig, denn zeitgleich mit dem Frühstückstest wurden die Qualitäten des Etablissements für Arbeitsbesprechungen im weitesten Sinne erforscht.

Als wir[1] eintraten, fiel uns zunächst auf, daß der ganze Laden vollgestopft mit Mobiliar war. Das Ambiente war durchaus einladend, man hatte nur erhebliche Mühe, zu einem der Tische zu gelangen.[2] Da es zudem recht voll war, hatten wir verdammtes Glück, einen schönen Platz am Fenster okkupieren zu können. Leider war die Stimmung noch aus einem anderen Grund eingangs gedrückt:

steuer-ID              

Kostenlos, nicht ungefährlich und schlechte Laune machend: die Steuer-ID.

Stefan und 46halbe warteten zunächst vergeblich auf Andrea – also mußte zu zweit bestellt werden. Wir entschieden uns nach nur kurzer Durchsicht der Karte für das „Frühstück Paris“ und das „Italienische Frühstück“, dazu eine Schokolade und abweichend von den Gewohnheiten einen Milchkaffee, beides jeweils für 2,50 Euro.[3] Die nach einer halben Stunde endlich eingetroffene Andrea war nicht dazu zu bringen, ein drittes Frühstück zu testen. Sie entschied sich ehern für das „Italienische Frühstück“.

Als gegrilltes Gemüse warteten nun auf beide Paprika und Zucchini, dazu leckere getrocknete Tomaten und Salami milanese:

italienisches fruehstueck              

Das „Italienische Frühstück“ für 7 €.

Außerdem waren noch dabei: Zwiebeln, die allerdings etwas länger hätten eingelegt sein dürfen, Gorgonzola, Parmesan und Mozzarella sowie Schinken.[4] Stefan war begeistert („Super, fantastisch!“), meinte aber dann doch, daß es zwar leider etwas zu fettig, aber dafür lecker knoblauchig war.

fruehstueck paris               

Für das Frühstück „Paris“ sind 5 € fällig.

46halbes „Paris“ erfüllte die Erwartungen ebenfalls: Der Quark war köstlich und wurde mit Mango, Trauben, Orangen-, Grapefruit- und Melonenstückchen versüßt. Dazu wurde ein Crossaint mit Butter und Marmelade gereicht. Genau, was 46halbe vorgeschwebt hatte.

Nach dem genüßlichen Mahl folgten allerdings so einige Flausen der Bedienung, die das perfekte Frühstücksgefühl nicht recht aufkommen lassen wollten:[5] Im Morgenland findet kein Abräumen statt.[6] Nach einer halben Stunde vor leeren Tellern bequemte sich der Kellner wortlos an unseren Tisch.[7] Und hey, man kann auch dann, wenn man nicht gefragt wird, laut sagen: „Ja, es hat geschmeckt. Vor einer Stunde.“[8]

Hingehen sollten alle, die auch ein für Kreuzberger Verhältnisse Yuppie-eskes Ambiente verkraften, aber wenig Zeit für leckere Frühstücke haben und daher ihr Geld direkt nach dem Essen auf den Tisch hauen, gehen und daher nicht auf das Abräumen warten müssen und die im Winter mit leichter Zugluft um die Waden klarkommen.

Morgenland Skalitzer Straße 35
Tel. (030) 611 32 91
Außenimpression im Sommer

  1. Diesmal war eine Dreiertruppe – bestehend aus Stefan, Andrea und 46halbe – als gemeinnützige Testpersonen unterwegs. []
  2. Lustigerweise hatten wir ziemlichen Spaß dabei, neuankommende Gäste dabei zu beobachten, wie sie ebenfalls versuchten, sich an den vielen Tischen und Stühlen vorbeizuquetschen. :} []
  3. Na? Wer hatte wohl was? []
  4. Es schmeckte wie Parmaschinken, war aber keiner. []
  5. Dazu kamen die Diskussionen um die adäquate Frisur bei männlichen Gesichtshaarträgern und um gegauckte Akten, aber die müssen hier aus Platzmangel entfallen. []
  6. Wir sinnierten schon, ob wir ein „Geschirr hier“-Schild übersehen haben könnten. []
  7. Damit ist auch die Frage klar, ob man dort eine halbwegs passable Arbeitsbesprechung mit etwaigen Notizen machen kann. *seufz* []
  8. Wir haben das aber nicht so gesagt. []

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Ben-Uschi & der Pabst

In der Marienburger, unweit der Winsstraße, kommt man an einem Lokal vorbei, dessen Name wohl in die Kategorie „Untypisch“ fällt: Ben-Uschi & der Pabst. Wenn das kein Grund ist, gerade hier ein koffeinhaltiges Frühstücksgetränk und leckeres Eßbares zu suchen, was dann? Vor einem großen, wegen der aufgebrachten Farbe golden schimmernden Hirschgeweih über unechtem, aber flackerndem Kamin findet sich ein bequemes Sofa für uns Bummelanten.

hirschgeweih

Blick auf das Hirschgeweih: kostenlos.

Wir[1] wollten eigentlich gern erstmal einen Blick in die Speisekarte werfen, dieses Ansinnen wurde aber nicht wie erwartet befriedigt. Stattdessen hörten wir die Bemerkung; „So Karte aus Papier? Ham wa nich.“ Hoho! Alternativ brachte die sympathische und auffallend freundliche Kellnerin eine Tafel, die mit Kreide beschrieben und kunstvoll verziert war.

tafel als speisekarten-ersatz

Die Speisekarte war etwas größer als gewöhnlich.

Leider war 46halbe morgens noch nicht so wirklich in der Lage, sich zwischen den Leckereien, die auf der Tafel vermerkt waren, zu entscheiden. Also übernahm erdgeist die Bestellung, während wir mit nicht übermäßig lauter Kaufhausmusik bedudelt wurden. Die neuesten Nachrichten zur Finanzmarktkrise, den Börsenmaklern und weiteren unangenehmen Zeitgenossen konnten während der Wartezeit ausgetauscht werden. Zwischendurch kam der Latte macchiato (2,30 Euro), der mit Russisch Brot statt mit den sonst üblichen widerlichen Keksen serviert wurde. Das gab einen Pluspunkt. So richtig klar war bis zum Eintreffen der Speisen nicht, was es wohl geben würde, aber der Anblick des Servierten versprach Gaumenfreuden. Würde der Schein trügen?

fruehstueckspanorama

Mediterranes Frühstücksensemble um die 12 €, Einzelpreise mangels Speisekarte nicht feststellbar.

Nunja, vielleicht nicht ganz. Es war eine wirklich reichliche Mischung aus Wurst, Obst, Käse, Salaten mit frischen Backwaren, aber nach kurzer Zeit waren wir uns einig: Wir hatten eine Ölquelle aufgetan. Denn Öl war einfach überall und damit leider das einzige, wonach das optisch so ansprechende Frühstück schmeckte.

blick auf den teller

Öl-Frühstück.

Manchmal kommt dann eins zum anderen: Der Cappuccino bestand zur Hälfte aus Milchschaum und schmeckte entsprechend milchig. Tröstend ob des verpatzten Cappuccinos wirkten jedoch die vielen zu bestaunenden Bilder an den Wänden sowie der Anblick der Orchideen, die auf jedem Tisch zur Dekoration standen. Ein positiver Höhepunkt bildete die attraktive Art der Darreichung eines schnöden Eis:

ei im glas

Das sehenswerte Ei im Glas.

Hingehen sollten alle, die in der Nähe der Prenzlauer Allee ein reichliches, aber möglicherweise öliges Frühstück suchen, auf freundliche Ansprache Wert legen und die ein bequemes Interieur inklusive Ohrensesseln anspricht.

Ben-Uschi & der Pabst, Marienburger Str. 39
Tel. (030) 41725465
An der echten Webseite arbeiten sie noch

  1. Diesmal waren erdgeist und 46halbe auf der Jagd nach einem Frühstück. erdgeist ist übrigens immer sehr leicht an seinen Schuhen zu erkennen, die ihn wie ein Bergfex wirken lassen. Gerüchteweise kommt dies aber bei Weiblichen an. :} []

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Cream

Die Schlesische Straße kennt man. Als Berliner fährt man im Schnitt mindestens zehnmal durch im Monat. Es gibt da also nichts zu entdecken, was man nicht vom Auto oder vom Fahrrad aus bereits gesehen hätte? Oh doch – das Café Cream.

Das „Cream“ liegt etwas unauffällig am Wegesrand der Schlesischen Straße in der Nähe des U-Bahnhofes Schlesisches Tor an der Skalitzer. Wir[1] waren zuvor noch nie in dieser Kaffeerösterei, obgleich man Orte, wo es frischen, guten Kaffee in Berlin gibt, kennen sollte. Ich kam allein etwas früher als die beiden an und wurde freundlichst begrüßt. Eine taz und die ausgedehnte Lektüre der Speisekarte half mir über die Wartezeit.

Frühstück „Alles Wurst“ für 6,90 €.

Ich hatte also meine Entscheidung bereits getroffen, als die beiden dazukamen. Der obligate Latte macchiato, der hier 3,10 Euro kostet, stand schon lange auf dem Tisch. Das Frühstück „Alles Wurst“, was mich als ehemaligen Zoni aufgrund der Namensgebung irgendwie an FDGB-Abendbrotbuffets erinnerte, gesellte sich dazu, wobei das Affenfett fehlte. Es gab dafür aber Putenbrust, Serranoschinken, Pastirma, Salami und ein paar Gurken. Zwar war kaum Obst dabei, dafür jedoch die ständigen Tomaten-Begleiter. Aber alles schmeckte lecker und frisch und wurde durch freundliche Servierer mit merkwürdigen Bärten gereicht.

Hedwig und Michael konnten sich zunächst nur schwer entscheiden, nachdem die Heißgetränke bestellt waren. Mag sein, daß meine wieder mal etwas übersteigerte Mitteilungsfreude ihre Konzentration auf die Speisekarte nicht eben beförderte. Sie hätten allerdings dann auch feststellen müssen, daß die deutsche Rechtschreibung nicht gerade die Stärke des Karten-Entwerfers war. Das gibt mindestens zwei Punkte Abzug auf der Gastronomiewertungsliste.

Das mediterrane Zwei-Leute-Frühstück für 12,90 €.

Auf das mediterrane Frühstück für zwei fiel dann die Wahl, dazu gehörten zwei gekochte Eier. Beide gaben übereinstimmend an, daß alles gut geschmeckt hätte, jedoch „ohne Überraschung“ gewesen sei. Hm, was mögen sie erwartet haben? Glückskekse? Johannisbeerbeilagen?  Das mag sich der geneigte Leser selbst überlegen.

Mit dabei: Zwei Eier.

Als sehr angenehm am „Cream“ muß bemerkt werden, daß die Lautstärke des Abspielgerätes für die Musik angemessen leise war. Kein lautes Gedudel, dazu ein ruhiger Besuchermix aus vermuteten Anwohnern, jedenfalls in der Mehrzahl Berliner. Die ganze Atmosphäre kann als wirklich „kaffeehausig“ umschrieben werden. Hätten nicht anderweitige Termine gewartet, wären wir sicher gern noch ein halbes Stündchen länger geblieben.

Hingehen sollten alle, die selbstgerösteten Kaffee und Frühstück a la carte möchten, zur Abwechslung mal männliche Kellner als Bedienung vorziehen und denen nach einer durch und durch entspannenden Kaffeehaus-Atmosphäre ist. Und Kaffee kaufen nicht vergessen.

Cream, Schlesische Str. 6
Tel. (030) 610 74 980
Cream-Logo draußen am Haus

  1. Eine ganz neue Dreiertruppe war diesmal unterwegs. Leider konnten wir uns nicht sofort auf die aus Gründen des Privatsphäreschutzes nötigen Aliase der beiden neuen Tester einigen. Aber ich habe in Erinnerung, daß wir und geeinigt haben, daß wir 46halbe, Michael und Hedwig heißen. []

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Matilda

Der Graefekiez zwischen Südstern, Planufer und Kottbusser Damm in Kreuzberg ist ein weit attraktiveres Pflaster als gemeinhin bekannt. Das gilt insbesondere auch für ein Frühstück. Zwar ist der Nachmittag nicht die optimale Zeit dafür, aber das stets gut besuchte Matilda in der Graefestraße hat einen anderen Verkaufsschlager: Kuchen.

Schon beim Eintreten wurde das verwöhnte Ohr mit Musik im Stil von Vic Fontaine umweht. Wir[1] ergatterten ein Sofa im Hinterzimmer, ließen die Karte links liegen und bestellten nach kurzem Blick in die Kuchenvitrine zwei Stückchen Pflaumenstreusel nebst Latte macchiato.

Der spätere Blick in die Speisekarte zeigte übrigens so manche Überraschung: Nicht nur waren fünf Frühstücke im Angebot, auch gibt es jeden ersten Samstag im Monat ab 20.30 Uhr Bingo sowie immer sonntags gemeinsames Tatort-Gucken am Beamer! :}

Zwei latte

Latte Macchiato für je 2,60.

Die koffeinhaltigen Heißgetränke wurden freundlich und schnell serviert. Ulf quittierte die Qualität des Latte kurz mit der Bewertung „okay, wird durchgewunken“. Erfreulicherweise wurde auch das stets goutierte Wasser dazu gereicht. Schon wenig später kam der Streuselkuchen – dann allerdings vergaß die Kellnerin, daß wir da waren.

pflaumenstreusel mit sahne

Pflaumenstreuselkuchen mit Sahne für 2,70 €.

Ulf hatte den Streuselkuchen mit Sahne, der nach seinem Bekunden sehr gut schmeckte, allerdings ein bißchen zu kalt war. In warm und duftend wäre das Geschmackserlebnis noch vollkommener gewesen. Nunja, den hatte eben nicht Mama gebacken, sondern die Serviererin vor vielleicht zwei Stunden der Tiefkühltruhe entnommen.

Generell fehlte etwas der Gemütlichkeits- und Kuschelfaktor im Matilda. Es mag an der etwas düsteren Lichtsituation gelegen haben, die nur durch eine neben uns stehende Stehlampe mit Bommeln und etwas von draußen einfallendes Restlicht geprägt war. Überhaupt schienen die Möbel irgendwann in der Zeit zwischen dem Ende der Arbeit der Trümmerfrauen und dem Aufkommen von Telespielen für Fernseher erstanden worden zu sein. Dazu passend gab es leicht glänzende Wände in rauchgelb. Nach kurzer Debatte verständigten wir uns außerdem darauf, daß die unverzierten Wände dringend das Interieur ironisch brechende Kunstdrucke vertragen würden.

Nicht daß wir uns hier groß beschweren wollten – schließlich hilft eine spannende Unterhaltung über die Einrichtung leicht hinweg. Es ist vielleicht nur der vor der Tür stehende Herbst: Bekanntermaßen brauchen Menschen in dieser Zeit eben viel Licht.

streuselkuchen ohne sahne

Den Streuselkuchen gab es auch ohne Sahne.

Nachdem 46halbe ihren Streuselkuchen ohne Sahne ebenfalls verspeist hatte, mußten wir zwar auf das Abräumen und die weiteren Getränke ein Weilchen warten, blieben aber ob der ansonsten stets lächelnden Kellnerin frohgemut und entschlossen uns dann zu einem Verdauungsspaziergang.

Ausblick im Graefekiez

Umsonst: Ausblick am Planufer im Graefekiez.

Hingehen sollten alle, die in diesem Berliner Kiez täglich ab neun Uhr ein entspanntes Lokal zum Verweilen suchen und bereit sind, auch mal ein paar Minuten auf umfassenden Service zu verzichten. Wer danach noch zu Fuß die Gegend erkunden möchte, ist hier ebenfalls genau richtig.

Matilda, Graefestr. 12
Tel. 030 / 817 97 288
Außenansicht

  1. Mit der kulinarischen Mission waren heute Ulf und 46halbe betraut. []

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Filed under Kreuzberg, Nicht wirklich Frühstück