Category Archives: Prenzlauer Berg

Gagarin

Wenn es zwar noch winterlich ist, aber der Frühling im weitesten Sinne schon absehbar, lohnt es sich, potentiell zu lobende Frühstückslokale abzuklopfen. Wir[1] fanden uns daher diesmal direkt am Wasserturm in Prenzlauer Berg im „Gagarin“ ein, denn es empfiehlt sich bei besserem Wetter zum Draußensitzen. Man erwartet in der Gentrifizierungsgegend zwar den typischen Geck oder Gimpel am Nebentisch, vormittags war es aber überraschend leer in dem abends auch als Bar betriebenen Lokal.

Die Karte begrüßt den Gast mit einer veritablen Publikumsbeschimpfung, die vor dem sagenumwobenen „russischen Service“ warnt. Wir dürfen jedoch entwarnen: Der Kellner war überaus nett und nebenbei auffallend attraktiv. Die Karte enthielt auch den Hinweis auf das sonntägliche Brunch-Büfett, den wir geneigten Lesern nicht vorenthalten wollen. Denn für zehn Euro bekommt man russische Spezialitäten kredenzt, die wir aber mangels Test nicht bewerten können. Wir werden das Gagarin sonntags eher meiden, Büfetts sind unsere Sache nicht.

gagarin-karte

Die Speisekarte des Gagarin. Auch wer kein Kyrillisch lesen kann, wird wohl ahnen, wer dort abgebildet ist.

Während beim Brüten über der Karte das große Rätselraten wieder begann, welches Frühstück nun den perfekten Morgen machen könnte, fiel die Dekoration des Gagarin ins Auge: lauter Bilder russischer und sowjetischer Führer, dazu Weltraumbilder. Aufmerksam registrierten unsere Hintern derweil das angenehm bequeme Sitzsofa, das wir in der Ecke neben der Bar ausgesucht hatten, als auch schon der erste Latte macchiato kam:

latte-ausblick

Latte macchiato: 2,70 €.

erdgeist wählte, wie meistens, die Variante mit doppeltem Espresso, für die er immerhin 3,90 € löhnen mußte. Auch eine andere Tradition setzte er fort: Er wählte der besseren Objektivierbarkeit wegen das Frühstück, das einem gemischten Frühstück nahekommt. Im Gagarin heißt das „Belka & Strelka“.

Wer sich nun fragt, wer oder was Belka („Eichhörnchen“) und Strelka („kleiner Pfeil“) sind, dem sei eine Netzsuche empfohlen, denn es gibt großartige Geschichten über sie. Es waren zwei streunende Moskauer Hunde, die zu Weltraumhunden wurden, die in den 50ern und 60ern Orbitalflüge absolvierten und überlebten. Eines von Strelkas danach zur Welt gekommenen Hundebabies mit dem Namen Pushinka wurde von den Russen den Kindern John F. Kennedys geschenkt und soll eine amerikanische Hundedynastie mit Migrationshintergrund gegründet haben. Beide Kosmonautenhunde sind ausgestopft worden und heute in einem Museum zu sehen, gar ein erfolgreicher Trickfilm wurde letztes Jahr über sie gemacht, der im russischen Kino lief.

belka+strelka

Frühstück Belka & Strelka: 6,90 €.

Das Frühstück konnte im Gegensatz zu den Anekdoten über die Hunde allerdings nicht viel Freude machen. Gerade im Vergleich zu den typischen gemischten Frühstücken, die erdgeist regelmäßig konsumiert, muß man es unterdurchschnittlich nennen. Es fehlte an frischen Zutaten, denn abgesehen vom Obst blieb es fad. erdgeist bereute, daß er nicht beispielsweise Quark zusätzlich bestellt hatte, das hätte die langweilige Zusammenstellung deutlich aufgewertet.

sputnik

Frühstück Sputnik für 3,50 €.

Da man auch ein ganz kleines Frühstück ordern konnte, bestellte 46halbe „Sputnik“, da ihr Hunger nur so mittelprächtig war. Es stellte sich irgendwie grad als das heraus, wonach ihr der Sinn gestanden hatte. Nur das Ei wählte sie ab, bekam ohne Preisaufschlag stattdessen den gewünschten Frischkäse. Ein wenig Obst lag anbei: Mango, Erdbeere und Melone. Mit etwas Honig und Schwarze-Johannisbeer-Marmelade dazu war es perfekt.

Hingehen sollten alle, die in angenehmer Atmosphäre und vollkommen unprätentiös frühstücken und dabei in alten russischen Lehrbüchern ihre Sprachkenntnisse auffrischen möchten, aber kein Gabelfrühstück erwarten.

Gagarin
Knaackstraße 22, 10405 Berlin
Tel. (030) 442 88 07
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und erdgeist als wie immer objektive Tester unterwegs. []

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Hilde

Das Hilde liegt in der Metzer Straße an der Ecke zur Prenzlauer und ist gleichzeitig Café und Bar. Abends gibt es zuweilen Live-Musik und eine volle Hütte, tagsüber ist es aber gemütlich leer. Es liegen sogar Spiele wie Backgammon oder Vier gewinnt bereit für längere Aufenthalte.

Wir eroberten den erstbesten Tisch neben der Tür und setzten uns mit dem Rücken zur Prenzlauer auf die mit Kissen ausgelegte Fensterbank. Hat man etwa einen Chapeau claque oder eine Perücke auf, können Passanten diese im Vorbeigehen bewundern. Als Sitzmöbel umgewidmete Fensterbänke beobachtet man jetzt häufiger in Berlin. Es liegt vermutlich an den neuen Biedermeiern, die hier nun überall wohnen, und an dem allgemeinen Hang zur Gentrifizierung, der ehemalige Schaufenster-Geschäfte nach und nach in gastronomische Lokalitäten umwandelt.

innenraum

Der Innenraum mit Blick auf die Bar.

Zuerst mußte natürlich ein stimmungsaufhellendes koffeinhaltiges Heißgetränk her. Der umgehend georderte Latte Macchiato hat eine besonders angenehm auffallende Schokoladenbeigabe: Tony’s Chocolonely. Anders als die üblichen Kekse, die man zum Kaffee serviert bekommt und die regelmäßig widerwärtig schmecken, ist dieses Schokostückchen nicht nur mit dem Fairtrade-Siegel gesegnet, sondern mundet auch. Nebenbei garantieren Chocolonely und sein holländischer Erfinder Teun van de Keuken sklavenfreie Herstellung und verwenden ghanaischen Kakao, der gemeinsam mit einer Kooperative angebaut wird.

latte mit chocolonely

Latte Macchiato mit einem Stückchen Chocolonely für 2,60 Euro.

Nach nur kurzer Durchsicht der Karte wählte erdgeist leichtfertig das Frühstück „Substanz“ zusammen mit einem doppelten Latte Macchiato, der sich allerdings als recht bitter herausstellte. Das Hilde ist also nichts für den Profi-Kaffeegenießer, tröstend jedoch der zum Anfüttern auf dem Tisch hinterlassene Brotkorb. Zu dem Tee, der auf dem Foto zu sehen ist, kommen wir später.

brot mit tee

Ein einladender Brotkorb.

Bevor auf erdgeists Frühstück näher eingegangen werden soll, ein kurzer Hinweis auf ein häufig auftauchendes und leider auch im Hilde zu beklagendes Problem: Serviettchen, sozusagen Genußwerkzeuge in homöopathischen Dosen. Denn obgleich ein leerer Teller bereitgestellt wurde und man sicherlich das gesamte Frühstück mit Hilfe von Messer und Gabel verzehren könnte, so neigt doch der typische Hungrige bei der morgendlichen Nahrungsaufnahme zum handfesten Griff nach dem Brötchen. Warum existiert eigentlich keine Lippenreinigungselementdarreichungsverordnung, in der die Mindestaufnahmefläche der Mundtupferl festgelegt ist, es gibt doch auch sonst für alles einen wiehernden deutschen Amtsschimmel? Na gut, das wäre vielleicht dann doch übertrieben, eigentlich hülfe schon statt der Mini-Serviette ein ordentlich großes Tuch für Finger und Mund.

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Das Frühstück „Substanz“ für 6,90 Euro.

Das Frühstück „Substanz“ bestand aus verschiedenen Salami- und Schinkensorten, dekoriert mit Apfelstückchen, Paprika, Tomate, Orange und grünem Salat. Dazu gab es einige Oliven, die erdgeist als überflüssig brandmarkte. Das Frühstück bekam insgesamt das Prädikat „gut“, mehr aber auch nicht.

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Das Frühstück „Veggie“ für 6,50 Euro.

46halbe hatte sich für das vegetarische Frühstück entschieden. Eine gute Wahl und sehr nahe am perfekten Morgen, wie er an diesem Tag erschien. Es gab Mohrrübchen-Stangen, Paprika, Frischkäse, Gurke, Kiwi, eine Erdbeere, Marmelade, Honig, dazu Joghurt. Die Erdnußbutter griff sich erdgeist allerdings. Schon gut gesättigt, bekamen wir dann noch Besuch von frank, der sich ebenfalls zu einem Frühstück „Substanz“ im Hilde hinreißen ließ. Serviert wurde dazu ein Assam-Tee mit Honig, dessen Darbietungsweise ein erfreulicher Anblick war:

nur tee, bitte

Assam-Tee für zwei Euro.

Hingehen sollten alle, die sich von mildem Retro-Style angezogen fühlen und die nicht gleich erschüttert sind, wenn die Karte weniger als fünfzig Frühstücke zur Auswahl bereithält.

Hilde

Metzer Straße 22, 10405 Berlin

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St Gaudy

Wenn man vormittags durch die Gaudystraße in Richtung der Schönhauser Allee entlangspaziert, entdeckt man einen vor einiger Zeit neueröffneten Laden, das St Gaudy Café. Da offenbar in Prenzlauer Berg doch Vollbeschäftigung herrscht oder aber alle noch schlafen, ist niemand zu sehen im Laden. Aber das Schild draußen vor der Tür wirkt einladend:

bach-spruch

Bring me a cup of coffee before I turn into a goat. (Johann Sebastian Bach)

Und wer wollte sich schon in eine Ziege verwandeln? Wir[1] kehrten also ein und suchten uns einen der Tische am Fenster zur Gaudystraße. Es gibt im St Gaudy nicht viele typisch angeordnete Stühle und Tische, in den beiden Räumen des Lokals sind dafür Kuschelecken vorhanden, die sich nach etwas Verweildauer aber als minder bequem entpuppten. erdgeist litt unter mildem Jetlag, sein Blick war in etwa so, als hätte er eine Stunde auf ein Testbild geschaut. Entsprechend mußten erstmal zwei Latte macchiato her, doppelt für ihn. Nach einem kürzlichen Besuch in den USA sah sich erdgeist außer Stande, den Kaffee zu bewerten, da er alle deutschen Heißgetränke köstlich fand.

zwei latte

Zwei Latte macchiato, Preis unbekannt.

Es gibt noch etwas nicht im St Gaudy: eine Karte. Wie wir es nun mehr und mehr beobachten, gibt es auch hier einen Tresen, wo man die Speisen an einer Tafel abliest oder aus der Auslage aussucht.[2] Entsprechend gibt es auch nur partiell eine Bedienung. Während als musikalische Untermalung Laute eines Wimmerholzes ertönen, wanken wir zum Sortiment, wo uns ein freundlicher Australier empfängt. erdgeist wählt ein dunkles belegtes Kürbiskern-Brötchen.

broetchen

Sandwich-Brötchen mit Camembert, Rauke, Gurke und Tomate, Preis unbekannt.

46halbe hatte zuerst auf nichts Lust, obgleich die Auslage leckere belegte Brötchen, vor allem aber verschiedene ansehnliche Kuchensorten offerierte. Nachdem erdgeist seine Schrippe verdrückt hatte, bestellten wir aber doch noch einen Karottenkuchen mit zwei Gabeln. Er kann sehr zum Verzehr empfohlen werden, war aber recht mächtig.

karottenkuchen

Karottenkuchen, Preis leider auch unbekannt.

Da wir uns ans Fenster gesetzt hatten, spürten wir leider bald den Drang, uns eine Jacke überzuziehen, denn insgesamt war es im St Gaudy einen Tick zu kühl. Schon zum Aufwärmen orderten wir daher weitere Heißgetränke, die wir unter dem leicht skeptischen Blick von Lenin genossen.

lenin-lampe

Lenin auf der Lampe.

Hingehen sollten alle, die in Ruhe eine der zahlreich rumliegenden Zeitschriften lesen wollen, vor dem Bestellen immer gern einen Blick auf die Speisen werfen möchten und freundliches Personal zu schätzen wissen.

St Gaudy Café, Gaudystr. 1
Tel. 0175-5977562
Webseite des St. Gaudy

  1. Das neue Café haben erdgeist und 46halbe für Euch unter die Lupe genommen. []
  2. Der Vorteil ist natürlich, daß man sieht, was man bekommt. Der Nachteil ist, daß man keine Rechnung am Ende des Frühstücks bekommt, daher die Preise leicht wieder vergißt. []

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Maibach

Wo es der Autoindustrie grade so schlecht geht, ist es nur angebracht, ins Maibach zu gehen, auch wenn sich das Auto anders schreibt. Das ist im Grunde unser Beitrag zur Abwendung der schlimmen Krise, die uns laut Meldungen aller Zeitungen unmittelbar bevorsteht. Wir geben also schon aus volkswirtschaftlichem Verantwortungsbewußtsein heute Unmengen Geld aus, natürlich in der Hoffnung, als Ausgleich dafür endlich das perfekte Frühstück serviert zu bekommen.

Die Gegend um das Maibach ist eine Zone ungaublich vieler herumfahrender High-Tech-Babyschiebewagen mit Eltern dran, Kindern mit bunten Mützen sowie Eso-Öko-Karma-Läden aller Couleur. Die breiten Gehwege der Rykestraße reichen kaum aus, um die Massen an Wagen zu fassen. Wir hechten also wie in einem Jump-and-Run-Spiel zur Eingangstür, um drinnen überraschend zu entdecken, daß fast gähnende Leere herrscht. Nur die Fensterplätze des an Fläche großzügigen Ladens sind besetzt. Nachdem wir an der fiesen Kuchenvitrine vorbeigehastet sind, die uns Hungrigen ihre Leckereien förmlich aufdrängt, finden wir einen Platz auf der dunkleren Nicht-Fenster-Seite des Lokals. Die Karte des Maibach hält zehn Frühstücke zur Auswahl bereit. So richtig werden uns die Unterschiede zwischen diesen aber nicht klar. Eine Ausnahme ist das Meeresfrühstück, das schon deswegen sogleich geordert werden muß.

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Meeresfrühstück für 8 €.

Leider fallen gleich zwei Dinge ins Auge: Die Ananas ist verrottet, und die Shrimps haben eine merkwürdige Farbe – sie erinnern an kleine Schweineembryos. Die holländischen genetisch verändert erscheinenden Gewächshaustomaten fallen farblich auch eher unangenehm auf. Es gab ansonsten Toastbrotscheiben (ungetoastet), Gurkenscheiben, ein Ei sowie ein rätselhaftes streichholzschachtelgroßes schwarzes Etwas. Mutig biß der Tester hinein. Es könnte ein durch nachlässige Offenlagerung angetrocknetes Stück Dosenthunfisch gewesen sein, aber auch ein krustiger quaderförmiger marokkanischer unbekannter Speisefisch kleiner Größe. Zum Glück hat die Kruste nicht verhindern können, daß der Geschmack sich vollständig verflüchtigt, denn der Tester mag keinen Thunfisch und auch keine unbekannten marokkanischen Speisefische. Er ringt sich nach dem Verzehr fast des gesamten Tellerinhalts zu folgender Aussage durch: „Satt hat es gemacht.“ Au weia.

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Großes Frühstück 7,40 €.

Die Ingredienzien des Mahls sind auf dem Bild gut erkennbar. Die Testerin des Großen Frühstückes reagiert auf Nachfrage nach Geschmack und Wohlfühlfaktor des Frühstücks mit einem äußerst diplomatischen Satz, den wir uns alle ins Stammbuch schreiben, falls wir ihn bei passender Gelegenheit zitieren wollen: „Man ist dann glücklich mit einem Frühstück, wenn man es mit netten Leuten einnehmen kann.“

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Maibachfrühstück für 8,50 €.

Das Maibachfrühstück fällt in die Kategorie „08-15“, bemerkenswert ist eigentlich nur die Rinderchiliwurst mit scharfem Rand. Alles andere strotzt vor Langeweile. Wir sinnieren über passende Begriffe, es fallen die Wörter „hausbacken“ und „gewöhnlich“.

Einige Heißgetränke wurden beim gemütlichen Beisammensitzen noch genossen, etwa ein Tee mit Sommerbeeren (2,20 Euro), der übliche Latte Macchiato (2,80 Euro) sowie ein wirklich großer Kaffee (2,70 Euro). Daß übrigens Kekse zum Tee oder Kaffee immer eine gute Idee sind, ist schlicht Humbug. Die Sache mit den Keksen an der Kaffeetasse muß hier also dringend problematisiert werden: Ein Keks, der widerlich schmeckt, wird das Kaffeeerlebnis nicht verbessern. Das Maibach bietet zu seinem mittelmäßigen Cappuccino (2 Euro) einen dieser typischen Karamelkekse an, die offenbar im Großhandel jedem Café hinterhergeworfen werden, aber für den Gast eine echte Nemesis sind. Der Geschmack ist so nachhaltig schlecht, daß der Koffeingenuß insgesamt geschmälert wird.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Maibach spiegelt in etwa die gesamtwirtschaftliche Situation wider, wegen der wir schließlich hier eingekehrt sind. Wo wir schon in nicht eben bester Laune sind, kommt die nächste Unbill mit der Rechnung: Wenn man kein Bares dabeihat, kann nur mit EC-Karte bezahlt werden. Jaja, wir wissen, daß ein Lokal viele Prozente an die Kreditkartenunternehmen abführen muß, wenn es dem Kunden den Service der Kreditkartenbezahlung anbieten möchte. Aber führt man Produkte, die eben über den Preis einer Leberwurst hinausgehen, sollte man als Geschäftsleitung im Touri-Bezirk auch mal einen Gedanken an die weitgereiste Gästeschaft verschwenden, oder? Diese Nur-EC-Karten-Bezahlung ist offenbar eine nicht auszumerzende deutsche Jahrtausendmacke.

Wir wollen niemandem abraten, ins Maibach zu gehen. Hingehen sollten alle, die beim Jump-and-Run-Spiel auf dem Bürgersteig einfach verlieren und zur Stärkung ein koffeinhaltiges Heißgetränk brauchen, voll wie eine Haubitze nicht mehr weiter gehen können oder wirklich gar nichts Eßbares mehr zuhause haben.

Maibach, Wörtherstr. 28, Ecke Rykestr.
Tel. 030 / 440 136 75
Außenansicht bei Nacht

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MS Völkerfreundschaft

Es muß nicht immer Kaviar sein. Man kann auch mal ein stinknormales Frühstück ohne viel Tamtam genießen. Dafür bietet sich das MS Völkerfreundschaft ungemein an. Der Name erinnert an Kinderferienlager, LPGs oder den bekannten Brunnen am Alexanderplatz, wenn da nicht das „MS“ wär. Denn die MS Völkerfreundschaft war ein FDGB-Urlaubsschiff[1], das 1959 von der DDR gekauft worden war. Wenn man also immer brav auf Linie war, gab es zur Belohnung Urlaub auf dem DDR-Traumschiff.

So ähnlich, wie man sich ein Frühstück auf See zu DDR-Zeiten vorstellt, ist auch das angebotene Brunchbuffet. Es gab etwas Käse und Wurst zur Auswahl, Rollmöpse, Grünzeug, Eier, etwas Obst, Joghurt und Cerealien. Dazu wurden die obligatorischen Brötchen und bisher noch nie bei einem Buffet entdecktes Toastbrot offeriert. Ja, so richtig Toastbrot! In Anlehnung an neue Sitten wurden zusätzlich Tomaten und Mozzarella angeboten, was 46halbe aus bekannten Gründen verschmähte.

Wir[2] bedienten uns also selbst. Jens, nach eigener Aussage „nicht so der Frühstücksmensch“, fand die Auswahl „okay“ – mehr an Bewertung war aus ihm nicht rauszuholen.

Der obligate Latte macchiato.

Natürlich wurde zunächst der Begrüßungs-Latte bestellt, dessen Geschmack und äußere Ansicht befriedigend war. Auffallend war die gereichte Flüssigkeitsmenge: gefühlt ein Drittel mehr als sonst. Andrea hatte derweil entdeckt, daß es kostenloses Wlan gab, und war danach im Grunde nicht mehr ansprechbar. Sie guckte nur noch hoch, wenn der Teller leer war.

Eine Auswahl vom Buffet.

Zugegeben: Nachdem man den zweiten Durchgang am Buffet vollführt hatte, wurde es etwas langweilig. Allerdings gibt es Momente, da paßt Angebot und Nachfrage einfach zusammen. Was braucht man schon mehr als ein bißchen Frischkäse mit Wurst und Grünzeug, zumindest an einem Tag wie diesem? Man könnte es fast ein frugales Mahl nennen, dem Wortsinn nach wäre das zwar nicht korrekt, es fühlte sich aber so an.

Es gab auch Joghurt.

Mit dem Joghurt wurde dann langsam zum Desert übergeleitet. Die Kellnerin servierte derweil einen weiteren Latte macchiato – gleichbleibend schmackhaft und dazu freundlich überreicht. Gut gesättigt blieben wir noch eine Weile am offenen großen Fenster sitzen.

Hingehen sollten alle, die einfach nur mal ein unprätentiöses Frühstück vom Buffet aussuchen möchten, morgens freundliche Menschen als Bedienung bevorzugen, danach nur ein paar Minuten zu Fuß die Mitte der Stadt besichtigen und zuvor noch so etwas wie „Szene“ schnuppern wollen.

MS Völkerfreundschaft, Schönhauser Allee 20, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 44 04 23 63
Webseite der MS Völkerfreundschaft
Außenansicht

  1. FDGB: Freier Deutscher Gewerkschaftsbund []
  2. Heute erstmals 46halbe mit Jens und Andrea als neues Testteam. []

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Meze

Nach Kaffeeladen und Baretto war ich auf den Geschmack gekommen. Diese kleinen Läden, in denen es Sandwich, Kuchen, frischen Kaffee und frischgepressten Saft gibt, sind für manche Morgen einfach die beste Wahl. Vor allem, wenn man nicht nach einem Brunch ins Fresskoma fallen will.

Was lag also näher, als mir während eines Kurzurlaubs im Prenzlauer Berg von den einheimischen Gastgebern Horst und Frl. W. das lokale Angebot zeigen zu lassen. Sie brachten mich zu Meze – der sei besser als das gleich nebenan befindliche Toast.

Eigentlich ist der Prenzlauer Berg nicht weit von meiner Heimstatt entfernt, aber ich fühlte mich wie in einem fremden Land, dessen Sprache ich nicht beherrsche. Die Bestellung bei der leicht(?) verpeilten Kellnerin gestaltete sich in etwa so schwierig, wie das Gespräch mit einem schizophrenen Eichhörnchen auf Dope und in Slow Motion.

Nachdem Horst die Anwendung von Gewalt ausgeschlossen und es mehrfach mit geduldigem Erklären versucht hatte, bekamen wir endlich unser Frühstück.

Einzelpreise unbekannt, insgesamt ca. 20 Euro

Im Gegensatz zu den anderen Kaffeeläden sind die Brote hier vorgefertigt und in Plastefolie verpackt. Geht, sieht aber nicht so schick aus. Die Kaffeebecher warten mit einer unerwarteten Zusatzfunktion: Der Stempel mit der Adresse färbt ab und sorgt für grüne Hände.

Immerhin war der Inhalt okay, meine Gastgeber waren mit dem Milchmädcheneiscafé sehr zufrieden. Ansonsten war die ganze Sache eine eher fade Angelegenheit. Nach Berichten von Frl. W. und Horst sind die Angestellten des Ladens oft damit beschäftigt, sich vor ihren Kunden darüber zu unterhalten, wie wenig Bock sie haben.

Sah aber zumindest lecker aus…

Genauso unmotiviert schmeckte mein Milchfladen mit Chorizo und der Monster-Brownie von dem ich mir mehr Schokolade und weniger Quarkteig versprochen hätte. Frl. W. hatte einen Toast mit Serranoschinken und Tomate, der trocken und langweilig war, sich dafür aber sehr gesund anfühlte.

Die fehlende Dekoration des Toasts wurde auf dem Frischkäse-Lachs-Bagel von Horst durch ein gefühltes Kilo Sprossenhaufen kompensiert. Von den Frühstückern wurde dieser Versuch mit der Dekofunktion von Styropor verglichen, genauso schmeckte es auch.

Sprossenalarm! Zum Größenvergleich: Normaler Kaffeebecher.

Das Meze ist geeignet für alle typischen Prenzlberger mit Schreibalg, die sowieso nicht mehr viel vom Leben erwarten. Außerdem ist der Laden für all jene Touristen, die eine gute Portion Attitüde zum Frühstück haben möchten. Aus diesem Grund eignet sich das Meze auch für Fallbeispielstudien zu Kommunikationsstörungen.

Meze
Raumerstr. 7, 10437 Berlin
030/417 15 147

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Esquina

Für viele Zugezogene hält Berlin seinen sehr eigenen Charme parat, der vordergründig als schroff oder gar unhöflich interpretiert werden kann. Der Alteingesessene hingegen erlebt die „neue westdeutsche Freundlichkeit“ mit dem Ami-Lächeln, der man dank der ebenfalls zugezogenen Neu-Berliner Bedienungen nur allzuoft beim Frühstücken begegnet, als verstörend.

Man wird also meistens hinreichend nett empfangen in Berlin, zumindest wenn man sich nicht als meckernder, dauerschlechtgelaunter Gast outet. Freundliche Bedienung ist – entgegen anderslautender Vorurteile – durchaus Standard in der ehemaligen Mauerstadt. Was uns aber im Esquina entgegenschlug, war gradezu Herzenswärme und Frohsinn plus original Berliner Charme: „Lust uff Kaffe?“

Ein Blick auf die Speisekarte überraschte auch positiv: Es gibt ja so Frühstücke, die sich zwar prima auf der Karte lesen, aber niemals von jemandem bestellt werden, etwa ein „Bordsteinschwalbenfrühstück“, wo ein Whiskey und eine Zigarette[1] serviert werden. Oder Tomatenfrühstück. Solche neumodischen Karteileichen kamen uns[2] im Esquina[3] nicht unter die Augen. Und unter uns: Frühmorgens bleibt auch der leckerste Whiskey ein Ladenhüter.

Alten Traditionen folgend ordert 46halbe einen ausgesprochen gutschmeckenden und einladend aussehenden Latte macchiato (2,60 Euro). erdgeist ist eher einer von diesen Vieltrinkern, der immer möglichst große Abfüllungen an Flüssigem bestellt, diesmal eine Riesen-Apfelschorle (0,4 l für 2,90 Euro).

Es ist ja übrigens eine schlimme Krankheit, das mit dem Vieltrinken. Kann sich jemand erinnern, daß die Leute vor ein paar Jahren auch schon permanent mit Wasserflaschen oder sonstwie Trinkbarem am Hals durch die Gegend rannten? Wenn man heute mal an beliebigen Orten rumsitzt und Menschen beobachtet, so fällt auf, daß offenbar alle dem Trinkwahn verfallen sind. 46halbe glaubt ja fest, daß hier die Getränkemafia gemeinsam mit den Gesundheitsaposteln ganze Arbeit geleistet hat.

Riesenbrotkorb

Riesenbrotkorb: war dabei.

Da zur vollständigen Bewertung mindestens ein Standardfrühstück gehört, erdgeist aber doch eher Lust auf gesunde Eiweiße zur Abwehr der in Berlin umgehenden Influenza-Welle hatte, schlug 46halbe mit einem kleinen gemischten Frühstück zu. Keine Minute später landete ein Riesenbrotkorb auf unserem Tisch. Zwar waren die Brötchen geschmacklich nur so lala, dafür gab es aber mehrere Sorten zur Auswahl sowie ein paar echte Berliner Stullen. Nachdem wir kurz die Anzahl der Brötchen und Stullen durch die Anzahl der Frühstücker (2) dividiert hatten, mußten wir uns anstrengen, den Platz im Magen optimal auszunutzen.

Kleines gemischtes Frühstück

Kleines gemischtes Frühstück (3,90 Euro)

Das kleine gemischte Frühstück war ganz schön groß. Es gab Obst, Käse, Marmelade, Salatdeko, Butter und Nutella. Der Camembert, den 46halbe nicht goutierte, blieb am Ende allein zurück. Die verschiedenen Wurstsorten hatten allerdings entlarvende Packungsmuster, die wir als Beweis für die Nachwelt hier dokumentieren.

Packungsmuster

Entlarvende Packungsmuster

Das Ergebnis der Diskussion, inwiefern der kredenzte Aufschnitt frisch sein muß, endete in folgendem Konsens: Wir sind nicht allzu pingelig, denn für 3,90 Euro erwartet man schließlich keine frisch servierten Hummerschwänzchen. erdgeist bekam das Rührei mit Speck und zeigte sich ebenfalls zufrieden. Er bemerkte ein Detail, das auf aufmerksame Küchenarbeit hinwies: Es war Zitrone auf die Äpfel geträufelt, damit sie nicht vor den Augen des Gastes braun werden. Solch Nettigkeit erfreut den geneigten Restauranttester doch immer.

Rührei

Rührei mit Speck (3,50 Euro) plus 50 Cent für Extra-Speck

Zum Abschluß gab es noch zwei Espressi mit Leitungswasser (für je 1,50 Euro), die das Frühstück zu einer runden Sache machten. Da störte auch die seltsame Musik nicht mehr, die erdgeist an Absolventenjahrgangstreffen erinnerte, von denen er aber nicht sagen konnte, zu welchem Jahr sie gehören. Für zusammen nur 16.40 Euro waren wir pappesatt und froh.

Hingehen sollten alle, die nichts Außergewöhnliches am Morgen erwarten, aber ein solides Berliner Lokal mit bemerkenswertem Preis-Leistungs-Verhältnis und ohne Zweifel freundlicher Bedienung mögen.

Esquina
Danziger Straße 35
, Ecke Dunckerstraße
Telefon: 030 / 442 71 26
www.cafe-esquina.de

  1. Naja, Rauchen in Gaststätten ist ja ohnehin in Berlin mittlerweile nicht mehr erlaubt. []
  2. Diesmal Expertenfrühstück mit erdgeist und 46halbe. []
  3. Esquina: spanisch für Ecke. []

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Im Nu

Wenn es morgens in einem Café keinen Tisch mehr gibt, ist das erstmal ein gutes Zeichen. Wir[1] hatten aber Glück: Als wir eintrafen, packte gerade eine freundliche Frau ihre Sachen zusammen. Wir ergatterten also einen der begehrten Tische vorn am Fenster. Hinten sitzt es sich im Café Im Nu immer etwas ungemütlicher, es ist irgendwie zu dunkel für licht-affine Frühstückswillige, die gerade erst das Kuschelbett verlassen haben.

Wer es nicht weiß: „Im Nu“ ist eine Kaffeesurrogatextraktmarke der DDR, deren Geschmack wohl nur mit „urst geil“ gut beschrieben ist. Es gibt sie übrigens noch heute, mittlerweile auch in kapitalistischen Geschmacksrichtungen. Ich hab sie früher mit Vorliebe getrunken, heute neige ich nur noch dazu, wenn ich irgendwann am Tag das Gefühl habe, schon zuviel Koffein getrunken zu haben, aber dennoch Lust auf Kaffeeartiges verspüre. Definitiv war heute nicht so ein Tag, ich orderte den üblichen Latte Macchiato für 3,10 Euro.

Da ich den Preis in meiner morgendlichen Koffeingier zunächst nicht beachtete, kann ich nur im Nachhinein feststellen, daß dies zu teuer für das Gebotene war. Ein Blick in die Speisekarte zeigte eine breite Auswahl: Bagels, Rühreier verschiedener Art, Frühstücksteller. Martin entschied sich ohne viel Federlesen für ein Rührei mit Kräuter-Feta.

Rührei mit Kräuter-Feta

Rührei mit Kräuter-Feta 4 €

Er zeigte sich angetan vom Geschmack und beschrieb das Rührei als „ganz hervorragend“, fand aber die Menge nicht angemessen, eher was für Halbstarke. Auch die beiliegende Tomatendeko war nach seiner Auskunft nicht allzu geschmacksintensiv. Da er aber mit einem ausgesprochenen Gutmenschen in Sachen Frühstück tafelte, mußte er nicht hungrig bleiben: Bei mir ist immer was übrig.

Obst-Frühstück

Obst-Frühstück: 4,20 €

Nicht etwa aß Martin mir mein Obst-Frühstück weg, wir konnten uns aber einen üppigen Brotkorb, der dazu serviert wurde, teilen. Die Brötchen und das Brot waren frisch, das Obst selbstverständlich auch. Etwas Joghurt war auch dabei: Ich war hochzufrieden.

Wir hatten uns eine Weile nicht gesehen, so saßen wir sicher noch ein Stündchen nach dem Essen beisammen und tauschten Neuigkeiten aus. Dabei wurde noch der eine oder andere Cappuccino (1,90 Euro) bestellt. Nach dem Genuß mehrerer Tassen bemerkte Martin, daß der Cappuccino zu milchig ist. Statt nur Milchschaum obendrauf, war nämlich die Milch bereits drin. Nunja, vielleicht war es auch einfach Zeit, sich ans Tageswerk zu machen.

Hingehen sollten alle, die eine große Auswahl mögen, zuvorkommend und sehr freundlich bedient werden möchten, nicht eben den Riesenhunger haben und bequeme rote Sofas zu schätzen wissen.

Im Nu
Lychener Straße 41, 10437 Berlin
Die Bar des Im Nu

  1. Erstmaliges Frühstücksbloggen von Martin und 46halbe. Das mit dem Fotos auch in scharf müssen wir noch üben, Verzeihung bitte. []

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Hüftengold

Wir waren an einem Ort, den es eigentlich nicht gibt! Zumindest was den Namen angeht. Denn laut Wikipedia handelt es sich bei dem Wort „Hüftengold“ um eine „private Wortbildung“. Trotzdem war der Ort sehr sympathisch. Aber der Reihe nach.

Das Motto von Hüftengold ist „Mit Liebe gemacht“, und das meinen die auch so. Das beginnt schon bei den Tischen, die draußen auf der Strasse inmitten von Grünzeug stehen und den Charme von Großelterngartenmöbeln haben[1]. Außer einigen kaum störenden, ab und an vorbeifahrenden Dosentreibern und einem Feuerwehrauto sitzt man dort in der Oderberger Straße ruhig und gemütlich.

Auf dem Tisch stand ein leicht beschädigtes altertümliches Zuckerdöschen, das man so nur noch bei Oma findet. Da wünscht man sich doch glatt den imaginären Datenhandschuh zurück, damit der geneigte Leser ihn virtuell ergreifen könnte. Dazu lag eine schrill-pinkfarbene Hello-Kitty-Karte auf dem Tisch.

Es gab nur eine Kellnerin[2], die ausgesprochen nett und zuvorkommend war. Der Latte macchiato stand schon noch zwei Minuten auf dem Tisch – wie es sich gehört mit einem Leitungswasser dazu.

„Von allem Etwas“ (8,70 €)

46halbe entschied sich für das Frühstück „Von allem Etwas“ mit einer unnachahmlichen „Power-Energie-Fruchtschorle“, die nicht nur Energie und Sexappeal für den ganzen Tag gab, sondern auch noch im Preis inklusive war. Das Frühstück war ein bißchen langweilig, ob wohl Minze auf den Toastscheiben lag – 46halbe war nicht unzufrieden.

Vermutlich war es die familiäre Atmosphäre, die Jeck dazu bewog, nach Jahren der Abstinenz mal wieder eine Ovomaltine zu versuchen. Die war sehr lecker[3], aber da kann man ja auch kaum was falsch machen.

Zur Ovomaltine bestellte sich Jeck ein „Ipanema in the Morning“. Wie die Besitzerin des Hüftengold auf die Namen für die Frühstücke kam, konnten wir auch nach längerer Debatte nicht nachvollziehen. Aber es klingt allemal besser als „Gemischtes Frühstück“.

„Ipanema in the Morning“ (5,00 €)

Ipanema ist übrigens ein Ort der Reichen und Schönen in Rio, entsprechend als Frühstück für Jeck vollkommen angemessen. Allerdings korrespondierte die Butterarmut, die wir nun schon mehrfach beklagt haben, nicht mit dem Image des Frühstücks.

Später, als wir schon satt und zufrieden waren, sind wir wegen aufziehender Kälte in das Innere des Hüftengold[4] umgezogen. Und während wir noch rätselten, mit welchem Heißgetränk wir uns wieder aufwärmen könnten, passierte das Unglaubliche.

Mit den Worten „Damit euch wieder warm wird“, wurde uns frischer Pfefferminztee[5] serviert. Daran haben wir uns dann noch ein gutes Stündchen festgehalten. Der Tee war nicht nur lecker, sondern machte sich auf der Rechnung positiv durch Abwesenheit bemerkbar.

Verschwörungstheoretiker aufgepaßt: Wir haben uns natürlich schon gefragt, ob uns entweder Drogen verabreicht wurden oder uns vielleicht unser Ruf als Gourmetkritiker vorausgeeilt ist und der Tee unser erstes Bestechungsgetränk war. Der FiB-Ausschuss zur Wahrung der Wahrheit ist allerdings zu dem Schluß gekommen, daß es sich dabei um einen Akt der Nächstenliebe handelte, für den wir sehr dankbar sind.

In das kleine gemütliche Lokal sollten alle gehen, die Zeit für einen gemütlichen Morgen und natürlich keine Angst vor Hüftengold haben.

Hüftengold, Oderberger Str. 27, 10435 Berlin
Telefon: 030 / 41 71 45 00

Im Podcast erfahrt ihr etwas über eine der elementarsten Weisheiten der Welt und den Musikgeschmack von Herrn Pixelbrei.

  1. Ja, das ist als Kompliment gemeint []
  2. Es schien, sie hatte auch das Frühstück gemacht und wirkte entgegen den Gepflogenheiten in Berlin wie eine Festangestellte. Oder war es sogar die Besitzerin? []
  3. Genau wie früher! []
  4. Pictures in your Head! []
  5. Frisch, wie in „frische Blätter“. []

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Eckstein

Es gibt Klassiker, bei denen kommt man gar nicht darauf, noch extra Worte zu verlieren: Frühstück in der eigenen Küche zum Beispiel oder Picknick im Park. Das Eckstein im Prenzlauer Berg ist so ein Stück Frühstücksgeschichte. Seit das ehemalige Kolonialwarengeschäft vor fast fünfzehn Jahren zur Bar umgebaut wurde, hat es viele Morgen vor dem gefährlichen Vakuum im Kühlschrank gerettet. Dieses Mal jedoch muß es sich der kritischen Betrachtung (und gerade wegen des Heimvorteils einer besonders kritischen Betrachtung) unterziehen lassen.

Das Eckstein befindet sich an der Ecke Raumerstraße/Pappelallee. Draußen gibt es Klapptische mit Bierbänken, aber auch eine Hollywoodschaukel – die Verkehrsgeräusche sind erträglich, dank aufgemotzten Mopeds sogar eher dörflich. Im Inneren gibt es ein paar nicht zu dicht gestellte Tische vor der Bar und zwei betischte Emporen – eine davon jedoch wegen der dort befindlichen Küche eher zugig. Besonderes Feature des Ecksteins sind Rühreier, Smoothies und Pancakes.

Innenansicht mit Empore: kostenlos

An dem sonnigen Morgen war das Restaurant gut gefüllt und unser Tisch füllte sich etappenweise. Die daraus resultierende asynchrone Bestellweise verkraftete das zuvorkommende und gutgelaunte Personal mit Latte-Zubereitungszeiten von bis zu unter zwei Minuten[1] ausreichend gut – ähnlich wie die zugegeben blöden Witze eines der Tester. Die Meßgruppe war mit zwei verkaterten Fleischessern und zwei nicht-verkaterten Vegetariern gut gestreut – eine Placebo-Kontrollgruppe gab es jedoch nicht. Der große Latte macchiato kostete 2,60 Euro, ein extra-Shot Espresso fünfzig Cent. Zur preislichen Orientierung: Französisches Frühstück kostet 4,20 Euro, und als besonderes Extra für den Schmierfaulen gibt es zwei fertig belegte Bemmen als „Berliner Frühstück“.

Der Latte macchiato war durchschnittlich lecker, für den Kaffee konnte hannes – Koffeinjunky und ausgewiesener Kaffeeexperte – jedoch nur das vernichtende Urteil „man braucht Zucker“ vergeben. Sill genehmigte sich einen Himbeersmoothie mit Apfelsaft für 3,20 Euro und war sichtlich angetan. franks Wahl fiel auf das Skandinavische Frühstück, hannes und sill wählten beide das Kanadische Frühstück, während erdgeist seiner Tradition treu ein gemischtes Frühstück – hier „Allerweltsfrühstück“ – bestellte.

Skandinavisches Frühstück: 6,50 €

Das Skandinavische Frühstück hielt einen laut frank „amtlichen Haufen“ Lachs bereit und kam mit Shrimpsrührei, Gemüse, Salat, Butter sowie in je einem Töpfchen Avocadocreme, Dijonsenf und Meerrettich. Während frank vom Rührei durchweg begeistert war, lockte ihm die lasche Avocadocreme nur ein Gähnen hervor, das von der in vegetarischen Ausbildungslagern trainierten sill auch bestätigt wurde.

Kanadisches Frühstück: 5,50 €

Ein Kanadisches Frühstück besteht im Eckstein aus zwei Pancakes. Hannes wählte der Abwechslung wegen neben dem üblichen Blaubeer- ein Bananenpancake. Dazu gibt es Ahornsirup und Dekorobst. Die Blaubeerpancakes sind nach sills Aussage die Referenzdarreichung in Berlin. hannes hätte quantitativ ein wenig mehr für den Preis und seinen Hunger begrüßt – mußte aber nach dem Verzehr zugeben, daß diese nur scheinbar unscheinbar aussahen, es aber doch ganz schön in sich hatten.

Da wir aus früheren Fehlern gelernt und die erste sich bietende Wespe frühzeitig kalt- und zur Warnung im Fenster ausgestellt hatten, stellte das Essen der Pancakes keine entomologische Herausforderung dar. Es soll lobend erwähnt werden, daß sich die Speisekarte zum Wespenjagen eignet.

Allerweltsfrühstück: 5,60 €

Das Allerweltsfrühstück wartete mit vier frischen Wurstsorten, zwei Lagen Lachs, Gorgonzola, Camembert, Käsescheiben in drei Sorten, Marmelade satt, einem Ei, Obstsalat, selbstgemachtem Kräuterquark, Dekorobst und Tomaten auf. Kurzum: Sehr reichlich und nichts aus der Packung. Da es keinen Eierlöffel gab, mußte das offensichtlich nicht korrekt abgeschreckte Ei händisch geöffnet werden und lief prompt über unseren Notizen aus. Den Grund für das wäßrige Ei vermuten wir irgendwo um das Konzept „Vorkochen“.

Der zu den Selberschmier-Frühstücken gereichte Brotkorb beinhaltete sehr leckere, frische Ostschrippen und delikates Vollkornbrot. Alles in allem ist das Allerweltsfrühstück eines der bestausgestattetsten gemischten Frühstücke in der Gegend. Der Teller war spannend, aber leider nicht zu schaffen. Auch Salatkopf-Care-Pakete an den noch nicht vollständig gesättigten hannes führten nicht zur erhofften Abnahme des Essensbergs.

Hingehen sollten alle mit und ohne Kater, die Frühstück satt und dabei von 14 Jahren Erfahrung am Kunden profitieren wollen, keine Mittepack-Allergie haben und kein Internet beim Frühstück brauchen.

Eckstein
Pappelallee 73
, 10437 Berlin
Telefon: 030 / 441 99 60

Eckstein

  1. Da sein erster Kaffee „gefühlte zehn Minuten gedauert“ hat, besteht hannes darauf, die Durchschnittszeit mit fünf Minuten anzugeben. []

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