Gagarin

Wenn es zwar noch winterlich ist, aber der Frühling im weitesten Sinne schon absehbar, lohnt es sich, potentiell zu lobende Frühstückslokale abzuklopfen. Wir[1] fanden uns daher diesmal direkt am Wasserturm in Prenzlauer Berg im „Gagarin“ ein, denn es empfiehlt sich bei besserem Wetter zum Draußensitzen. Man erwartet in der Gentrifizierungsgegend zwar den typischen Geck oder Gimpel am Nebentisch, vormittags war es aber überraschend leer in dem abends auch als Bar betriebenen Lokal.

Die Karte begrüßt den Gast mit einer veritablen Publikumsbeschimpfung, die vor dem sagenumwobenen „russischen Service“ warnt. Wir dürfen jedoch entwarnen: Der Kellner war überaus nett und nebenbei auffallend attraktiv. Die Karte enthielt auch den Hinweis auf das sonntägliche Brunch-Büfett, den wir geneigten Lesern nicht vorenthalten wollen. Denn für zehn Euro bekommt man russische Spezialitäten kredenzt, die wir aber mangels Test nicht bewerten können. Wir werden das Gagarin sonntags eher meiden, Büfetts sind unsere Sache nicht.

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Die Speisekarte des Gagarin. Auch wer kein Kyrillisch lesen kann, wird wohl ahnen, wer dort abgebildet ist.

Während beim Brüten über der Karte das große Rätselraten wieder begann, welches Frühstück nun den perfekten Morgen machen könnte, fiel die Dekoration des Gagarin ins Auge: lauter Bilder russischer und sowjetischer Führer, dazu Weltraumbilder. Aufmerksam registrierten unsere Hintern derweil das angenehm bequeme Sitzsofa, das wir in der Ecke neben der Bar ausgesucht hatten, als auch schon der erste Latte macchiato kam:

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Latte macchiato: 2,70 €.

erdgeist wählte, wie meistens, die Variante mit doppeltem Espresso, für die er immerhin 3,90 € löhnen mußte. Auch eine andere Tradition setzte er fort: Er wählte der besseren Objektivierbarkeit wegen das Frühstück, das einem gemischten Frühstück nahekommt. Im Gagarin heißt das „Belka & Strelka“.

Wer sich nun fragt, wer oder was Belka („Eichhörnchen“) und Strelka („kleiner Pfeil“) sind, dem sei eine Netzsuche empfohlen, denn es gibt großartige Geschichten über sie. Es waren zwei streunende Moskauer Hunde, die zu Weltraumhunden wurden, die in den 50ern und 60ern Orbitalflüge absolvierten und überlebten. Eines von Strelkas danach zur Welt gekommenen Hundebabies mit dem Namen Pushinka wurde von den Russen den Kindern John F. Kennedys geschenkt und soll eine amerikanische Hundedynastie mit Migrationshintergrund gegründet haben. Beide Kosmonautenhunde sind ausgestopft worden und heute in einem Museum zu sehen, gar ein erfolgreicher Trickfilm wurde letztes Jahr über sie gemacht, der im russischen Kino lief.

belka+strelka

Frühstück Belka & Strelka: 6,90 €.

Das Frühstück konnte im Gegensatz zu den Anekdoten über die Hunde allerdings nicht viel Freude machen. Gerade im Vergleich zu den typischen gemischten Frühstücken, die erdgeist regelmäßig konsumiert, muß man es unterdurchschnittlich nennen. Es fehlte an frischen Zutaten, denn abgesehen vom Obst blieb es fad. erdgeist bereute, daß er nicht beispielsweise Quark zusätzlich bestellt hatte, das hätte die langweilige Zusammenstellung deutlich aufgewertet.

sputnik

Frühstück Sputnik für 3,50 €.

Da man auch ein ganz kleines Frühstück ordern konnte, bestellte 46halbe „Sputnik“, da ihr Hunger nur so mittelprächtig war. Es stellte sich irgendwie grad als das heraus, wonach ihr der Sinn gestanden hatte. Nur das Ei wählte sie ab, bekam ohne Preisaufschlag stattdessen den gewünschten Frischkäse. Ein wenig Obst lag anbei: Mango, Erdbeere und Melone. Mit etwas Honig und Schwarze-Johannisbeer-Marmelade dazu war es perfekt.

Hingehen sollten alle, die in angenehmer Atmosphäre und vollkommen unprätentiös frühstücken und dabei in alten russischen Lehrbüchern ihre Sprachkenntnisse auffrischen möchten, aber kein Gabelfrühstück erwarten.

Gagarin
Knaackstraße 22, 10405 Berlin
Tel. (030) 442 88 07
Webseite

  1. Diesmal waren 46halbe und erdgeist als wie immer objektive Tester unterwegs. []

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Filed under À la carte, Prenzlauer Berg

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